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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 12.01.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-01-12
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000112027
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900011202
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900011202
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-01
- Tag 1900-01-12
-
Monat
1900-01
-
Jahr
1900
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Abend-Ausgabe eiMer Tageblatt Druck und Verlag von E. P olz in Leipzig. Jahrgang- Freitag den 12. Januar 1900, es immer von Neuem wahr, das öL Feuilleton 9j 'isu isid Die Morgen-AnSgabe erscheint um '/,? Uhr, die Abend-Ausgabe Wochentags um 5 Uhr. 212.S0 218,80 8». so 216.30 d. n. >K 111,00 74,70 143,25 SS,10 7V,SO 20S,— l101> 1 Nawdnre, ia .g.orri»" von »ok 4«r V««r «len" von U»I- I oorckck. 1,loxck .^nedorl»-; la 8t. 1ol>o» (iü l> >»cd Humdurx. ^msrik» l.mi" ,rll, t10/I) .«»>- kotvsrpoo, »II» von vöe», tewpker: I-tLV» sek lkk. i»U -L. «»t ^xtra-Beilagen (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Poslbeförderung -Zt 60.—, mit Poslbeförderung 70.—. daher, ohne daß er vor das Prisengericht gekommen wäre, auf Anordnung Seott's freigegeben. Nock mehr werden die Erwartungen durch die folgenden beiden Depeschen gespannt: "London, 11. Januar. Wie daS „Rcuter'jche Bureau" erfährt, hat die britische Regierung beschlossen, daß Nahrungs mittel, die aus neutralen Schiffen befördert werden und für neutrale Häfen bestimmt sind, der Beschlagnahme nicht unterworfen sein sollen, ausgenommen, wenn aus den Ladungsverzeich nisscn der Schiffe hervorgeht, daß die Nahrungsmittel für den Feind besiimmt sind. In diesem Falle sollen sie als Contrebande behandelt werden. Tas amerika nische Mehl, welches vor Kurzem beschlagnahmt wurde, ist wieder freigegeben worden. London, 11. Januar. I» Sachen der Kriegscontrebande erfährt das „Reuter'jche Bureau" weiter: Tic Regierung scheint nicht geneigt, Nahrungsmittel, von denen es nicht wahrschein lich ist, daß sie besonders zur Verwendung für Truppen im activen Dienste bestimmt sind, als Kriegscontrebande an zusehen. Mehl würde beispielswcse kaum in die Kategorie der Kriegscontrebande einzurechncn sein, wenn cs nicht in der That für militärische Zwecke bestimmt wäre. Tiefe Befreiung von der Beschlag- nähme würde sich indessen nicht auf Artikel wie Büchseufleisch beziehen. Da die Regierung beschlossen hat, englischen Schissen Handelsverbindungen mit dem Feinde nicht zu gestatten, so kann auch die Ladung amerikanischen Mehls, die kürzlich an Bord eines englischen Schisses in Port Elizabeth beschlagnahmt wurde, nur mit einem fremden Schiffe, über dessen Handelsverbin- düng mit Transvaal Großbritannien keine Controle zu steht, so lange es sich nicht um Kriegscontrebande handelt, nach der Dclagoabai gebracht werden, um von da nach Transvaal geschasst zu werden. Darüber, ob Artikel wie Büchseufleisch unter die Kategorie Kriegscontrebande fallen können, wird sich Deutschland mit England nicht zu streiten brauchen. Die Lösung dieser und ähnlicher Fragen wird einer'änkrrnationalcn Confcren/ znfallen, deren Einberufung zur Notbwendigkeit geworden ist. Für Deutschland handelt cS sich, wie schon mehrfach dargelegt, lediglich darum, von England zu fordern, daß eS deutsche