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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 04.02.1900
- Erscheinungsdatum
- 1900-02-04
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-190002043
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-19000204
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-19000204
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-02
- Tag 1900-02-04
-
Monat
1900-02
-
Jahr
1900
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 04.02.1900
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Aber «alle-, waS recht ist": die Haltung der englischen Volksvertretung ist respektabel, die Art, wie man da» Aushalten in schwierigster Lage als selbstverständlich behandelt, zwingt Achtung ab. WaS die gouvernementale Mehrheit sagt, sällt für die Beurtheilung weniger ins Gewicht — viele dieser Leute kämpfen um die Erhaltung der Früchte persönlicher Sünden —, aber wenn man von den Reden der Opposition die bekannten Schimpfkrusten ablöst, so findet man, daß rechts und links nur eine Meinung herrscht: „Wir halten aus." Es sollen zwischen Frankreich und dem Böhmerwald Leute sitzen, die sich an diesen Beweisen nationaler Disciplin ein Beispiel nehmen könnten. Während es im englischen Parlamente gewittert, ohne einzuschlagen, hat in unserem Reichstage der Tbeaterzorn der puren AgitatiouSparteien in diesen Tagen kein Halbwegs ein schüchterndes Wort zu finden gewußt. Tie Socialdemokraten und die Freisinnigen haben bei den Etatsberathungen niemals Siege errungen, diesmal glückte aber nicht einmal die manch mal vortheilhaft gewesene Taktik, den Gegner zu ermüden. Tie Verhandlungen sind noch langwierig genug, aber bei Weitem kürzer als seit Jahren. Das uuroppositio- nelle Salz scheint taub geworden. Insbesondere der Streit um die Rechte von Postbeamten, die diesen nicht nach ihrer Ansicht, aber nach der Meinung der Volkspartei und der Socialdemokratie zustehen, bat mit einem vollen Siege der Verwaltung geendet, der eine erdrückend große Mehrheit des Reichstags zur Seite stand. Und eS schien, als ob sich die Herren Singer und Müller- Sagan bewußt gewesen wären, einen aussichtslosen Kampf um Wahlstimmen der Postbeamten zu kämpfen. Die Aktien der beiden Gesellschaften für Erregung von Unzufriedenheit sind offenbar im Sinken begriffen, sintemalen zwar diefen Parteien, aber nicht den von ihnen Protegirten die Unzufriedenheit Selbst zweck ist. Der gewöhnliche Mensch, der nicht von der Politik lebt, will — die Socialdemokratie beginnt dies auch bei den Arbeitern zu verspüren — schließlich auch einmal Späne von den Balken cinheimseu, auf die ihre bestellten Holzhauer un aufhörlich mit laut dröhnenden Beilbieben einhanen. Er findet aber allmählich, daß bei der Arbeit der unter affec- tirtem Mnskclspiel bewegten Arme der Socialdemokraten und der Freisinnigen nichts abfällt und daß daS für ihn Erreichte, das er nicht mehr verachten mag, durch die Regierung und die nichtdemokratischen Parteien inS Werk gesetzt worden ist. Schließlich lesen die Postbeamten und die Arbeiter auch Zeitungen und daraus erfahren sie z. B., daß die Frei sinnigen, denen im preußischen Landtage keine Gehalts erhöhung für die Lehrer hoch genug war, in Berlin, wo sie die Herren sind, aufs Aergste bei der Besoldung der Lehrer geknausert haben. Die Socialdemokratie hat, auch abgesehen von den bekannten pikanten Vorkommnissen an der ReichlbumS- qnelle des Herrn Singer, Aehnliches auf dem Kerbholze. Wenn z.B. die Lagerhalter der socialdemokratischen Eonsumvereine in Sachsen jetzt auskömmlich