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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 02.04.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-04-02
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000402028
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900040202
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900040202
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-04
- Tag 1900-04-02
-
Monat
1900-04
-
Jahr
1900
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Diese optimistische Auffassung gründet daS konservative Blatt, wie eS scheint, hauptsächlich darauf, daß man sich in der Commission nicht gezankt hat. „Die parlamentarische Symphonie, deren Vorspiel wir der» nehmen, hat nicht den Stil der Eroica. Sie klingt vielmehr wie eine Pastorale. Pauken und Trompeten treten zurück und lassen die Streichinstrumente ohne Aufgebot von Leidenschaften singen. Das Quartett der Commission gebt in die Breite. Wir werben noch viele Wiederholungen zu hören bekommen, deren Bedürsniß wir nicht stark empfinden; aber das Alles verläuft nach klassischem Muster und mag dereinst zum guten Scklußaccorde fuhren." AlS ein weiteres günstiges Vorzeichen betrachtet die „Sckles. Ztg." die „Opferbereitschast", mit der von den Mitgliedern der Commission eine Menge von Steuervor schlägen gemacht worden sind; sie würde allerdings an diesem „Wetteifer der Opferbereitschast noch reinere Freude baden, wenn sich nicht dre Frage aufdrängte, ob diejenigen, welche am freigebigsten mit Steuervorscklägen sind, auch die ehr lichsten Absichten für die Flotte hegen"; aber trotz dieses Zweifels schließt da« Blatt: „Wie dem auch sei: der Vergleich ist angebahnt. Er ist nicht nur möglich, er ist nothwendig. Die Oslerstrien werden, wie wir hoffen, weiteren guten Rath bringen, wenn die Erörterungen im Geiste der Versöhnlichkeit und Lpfrrwilliakeit fortsahren, wir sie in der Commission begonnen haben. Zwischen dem Uebereifer der Einen und dem Widerstande der Anderen, zwischen den abschreckenden Steuer-Auerbietuugen der Opposition und den vernünftigen Vor schlägen der Flottenfreunde läßt sich die Mittrlsrraße ziehen, dir zum Wohl des Reiches führt. An der Regierung liegt e« jetzt, die erfreuliche Entwickelung der Dinge zu begünstigen und namentlich Mißklänge frrnzuhalten, die von anderen Gesetz» rntwürfrn Herkommen und den entstehenden Einklang der Vater» ländisch gesinnten Parteien stören könnten." Man könnte sich an diesem Optimismus vielleicht er freuen, wenn nicht ein Satz der Ausführung stutzig machen müßte, der Satz nämlich: „Wir haben Zeit bis zum Cnde des JahreS". Dieser Satz eröffnet eine reizende Perspective und zeigt zugleich, wie der Appell an die „Regierung", „Mißklänge fernzuhalten, die von anderen Gesetzentwürfen Herkommen könnten", zu verstehen ist. Und die Regierung wird Wohl auch versieben, daß ibr gesagt werden soll: „Wir, d. h. die ausschlaggebenden Parteien, die Conservalivcn mit den Leitern des Bunde- der Landwinde uno daS Centrum, baden Zeit bis zum Ende des Jahre«, unsere Entschließungen zu fasten; srüber «hun wir es nicht. Tenn wir muffen vorder wssen, wie sich die Regierung zu den anderen Gesetzentwürfen und den von unS theilS beantragten, tbeilS beschlossenen Abände rungen stellt. Äst diese Stellungnahme eine so che, wie wir sie wünschen und fordern, dann kommt auch