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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 13.01.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-01-13
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000113010
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900011301
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900011301
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Bemerkung
- unvollständig: 3. Beilage (S. 319-323) fehlt
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-01
- Tag 1900-01-13
-
Monat
1900-01
-
Jahr
1900
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Größere Schriften laut unserem Preis- verzeichniß. Tabellarischer und Zisserasutz uach höherem Tarif. tfrtra-Beilagen (gesalzt), nur mit her Morgen - Anrgabe, ohne Poslbesörderung ./0 üo.—, mit Poslbesorderuug 70.—. L«uahmeschl«ß für Äryei-titt Ab end.Ausgabe: Vormittags PO sshr. Morgen-Ausgabe: Nachmittags 4Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Anzeigen find stets an die Gtzpehitjpn zu richten. Truck und Verlag von E. Polz in Leipzig. Z 22. Sonnabend den 13. Januar 1900. - - _r 8t. Jahrgang. Deutsches evangelisches Chriftenthum an der entferntesten Grenze der deutschen Ostmark. Vf. Ä. Im vorletzten Jahre (am LI, August) haben die Siebenbürger Sachsen mit großer Liebe und Dankbarkeit ein Hohes Fest gefeiert. Es waren 400 Jahre seit der Geburt ihres Reformators, Johannes Honterus, vergangen. Der Bezirk von Kronstadt, in der Südostecke von Siebenbürgen, das Burzen- land, war bei dieser Feser ganz besonders betheiligt; denn in Kronstadt war Honterus geboren. Hier hat er seit 1533 gewirkt. Hier ist er am 23. Januar 1543 verstorben. Das Kronstädter Bezirksconsistocium hat zur Erinnerung an die Jubelfeier in der dortigen Zeidner'schen Buchhandlung unter dem Titel „Das sächsische Burzenland" (Preis 8 <N) eine Denkschrift heraus gegeben, von der dringend zu wünschen ist, daß sie in Deutschland eifrige Leser findet. Sie ist ein stattlicher Band von 653 Seiten, geschmückt mitPlänen und 118Abbildungen.Einbuchhändlerisches unternehmen liegt also in ihr nicht vor, sondern ein Werk, das die Liebe geschaffen hat, und das mit der größten Liebe verfaßt ist. Wer das Buch gelesen hat, der wird sagen: ich habe aus ihm viel gelernt; es hat deutschen Sinn und das Berständniß evan gelischen kirchlichen Gemeindelebens in mir gefördert. Man lernt in der That durch dies Wert Land und Leute des kleinen Bezirks nach jeder Richtung kennen; und die zahlreichen Ab bildungen versetzen vollständig in jenes Gebiet. Die Schrift zerfällt in acht Abschnitte, an denen 19 Verfasser (darunter eine Dame) gearbeitet haben: Geschichte, Kirchen und Burgen, das tirchliche Leben, das Schulwesen, das Volksleben, das Gemeinde leben, die wirthschaftlichen Verhältnisse, das sächsische Wohnhaus. Sogleich der erste Abschnitt fesselt in hohem Maße. Die Ansiedelungen der Deutschen beginnen im 13. Jahrhundert; aber bis zur Zeit der Maria Theresia sind sie nicht zur Ruhe ge kommen. In den nie endenden Kämpfen und Wirren haben unsere Landsleute mit einer unglaublichen Zähigkeit, mit helden- müthigcr Tapferkeit, mit Treue und politischem Scharfsinn trotz aller Verwüstungen sich behauptet. Ihre Kraft war ihr unbe