Handelsschiffe nicht anders behandle, als eS seine eignen Handels schiffe im Kriegsfälle behandelt sehen will. Und die Berechtig ung dieser Forderung scheint man in London infolge der deutschen amtlichen Borsiellungen und privaten Kundgebungen, vielleicht noch mehr aber infolge der Einsicht in die eigene prekäre Lage endlich zu erkennen. Die Freigebnng des „Herzog", bevor ein Prisengericht gesprochen, und die Geneigtheit, Mehl, dessen Bestimmung für feindliche Truppen im activen Dienste nicht aus den Ladungsverzeichnissen hervorgeht, nickt als Kriegs- contrebande anzuseben, deutet auf das WachSthum solcher Einsicht hin. Hoffentlich erleichtert die Sprache der deutschen Negierung den völligen Durchbruch dieser Erkcnntniß. „Nenn's Künstlerlaunen, nenn's Anwandlung von Verstim mung, nenn's ein schreiendes Bediirfniß, für ein Weilchen ganz auszuspannen und rein körperlich zu leben, zu vegetiren, mich zu erholen. Nenn's, wie Du willst, nur schilt mich nicht und sei lieb und gut zu mir. Du siehst, das bischen Ferienmachen und Flaniren in der Sommerluft hat mir sehr gut gcthan. Ich strecke mich in Behagen und fühle mich wie neugeboren; die blauen Teufel der Melancholie sind verflogen. Nun soll's an ein tolles Schaffen und Schuften gehen. Wirst schon sehen, Papa, und Du sollst mir mein liebes Rad noch loben." Daß ihr das flinke Rad jetzt so lieb war, weil es sie mit Eilzugsgeschwindigkeit die weite Strecke zur Wohnung des Mannes zurücklegen ließ, dem sie Gesundheit, Vollkraft und Lebensmuth hatte wiedcrgewinnen helfen, das freilich sagte sie nicht. Aber richtig und augenfällig war, daß sie selbst jetzt wieder mit fröhlicheren Augen in die Welt und auf die Arbeit schaute, als vor vierzehn und noch vor acht Tagen, da die Sorgen um Jmmanuel's leidenden Zustand ihr jeden Gedanken be nommen und ihr Sammlung und Schaffenskraft unterbunden hatten. Des Vaters Augen verweilten auf der schlanken Gestalt, die im fußfreien Nadfahrergewand so kühn und köstlich vor ihm stand, auf den von der Bewegung im Freien rosig glühenden Wangen, auf den vor Lust und Uebcrmuth blitzenden Augen. Er war so gern stolz auf sein schönes Kind. „Es ist wahr", sprach er, „Du siehst jetzt wieder viel besser aus als in den vorigen Wochen. Aber warum sahst Du schlechter aus? Was nahmst Du Dir zu Herzen? Du hattest Sorgen, sagst Du? . . . Was soll ich dann sagen?" Er war vor der nächsten Staffelei stehen geblieben, sah aber nicht auf das angefangene Bildchen, sondern auf seine Fuß spitzen, die er langsam auf und ab bewegte, ein verlegener Mann, der sich schämt, an trübe Dinge anspielen zu müssen, die der Andere doch genugsam kennt. „Hast Du neue Sorgen?" fragte Nanda, die mit einem Male recht ernsthaft schien. Der greise Herr schlug die Augen hoch auf und fragte: „Ge nügen Dir die alten nicht?" „Weiß Gott, ja!" fuhr cs Nanda heraus. Sie erschrak selbst darüber; denn sie wollte nicht unzart sein, wenn ihr auch das Bewußtsein ihrer peinlichen Lage mitten in der Freude beim letzten Worte des Vaters wieder mit erdrückender Klarheit vor der Seele stand. Seine Stimmung zu begütigen, ergänzte sie: „Wir werden der alten Geschichte auch dieses Mal wieder Herr verlaß Dich darauf, in fünf Minuten sinkt mir die Hand in den Schooß und ein Auge nach dem anderen zu, wie nach genossenem Schlaftrunk. Die gescheidtesten Leute haben zuweilen die dümm sten