vor Jahressckluß die Flotteufrage zu einer Lösung, mit der die „Negieruug" sich einverstaubeu erklären kann." AehnlicheS bat man ja in klerikalen und bündlerischen Blättern schon oft genug gelesen. Und wenn man die Matlherzigkeit, mit der die Vertreter der „Regierung" in der Budgetcommission den Abbruch der Beralbung, noch bevor der Fragezettel der ErntrumSmitgliever seine Erledigung gefunden batte, sich gefallen ließen, so kann man sich der Besorgniß nickt erwehren, daß auch einer Verschleppung der Entscheidung bis zum Schlüsse des Jahre« von entscheidender Stelle aus nicht energisch werde enlgegengetrelen werden. Da« wäre daS Schlimmste, waS der Flottenvorlage geschehen könnte. Fängt man im Volke erst einmal an zu glauben, die Ver stärkung unserer Seewebr sei gar nicht so eilig, wie sie im Herbste dargestellt wurde, so wird «S auch den Gegnern dieser Verstärkung leicht werden, aus der Nachgiebigkeit der Regierung gegen die Verschleppungstaktiker Capital für sich zu schlagen und den Schwankenden einzuredrn, die Regierung bereue eS bereits, dem Drängen der „Flottenschwärmer" uachgegeben zu haben. Wenn wirklich, wie bebanptet worden ist, der bayerische Fkaggenerlatz, der die Folge batte, daß die osficicllen Gebäude in Bayern am Geburtstage des Kaiser« ohne Flaggenschmuck blieben, in Berlin eine Mißstimmung bervorgerufen und dem bayerischen Gesandten Grasen Lrrchenfrld üble Tage bereitet hat, so werden diese Tage doch vermutblich die einzigen über Bayern hinauSreickenten Folgen des Erlasses bleiben. Man wird diesen in München vor einer weiteren Auslegung schützen, die in Berlin daS fernere Jgnoriren des Geburtstages deS Prinzregenten berbriführen müßie, und dann wird der „Zwischenfall" erledigt und vergessen sein. Aber in Bayern selbst wird der Erlaß nicht so rasch aus der öffentlichen DiS- cnssisn verschwinden, denn er hat noch eine andere Seite, als die bisher zumeist betrachtete. Zn der „AugSb. Abend,tg." wird nämlich seine Bedeutung für die Parität von einem Gym nasiallehrer untersucht. Der Erlaß bestimmt alS Tage, an denen StaatSgebäuee beflaggt werden können (nicht müssen, aber vielleicht sollen), außer den patriotischen Festtagen auch Fronleichnam, alio daS Fest, das durch daS Tridentiner Concil dir Bedeutung eines kleinen Triumphzuges über die „Ketzer" erhalten bat. Der Flaggensckmuck aus den Staatsgebäuten an diesem katholischen Fest bedeutet nichts Andere-, als die Partei nahme deS Staate« für die eine Confesston gegenüber der ankeren, also eine Verletzung der Parität. Das ist gerade bei den Gymnasien am ersten spürbar. Sollen diese Staats gebäude ein Fest begrüßen, da- bei vorwiegend protestantischen Gymnasien im schroffen Gegensatz zur religiösen Ueberzeugung der Medrzabl ihrer Schüler steht? Man siebt, beißt es weiterhin, in Gymnafiallehrerkreisen mit wachsendem Erstaunen, wie ultramonrane Tendenzen sich auf dem Gebiete des Schulwesens einzunisten wissen. Zm Obersten Schulraib sitzen zur Zeil fünf Gymnasialrecioren; alle fünf sind katholisch, etliche unter ihnen geradezu ausgesprochen ultramon'ane Parteimänner. Da fragt man sich doch in Gymnasiallehrer kreisen: „WaS ist denn au- der evangelischen Gymnasial pädagogik geworden? Ist sie ihrer ruhmvollen Geschichte so untreu geworden, daß sie gar nicht mehr im Stande ist, etwas für die Aufgaben eines bayerischen Obersten SchulratbeS zu