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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 27.03.1905
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1905-03-27
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19050327012
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1905032701
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1905032701
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1905
-
Monat
1905-03
- Tag 1905-03-27
-
Monat
1905-03
-
Jahr
1905
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BrzuqS-Preis in der Honptrxprdition oder deren Au-gabo» stellen abgeholt: vierteljährlich 3.—, bet zweimaliger täglicher Zustellung ins Hau» ^l 3.75. Durch die Post bezogen für Deutsch- land u. Oesterreich vierteljährlich 4.50, für die übrigen Länder laut Zeitungspreisliste. Diese Nummer »-stet aus allen Bahnhöfen und III ^1 bei deu ZritungS-Verkäufern I * Hiebaktton und Expedition: 153 Fernsprecher 222 JohonniSgasse 8. Haupt-Filiale Dresden: Marienstraße 34 (Fernsprecher Amt I Nr. 1713). Haupt-Filiale Berlin: LarlDunckrr, Herzal.Bayr.HofbuchbaMg, Lützowsirafje 10 (Fernsprecher Amt VI Nr. 4ML1 Nr. 156. Morgen-Ausgabe. MiWgcr TllgMM Ämlsölatl des Königl. Land- «nd des Äönigk. Amtsgerichtes Leipzig, -es Nates und des Nolizeiamtes der Ltadt Leipzig. Montag den 27. März 1905. Anzeigen-Preis die 6gespaltene Petitzeile 25 Fomilien- und SteUen-Anzeigen 20 Finanzielle Anzeigen, GeschästSanzeigen unt«' Text oder an besonderer Stelle nach Tarif. Die «gespaltene Neklamezeile 75^. Annahmeschlusz für Anzeigen: Abend-AuSgabe: vorinittagS 10 Uhr. Morgen-AuSgabe: nachmittags 4 Uhr. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Extra-Beilagen (nur mit der Morgen. Au-gabe) nach besonderer Vereinbarung. Tie Expedition ist wochentags ununterbrochen geössnet von früh 8 bi« abends 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Pol; in Leipzig And. vr. V„ R. L W. Klinkhardt). 99. Jahrgang. Var McktigZle vom läge. * Kaiser Wilhelm kondolierte den Angehöri gen des verstorbenen Schriftstellers Jules Verne. (S. Letzte Depeschen.) * In Leipzig ist ein Streikder Lithographen und Steindrucker in Sicht. (S. Leipziger Angel.) * In Warschau wurde gestern aus den Polizeichef Baron Nolken ein Bombenattentat ausgeübt. lS- Letzte Depeschen.) Professor Guiseppe Levy in Mailand will ein sichere« Heilmittel gegen die Tuberkulose ge sunden haben. (S- Letzte Depeschen.) Ulttamsnkanizmur uns lraldolische Fitchr. Von Protestanten nicht bloß, sondern auch von Katholiken kann man häusüg die Ansicht äußern hören, daß ein Unter schied zu machen sei »wischen Ultramontanismus und katho lischer Kirche. Es geht daraus hervor, wie sehr sich die Ver treter dieser Ansicht über das eigentliche Wesen der römisch- katholischen Kirche noch im Unklaren befinden. Ihnen schwebt etwas vor, was in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Die römisch-katholische Kirche hat aber eine sehr reale Ge stalt, die auf unverrückbaren Grundlagen ruht. Vor 1870, vor der Verkündigung deS Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes, konnte man wohl noch mit einem Scheine Rechtens von einem Unterschiede -wischen Ultvamontanismus und katholischer Kirche reden; denn bis dahin war der Ultramon- lonismus noch nicht -u dem die ganze katholische Kirche be- herrschenden System geworden, man verstand darunter viel mehr nur eine die Herrschaft anstrebende Richtung innerhalb der katholischen Kirche, die vornehmlich vom Jesuitenorden