siegbarer Fleiß, ihre anspruchslose Lebensweise, ihre Sparsam keit, ihre ganz auf Selbstverwaltung beruhende Verfassung, vor Allem aber ihr Gottvertrauen, ihre Frömmigkeit, durch die sie uns Reichsdeutsche noch heute zu übertreffen scheinen. Unsere Schrift ist absolut frei von einseitiger Verherrlichung des deut schen Stammes in Siebenbürgen. Sie zeigt uns unverhüllt auch die Schattenseiten des dortigen Lebens. Und doch sagt man sich: wie anders stünde es um uns, wäre die plastische sociale Ge staltungskraft, in der das sittliche und religiöse Leben dieser deutschen Kolonisten sich bethätigte, in unserem Volke nicht schon vom 16. Jahrhundert an immer wieder gebrochen worden durch die Angst der verschiedenen Arten des Absolutismus vor jeder Regung der Selbstverwaltung. Durch das langandauernde absolutistische Regiment dazu gezwungen, hielten wir, namentlich in der Kirche, gar oft die äußere Ordnung aufrecht, vergaßen aber das innere Leben zu pflegen, das dort unter unsagbarer Roth in praktischer Arbeit gesund und stark blieb. Wie cs den armen Burzenländern ergangen ist, davon zeugen noch heute ihre Kirchen. Die meisten sind Festungen, auf An- böhen errichtet, von starken Schutzmauern umgeben. In diesen Kirchenburgen fanden die Landgemeinden Schutz und Zuflucht, wenn wieder einmal von Süd oder West ein Kriegswetter herein brach. Diese Stürme schwiegen vom Regierungsantritt der Maria Theresia bis zu dem Unabhängigkeitskampfe der Ungarn >848—49. Aber wenn von außen Ruhe eintrat, so kam andere Roth. Zur Zeit der großen Kaiserin suchte die katholische Reaction das Land kirchlich und social zu ruiniren. Dann folgte der Absolutismus in verschiedener Gestalt. Das jetzige „liberale" magyarische Regiment hat neue Gefahren gebracht. Die Magyaren sind zu schwach, „chemisch" die anderen Nationen sich zu assimiliren, sie müssen es „mechanisch" thun, d. h. sie müssen sie zwingen, in Sprache und Sitte der herrschenden Nation sich hinzugeben. Die Sachsen sind bis dahin unerschütterlich treu geblieben. Sie dankten dies namentlich ihrem kirchlichen Leben. Ihr Beispiel zeigt, wie nothwendig für die Deutsch-Oesterreicher und ihre Erhaltung die Los-Von-Rom-Bewegung ist. Im Burzenland ist in den Landgeminden der Pfarrer die .Hauptperson, obwohl da auch die Bauern, an Selbstverwaltung von jeher gewöhnt, im Stande sind, sich selbst zu berathen und ihre Meinung geltend zu machen. Aber sie achten des Pfarrers höhere Bildung. Sie sorgen dafür, das sein Haus das stattlichste im Dorfe ist. Sie erwarten aber auch von ihm, daß er durch Gastfreundschaft die Ehre des Dorfes vertritt, daß er ganz für seine Gemeinde lebt und der Gemeinde wie jedem Einzelnen mit Rath und That allezeit zur Seite steht. Die Schulen werden von den Kirchgemeinden erhalten, die Lehrer verpflichtet, dem Pfarrer für kirchliche Ausgaben helfend zur Seite zu stehen. Wie gern man für Kirche und Schule Opfer bringt, das beweisen erhebliche Stiftungen, auch andere T Hatsachen. Der kleine Ort Neustadt z. B. hatte eine erhebliche Schulbauschuld. Der Pfarrer schlug vor, man solle sie rasch tilgen und zu diesem Behuf sich eine Extra steuer von 800 Procent der Staatssteuern für »in Jahr auf erlegen. Einmüthig stimmte dir ganze Gemeinde zu. Der Staat fordert, daß