leisten? Over liegt der Grund zu dieser auffallenden „Dikpariiäl" darin, daß in Bayern zur Zeit ultramoutan Trumpf ist?" Jedenfalls Hierdurw erklärt es sich auch, daß in Bayein in die neuen Oualificationslisten für Mittelschullebrer Kragen bezüglich der Confessiou der Frau unk der Kinder der betreffenden ausgenommen sind. Damit will al>o die Behörde feststcllen, in welchen gemischten Ehen katholischer Lehrer die Kinder evangelisch erzogen werden. — Also überall dasselbe plan mäßige Vorgehen: in Bayern, wie in Pi rußen! Schon hieraus darf man schließen, daß die Regierungen beider Staaten sich miteinander vertragen werden. Man wird nicht behaupten können, daß die Irländer dem Besuch der Königin von England, die beuie die Reise dorthin antrelen wird, mit besonderer Begeisterung entgegenseben, aber es ist auch andererseits als vollständig ausgeschlossen anzuseben, daß die Monarchin von dem Volke, das ihre Negierung so glühend haßt, unfreundlich empfangen werden wird. In Dublin siebt die Bevölkerung dem hoben Besuche anscheinend reckt gleichmütbig entgegen, und reckt bezeichnend hierfür ist ein kleines Stimmungsbild, das der Dubliner Corresrondent der „Evening News" seinem Blatte unter dem 28. März schickt: Er hat aufmerkiain notirt, was man in den Gassen und auf den Plätze» spricht, und hat auch allerlei Leute „von der Straße" über ihre Ansicht befragt. Dabei hat er die Ueberzengung gewonnen, daß die verschiedenen Anreizungen zu Unhöflichkeiten, die leider nicht unterblieben sind, ohne jeden Erfolg sein werden und daß das irische Volk die greise Monarchin mit aller Ehrfurcht und Herzlichkeit will kommen heißen wird. „Wir eine Lady insultiren? Ihr müßt die Irländer mächtig schlecht kennen, wenn Ihr uns so etwas zutraut", sagte einer der Interviewten und fügte wohlwollend hinzu: „Gott verdamme Euer Land und Alle« was darin ist, und ich hoffe, die Boren werden Euch Alle zu Brei schlagen. Aber das kann uns nicht dazu bringen, eine Lady zu insultiren, noch dazu eine gute, alte Lady wie sie. Nein, „Sorr", wir werden alle erfreut sein, sie zu sehen, und wir find nicht so alberne Karnikel, Laß wir ihr nicht zeigen, wie froh wir sind, sie zu sehen." Die Königin wird in Irland nicht insultirt werden, und vielleicht weiden viele ihre Anwesenheit segnen. Denn Handel und Wandel liegen in Dublin arg darnieder. Dublin ist monatelang eine verödete traurige Stadt gewesen, und schweier lastet der Krieg aus dieser Stadt als auf London. Die Hälfte der Leute, die man auf den Sn aßen trifft, sagt der Correspoudent der „Evening New«", trägt den ernsten Weiden zweig (irisches Trauerabzrichrn) anstatt des fröhlichen grünen Sham rock Traurig dreinschaurnde Frauen in Schwarz scheinen allem die Bevölkerung der Stadt zu bilden; die Lücken in den Reihen der Füsiliere haben Dublin in eine Stadt der Trauer verwandelt. Ein Kaufmann versicherte den Journalisten: „Ich glaube nicht, daß in diesem Winter ein einzige« Tanzirst in Dublin abgehalten worden ist, und wir haben nie eine so schlechte Saison in unserem Leden gehabt. Die Ankunft der Königin wird hierin etwas Aenderung schaffen. „Ader", fährt der Correipondent sort, „die geschäftlichen Rücksichten sind von ganz untergeordneter Bedeutung. Es giebt nicht viele Irländer, die wenig Nefpect vor der Krone, aber dafür desto mehr für die halbe Krone (2V, Shillingsstück) haben." Die Königin