vertreten wurde, aber bei den Katholiken selbst auf sehr ent- schisdenen Widerstand stieß. Mit dem 18. Juli 1870 ist dies völlig anders geworden: die katholische Kirche ist in dem Ultra- montanismus oufgegangen. Seitdem ist nur noch eine Unter scheidung zwischen Ultramontanen und Katholiken als Indi viduum berechtigt. „Das Ideal des Jesuitenordens ist," wie Ignaz von Döllinger in seinem „Janus" sagt, „am 18. Juli 1870 ver wirklicht worden, daß man, so oft von der Kirche, von ihren Rechten und ihrer Machtübung die Rede ist, immer den Papst und nur ihn zu verstehen habe. . . Für sich genommen, als die Gemeinschaft der Gläubigen, des Klerus und der Bischöfe, ist die Kirche, nach dem Ausdrucke des Kardinals Cajetan, des klassischen Theologen der Kurie, die Sklavin sservaj des Papstes. Weber im Ganzen noch in ihren Teilen sNational- kirchen) darf sie etwas wollen, erstreben, billigen oder miß billigen, was von dem päpstlichen Wollen und Denken sich irgendwie entfernt." Nunmehr ist «s die Aufgabe und die Gewissenspflicht aller Nationen, sich in die ultramontane, d. h. die spezifisch klerikal-italienische Denk- und Em pfindungsweise möglichst hinein-uleben, und will der Deutsche, Franzose oder Engländer da, wo die italienische Form oder Anschauung oder Praxis und Andachtübung seinem nationalen Gefühl widerstrebt oder sich an die Stelle des bisherigen, ihm besser zusagenden Einheimischen zu setzen pingt, die fremde Form von sich abwenden, so ist er schon dadurch aus einem falschen Wege, ist er kein „eigentlicher Katholik" mehr, son- dern ein Gegner der römisch-katholischen Kirche, ein „Namen- Katholik" im Gegensatz zu den echten Katholiken, den Ultra montanen. Wer heute noch daran zweifelt, daß Ultramontanismus und römisch-katholische Kirche identisch sind, der lese die Ver handlungen der deutschen Katholikentage, insbesondere die des letzten von Regensburg, der vergegenwärtige sich die Behand lung, die den sogenannten Reformkatholiken von der römische Kirche zuteil wird, der sehe -u, wie sich die Führer und die Preßorgane der Zentrumspartei über den Ultra- montanismus äußern. Man mag die „religiös^doginatischen Anschauungen" des Ultramontanismus immerhin für „ver altet" erklären, das ändert nichts an der Tatsache, daß sich da» Lehrgebäude der römisch-katholischen Kirche auf ihnen auf baut, daß sie das eigentlich« Wesen dieser Kirche ausmachen. Die als „Ultramontane" bezeichnetem Katholiken nennt Papst Pius IX. in seinem Schreiben an den Präsidenten des Vereins der kathÄischen Jugend zu Mailand vom 6. März 1873 die „eifrigsten und folgsamsten Kinder der Kirche". Und in seiner 1904 „mit kirchlicher Druckerlaubnis" veröffent- lichten Schrift „Der Ultramontanismus in seinem wahren Sinne" schreibt der päpstliche Hausprälat v. Carl Eberle: „Ultramontan sein heißt nichts andere» als wahr und echt katholisch gesinnt sein und dementsprechend auch handeln und in allem beharrlich und freudig zu der Kirche und zu ihrem Qberhaupte, dem Papste, stehen." Solchen authentischen Zeug- nissen gegenüber ist es völlig unstatthaft, noch fernerhin die Existenz eines Unterschiedes »wischen Ultramontanismus und katholischen Kirche zu behaupten. Die Annahme eines solchem Unterschiede» ist um so bedenklicher, als sie zu Fehlern in der politischen Behandlung der römisch-katholischen Kirche führen kann und leider auch schon häufig geführt hat. Man lasse also endlich von diesem verhängnisvollen Irrtum. L. Der rurr>rcb jspanlr»e Weg. Die sibirische Bahn «nb