gestellt fein sollten, so hätten sie das lediglich der bürgerlichen Presse zn verdanken, der die,ihnen von den anticapitalistischen Hohenpriestern angethane Behand lung lange Zeit als Vergleichspunkt zwischen socialdemokra tischen Reden und Thaten dienen konnte. Daß die parlamen tarische Socialdemokratie an ihrem Sicherheitsgefühl Ein buße erlitten, beweist die Thatsache, daß sie das Instrument der Anzweiflung der Beschlußfäbigkeit des Reichstags so gut wie gar nicht mehr handhabt. Man fürchtet offen bar, daß die Anhänger unwirsch werden könnten, wenn dann weiterhin Reden, Reden und nichts als Reden geleistet würden — eine Besorgniß übrigens, von der die agrarischen Nur agitatoren im preußischen Abge ordn et en Hause ebenfalls gequält werde». Auch da wickeln sich die Verhandlungen rascher und vor allen Dingen rubiger ab als sonst. Freilich, daS politische Interesse wird fast vollständig auf gesogen von der Flvttenangelegenheit, über die der Reichstag am Donnerstag in Verhandlung zu treten gedenkt. Der lange Aufschub soll mit der bedauerlichen Erkrankung des Führers der EentrumSpartei, bei der die Entscheidung liegt, Zusammenhängen. In diesem Stadium, unmittelbar bevor der Reichstag daS erste Wort redet, bat die Presse und die sonstige Agitation nichts zu sagen. Aber die Verhand lungen werden sich lange hinziehcn und die Propaganda im Lande wird, auch wenn eine Auslösung deS Reichstages sich als unnöthig erweist, noch schwere Arbeit haben. Aus diesem Grunde scheint cS nicht unangebracht, jetzt, also noch rechtzeitig, dem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß bei der Agitation für die Flottenverstärkung die nationalen Parteien bisher künstlich beiseite geschoben worden sind und eine sozusagen behördliche Initiative sich an die Stelle von deren alt bewährter Wirksamkeit gesetzt hat. Der Flottenverein trägt auch nach der Purisicalion, die er in seinem Schooße vorgenommen, den Stempel der Osficiellen an sich und ist vermöge dieses seines EbarakterS dazu vernrthcilt geblieben, Ungeschicklichkeiten vertreten zu müssen, wie deren eine eben wieder der marinefeindlichen Presse zu großer Genugthuung gereicht. Wenn die Sache, wie man hoffen und glauben darf, gut geht, so sollen sich diejenigen Anwälte der Flottenverstärkung, die ohne Beruf berufen worden sind, nur nicht einbilden, daß sie nützlich gewirkt hätten. Man würde ihnen dann nur zugestehen dürfen, daß sie nicht im Stande gewesen, daS Gewicht, daS die Flottensrage in sich selbst trug, zn erschüttern. Dieses Gewicht lastet centnerschwer auf den Schullern der Führer der bürgerlichen Demokraten. Blickt man auf diese, die im Parlamente freilich mit unbewaffnetem Auge kaum wahrzunehmen sind, so geräth mau in Versuchung, die derzeitigen guten Aussichten der Flottenvorlage im Reichstage zu beklagen. Denn Marinewahlen — und die „Volks partei" in beiderlei Gestalten ist auS der Volks vertretung eliminirt. Da» weiß man in Stuttgart wie in der Redaction der „Freisinnigen Zeitung". Herr Richter und Herr Haußmann hegen keinen heißeren Wunsch, als daß der Reichstag, nachdem er von jedem der beiden Tribunen eine fulminante Rede dagegen gehört, die Flottenvorlage mit Haut und Haaren verschlucken möge. Die ZeitungSmeldung, daß der Abg. Schmidt-Elberfeld, ein FractionSuntergebener Richter's, Centrums Mitgliedern gut zugeredet habe, für die Flottenvorlage, der „er ja nicht zustimmen könne", einzutreten, ist unwidersprochen geblieben. Mindestens ist sie gut erfunden. Wir wissen zufällig, daß ein Mitglied der Neichstazssraction der