wirk am Mittwoch von einer Deputation in Kingstown empfangen werden; von einer vorgeschlagenen Illumination veS Hafens wurde Abstanv genommen, angeb lich, weil kie Königin dadurch gestört werken könnte. Am nächsten Tage ist der feierliche Einzug der Königin in Tnblin, wobei ihr die Schlüssel der Stakt durch den Lordmayor an ker Leeso-i-Sirect-Brikge überreicht werden. Die Königin ist von einer Eecorte von ILO Officicren und Mannschaften be gleitet, die aus den Reihen der First Life-GuarkS genommen sind. Es ist das erste Mal, daß die Householk-Cavallerie die Königin nach Zrlanb begleitet. Der Krieg in Südafrika. -p Die neue Woche beginnt mit der Nachricht von einem neuen Erfolg der Boerev, welche die Lage der Noberts'schen „Offensiv-Armee" eigentbümlich beleuchtet und den Engländern Anlaß zur Besorgniß geben muß. Wir erhalten folgende, zum Theil schon durch Extra blatt bekannt gegebene Meldungen: * BnslimanSkop, 31. Miirr. Die in Tbabanchu gnrnisontrcude, aus Cavallcrie, Artillerie und berittener Infanterie bestehende englische Truppe mutzte vor einer heranzicheiiden großen voerenstreitmacht zurückgeheu, wobei sie in einen Hinterdalt gericth und das ganze Detachement mit sechs beschützen von -en Boeren gefangen wurde. * London, 2. April. (Telegramm.) La« „Reuter'fchc Vnrran" meldet vom LI. März au« Bloem fontein rla Vnshmanskop: Eine vom Obersten Broadwood befehligte, ans Eavallerie, zwei Batterien Artillerie nnd berittener Infanterie, die unter dem Beicht deS Obersten Prlcher stand, zusammengesetzte Truppe, die in Thabanchn garnisonirte, mutzte sich in -er letzten Nacht rurnckziehe», da sich eine arotze Streitmacht der Boeren näherte. Die Trnppe marfchirte nach Sen Wasserwerken von Bloem fontein südlich vom Modoerriver, wo sie um 7 Uhr früh ein Lager bezog, das bei Tagesanbruch von rückwärt« mit Granate« beschossen wurde. Broadwood schickte den Eonvoi und dir Batterien vor. während der Rest der Trnppe als Rückendeckung znrnckbltrb. Der Zug gelangte in ein tiefes Klntzbctt, wo sich Boeren versteckt hielten. Sogerieth die ganze Abrhelnng in einen Hinterhalt und wurde mit Ein- schlntz von sechs Geschütze« gefangen genommen. Der Berlu « an Menschenleben ist nicht »rotz, da die «eisten Mannschaften in den Hinterhalt gcrirtben, bevor ein Schutz abgegeben worden war. General Eolville'S Division, die hente früh Bloemfontein verlassen hatte, traf um 12 Uhr hier rin uud hat da» Grauatseuer aus den Feind begonnen. k. London, 2. April. (Privattelegramm.) Ans Bloemfontein wird gemeldet: Die Boeren setzten am Sonnabend ihre Offen sivbewegung sort, die Umgehung unserer Stellungen hartnäckig versuchend. Ilnjer rechter Flügel wnrde im Rücken angegriffen und znm Rückzüge gezwungen, wobei sechs Be schütze nebst Bedeckung verloren gingen. — Tie Verbindung mit Kimberley ist momentan ab geschnitten und Methuen isolirt. Roberts sandte ihm BerstLiknngcn. — Ter Kampf im Osten von Bloem fontein dauert an. Tie Boereustrllung vor «ns ist un erwartet stark. die Kampflinie einige 20 Kilometer lang. Starke ÄoerencommaudoS scheinen südlich von Modder vorzudringen. Man erinnert sich, daß die Besetzung Thabanchn-, welche« auf ter Slraße von Bloemfontein nack Ladybrand liegt, sckon einmal gemeldet wurde — gerüchlweise. Damals, am 26. oder 27. März hieß es, General French habe bei Thabanchn eine Niederlage erlitten. Unser