ihre vebeutrrng in ben letzten Aämpsen. Ein regelmäßiger Mitarbeiter schreibt uns: Vor über Jahresfrist wir'en wir angesichts der Schauermären, die über die Leistung-iäbigkeit der sibirischen Bahn verbreitet wurden, daraus hin, daß dieser eingeleisige und nicht gerade aus bestem Material erbaute Schicnenstrang es nicht gestatten würde, mehr als ca. 400 000 Mann auf dem Kriegsschauplatz dauernd zu halten. Wir betonten damals. und daS wird heute noch von den Wenigsten gebührend in Rechnung gezogen, daß die Bahn nicht bloß zur Personen-, sondern auch zur Güterbeförderung notwendig ist, daß Sibirien und die Mantschurei nicht in der Lage sind, ein übermäßig großes KriegSbeer aus dem Ueberschuß an Lebensmitteln, der sich im Lande findet, zu beköstigen: Lebensmittel für 100 000 Mann erfordern aber zuzüglich des sonst nötigen Nachschubmaterials, Futter für die Pferde, Munitionsersak usw. allein täglich soviel Güterzüge, daß da mit die Bahn schon am Rande ihrer Leistungsfähigkeit ange- langt ist. Wir haben heute die Genugtuung, daß unsere Be rechnung sich voll und ganz als richtig erwiesen hat: in der Praxis sowohl wie auch in der erst kürzlich bekannt geworde nen Theorie des russischen G e n c r a l st a b e S, der genau unsere Ziffer bestätigt. Es ist nun in der letzten Zeit viel vom zweigeleisigen Ausbau der Bahn die Rede gewesen, und eS ist zweifellos, daß ein solcher die Leistungsfähigkeit fast vervierfachen würde, nur wird gemein hin die Dauer eines solchen Erweiterungsbaues bedeutend un terschätzt und vor allem vergessen, daß die für einen solchen Ausbau nötigen Materialzüge, ausdenen die Schwellen, Schie nen usw. an Ort und Stelle befördert werden, die Ausnutzung der Bahn für militärische Zwecke in ganz unzulässiger Weise beeinträchtigt. Verzichtet man aber aus die Benutzung des vorhandenen Geleises beim Bau des neuen, so würde die Legung des zweiten SchienenstrangeS fast ebenso lange dauern wie die des ersten, nämlich ca. 8—10 Jahre. Mit andern Worten: während derDauer des Krieges, es sei denn, man zöge ihn zehn Jahre in die Länge und das Geld wäre unterdessen noch nicht ausgegangen, ist der Ausbau des zweiten Geleises nicht möglich, wenigstens nicht auf der ganzen Linie, und das ist das wesentliche. Es liegt ja auf der Hand, daß es für die gesamte Leistungsfähigkeit der Bahn völlig gegen standslos ist, ob einige Strecken zweigeleisig sind, an den Punkten, wo nur ein Geleis liegt, würde sich das Mehr von Zügen, das aus zwei Geleisen verkehren kann, stauen. Aus demselben Grunde, weil nämlich die Strecke in höchstem Maße durch Militärzüge belastet wird, sind Ausbesserungen und An legung neuer Weichen usw. schwer und zeitraubend auszu führen. Es will schon viel beißen, eine Bahn, die Tag und Nacht auf das denkbar höchste angestrengt wird, in dauernd gutem Zustand zu erhalten, sie während der Benutzung noch verbessern, ist Wohl an sich möglich, sekt aber eine so hohe opferfreudige Pflichterfüllung aller beteiligten Faktoren vor aus, wie wir sie bisher in Rußland noch nicht beobachten konn ten: da kommt es nicht bloß aus den Techniker, sondern auch auf den L i e f e r a n t e n an: der wundeste Punkt jenes Riescnreiches. Bis vor kurzem standen dem russischen Heere noch die chinesischen Bahnen zur Verfügung, jetzt ruht das Heil deS ganzen auf einem einzigen Schienen st rang, mehr noch wie bisher müssen die Züge Verpslegungszwecken dienstbar gemacht werden, immer weniger können sie rein militärischen Transporten dienen, eine