freisinnigen Volkspartei einem Mit glied? der NeichStagsfraction der freisinnigen Bereinigung ge sagt hat: „Wenn Sie gegen die Flottenvorlage stimmen, so werden Sie nicht wiedergewählt." Der Abgeordnete vom rechten Freisinn denkt nicht daran, mit „Nein" zu votiren, aber der vom linken wollte in seiner Angst, mit einer Mehr heit zu stimmen, „ein klebriges thun". So ist die Stimmung in der freisinnigen Volkspartei. Der süddeutschen wirb soeben von CentrumSblättern in Erinnerung gebracht, daß sie fick schon bei der Abstimmung über daS bestehende Flottenzesetz „gedrückt" habe. Dem Berliner Freisinn versagt der letzte Hort, der bei den Armee wahlen von 1893 noch Dienste that: die Pariser Muhme des Herrn Langerbans. Die Dame ist unter dem Einflüsse der in ihrem Aufenthaltsorte herrschenden englandfeindlichcn Stimmung für eine deutsche Flottenverstärkuug begeistert und in London bat Herr LangerhanS keine Tante. So sind die in Berlin lebenden alten Damen der Partei Waldeck'S und Hoverbeck'S ganz auf sich selbst angewiesen, und daS ist betrübsam. Bevor er an die Flottenfrage herangeht, will der Reichs tag die icrx Heinze in zweiter Berathung erledigen. Der unselige Stern, der über dieser Action zu Anbeginn auf gegangen, leuchtet Heller als je. Was in der verflossenen Woche Unschädliches beschlossen — die Erörterung gehört nicht in eine Tageszeitung —, ist eben auch nur unschädlich. Nutzen erwartet kein erfahrener Criminal- nnb Polizeimann davon; man kann im besten Falle von „AnstaudS- depensen" der Gesetzgebung reden. Ein weiterer Beschluß bat der Negierung triftigen Grund zu der Erklärung gegeben, daß seine Wiederholung in dritter, endgütigcr Lesung das ganze Gesetz zum Scheitern bringen würde. Auch in diesen Gegenstand sich zu vertiefen, ist einem Jedermann leicht zugänglichen Tagesorganc nicht verstärket. WaS aber an dieser Stelle gesagt werden darf, ist die unumstößliche Wahrheit. Dec Beschluß des Reichstags schützt nicht die weibliche Unschuld, wie das bestehende Gesetz wenigstens will, er liefert nur deni Handel mit erheuchelter Unschuld und Unerfahrenheit zur Erpressung und Verfolgung geeignete Waffen. Er ist ein Erzeugniß moralisirender — nicht moralischer — Welt fremdbeit, im klebrigen aber gar nicht unerwünscht, denn was über die Einzwängnng von Kunst und Literatur höchst wahrscheinlich noch beschlossen werden wird, dürfte auf energischen Widerstand der leitenden Kreise, wenigstens Berlins, nicht stoßen. Der jüngste Brief des Oberhofmarschalls v. Mirbach eröffnet nach dieser Richtung eine sehr wenig er freuliche Perspective. Deshalb setzen wir die Hoffnung auf die zu letzt erwähnte, ber-its beschlossene Bestimmung,der dieNegierung so wenig beitreten kann, wie dem sog. Arbeiterparagraphen, der gleicherweise ein Erpressungsinstrument werden würde. Englische und deutsche Lahnbauten in China. Nachdruck verboten. Unser stüwoiger Herr Mitarbeiter in Peking schreibt uns vom 18. December: Die von dem englischen Ingenieur Moreing projectirte Alexandria-Shanghai-Bahn würde bei Kunlon Ferry die chine sische Grenze überschreiten, sodann durch die Provinzen Aünnau und Szechuan nach dem ?) a n g tz e - Sl r om und diesen entlang nach Shanghai gehen. Dieses Project hat für Deutsch land von mehr als einem Gesichtspuncte Interesse. Der west liche, durch Egypten, Arabien und Persien führende Theil einer «derartigen alienglrschen Bahn würde eine gefährliche Kon kurrenz der mit deutschen Gelve gebauten kleinasia- Irschen Bahnen und der zukünftigen Bagdad-Bahn werden. Würden dagegen Vie Engländer auf den Ban