die Kinder 5—6 Jahre die Volksschule besuchen. Die Kirch« aber hat angrordnet, daß der Schulbesuch der Knaben bis zum vollendeten 15., der der Mädchen bis zum vollendeten 14. Jahre währe. Die Kirche sind die Gemeindemitglieder, ver treten durch ihre Kirchenvorstände und Synoden. ES versteht sich von selbst, daß mau solchen Beschlüssen gehorcht. Man hat bei uns die Einführung der Kindergottesdienste als einen großen Fortschritt angesehen und sich vielfach bemüht, Gottesdienste für die erwachsen« Jugend wieder herzustellen. Im Burzenlande versteht sich der Besuch der „Kinderlehre" und der „Christen lehre" ganz von selbst. Ganz besonder» hervorzuheben ist eine dort bestehende Ein richtung, von der unsere Schrift (sicher mit Recht) behauptet, daß um ihretwillen die Jugend d«S Gebietes durch Tüchtigkeit, Ehrbarkeit und Gehorsam gegen Gesetz und Ordnung in hohem Grade sich auS-eichne. Auf drei Ordnungen beruhte die feste sociale Organisation der Siebenbürger Deutschen, den Zünften, den Nachbarschaften, den Bruder- und Schwesterschaften. Dir Zünfte sind gefallen. Von den „Nachbarschaften", in denen je kiff Kreis neben einander Wohnender eines Ortes zu gemeinsamer Hilfe verbunden war, ist nicht viel mehr übrig. Die Bruder- und Schwesterschaften aber bestehen fort und sind noch neuerdings durch Beschluß der kirchlichen Organe fest geordnet worden. Bei der Macht der aus den Gemeinden hervorgehenden kirchlichen Organe werden diese Ordnungen, selbst durch Geldstrafen, fest aufrecht erhalten. Ja sogar die bürgerlichen Behörden unter stützen ihr Bestehen. Ihre wesentlichen Bestimmungen sind fol gende. Alle Confirmirten müssen bis zu ihrem 24. Jahre (oder bis zu ihrer Verheirathung) einer Bruderschaft bezw, Schwester schaft angehören, Jeder solche Verband wird in Gruppen Yon je 40 Mitgliedern eingetheilt. Jede Gruppe wählt aus ihrer Mitte einen Vorsteher (Vorsteherin), In jeder Gruppe führt ein be sonders angesehener Hausvater (Hausmutter) die Aufsicht. Der Pfarrer leitet das Ganze. Die Lehrer sind seine Gehilfen, Be lehrung und Unterhaltung wird in den Zusammenkünften ge pflegt. Das Turnen wird nicht verabsäumt. Die nicht zahlreichen Tanzvcrgnügungen sind Veranstaltungen der Bruder- und Schwesterschaften und stehen, wie Alles in ihnen, unter strenger Controle der Leiter. Vyr Allem wird streng auf Sittsamkeit und Ehrbarkeit gesehen. Man sieht daraus, daß die „Chöre" der Herrenhuter eine urwüchsig deutsch-evangelische Einrichtung sind, unsere Jünglings- und Jungfrauenvereine aber, weil sie nicht von einem starken Gemeindebewußtsein getragen sind, für solche Organisationen einen genügenden Ersatz nicht bieten können. Wir bedürfen in allen diesen Dingen einer strafferen Organi sation. Es ist das Wesen der Selbstverwaltung, daß sie auf dem sittlichen Gebiete, je nach dem Bcdiirfniß, die Zügel scharf anziehen kann und dann auch Erfolg erreicht. Wir wagen noch gar nicht, hier ernst vorzugehen. In Folge davon wird besonderer Fleiß daraus gewendet, auf dem liturgischen Gebiete bis hin zum Kirchenbau, durch Regulative Uniformität zu schaffen. Das ist sicher gut gemeint, auch wohl nicht eben schwer; daß aber dadurch die sittliche Erneuerung unseres Volkes kaum merkbar gefördert wird, das ist nunmehr wohl bewiesen. Aber