einzige wirksame, lang- dauernde Unterbrechung, und der Hunger bricht als furcht barster Feind über die Tausende tapferer Russensölme herein. An dieser Stelle sei noch auf die Bedeutung der Balm in der Schlacht bingewiesen, in der Beziehung wird sie völlig über schätzt: während eines Kampfes, nach einem siegreichen Gefecht für die Verfolgung und nach einem verlorenen für den Rück- zug, ist ein Schienenstrang für größere Truppenmassen so ziemlich völlig wertlos. Selbst vorausgesetzt, daß die Rusten in Mukden, wie man las, 4000 Eilenbahnwagen hatten und dazu die nötigen Lokomotiven und nicht zu vergessen Rahnboss, und Verladeeinrichtungen, so muß beachtet werden, daß allein die Truppen einer Infanteriedivision 24 Züge, die Trains »nd Kolonnen 15, zusammen also 39 Züge zu je 50 Wagen, brauchen, also etwa 2000 Wagen, ein einziges Armee korps hätte von Mukden also abtransportiert werden können, für die Tausende von Verwundeten, die naturgemäß mebrPlatz beanspruchen, ist dnbei überhaupt nichts gerechnet! Und die Verfolgung. Selbst wenn die Javaner die Geleise intakt vor sanden. sie konnten nicht daraus fahren, die Svurweite ihrer Maschinen und Wagen paßt nicht auf die russischen Geleise. Bekanntlich haben ja die Japaner die gesamte Bahn von Port Arthur—Dalnv bis über Liaujona hinaus aus ihre Spurweite umgcbgnt, aus dem einfachen Grunde, weil die Rusten ihnen seinerzeit nicht die nötigen Lokomotiven und Wogen zurück- gelosten batten, diese also ans Japan bezogen werden mußten, da sich die Sckienenspur schneller ändern läßt als der Umbau des ganzen Wagen- und MaschinenmaterialS. so wählte man den ersten Weg. So großes von den modernen eisernen Schienenwegen auch in der Mastenbekördernng geleistet wird, so wird doch vielfach nicht genüaend in Rechnung gezogen, daß dafür auch Zeit erforderlich ist, ein Eisenbabnzug befördert nach wie vor immer Hörstens «in einziges Batnillan, und waS ist Pin Bataillon bei der Anzahl Streiter, die dort aus den blutgetränkten Gefilden der Mantschnr«i ringen? („Nachdruck verboten.") Deutsches Deich. Lettztt«, 26. März. * Entlastung de» Reichsgerichts. Der Eifer, den der Reichstag ncuerding» an den Tag legt, um fällige Aufgaben zu erledigen, kommt hoffentlich auch einer Vorlage und den zu ihr in der Kommission gefaßten, der Initiative des natio nalliberalen Abgeordneten Hagemann zu dankenden Beschlüssen zu gute, welche zur Entlastung des Reichsgerichts zu führen bestimmt sind. Was speziell die Erhöhung der Revcsions- summe betrifft, so kann der Umstand, daß gegen die bezüglichen Vorschläge der Regierung, die in Uebereinstimmung mit dem Reichsgericht formuliert und von der Mehrheit der Kom mission angenommen wurden, vor wie nach Einwände er hoben werden, als so schwerwiegend nicht angesehen werden, um ein nochmaliges Hinausschieben der Enlscheiduna der strittigen Frage gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Gegen- über der Härte der Tatsachen, die dafür sprechen, daß je eher desto besser eine Entlastung des Reichsgerichts herbeigeführt werde, spielen guorsUo* ci'Xllvmanck, wie sie in dem Streit für oder gegen die Erhöhung der Revisionssumme in den Vordergrund geschoben worden sind und, wenn nicht endlich Schluß der Debatte gemacht wird, immer weiter geschoben zu werden Aussicht haben, keine Rolle, die dazu angetan wäre, die Kraft endgültiger Entschließung zu hemmen. * Berlin, 26. März. * Vom Bundesrat. In der am 24. März unter dem Vor sitz des Vtaat»sekretärS Dr. Grasen p. Pofadowsky ab