des west lichen Thsils verzichten und erst von Bassora aus im Anschluß an die Bagdad-Bahn das Project Moreing's zur Ausführung bringen, so würde durch diese Verlängerung bis nach Indien und China hinein die Bagdad-Bahn bedeutend an Rentabilität gewinnen. Es fragt sich nur, ob die Bahn von Birma nach dem Uangtze je gebaut werden wird. Das Project einer Eisenbahnverbindung zwischen den beiden großen Wasserstraßen des Jrawadüy und des Z) angtzc tauchte zuerst im Jahre 1881 auf und ist trotz der auf 300 Mill. Mark berechneten Kosten nie gang von der Tagesordnung ver schwunden. Durch die seit einiger Zeit von den Franzosen be wiesene größere Thätigkeit, die auch ihrerseits mit dem Plan einer Bahn nach Mnnanfu und dem Uanytze-Thai, von der tonkine fischen Grenz« aus, hervorgetreten sind, hat die Agitation für die englische Bahn von Birma aus einen neuen Anstoß erhalten. Auf Anweisung seiner Regirrung erwirkte der englische Gesandte im Jahre 1898 von China das Recht, die be reits vor mehreren Fahren begonnene Eisenbahn von Rangoon über Mandalay nach Kunlon Ferry, in chinesisches Gebiet, zu verlängern. Ueber die Trace, die dieser Verlängerung gegeben werden sollte, war man sich bisher nicht einig; durch die in diesem Fahr« vorgenommene Bereisung soll sich nun angeblich eine praktikable Route gefunden haben, die über den Ort Aunchao nach dem Mekong, dann durch Eüdwest-Mnnan nach der Haupt stadt dieser Provinz, von dort nach Luchao vom Uangtzr und weiter nach Chunking führt. Es darf aber als ziemlich sicher an genommen werden, daß die englisch« Regierung sich nicht darauf einlassen werde, den Bau der Bahn oder auch nur die Verzinsung 'des aufgewandten Lapitals zu übernehmen. Noch weniger dürfte aber bei der jetzigen von englischen Finanziers gezeigten Ab neigung gegen Anlagen in chinesischen Eisenbahn- und Minen- werthen daraus gerechnet werden tonnen, daß sich Privatcapital dafür finde. Denn es wäre wunderbar, wenn der Birma- Aangtze-Bahn der Vorzug gegeben würde vor der Eisenbahn Shanghai-Nanking, die doch für die Stärkung deS englisch«» Einflusses von unglsich größerer'Bedeutung sein würde und der allgemein eine gute Verzinsung vorausgesagt wird, a n die aber trotzdem die englischen Syndicate nicht heranwollen. Auch für die übrigen an englische Speku lanten vergebenen Eisenbahn-'Cioncessionen, nämlich die Linien Kowloon (Hongkong), Canton, Nanking, Sin-Yang, Chinkiang- Jchawfu (die südliche Theilstrecke der Tientfin-Chintiang-Eisen- bahn) scheinen sich toi ne Gelder zu finden. Somit reduciren sich die 2800 englischen Meilen, di« nach Angabe der englischen Regie rung von englischen Lammissionären gebaut werden sollen, auf ein sehr bescheiden « s Maß, es bleibt nur die mir eng lischem Gelde von der chinesischen Regierung construirte Ver längerung der Tientsin-Shanhaikuan- Bahn nach Muchwang übrig. Von dieser ist vor Kurzem die 113 englische Meilen lange Theilstrecke Thanhaikuan-Chinchow dem Verkehr übergeben worden, die ganze Linie bis Niuchwang soll in einigen Monaten fertig sein. Von den Eisenbahnen in Thaniung, für die Deutsch land das Baurecht erworben hat, ist, nachdem die Frage des Grunderwerbs befriedigend geregelt ist, zunächst die Linie von Tsingtau uach der Provinz-Haupt st adt Tisinaufu en Angriff genommen worden. Die Erdarbeiten haben im September begonnen, ein Theil des Bau- und Betriebsmaterials ist schon gelandet, im Mai nächsten Jahres soll die Strecke bis zur Stadt Kiauischau fertig sein. Ferner werden gerade jetzt im Auftrage der Deutsch- Asiatischen Bank ivi« Vorarbeiten für