Kinder. Deine Tochter ist von der Sorte, aber sie liebt Dich und malt gern. Und das ist auch etwas werth, gelt ja, Papa?" „Ach, Schatz", sagte der Geheimrath, „Du bist nicht dumm und Du verstehst Alles, Du magst mich nur nicht hören. Du hast einen Zahn auf meine Lieblingsarbeitenund willst nichts von Dem wissen, was meine Seele so ganz und gar erfüllt und nie ruhen läßt." „Ich hab' einen Zahn darauf, ja", rief jetzt die Malerin, von der Staffelei zu ihm hcrübcrsehend, lauter und härter, als sie bisher geredet hatte. „Ich muß und darf einen Zahn darauf haben. Was Du — und ich glaube irrthümlich — die Hauptaufgabe Deines Lebens, Deine Lieblingsarbeit, Dein ge heimstes, bestes Denken nennst, hat es Dich glücklich gemacht? Oder die selige Mutter? Oder mich armes Wurm? Es hat Dich Deine Stellung gekostet." „Oh, oh!" fuhr er abwehrend dazwischen. Nanda sprach ungehemmt weiter: „Es hat Dein Vermögen oufgczehrt, cs bat uns in eine peinliche Lage verseht, cs hat uns Sorgen und Kummer und immer wieder Sorgen bescheert, Sorgen ohne Absehen. Ich will Dir keine Vorwürfe machen, liebster Papa, aber " „Mer Du machst sie mir!" ergänzte der nachdenkliche Mann mit bitterem Lächeln. „Verzeih'", sagte sie leiser. Dann sprach sie lange nichts mehr, ganz in ihre Kunst versenkt, an die sie sich in diesem wie in so manchem schweren Augenblicke mit aller Andacht klammerte. Auch Wesselbrunn schwieg und sah schweigend ihrer Arbeit zu. Es hatte ja immerhin etwas Tröstliches, das begabte Mädel arbeiten zu sehen. Und seine Gedanken mochten dabei die Jahre zurückschauen und Manches zur Entschuldigung deS «Freimuths seiner Tochter finden, wenn er auch wahrscheinlich über sich und sein Thun und Treiben glimpflicher urtheilte, als es die meisten seiner Mitmenschen thaten und trotz Pietät und Liebe auch seine Tochter zu thun nicht umhin konnte. Der Geheimrats; war ein Mensch von hervorragendem Ver stände, von tiefem Wissen, von umfassender Bildung, dazu von liebenswürdigem, einschmeichelndem Wesen, geeignet und geübt, Mann und Weib zu fesseln und zu unterhalten, in seinem Denken und Reden, wie im äußeren Erscheinen und Gebühren von jener Vornehmheit, die die Menschen gewinnt, schon ehe er begonnen hat, sie mit Gründen zu überzeugen. So war er immer gewesen. Annahmeschluß für Anzeigen: Abend-Ausgabe: Vormittag» 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: Nachmittag» 4Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Vrprdttton zu richten. 114.— 14650 188.60 154,80 135.60 184.50 128.25 177 30 131.50 67.— 180.60 81.75 106,- 206.50 213.50 163.25 211.75 183.75 171,— 284.25 l)2H0 ISU ZUS,75 608,— 228.25 178L0 182,— 116.50 66,50 182 — 168,10 88.75 208.75 176.60 261,— 84,40 der Liberalen und Constitutionellen spielen zu können. Dafür bekam er nicht nur von Abgeordneten, sondern auch vom Minister Schönstedt zu hören, daß die von ihm und seinen Freunden vorgetragene Theorie von der Unvereinbarkeit der Verfassung mit der Zurdispositionstellung von Beamten schnurstrakS der bisher von den Conservativeu akademisch und in concreteu Fällen verfochtenen Lehre zuwiderlaufe und daß Herr von Köller sozusagen eine für deu conser- vativen Hausgebrauch und nur für diesen zurechtgerichtete Jurisprudenz docirt habe, — eine Feststellung, die der Abg. v. Hevdcbraud nicht zu erschüttern vermochte. Von dem, was Herr v. Köller und Herr