gehaltenen Plenarsitzung deL Bundesrat» wur. den die Mitteilungen des RejchstaaSpräsidenten, betreffend die ReichStagsbeichlüste über die Resolution wegen einer No. velle zum VereinSzollaesek und über den Antrag wegen Er- richtung eines ReichöaroeitSamts, dem Reichskanzler, die Vorlage, betreffend die Ausprägung von 20 Millionen Mark in Krone», de» zusländiaen Ausschüssen überwiesen. Tie Zu stimmung sanden die Abänderung der Satzungen der Han noverschen Bodenkreditbank in Hildesheim, der Entwurf eine» Gesetze» für Elsaß-Lothringen. betreffend die Erteilung von wurden mehrere Am Sonnabend ien, für sen eine * Schwerin i. M., 26. März. Der deutsche Kron prinz wird am 9. April hier anwesend sein zur Teilnahme an der Geburtstagsfeier des Großherzogs Friedrich Franz, der mit seiner Gemahlin am Tage zuvor, von Cannes kom- mend, in seine Residenz zurückkehrt. Auch die Herzogin Ce- cilie zu Mecklenburg, die Braut des Kronprinzen, wird mit dem GroßherzogSpaare von Cannes hier eintresfen. * Franksurt a. M., 26. März. Im Alter von 75 Jahren ist hier der sozialdemokratische Schriftsteller Schramm gestorben, der 1871 mit Johann Jacobi aus der bürgerlichen Demokratie zur Sozialdemokratie übergetrcten ist. * Heidelberg, 26. März. Die Kurie verbot den Katboliken den Beitritt zum Guttemplerorden Der Freiburger Erzbischof erteilte den Pfarrämtern bereits die entsprechenden Weisungen. l„B. T.") * Stuttgart, 26. März. Die württembergischc Eisen- bahnverwaltung bat der Arbeiterschaft gegen über ein bemerkenswertes Entgegenkommen an den Tag ge legt. Die Eisenbahnbetriebsinspektion in Stuttgart über sandte nämlich dieser Tage dem Stuttgarter Arbeitersekre tariat einen Entwurf zum Sommersahrplan für 1905 mit dem Ersuchen, etwaige Abänderungsvor schläge der Arbeiterschaft der Eisenbalmverwaltuna bald zur Kenntnis zu bringen. Tie hiesigen Arbeiter, welche an dem Sommersabrplan interessiert sind, werden sich nun in einer demnächst stattfii'denden Versammlung mit dieser An- gelegenheit befassen und ihre Wünsche der Eisenbobnverwal- tung übermit In. Unschädlichkeitszeugnissen, und der Entwurf eines Gesetzes wegen Feststellung des Landeshaushaltsetats von Eliaß- Lolhrinaen ür das Rechnungsjahr 1905 in der vom Landes- ausschuß beschlossenen Fassung. Außerdem wu. Eingaben durch Beschlußfassung erledigt. Am Son hielten die vereinigten Ausschüsse für Rechnungswest das Landheer und die Festungen und für das Seewef Sitzung. * Die neue Flottenvorlage. Die für die nächste Reichstags session zu erwartende Floitenvorlage umfaßt nach den Aeutze- rungen des Admirals v. Tirpitz bekanntlich 6 Panzerkreuzer und 7 Torpedobootsdivisioncn. Der Staatssekretär des Marineamtes hat sich zwar auf dieses Programm nicht direkt festgelegt, aber doch durchblicken lasten, daß er über diese For derungen in Anbetracht der Staatssinanzcn nicht hinaus zu gehen beabsichtige. Zieht man also nur die Anzahl der Schisse in Betracht, so blewt die vorstehend gekennzeichnete Vorlage bedeutend hinter den Zielen des Flottenvereins und hinter anderen, in früherer Zeit laut gewordenen Projekten zurück. Anders verhält sich aber die Sache, wenn man die Qualität der in Aussicht genommenen Panzerkreuzer berücksichtigt. Die „Eisen-Zeilung" ist auf Grund bester Informationen in der Lage, hierüber schon heute folgendes Mitteilen zu können: Es ist demnach auf jeden Fall zu erwarten, daß die neue Flottenvorlage eine erhebliche Steigerung deS De placements der Panzerkreuzer vorsieht, da die übrigen Seemächte