den nördlichen Theil der von Tientsin nach Chinkiang zu erbauenden Bahn vorgenommen. Der Rentabilität dieser Bahn, die in dem mit deutschem Material und Capital zu erbauenden nördlichen Theil durch dichtbevölkerte, mit Indigo, Reis, Mais, Weizen u. s. w. bebaute Gegenden geht und so wichtige Handelscentren wie Tiensin und Tsinanfu verbindet, kann ein sehr günstiges Prvgnostikon ge stellt werden. Dieses stützt sich auf die selbst sanguinische Er wartungen übersteigenden finanziellen Ergebnisse, welche die er öffnet« Theilstrecke der Hankow-Peling-Eifenbahn (von Peking vis Paotingfu) aufzuweisen hat. Die deutschen Interessenten sollten sich daher von der Abneigung der englischen Finanzkreise gegen Gelsanlagen in chinesischen Eisenbahn- und Mnenwerthen nicht beeinflussen lassen, sondern unter allen Ilmständen den schleunigen Bau der Strecke Tentsin-Tsinanfu in die Hand nehmen. Durch den Anschluß dieser Bahn an die Tsingtar- Tsinansu-Liiiie würde eine Schienen-Verbindung zwischen Tientsin und Peking einerseits und unserem Pachtgebiet andererseits geschaffen, die in Folge der stets schlechter werdenden Hafenverhältnisse von Tientsin einen großen Theil des jetzt über letzteren Ort gehenden Verkehrs an sich ziehen und dadurch viel zur Weiterentwickelung von KiaUtschau beitragen würde. So kann der Unterschied zwischen englischen und deutschen Bahn bauten in China dahin prcäsirt «verden, daß die Engländer groß <in Project en sind, die sie aber dann fallen lassen, während die Deutschen durchführen, was sie sich vor nehmen. Der Krieg in Südafrika. Auf dem Kriegsschauplatz« in Natal herrscht die Ruhe vor dem Sturme. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß Buller nunmehr die Entsetzung Ladysmiths von Osten aus versuchen will und daß er eine Umgehung des linken Flügels der Beeren plant. Diese Meldung stammt aus Brüssel, eine andere des „Morning Leader" läßt Buller von Süden ber gegen die Stellung deö Feindes loSgeben und behauptet, daß die Befehle auf einen Vormarsch spätestens heute Sonnabend Morgen lauten. Inwieweit diese Nach richten richtig sind, das läßt sich nicht controlircn, aber ans der bereits in einem Theile der Auflage der Sonnabend- Abendnuninier abgedrucktenDepesche geht hervor, daßdie Boeren auf ein UingehungSmanöver Buller'S vorbereitet sind. Sie fahren Geschütze auf, welche die von Nondweni nach Vrybeid führende Straße beherrschen. Längs der Straße sind zahl reiche von Ladysmith und Dundee herübergezogene Boeren, die einem britischen Vormarsch durch Zululand, der erwartet wird, entgegentreten sollen. Wir können also in den nächsten Tagen wieder auf entscheidende Schritte rechnen. In Pretoria hat man Kaiser Wilhelm'S Ge burtstag ossiciell gefeiert. Die Forts feuerten Salutschüsse ab und Präsident Krüger, wie auch die Consuln, dielten osficiellen Empfang. Es mag hier erwähnt sein, daß bei den beiden deutschen SanitätSabordnungen vom Rotben Kreuz in IacobSdaal und Springfontein Alles Wohl ist und ihre Thätigkeit allgemeine Anerkennung findet. — Hier möge gleich die Nachricht der „Times" vom 2. d. M. Platz finden, daß während der letzten zwei Tage in Lcuren<»'o Marques „über 100 Personen verdächtigen Aussehens" auf deutschen Dampfern eingetroffen sind. Unter ihnen befinden sich eine Anzahl von Lenken, die augenscheinlich Officiere sind, die Mehrheit aber besteht aus besitzlosen Abenteurern. ES sind 20 der Erstgenannten nach Pretoria abgereist. Ueber die englischen Kolonisten unter sich wird unS aus London, 2. Februar, geschrieben: Die dieSwöchitze außereuropäische Post