Londoner Corr« sponkenl knüpfte daran die Bemerkung, daß kirecte Nack- richlcn nichl vo»lägen, daß sie aber wohl zuiückgehalten sein köninen. Man weiß heute noch nickt, ob dem sckneidigen Reitergeneral French, dem Befreier Knnberley'S, dort ein Unglück zugestoßen ist, die neuerliche Meldung aber trägt so g. Drei Theilhaber. Roman von Brei Harte. SiaLdiuck «erboicn. „Wer Du hast doch Privatntittel, Du hast doch eigene« Geld." „Nicht um damit zu specüliren, wie Du es wünschest; meine Stellung verbietet mir da«. Schon um de« Beispiels und Prä- cedenzfalles willen, darf ich e« nicht aus thörichte Dinge ver schwenden, wie Du zu erwarten scheinst. Ich bin eine seelen lose Maschine. DaS Capital, da- ich verwalte, ist mir uno meinem verstände anoertraut; Herz und Gefühl höben nicht« damit zu schaffen. Daher ist meine Antwort: „Nicht einen Lent!"" Barker'S Gesicht hatte einen älteren Au-druck angenommen, aber seine Farbe war zurückgekehrt. Jetzt fand er auch sein strahlende» Lächeln wieder, und au« seinem Wesen sprach Sine lielbvvolle Nachsicht, di« Stacy sich nicht erklären konnte. „Ich glanbe, Du hast Recht, alter Junge", sagte er, dem Bankier Vie Hand hinstveckend. „Ich hätt' mich früher mit Dir bereden sollen; aber wie gesagt, jetzt ist eS zu spät; ich habe mein Wort gegeben." „Dein Wort?" fragte Stacy. „Hast Du denn kein« schrift liche Abmachung?" „Nein. Mein Wort genügte ihnen." Er erröihetr, als s« er sich einer großen Schwachheit bewußt. „Aber da» ist ebenso ungesetzlich, wie unge^chästSmäßig. Du könntest nicht einmal die Grübengrsellschaft anhalten, den Ver trag zu erfüllen, wenn sie noch zurücktreten wollte." „DaS wird sie Nicht thun", sagte Barker einfach. „UebrigenS habe ich den Leuten auch nicht direct mein Wort gegeben. Ein Vetter meiner Frau, Henry Spring, der Makler ist, bat den Kauf vermlittelt; er verdient etwa» dabei, die Gesellschaft zahlt ihm CommissionSgevühren. Da kann ich ihn doch nicht inr Stiche lassen. — WaS sagtest Du eben?" Stacy hatte die Zähne zufaminenaebissen und tief aasige- stöhnt. „Nicht«", erwiderte er kurz; „außer, daß ich — wie schon verabredet — heute Abend zu Disch in Dein Hotel komme: aber nichts mehr von Geschäften. Davon habe ich genug mit Anderen zu thun; auch jetzt warten schon ein paar Leute auf mich, draußen im Bureau." Barker stand sogleich auf. Mit zärtlich besorgter Miene und dem alten liebevollen Lächeln legte er Stacy vertraulich Vie Hand auf Vie Schulter. „Es ist wirklich zu gut von Dir", sagte er; „Du hast mir und meinen Thorheiten so viel von Deiner werthvollen Zeit geschenkt und bist so offen gegen mich gewesen. ES mag Dir sauer genug ankoinmen, daß Du nicht Jim Stacy sein darfst und nur eine Maschine bist. Um mich mache Dir keine Sorgen. Ich verkaufe einfach ein paar von meinen West- Extension-Actien und bring« Vie Sache ins Reine. DaS ist ganz in der Ordnung. — Ader Du khust mir leid, alter Junge." Sein Blick schweifte über die AimmerwäNde mit dem kostbaren Hokzgetäftk. „Das ist wohl der Preis, den Du für alle Viese Pracht zahlen mußt?" Ehe Stacy noch antworten konnte, ließ sich ein Herr, der ihn sprechen wollte, zum zweiten Male melden; Barker fchüdielte dem Freund« rasch die Hand, lächelte ihm ermuthigend zu und trat in Vie Vorhalle hinaus. Nach seinem Gefühl trug er ganz allein die Schuld, daß die Unterredung kein« erfreulichere Wendung ge nommen