v. Zedlitz, der auch — unter dem Redner persönlich gewidmeter Heiterkeit deS Hauses — die Charakterstärke als eine Tugend der Beamten pries, über die gegenwärtigen Mängel LeS Derant- wortlichkeitsshstemS sprachen, gilt dasselbe. Die Herren waren schon vorher durch den zum Ucberdruß citirten, aber ewig wahren Nein, Cbaniisso's widerlegt. Für die Nationalliberalen >raf es sich glücklich, daß ihr Redner der Abg. vr. Krause war, der, weil er selbst keinen Einfluß auf die Presse übt, mit gutem Gewissen Vie Zeitungen „in die zweite Linie." verweisen und vornehmlich für daS Beachtung fordern durfte, waS die Vertreter der Parteien im Hause erklären. That- sache aber ist cS, daß, wenn Herr v. Köller mit der Bemänge lung der constitutionellen Correctheit gewisser Preßorgane einen wunden Punct berühren konnte, er sich für diesen ora- torischen Vorthcil auch bei Parlamentariern zu bedanken hat. Um schließlich noch einen vierlen Punct, bei dessen Erörterung „nichS herauskam", zu erwähnen, so ist eS die Frage der Vereinbarkeit oder Unvereinbarkeit von Abgeordneten- und Beamteneigenschaft. Auch dieses Problem ist gestern seiner Lösung keine» Schritt näher gerückt. Ne-action und Lrpe-ition: JohanniSgaffc 8. Die Expeditton ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis Abends 7 Uhr. Anzeigen-Prei- die 6 gespaltene Petitzeile 20 Pfg. Reclamen unter demRedacttonSstrich (4ge» spalten) öO-H, vor den Familiennachrichten )6 gespalten) 40 ,H. Größere Schriften laut unserem Preis« vcrzeichniß. Tabellarischer und Ziffcrnsatz nach höherem Tarif. 87.— 86,50 84,— 100,25 100,50 83 — 57,90 102,80 64.70 87.70 Filialen: Alfred Hahn vorm. v. Klemm s Sortim. Univrrsitätsstraße 3 (Paulinum), Louis Lösche, Katharinenstr. 14, pari, und Königsplatz 7. »it «it. a a werden. Sei getrost, Papa, wir werden'-." Und die beiden Fächerstreifen von oben und unten, von rechts und links her besehend, fügte sie, halb zu sich selbst, halb zu ihm sprechend, hin zu: „Wie lange können mich denn die Dinger noch aufhalten? Vierzehn Tage, drei Wochen das, und das da vielleicht noch in die vierte und fünfte. Dann giebt's wieder Späne, und dann fangen wir gleich wieder etwas Neues, noch viel Schöneres an, und das soll noch mehr Späne abwerfen." Es war eine fröhliche Aussicht, die sie damit dem Vater er öffnete, und doch seufzte sie dazu unwillkürlich, während sie den Staub von ihren Arbeiten blies und die Pinsel prüfte. Der Geheimrath setzte sich auf einen Stuhl neben der Staffelei und sagte mit einer Wärme, die bisher seinen Worten gefehlt hatte: „Wenn's diesmal nur recht viel Späne gäbe, dann könnte sich unsere verdrießliche Lage vielleicht mit einem Schlage ins schönste Glück verkehren. Nein, nicht vielleicht, gewiß, ganz gewiß! Diesmal schüttle nicht ungläubig den Kopf, diesmal bin ich meiner Sache sicher, aber schon ganz sicher." Nanda sah den Vater mit einem langen, traurigen Blick an, der keiner Worte zu seiner Erklärung bedurfte. Der alte Pro- jecteschmied hielt den frommvorwurfs'oollen Blick auch getrost aus und sprach nur um so eindringlicher: „Ich weiß schon, Du willst wieder sagen, das hättest Du schon öfter von mir gehört. Thut nichts. Wem ist nicht schon ein Experiment mißglückt? Aber diesmal wird es nicht mißglücken. Meine Berechnungen sind fehlerlos, meine Voraussetzungen haarscharf, jedes Kind muß sie begreifen, meine Schlüsse