noch eine Erscheinung aus der kirchlichen Geschichte Deutsch-Siebenbürgens muß hervorgrhoben werden. Es ist be wundernswürdig, wie dort die Reformation sich vollzogen hat. Honterus war Humanist, Mathematiker, geschickt im Zeichnen geo graphischer Karten, vor Allem Schulmann und als solcher aus Krakau in seine Vatzrstadt zurückberufen. Aber ec war ein Mann von starker evangelischer Frömmigkeit. Er fand das rechte Wort, das die Herzen seiner Landsleute traf. Die Herzen fielen ihm zu, kampflos vollzog sich die Reformation. Die ewigen Kämpfe und Wirren, unter denen das Land unsagbar litt, hatten das Gute, daß Niemand sich darum kümmerte, wie das kirchliche Leben sich gestaltete. Selbstverwaltung, selbst einschließlich der Pfarrerwahl, war die Verfassung der Siebenbürger Deutschen bereits in der katholischen Zeit gewesen. Unter solchen Ver hältnissen wuchs die neue Kirche aus dem Volke hervor und das Volk verwuchs mit ihr und gehört ihr noch heute mit ganzem Herzen an. So glücklich sind wir Reichsdeutschen bekanntlich nicht gewesen. Der kirchliche Fortschritt in Sachsen und der kirchliche Rückschritt in Bayern im 16. Jahrhundert, beide waren viel mehr Kunstproducte, als die kirchliche Entwickelung in Deutsch-Siebenbürgen. Ich denke: das giebt uns Fingerzeige für unsere gegenwärtige Arbeit. Es sagt uns, was wir gut zu machen haben. Vielleicht darf ich es in dem Wort zusammenfassen: strenger im ethischen Gebiet, in der Seelsorge, weitherziger in allem Uebrigen. Sind wir dort strenger, dann finden wir hier, eben in der Freiheit, leichter den rechten Weg, jedenfalls tieferen Gehalt, als durch Verordnungen und durch Uniformiren. Der Krieg in Südafrika. —p. General White hatte berichtet, daß die Boeren am 6. Januar bei Ladysmith verschiedene Anhöhen erstürmten und die dort aufgeworfenen Sckanzen besetzten, daß sie aber von dort wieder vertrieben worden seien. Jetzt wird, wie schon im gestrigen Abendblatt« mitgetheilt, aus Pretoria über Paris gemeldet, daß die Boeren ein Hochplateau gebalten hätten, das Ladysmith und die englische Stellung beherrsche. So wahrscheinlich die Nach richt klingt» ist sie doch mit Vorsicht aufzunebmeo, da eS nicht glaublich erscheint, daß die englische Depeschencensur Derartige» durchläßt. Ein militärischer Mitarbeiter des Londoner „Morning Leader" will wissen, Buller habe di« Zustimmung von Robert» und Kitchener erlangt zu einer sehr großen Bewegung gegen die Boeren, die sich gegen wärtig vollziehe und deren Ergebniß Sonnabend Nachmittag oder Sonntag Morgen bekanntgegeben werden dürfte. Nun, wir sind wirklich auf diese Kraftleistung gespannt. «vtzert» «ud Kitchener sind am Mittwoch in Capstadt angelangt, aber man hat nichts davon gekört, daß sie jubelnd von der Bevölkerung begrüßt worden sind. Al» Buller den Fuß auf afrikanischen Boden setzte, wurde er mit großer Feierlichkeit empfangen. Ganz Capstadt war auf den Beinen. Wenn jetzt keine Hand und kein Fuß sich in Bewegung gesetzt habe», so laßt die» auf eine recht pessimistische Stimmung am Cap schließen. Man ist zu oft enttäuscht worden und macht sich deshalb keine Illusionen mehr. Sonst ist noch Folgendes zu melden: * Loutzs«, 12. Januar. (Telegramm.) „Reuter'« Bureau" meldet au» Maseru vom 8. d. M.: Ein