und zwar die süd afrikanische wie die asiatische, ist, wie nicht selten, interesselos. E« klingt paradox, ist aber Tbatsacke, daß die Zeitungen des äußersten OstcnS, sowie diejenigen Hinterindiens und Austra liens uoendlich weit besser, eingehender und umfangreicher über denVoercnkneg unterrichtet sind,alS dieAnglo-Sntafrikanische» Zeitungen der Eapstadt, Natals und RbotesiaS, welche sast> garnichtS über den Krieg bringen, und da» Wenige bestellt I beinabe ausnahmslos aus von London gekommenen Depeschen. I Am eingehendsten beschäftigt sich die anglo-chinesische und japanische Presse mit dein Kriege, obwohl gerade diese für Kabeltelegramni« die allerhöchsten Preise zu zahlen bat, sie hilft sicb allerdings dadurch, daß die resp. Zeitungen sich zu einem gemeinsamen Bezüge der Depeschen zusammengethan haben. Eigenthümlicher Weise berrsckt dabei zwischen den englischen Colonisten arger Zwiespalt über den Krieg selbst und besonder» unter den anglo-japanischen Blättern ist ein heftiger Streit über di« mehr oder weniger patriotische resp.unpatriotischeHaltungeineStheilsdieserPreiseauSgehrochen. Die „Japan Daly Preß" und die „Japan Wcckly Mail" kritisiren heftig die „Japan Times" wegen ihrer unpalrio- tischen Haltung, weil dieselbe die gleichen Telegramme, wie jene unter „höhnischen Inschriften" wiedergiebt. So meldeten die „Japan Times" die Niederlage Methuen's unter der Kopfschrifl „Weshalb Methuen in splendider Ordnung zurückging", eine andere Kopflinie lautet: „Ueber- süllung in Pretoria, man sucht für 672 weitere Englische Quartier" und wieder eine andere: „Noch eine britische Niederlage, ein weiterer Gefaugenschub nach Pretoria" rc. Alles Interpretationen, welche die Preßcollegen der „Japan Timeß" aufs Höchste erbittern, aber doch wohl in Ueberein stimmung mit der Auffassung deren gleichfalls englischen Lesern stehen müssen. » . AuSblttkc. Aus Brüssel, dem Sitz der südafrikanischen Gesandtschaf:, wird geschrieben: Da der Krieg natürlich nicht ewig dauern kann und man schließlich auch in London zur Einsicht gelangen muß, daß die gegenwärtige Lag: in Südafrika auf die Dauer unhaltbar g: worden iß, so tritt die Frage, unter welchen Bedingungen die beiden Boerenrepubliken zum Frieden bereit wären, in den Vordergrund. Noch nach den ersten, größeren Siegen der ver einigten Boerenheere hätte England einen billigen Frieden habe» können. Die Präsidenten Krüger und Steijn hätten sich mil der völligen Anerkennung der Unabhängigkeit ihrer Staaten, dem stnius czuo in der Uitlanderfrage und einer angemessenen Kriegstostenentschädigung begnügt. Nach der Niederlage des Generals Wacren am Spionötop, der man hier ein« entscheioende Beveulung beilegt, hat sich aber die Stimmung in den maß gebenden Kreisen in Pretoria und Bloemfontein sehr geändert, Man ist dort jetzt des endlichen Sieges über die Engländer sicher und deshalb entschlossen, sich nicht, wie nach dem Siege am Majubabügel am 26. Februar 1881, mit einem Linsengerichte zu begnügen. Die Brüsseler Transvaalgesandtschaft hat von Pretoria aus keine osficiellen Miltheilungen über die Absichten der dortigen leitenden Staatsmänner erhalten. Trotzdem ist es sicher, daß England für den Frieden diesmal einen schweren Preis zu bezahlen haben wird. Die Transvaal-Republik und der Oranjefreistaat werden nicht blos die volle Unabhängigkeit und Selbstständigkeit fordern, d. h. die Beseitigung des Ver trages, wonach die beiden südafrikanischen Republiken Verträge mit auswärtigen Mächten nur unter Genehmigung Englands schließen dürfen, sondern auch die Abtretung des