hatte. Stacy'» neuer Besucher bekam jedoch den An druck, al- sei der Bankier in keiner sehr rosigen Stimmung. Er selbst war ärgerlich, daß man ihn bei seinem dringenden Geschäft hatte warten lassen, und nachdem er Stacy den Fall ausain- andergesetzt hatte, sagte er in gereiztem Tone: „Mir scheint, Sie folgen mir gar nicht. Können Sie mir denn keinen Vorschlag machen?" „Halten Sie sich doch an einen der Herren von Ihrem Direk torium", erwiderte Stacy zerstreut. „Kapitän Drummowd zum Beispiel ist ja Ihr alter Freund. Sie waren Kameraden im mexikanischen Kriege, wenn ich nicht irre." „Da käme ich an den Rechten", versetzte Jener voll Bitter keit. „Alle sein« Interessen liegen auf entgegengesetzter Seite. Wo r« sich um ein derartige» Geschäft handelt, nimmt man selbst aus den eigenen Bruder keine Rücksicht. Glauben Sie etwa, er würde einen sicheren vortheil auS den Händen lasten, weil er und ich bei Cerro Gonbo Seite an Seite gefochten haben? Da ist ja der reinste Blödsinn, und ich muß gestehen, Sie find der letzte Mensch, von dem ich dergleichen erwartet hätt«. Wenn Sie mir keinen Rath geben können, weil e» gegen da» Interesse Ihrer Bank ist, so brauchen Sie e« blo» zu sagen." Obwohl sich Stacy hiergegen sofort eifrig verwahrte, nahm der Besucher doch ein paar Minuten später die Ueberzeugung mit sott, daß deS Bankier» Lauheit ihren Grund in irgend einem feindlichen Ein fluß haben müsse. Auch dir übrigen Leut», welche mit diesem oder jen^n Antiken kamen, wurden schnell «-gefertigt, und nach Ablauf einer Stunde war Stacy wieder allein. Wir er schien sich nicht sehr behaglich zu fühlen. Nachdem er ganz mechanisch ein paar Notizen gemacht hatte, stand er plötzlich auf, öffnete eine kleine Schublade im Schreibtisch und nakMi einen Brief heraus, der noch im Umschlag steckte und eine ausländische Postmarkc trug. Er überflog ihn hastig, bis sein Blick zuletzt auf dem letzten Absatz haften blieb. „Ich hofft", schrieb der Briefsteller, „daß Du Dich selbst im Drange Deiner umfangreichen Geschäfte manchmal nach Barker wmsehen wirst. Nicht etwa, daß ich glaubte, 'ver liebe alte Junge könnte je auf fab che Wege gerathen — ihn leitet fein unbowußtes Gefühl, und ich wünsche oft, ich wäre meiner selbst so sicher wie seines richtigen Instinkts. Ich fürcht«, wir sind immer zu sehr geneigt gewesen, statt sein wundervolles vertrauen und seine HerzenSeinfalt zu unserem und seinem Besten wirklich zu ver stehen, sie nur zu dulden und unS darüber zu belustigen. Mit seiner Heirath warst Du nicht einverstanden; Du meintest, er ließe sich von einem thörichten Mädchen, das ihm nicht ebenbürtig wär, und ihrem gewissenlosen Vater allzu sehr auSbvuten. Aber frage Dich einmal, ob er in anderen Verhältnissen glücklicher ge wesen wäre und sein fchöneS, selbstloses Leben führen könnte, hätte er so gehandelt, wie Du eS für klüger hieltest. Wenn er Gödichte machte, Vie so poetisch wären, wie sein« Thaten, würde ihn Jedermann anstaunen; aber wer schätzt ihn jetzt nach seinem wahren Werth?" Stacy lächelte ingrimmig und schrieb auf sein No-tiz blatt: „Daß er zehntausend Dollar» verlangt, ist daS Neueste!" — „Deshalb bitte ich Dich, Jim", fuhr der Schreiber fort, „sieh Dich zuweilen nach ihm um! Thu' es um seinetwillen, um Deinetwillen und auS Freundschaft für Philipp Demorest." Stacy steckte den Brief wieder in den Umschlag, warf ihn