starke« Wiederaufleben de- kritgerijcheo Geiste« ist «ater den Boeren de« Oranje- Freistaat«« bemerkbar, deren Begeisterung anscheinend (l) er lahmt (?) war. Sie mache» ei»« letzte Anstrengung »ad senden all« tauglichen Leute zur Front, einschließlich der Engländer, die sich nur bereit erklärt haben, die Grenze gegen da« Basutoland zu v«rth«idig»n. Biele der Letzteren find »ach dem Basutoland« eat- flohen. * Pest, 12. Januar. (Telegramm.) Au» Szatmar wir» gemeldet: Trotz LrS Verbote- der Regierung, daß Soldaten für fremd« Staaten geworben werden, findet im Mannaroser Lomitat« die Anwerbung für die englische Arme» in großen Massen statt. Bisher haben sich über 500 Mann verpflichtet, in die eng. tische Armee einzutreten, wo ihnen eine sehr gute Besoldung zu- gesichert wird. (Magdeb. Ztg.) Zur Beschlagnahme »es „Herzog". Uns geht aus Antwerpen, 10. Januar, folgende Zu schrift zu: Verwahrung des Hilfsausschusses für Transvaal und Oranjesreistaat zu Ant werpen gegen HerrnOberstabsarztOr. Pannwitz Vertreter der Centralstelle des Rothen Kreuzes zu Berlin Die von Herrn vr. Pannwitz herausgegebene Zeitschrift „Das rothe Kreuz fordert auf, alle in Deutschland gesamnwlten Geldmittel für die Venvundeten- und Krankenpflege im südafri kanischen Kriege an di« Centralstelle des Rothen Kreuzes zu Berlin einzusenden. Diese Aufforderung ist verbunden mit einer durchaus ungerechtfertigten Verdächtigung gegen den unter zeichneten Hilfsausschuh, welcher, „ein gewisses Antwerprner Privatcomitß", die Sicherheit d«r zugleich mitfahrenden Ex pedition des Deutschen Rothen Kreuzes gefährde. Daraufhin haben wir Folgendes zu erwidern: 1) Der Antwerpener Hilfsausschuh hat sich niemals die Eigen schaft einer Gesellschaft des Rothen Kreuzes angemaßt, sondern die von ihm ausgerüstete Sanitatsexpedition steht unter dem Schutze des Comitös der Internationalen Frei- willigendesRothenKreuzeszuBrüssel, welches durch Urkunde vom 25. October 1876 an die Genfer Convention angeschlossen ist. Die von übelwollender Seite aufgestellte Be hauptung, daß diesem Comitö die gesetzliche Befugniß zur Be- schützung von Sanitätsexpeditionen heute nicht mehr zusteht, kann nur durch ein maßgebendes Schiedsgericht beantwortet werden, doch wird di« Frage im vorliegenden Falle nicht von Einfluß fein' 2) Das von unserem Ausschuß unternommene Hilfswerk für di« Boeren ist ein „ a l l d « u t s ch e s ", d. h., es haben dazu säinmtliche hoch- und niederdeutschen Stämme in den Nieder landen, dem deutschen Reiche, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz beigetragen. Nach dem heutigen Staatsrechte erscheint jedoch eine solche Expedition als eine „ i n t« r n a t i o n a l e", und es war daher nicht möglich, di« Expedition einer „nationalen" Rothen i ireuz-Gesellschaft anzugliedern. Insofern war das Comitß der Internationalen Freiwilligen des Rothen Kreuzes zu Brüssel, dessen 7000 Mitglieder über alle Theile der Erde zerstreut sind, die berufene Stelle, den Schutz für unsere Expedition zu über nehmen. 