einfach und überwältigend, auch der Widerwillige wird sich ihnen gefangen geben. . . . Darf ich Dir die Idee klarlegen, darf ich Dir das ganze Prostet ausführlich unterbreiten? Darf ich Dich in mein geheimstes Denken ein- weihen? Du könntest ja dabei ungestört weiter malen." Nanda sah nicht auf; sie hatte die Jacke abgeworfen und im fußfreien Radlerröckchen, den Oberkörper nur mit einer hemd artigen Blonse bedeckt, die Aermel über die nackten Arme zurück-, gestreift, vor ihrer Staffelei zu malen begonnen. Es schien sie so zu beschäftigen, daß ihre Antwort nur in getrennten Sätzen hörbar wurde: „Nein, lieber Papa ... sei mir nicht böse darum . . . aber . . . ich könnte das nicht ... Du weißt, ich bin ein blödsichtiger Laie in allen Fragen der Finanz, Oeronomie und Politik. Ich kann mich stellen, wie ich will, mir bleibrn'S böhmische Dörfer. Datum laß mich ohne solch' obligate Be gleitung arbeiten. Du selbst sagst ja, daß meine Arbeiten Eile haben, um fertig und verkauft zu werden. Also laß mich arbeiten. Breitest Du aber Deine Ziffern und Zahlen neben mir aus, so Die ganze Hand. Roman von Hans Hopfen. Nachdruck rrrbotrn. Plötzlich riß es ihm den Kopf hoch. — Das war's. Ein stahlhellesz Klingelanschlagen. Er kannte den Ton und freute sich, daß er ihn kannte. Es war der von der Schelle am Vclociped Nanda's. Er mochte vom Atelierfenster nicht auf die Straße sehen; aber er wußte: jetzt war sie um die Ecke der Jnvalidenstraße in scharfem Tempo in die Eichendorffstraße ge bogen, und jetzt kam sie die Treppe herauf. Er gab sich Mühe, sie nicht eben mürrischen Angesichts zu empfangen. Er lächelte sogar der Eintretenden entgegen. „Du hier, Papa, in meiner Werkstatt!" rief Nanda lustig aus, die leichte Sommermütze vom hochgerötheten Kopf nehmend und einen Kuß an des Baters linkes Ohr hauchend. „Nun ja", sagte dieser zögernd, „ich bin immer gern in Deiner Werkstatt; ich liebe Dein Talent und hätte mich gern an Fort schritten Deiner Arbeit erfreut. Ist aber nicht, leider! Die an- gesangenen Dinger sehen heute aus wie gestern, und sahen gestern aus wie vor vierzehn Tagen." „Aha, nun giebt's Schelte für mein Bummeln! Oh Papa!" sprach das Fräulein lachend, Furcht heuchelnd. Der Alte aber lachte gar nicht, als er sich den Ausruf ge stattete: „Das verwünschte Radeln! Die Bewegung mag ja sehr gesund sein, allein Du verbiesterst Dich in letzter Zeit, gerade in letzter Zeit, viel zu sehr in den dummen Sport und vernach lässigst Deine Arbeit und Deinen Alten über den Forcetouren tagaus, tagein." „Ach, es war nicht das Nadeln allein!" entfuhr es der Un bedachten. Der Geheimrath stutzte und richtete sich steif auf: „So? Was denn sonst?" Nanda biß sich in die Lippe. Sie hatte ein Wörtchen zu viel gesagt, es mußte verwischt werden. „Ach, ich hatte Sorgen", antwortete sie, die einzelnen Worte genauer überlegend, da sie dem Vater doch nicht ins Gesicht lügen und ebenso wenig die Wahrheit klar darlegcn konnte, daß sie in diesen zwei Wochen den kranken Geliebten gesund gepflegt und darüber die Arbeiten auf ihren Staffeleien versäumt hatte. „Auch Du hast Sorgen?" Wie werthvoll der Besitz fast aller Seekabel für England im Kriege ist, wird jetzt allseitig und besonders in Frankreich empfunvcn. milltarz- recorä ' feiert indem eS schreibt: „Gerade jetzt wird die im Besitz einer Nation befindliche« Kabel den Puls- schlag deS