ärgerlich beiseite und fuhr in seinen Berechnungen fort. Plötzlich unterbrach er sich jedoch in dieser Beschäftigung, legt« den Brief in die Schublade zurück und klingelte Mit einer Glocke, Vie vor ihm stand. „Herr North soll zu mir kommen", gebot er dem schwarzen Diener. Wenige Augenblicke darauf trat ssin erster Buchhalter zur Thür herein. „Nehmen Sie daS Hauptbuch unserer Filiale und schlagen Sie Herrn Georg Barker'S Conto auf." „Der Herr ist soeben erst fortgegangen', sagte North und versuchte, seinem Principal gegenüber eine vertrauliche Miene anzunehmen. „DaS weiß ich", erwiderte Stacy kalt, ohne aufzublicken. „Er hat sich in der letzten Zeit an unsinnigen Spekulationen bethriligt", fuhr North fort. „Ich habe verlangt, sein Conto zu sehen, nicht Ihre Meinung zu hören", lautete Stacy'» kurze Entgegnung. Der Buchhalter entfernte sich, etwas beschämt, aber noch immer neugierig, und kehrte bald darauf mit einem Hauptbuch zurück, Vas er dem Principal vorlegte. AlS Stacy die Liste von Barker'S Werthpapieren überblickte, glaubte er eine Zusammen stellung aller zweifelhaften Unternehmungen des letzten Jahres vor sich zu sehen. Mit dem Finger auf die West-Extension- Actien deutend, sagte er: „Herr Barker wird einige von diesen Papieren verkaufen wollen. Wie hoch stehen sie jetzt?" „Sechzig." „Es wäre mir unlieb, wenn Herr Barker die Papiere an die Börse brächte. Kausen Sie sie unter der Hand von ihm für siebzig. Die zehntausend Dollars wessen ihm gutgeschrieben. Benach richtigen Sie unser« Zweigbank sofort; man soll von dem Handel nichts verlauten lassen." „Sehr wohl", erwiderte North. Im Begriff, sich zurück- zuziehen, blieb er jedoch zögernd an der Dhür stehen und ver suchte nochmals, einen vertraulichen Ton anzuschlagen. „Ich habe immer geglaubt, daß West-Extension wieder in die Höhe gehen würde", sagte er mit schlauer Miene. Slacy, dem eS vielleicht ganz gelegen kam, auf solche Weise zu erfahren, waS sich sein Untergebener für Gedanken gemacht hatte, schaute ihn an und erwiderte trocken: „Dann rathe ich Ihnen, behalten Sie auch diese Meinung für sich." Di« Wirkung dieser Worte hatte er übrigen», so klug er war, nicht vorausgesehen. Obgleich North «ine Vertrauensstellung einnahm, war er doch nur ein Mensch. Sobald er hinau» ins Bureau kam, winkte er einen der dort herumstchenden Makler zu sich heran und flüsterte ihm verstohlen zu: „Ich will zwei Actien von West-Extension nehmen, wenn Sie sie mir billig verschaffen." Der Makler ward aufmerksam. „Jawohl; aber sagen Sie, giebt eS 'wak Neues?" fragte er eifrig. „Glauben Sie, ich werde unser« Bankgeschäfte ausplarrdern?" erwiderte North in strengem Ton. „Wollen Sie meinen Auf trag nicht erfüllen, so lassen Sie e» bleiben!' Nachdem er so seinem Groll über di« Zurechtweisung, die er vom Principal erhalten, Luft gemocht hatte, indem er sie an einen Untergebenen weitergab, eilte North fort, um Stacy'» Be fehl auSzuführen. Er war überzeugt, daß er mit großem Scharf sinn die wahre Ursache der seltsamen Handlungsweise desBankirrS durchschaut und Nutzen daraus gezogen hatte. Als er jedoch in der Hoffnung, noch weitere Aufklärung zu erhalten, in Stacy'S Privatbureau zurückkehrte, war der Principal mit einer anderen Finanzgröße in eifrigem Zwiegespräch und hatte offenbar di» ganz» Angelegenheit vtrgesftn.
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