3) Der unterzeichnete Hilfsausschuh bedauert lebhaft, daß Herr Oberstabsarzt vr. Pannwitz von einem von der be geisterten Zustimmung aller deutschen Stämme getragenen Hilfswcrke in so geringschätziger Weise spricht'. Wenn die Antwerpener reichsdeutschen und Römischen Mitglieder des Ausschusses^ auch gern über diese Anwiirse hinwcg- .sehen, so müssen wir doch Verwahrung dagegen einlegen, daß der mit uns gemeinschaftlich arbeitende Hauptoorstand des A l l d e u t s ch e n V e r b a n d e s, die Herren Reichstagsabgeordneten Professor vr. Hasse und l)r. Lehr, der Zweigausschuß in Hamburg unter Leitung des Herrn Rechts anwalts A. M. Jacobsen, der Herausgeber der „Deutschen Zeitung zu Berlin', Herr vr. Friedrich Lange, der Herausgeber der „Ostdeutschen Rundschau" in Wien, Herr Reichsrathsabge ordneter K. H. Wolf, sowie die vielen ander«» hochangesehenen Freunde und Mitarbeiter unseres Werkes hierfür von Herrn I)r. Pannwitz öffentlich beleidigt werden. 4) Der Ausschuß erhielt durch den kaiserlich deutschen Ge sandten in Brüssel, Herrn Graven von Aloensleben, die amtliche Mittheilung, daß der deutsch« Consul zu Lourenyo- Marques telegraphisch angewiesen wurde, den reichsdeutschen Theilnehmcrn unserer Expedition den Schutz des deutschen Reiches angedeihen zu lassen. Di« öffentliche Meinung in Deutschland darf deshalb überzeugt sein, daß es den Engländern nicht ge lingen wird, ihr völkerrechtswidriges Vorgehen durch die an gebliche Ungesetzlichkeit unserer Expedition zu rechtfertigen. Antwerpen, den 10. Januar 1900. gez. Professor Pol de Mont, Vorsitzender. Deutsches Reich. -2- Leipzig, 12. Januar. (Die Auslassungen deS Kaiser» über die Socialdemokratie.) — „Die Social demokratie betrachte Ich al» eine vorübergebende Erscheinung; sie wird sich auStoben" — gelegentlich des Empfanges der Vertreter der preußischen technischen Hochschulen beschäftigen die öffentliche Meinung auf daS Lebhafteste. Die Presse gelangt dabei, je nach ihrem Partei- und socialpolitischen Standpunkte, zu wesentlich verschiedenen Urtheilen. Während Blätter der rechten Seite wie die „Berl. Reuest. Nachrichten" merkwürdiger Weise mit einem eigenen Urtbeile uock zurück- kalten, entnimmt die freisinnige und die demokratische Presse auS dem Auösprucke des Kaisers, daß vamit „alle Gewaltmaßregeln gegen die Socialdemokratie, alle Versuche, sic anders als auf dem GleichberechtigungSfuße zu behandel», alle Umsturz- und Zuchtbau-vorlage» als unangebracht zu bezeichnen feien, da sie den gesunden EntwickelungSproceß der Socialdemokratie nur stören." Diese Auffassung macht sich die ultramontane „Germania" zu eigen, für die die Ansprache deS Kaisers „ein neuer und erfreu licher Beweis dafür ist, daß die Socialdemokratie nur durch Erfüllung der socialen Aufgaben überwunden werden kann." Au» dem socialdemokratischen Lager citireu wir die „Sächs. Arbeiter-Zta", sie schreibt: „Bei pflichten können wir iudeß der Ansicht, daß di« Social demokratie riue vorübergehende Erscheinung ist. Alle- bat einmal ein Ende und eine Partei hat auSgetobt, sobald sie ihr Endziel erreicht bat. Wir alle arbeiten eifrig daraus los, daß da» recht bald geschieht. Ist erst der Sociali»muS fest etablirt, wie rin locker cko branre. dann ist e» au» mit der socialdemokratischen Partei al» Partei. Neue Aufgaben harren dann der von den siegreichen socialdemokratischen Ideen durchdrungenen Menschheit. Dann hat die Socialdemokratie auSgetobt, ein- für allemal." Und die „Lpz. VolkSztg." de» Gencffen Vr. Scköalank bemerkt: »sollten die Rathgeber deS Kaiser» und Vollstrecker feines Wistens geueigk sein, die praktischen, namentlich die grsetz- leberischen Conseggenzen auS der in der Red« autzge- prochenen Anschauung zu ziehen, so tviixpe e« sich um ffichr mehr und nicht weniger als uni hi« Ankündigung eines Stillstandes in per bisherigen Arbeitexschutzpolitik haypeln. vorübergehende Erscheinungen, die sich austoben, kejeitigt und zerschmettert man nicht mit allen Mitteln einer Gewalt politik. Die nächste Zeit wird eS lehren, ob Herr y. Krycher lnlaß hat, seine Nothschreie nach dem starkenManu zu per türken." Der „Vorwärts" erkennt in der Aeußerung das Bemühen, in der Zeit des FlotteukanipfeS daS Zuchl- hauSgesetz in den Hintergrund zu schieben; die mildere Äus- assuiiz des Kaisers über die Secialdemokratie werde vorüber gehen, wenn sich die Flotteiiplüue aysgelobl haben. Die Social demokratie werde aber gerade wegen der ppm Kaiser Wohl gewürdigten technischen Entwickelung nicht por- ibergehen, bevor die Technik die nothwendig auS ihr folgende ocialistische Organisation gefunden habe. Die antisemitische „ Staats bü rger-Ztg." meint, daß eine irrthllmliche Wieder gabe der Aeußeruug des Kaisers vorliege. Die Social demokratie habe längst auSgetobt und arbeite heute still und zielbewußt daran, die Herrschaft an sich zu reißen und ihren Zukuiistestaal aufzurichien, in dem weder der Thron nock der Altar eine Stätte finde. Dis „Deutsche Tages zeitung" deutet den Ausspruch dabin, daß aus ihm Pir leberzeugung spreche, die Socialdemokratie müsse und öune überwunden werden, nickt aber dje Meinung, Paß man sie ruhig ausloden und gewähren lassen müsse. Der Kaiser habe eine so hohe Auffassung von seinem Berus« pnd ci so durchdrungen von dein Verantwortlichkeilsbewußtftin, daß ihm sicher nichts ferner liege, als einer so gefährlichen Bewegung gegenüber sich auf den Boden de» Gehentaffens zu stellen. — Wir pflichten dem Organe des Bundes der 'andwirthe insofern bei, daß eS nichts Gefährlicheres gehen önnte, als der Socialdemokratie gegenüber die Zuges am Boden schleifen zu lassen und sich über ihr innerstes Wesen einer Täuschung hinzugeben, auS der über kurz oder lang ein keineswegs erfreuliches und angenehmes Erwache» erfolgen müßte. Di« Socialdemokratie von heute ist und bleibt der geschworene Feind von Staat und Gesellschaft, die in hem ihnen aufgezwungeuen Kampfe ausi-altin müssen und >iickt erlahmen dürfen. Darüber giebt sich jedenfalls auch der Kaiser keiner Täuschung hin, sonst hätte sich der Reichstag nicht mit dem Gesetzentwürfe zum Schutze der Arbeits willigen zu beschäftigen gehabt. Aber ebenso zweifellos hält er nicht jedes KampfeSmiltel für geeignet, das natürliche Ende der Socialdemokratie zu beschleunigen. Und daraus, daß er gerade jetzt Gelegenheit genommen hat, dies zu be tonen, darf mau wohl mit Recht schließen, daß «r die vor- dringlichen Rathschläge der Richtung Stumm, die «ine Zeil lang Gehör fände», nickt mehr für zweckdienlich hält. --- Berlin, 12. Januar. (Socialdemokratische Geschichtsschreibung.) In der Pose eines maßgebenden Kenners der Geschichte übt der „Vorwärts" Kritik an der Nsde, die Graf Bülow vorgestern in Stettin gehalten hat. „Nichts, ober gar nichis", soll, nach der protzenhaften Versicherung