ganzen Reiches darslellen. Tie südafrikanische» Kabel hält England bis auf eines fest in der Hand, und dies eine Kabel (Mosambique nach Madagaskar) wird in Aden controllirt. Wenn wir das nicht könnten, so würde dadurch ei» arges Loch in unserer Krirgsberichterstattuug entstehe» und der Continent mit erfundenen oder übertriebenen Be richten über englische Niederlagen versehen werden. (!?) Schon im spanisch-amerikanischeu Kriege war die Beherrschung der Kabel so viel werth wie der Besitz einer Flotte. Ohne eigene Kabel wären wir jetzt hilflos, die Schäden, die unsere Truppen erleiden, wieder gut zu machen und müßten ebenso wochenlang auf Nachricht warten wie damals, als britische Truppen die Capcolonie für unS besetzten. ES ist nur natürlich, daß Frankreich sich über Englands Ueberwachung einer so großen Zahl von Kabeln aufregt, denn es würde die Unannehmlichkeit und das auS dem Besitz der Kabel für Großbritannien bestehende lieber« gewicht im Kriegsfälle nur zu gut spüren. Frankreich kann sich dagegen nur schützen, indem eS auf eigene Kosten die Erde mit Kabeln um« spannt, doch ist für Frankreich der kürzeste Weg nach Madagaskar und China leider durch Englands Herrschaft in Egypten und am suezcanal gesperrt. Frankreich müßte schon durch türkisches Gebiet, k. b. b >0 u .8s«ev/Luhr kr". vsrdoteoO inan nach der preußischen Verfassung thun darf, was der frühere Minister v. d. Recke am Tage der Abstimmung gegenüber deu politischen Beamten im Abgeordnetenhause gethan hat, das ist auch nicht aufgeklärt. Denn — für den Juristen — ist eS nicht genügend aufgehellt, WaS der Minister getban. Der Begründer der Anfrage, wie die Regierung die Maßregelung mit der Verfassung in Einklang bringen zu können glaube, der Abg. v. Köller, hat sicherlich ohne die Absicht, als aulbentisch reserirender Gewährsmann zu gelten, die Worte des Herrn v. d. Recke in eine agitato risch gut vcrwertbbarcForm gegossen, und der Miuisterv. Rl> ein- baben beschränkte sich darauf, in Zweifel zu ziehen, daß sein Vorgänger am Morgen der drillen Lesung der Caual- vorlagc Las gesprochen, was Herr v. Köller eben nur, wie gesagt, a!s Quintessenz der Drob- oder Lockreden deS Herrn v. d. Necke wievergegeben hatte. ES fehlt also Lie Festlegung des „objectiven Thatbestandes" — für den Juristen. Politisch ist gestern auch nichts erzielt worden, außer etwa einigen guten agitatorischen Anknüpfungspunctcn für die agrarische Agitation, um deren Mehrung sich nament lich Herr von Kardorff verdient gemacht hat. Von einer „Klärung" ist keine Rede und kann kein Rede sein, da mit Erbitterung sich bekämpfende Parteien über den Gegenstand der Interpellation ungefähr daS Gleiche sagten und die Regierung, Fürst Hohenlohe, nichts Anderes thun konnte, als zu wiederbolen, was halbamtlich schon oft bemerkt war, daß nämlich die Zurdispositionstellung nicht als diSciplinarische Bestrafung aufgefaßt werden könnte, sondern gemäß Gesetz von 1852 eine Verfügung im Interesse des Dienstes dar stellte, die in dem in Rede siebenden Falle wegen der Autorität der Regierung und der Einheitlichkeit ihrer Actionen nicht unterbleiben konnte, sollte nicht ein unhaltbarerZustand geschaffen werden. Die Rede deS Reichskanzlers klang versöhnlich in der Versicherung aus, der Entschluß zu der Maßregel sei der Regierung nicht leicht gefallen. Bei Herrn v. Kardorff erweckte daS gute Wort