von den Boerenheeren gegenwärtig besetzten Gebietes mit Einschluß von Ladysmith und der Diamantenstadt Kimberley. Ueberoies werden die Boeren einen Landstrich fordern, der ihnen den ungehinderten Zugang zum Meere sichert. Schließ lich wird die Uitlanderfrage in Johannesburg vom transvaali scheu Parlamente nach seinem Ermessen, wie es einem unab hängigen Staate geziemt, geregelt werden. Daß Englano eine sehr erhebliche Kriegsentschävigung zu zahlen haben wird, ver steht sich von selbst. Je länger England den geradezu aussichts los gewordenen Kampf forffeht, desto größeren Preis wird es für den Frieden zu zahlen haben. Kapstadter Vries. Die „Hamb. Nachrichten" erhalten folgenden Pnvalbrief zur Verfügung gestellt: Eapstadt, 4. Januar 1900. Von der Stimmung, di« jetzt im Caplande herrscht, können Sie sich eigentlich gar keine rechte Vorstellung machen; eS loht und gähr. hiier unter den Afrikandern von Tag zu Tag mehr. In der ganzen Eapcolonic von einem Ende zum anderen ist das so, und es bedarf nur eines Funkens, so ist die Revolu tion da. Weiß Gott, wie es dann werden wird! Schon heut: schmuggel: sich Alles, was nicht zu viel im Stiche lassen muß und irgend ein Gewehr tragen kann, reich und arm, auf die Seite der Boeren. Neuerdings ist ja erst wieder ein Commando von 600 Mann Lbrrgegangen und Deserteure giebt «s bei den Engländern Tausende. Daß so mancher Engländer recht traurig in die Zukunft sieht, läßt sich denken, denn an Ansehen hat England unter den mächtigen Staaten doch wahrhaftig schon genug eingebüßt. Ladysmith, wo sich White sehr stark verschanzt hat, hält noch immer aus, ebenso Kimberley mit Cecil Rhodes, auch Mafeking hält sich noch. Es ist dort Alles total zerschossen und die Leut: leben nur in bombensicheren Plätzen unter der Erde. Ein» wundert mich sehr, daß der Boer Kimberley nicht mit Sturm nimmt; sie müssen dabei doch eine bestimmte Absicht verfolgen. Ich bin selber einige Male dagewcscn, mir kommt der Pi.::' gar nicht so stark vor. Eie müssrn sich doch wohl ganz barbar.'w verschanzt haben. Freilich sollen dort für nicht wenige: aö> 3 Millionen Pfund Diamanten liegen. Die d.:ck:e Rbode» nvch schnell retten zu können und dann zu vie Freistaatler waren aber doch Heller und drackx- '^neN alle Per bindungen ab, so daß der nette Vogel ncn Ka' g sitzt. Wenn sie ihn doch bald fangen und b.. c ganz Süd afrika wünscht das von Herze::. Vorgestern ging von d:er e': IranSporldampfer mit ver siegelten OrdreS in See: er da: lämmtliche gefangenen Boeren an Bord. eS beiß: daß er damit nach Et. Helena geht. Die Bondpartei bat daraufhin sofort eine Note an den Gouverneur Miluer gerichtet, worin si: zu wissen verlangt, wohin di« Boeren geschickt werden. Die Aufregung hierüber ist geradezu schrecklich, ja, man sagt, daß, wenn sich diese Sache nicht auf kläre, sich der Bond von England lossagen werde. Die Auf regung ist begreiflich, denn sämmtliche Gefangene sind sozusagen Blutsverwandte der Capcolonie; ich kenne allein ein paar Dutzend darunter und habe sogar «inen lieben alten Fceund, G. D. aus Stralsund, dabei. Dieser mußt« in Transvaal als Bürger in die Armee eintreten, seine Frau und 4 unmündige Kinder sind jetzt aus die Gnade anderer Menschen angewiesen. Hier glauben wir jeden Augenblick den Belagerungszustand über Capstadt verhängt zu sehrn. Der schönste Spaß dabei ist, daß wir hier gar kein Militär haben und die Freiwilligen Alle lauter echt: Afrikander sind, di« sich lange bedenken werden, auf ihre eigenen Brüd«r zu schießen.
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