des socialdemokratischen Centralorgans, mit der geschichtlichen Wahrheit die „Formel" des Grafen Bülow zu thun haben, daß die Hansa zu Grunde ging, weil das alte Reich sie nicht ge nügend stützte; das genaue Gegeutheil entspreche eher der Tat sache: die Hansa habe gerade durch die staatlich« Zersplitterung Bedeutung und Entwickelungsmöglichkeit erhalten und sei wesent lich der Selbstsucht dynastischer Concurrenz erlegen. -»Wie eine Richtig st ellung dieser Behauptungey liest sich, was einer der besten Kenner der hansischen Geschichte, Pro fessor Or. Dietrich Schäfer, in seiner vor drei Jahren erschienenen Schrift „Deutschland zur Sre" (Jena, G. Fischer) auf Seite 21 ausführt. Schäfer schreibt hier unter Anderem das Nachstehende: „In ihrer Noth hat die Hansa am Reich eine Stütze gesucht. . . . Ohne Erfolg! Nicht als ob eS in Binncirdeutschland an jedem Derstänkmiß gefehlt hätte für das, was an der Seelante zu Grunde ging. Kurfürst August von Sachsen selhst, nächst deni Kaiser der einflußreichste deutsche Fürst ia der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, hat die Auffassung vertreten, dsß man in diesen Händeln doch nicht ruhig zuschauen dürft; er fand, Paß st auch seine eigenen Lande angingen. Auch sonst trefft» wir ver einzelt auf entschiedene fürstliche und adlige Verfechter der An schauung, daß Deutschland nicht bestehen könne, ohur eine starke Vertretung seiner Derkehrsinteressen zur See. Aber es waren Stimmen in der Wüste. An kaiserlichen uvd ReichsmanLatm hat es allerdings im englischen und im livländisch«, iw schwedischen, wie im dänischen Handel nicht gefehlt. Aber vor deaen fürchtete sich kaum noch ein gartender Landsknecht, geschweige denn Eli sabeth von England oder ihre Brüder auf den Thronen von -Schweden und Dänemark. Nie war ja das Reich eine politisch geringere Macht als in der Zeit von den Hussiten bis zum 30jäbeigen Kriege, und an dieser R e i ch s l o s i g k e i t, an dem gänzlichen Verfall des politischen Könnens der Nation als solcher gingen Li« brutsche Hansa, der deutsche Handel und die deutsche Seemacht zu Grunde. So war» den deutschen Städten uns deutschem Handel verderblich und Verhängnisse voll, was einst ihre Entwickelung begünstigt hatte. Die Freiheit der Bewegung auf dem alten Reichskoden war ihne» zu Gute gekommen; jegr zeigte sich die Kehrseite. Sie entbehrten schmerzlich die Möglichkeit der Arilehung cm einen starten natio nalen Staat. Das Fürstenthum hätte diesen Mangel einiger maßen ersehen könne»; nach dem 30jährigen Kriege haben Hamburg und Bremen in der Vertheidigung ihrer Unabhängig keit gegen Dänen und Schweden an Brandenburg und Braun schweig-Lüneburg eine Stühe gefunden. Aber im 16. Jahr hundert hat kein Fürst für die Städte eine Hand gehabt. Tie er schienen als fremdartig« Bildungen am Körper des Reiches, al- lästige Durchbrechungen des landesfürstlichen Prmcix>s. Die Städte hatten ihre wirthschaftlichen Interessen oft einseitig und engherzig vertreten, zum Schaden deS umgebenden Landes alle» Gewerbs- und Derkehrsleben ia ihren Mauern zu concentriren gesucht. Noch war die Zeit, wo man die oberste Aufgabe darin erblickte, sie wieder einzusügen in die Territorien, auf deren Ent»
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