keinen Widerhall und Herr v. Köller hatte sich vorher^ ironisch über Len „Vorspann" des masu rischen Canals und anderer Erweiterungen der exsten, ab gelehnten Vorlage geäußert und erklärt, wenn der neue Ent wurf der Prüfung der Conservativeu wieder nicht Stand hielte, würde seine Partei sich weder durch Drohungen noch durch Versprechungen abhalten lassen, zu thun, wie sie im Sommer gethan. Selbstverständlich erschien in der Rede des Herrn v. Köller die conscrvative Partei in der bengalischen Beleuchtung der sozusagen einzigen Partei, die für die preußische Krone etwas werth und die wegen eines „erbärm lichen Canals" zu kränken, einfach unverantwortlich sei. Folgte die — eine in Preußen unerhörte Drohung ent- baltcndc — mahnende Erinnerung an Strafford und Polignac und die Aufforderung an die Regierung, einen „Sieg über sich selbst" zu erringen, d. h. Verzicht zu leisten, wenn die einer abermaligen Ablehnung der Canalvorlaze etwa folgende Auflösung die Bildung eines ebenfalls canal feindlichen Hauses nach sich zöge. Kurz, die alte Position der Conservativeu; vorläufig wenigstens. Minister von Miquel, der ganz spät, einer Aufforderung folgend, sprach, konnte nicht beabsichtigen, die Situation in diesem Augenblick und a» dieser Stelle zu wenden, und machte auch keine Anstrengung nach dieser Richtung. DaS SlaatSreckt und die Politik haben keine Veranlassung, die politische Ehrlichkeit zu beneiden; diese lucrirte gestern auch nicht. Herr v. Köller verweilte nicht ohne Berechnung lange bei der Haltung einer Anzahl liberaler Zeitungen, die die Maßregelung der Beamten gebilligt, ja, bevor diese erfolgt war, gefordert hatten. Der stockconservative Herr glaubte daS Gewissen DaS englische Blatt „>'uvsl runl diese Ueberlegenheit etwas kräftig, sck -k 15. S. X Mb sr .r -V zu VV. LK. br. bl. L' Nf. ab. ictr :«r> »t« 1 r. »w r« Ku. io. uck« 0,04), 0,06). äwortt« zsuttx-u ullck «in 8p»vl»r . 440 i. 343 i. 415 580 lr»wro. NU 133^ Les — 1 Alle Parteien des preußischen Abgeordneten hauses haben gestern die Maßregelung der politischen Beamten, die gegen die Canalvorlage gestimmt, ver- urtheiit. Aber diese Eiumüthigkcit dürfte in jedem Betracht ohne Früchte bleiben. Die StaalSrechtSwisscnschaft wird nicht Profiliren; der Minister Schönstedt, der den Schritt der Regierung juristisch vertrat, ist juristisch nicht widerlegt worden, hat aber dennoch nicht Recht bekommen, und ob 862,— 1122. SU 3510 I 22,70 Anzeiger. Amtsblatt des Königlichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, des Natljes und Nolizei-Amtes der Ltadt Leipzig. 262,60 138,30 255,75 383,25 181- 203,50 213,90 155.80 128.40 123.80 136, - Bezug-Preis in der Hauptexpeditton oder den im Stadt' bezirk und den Bororten errichteten Aus- gabestellen abgeholt: vierteljährlich^ 4.50, bei zweimaliger täglicher Zustellung ins Haus 5.50. Durch die Post bezogen für Deutschland und Oesterreich: vierteljährlich 6.—. Directe tägliche Kreuzbandsendung ioS Ausland: monatlich ./t 7.50. 8 118-, 80', 78 »0 82 -. S4-l, Politische Tagesschau. * Leipzig, 12. Januar. Wenn im Reichstage die Interpellation über die Stellung der Reichsregierung zu der Beschlagnahme dentscher Schiffe durch englische Kriegsschiffe schon heute zur Besprechung käme, so würden der Reichskanzler und der Staatssekretär deS Auswärtigen über den Erfolg ihrer diplomatischen Schritte noch keine befriedigende Auskunft geben können. Denn die „Post" berichtet heute: „Wie wir auf unsere Erkundigung an unterrichteter Stelle er- lahrcn, ist in der Angelegenheit des Dampfers „Bundesrath" bis jetzt keinerlei Fortschritt zu verzeichnen. Die Beschlag- »ahme wurde bisher noch nicht aufgehoben, weil das Resultat der Durchsuchung des Schiffes noch aus- steht. Die deutsche Regierung führt inzwischen die Verhandlungen mit dem Londoner Cabinet fort, und zwar erstrecken diese Der- Handlungen sich nicht blos auf den Fall „Bundesrath", sondern auch auf die principielle Frage der Beschlagnahme und die Leistung von Schadenersatz an die Lstafrika-Linie." Und der „Franks. Ztg." gebt über London eine Meldung aus Durban vom 8. bss. MtS. zu, in der die Dauer der Durchsuchung der Ladung des „Bundeöraths" noch auf lO Tage veranschlagt wird. Und was die Beschlagnahme der für Dclagoabai bestimmten Ladung der Hamburger Bark „HanS Wagner" durch das englische Kanonenboot „Fearleß" betrifft, so hat der Eigenthümer des Schiffes einen Brief seines Capitäns erhalten, dem wir Folgendes entnehmen: „Hans Wagner" hat gleich nach seiner Ankunft in Port Eliza- beth seine sämmtlichen Schiffspapiere, soweit sie über die Ladung Ausschluß gaben, den dortigen Behörden ausliesern müssen. Unter der »ach Delagoa designirten Ladung des „HanS Wagner" befanden sich Kausmannsgüter, die für Transvaal bestimmt waren. DirseKaufmannsgüter fallen aber, soweit aus den SchifsSpapieren zu er sehen und demEigenthümer des „Hans Wagner" bekannt, nichtunter den Begriff Kriegscontrebande. Der Commandantdes in Port Elizabeth anwesenden „Fearleß" hat, weil diese für Transvaal be stimmte» Güter sich unter der Ladung des „Hans Wagner" befanden, angeordnet, daß der „Hans Wagner" seine gesaininte Ladung jn Port Elizabeth lösche. Jedenfalls wird man die Trans- vaal-Sendung auf ihren Inhalt untersuchen. Genaueres hierüber sieht zur Zeit aber noch nicht fest. Ueber den ferneren Verlauf der Sache ist der Nbedcrci des „HanS Wagner" bisher keinerlei telegraphische Miltbei- lung zugegangen. ES ist indessen nicht unwahrscheinlich, daß nicht nur die Durchsuchungen alsbald in rascherem Tempo ansgesührt, sondern auch wesentlich beschränkt werden. Darauf läßt zunächst die folgende, auf die Freigebung des Post dampfers „Herzog" bezügliche, heute verspätet ein treffende Meldung schließen: * Turba», 8. Januar. (Meldung des „Reuter'schen Bureaus".) Die Freigebung des deutschen Dampfers „Herzog" erfolgte heute Nachmittag. DaS Schiff hatte wegen der im Hafen herrschenden großen Frequenz in denselben nicht einlaufen können. Der Marschall des Prisengrrichts weigerte sich, das Schiss zu übernehmen, so lange es draußen vor Anker liege. Mittlerweile hatten die von dem Cominandanten Eapitän Scott angestellten genaueren Untersuchungen keinen genügenden Grund zur Festhaltung des Schiffes ergeben. Der Dampfer wurde »0. s 8 8 0 3 r r. 0 >4500 7778 7850 », 450 , » 4/50 — 3200 >6300 16500 2625 2700 3500 8600 8175 8250 4700 4775 —» 10850 — 18050 8800 11050 11175 6975 7100 » 1 — 14700 4850 5050 —— 4200 . 650 725 - >— 1550 3800 3875 — 1450 1450 1525 — 2600 4280 4300 — 14100 — 1125 2550 2650 4050 4100 » — 100 , - — 4450 215 230 — 23400 1340 .» — 4975 —— 3200 E—» 40 12550 750 825 —— 1000 4300 1570c 18/5 1450 »t», 0»roNo»n »dresclivtcdt.
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