Fahrzeuge dieses SchisfstnpS meist nicht unter 14 000 Tonnen bauen, wabrend der deutsche für 1905 geplante Kreuzer I). nur 11600 Tonnen aufweist. Mit der Vergrößerung des Deplacements wird auch eine Verstärkung der Armierung Hand in Hand gehen. Für die am Schiffs bau interessierte Industrie fällt eine solche Erhöhung des De placements stark ins Gewicht: man kann diesen Faktor be rechnen, wenn man die Herstellungskosten eines Linien schiffes von der Größe der Braunschweigklasse (mit 13 200 Tonnen) mit denen eines Kreuzers von etwa 16 000 Tonnen vergleicht. Rechnet man nämlich für Schisse des ersteren' Typs etwa 25 Millionen Mark, so kann man für den letzteren etwa 32 bis 33 Millionen Mark in Anschlag bringen. Außer- dem ist auch eine ganz bedeutende Vergrößerung der noch zu bauenden Linienschiffe, die 1906 auf Stapel ge legt werden sollen, angesichts der Fortschritte in andern Marinen zur unbedingten Notwendigkeit ge worden. Voraussichtlich wird die neue Vorlage auch in dieser Beziehung Klarheit schaffen. Unentschieden ist dagegen noch, ob man mehr den Bau kleiner Kreuzer, deren Wichtigkeit keineswegs verkannt wird, oder den der Torpedoboote in den Vordergrund stellen wird. * Teilung des KammcrgerichtS. Wie in der Budget kommission des Herrepbauscs festbestellt ist, hat sich die Regierung bereits mit dem Plane einer Teilung deSKammer- gcrichtS in ein Oberlanvesgericht für Brandenburg und in ein Kammergericht als höchsten Gerichtshof für Preußen in den bisher schon dem Kammergericht r»gewiesenen Rechtsfragen beschäftigt, seiner Verwirklichung sieben aber erhebliche Bedenken entgegen, die bei einer Trennung in her Besetzung der einzelnen Senate liegen würden. * Der Fall Fischer und der Oberkirckenrat. Die „Kreuz zeitung" scheint mit dem Bescheide des Lbcrkirchenrates im Fall Fischer doch nicht so ganz zufrieden zu sein, wie sie zuerst behauptet hat. Sie schreibt nämlich: „Aus der Tendenz des Bescheides schließen einige Blätter, daß sein Verfasser ein be kannter, der Vermittlungstheologie huldigender Professor sei. Man sollte sich mit solchen Vermutungen nicht aufhalten: ge wandte Philologen könnten sonst unschwer den Nachweis führen, daß der Bescheid mehrfach umredigiert worden ist. Er ist ein kollegialer Beschluß, für den nicht ein einzelnes Mitglied des Overkirchenrates, sondern dieser in seiner Ge samtheit die Verantwortung trägt. Daß der Bescheid eine Nuance „liberaler" ist, als der Erlaß des Konsistoriums, kann allerdings nickt bestritten werden. Nack unserer Auf fassung hat das Konsistorium einen klareren Blick für die tat sächlichen Verhältnisse und einen kräftigeren Widerstand gegen die zersetzenden Tendenzen des ossenbarungleugnenden Libe ralismus bewiesen; es wollte freilich auch einen Lehrprozeß vermeiden, aber vermutlich nur deshalb, weil es für einen etwaigen Versuch, einen solchen einzuleiten, bei dem Ober- kirckenrat keinen Rückhalt zu finden hoffen durfte. Der Ober kirchenrat scheint zu vertrauen, daß Geistliche, die mit den Grundlagen der Kirchenlebre endgültig gebrochen haben, so viel Gewissenhaftigkeit »nd Taktgefühl besitzen, um ohne Mah nung »nd Urteil freiwillig aus ihrem Dienste zu scheiden. Leider kann sich diese Meinung nickt aus Tatsachen gründen, und darum scheint uns die größere Entschiedenheit der Aus ästung beim Konsistorium zu sein." Am Sonnabend sprachen n Berlin zwei Pastoren in einer öffentlichen Volksoersamm- nng über die Entscheidung des Oberkirchenrats. <Hie er härten es für unmöglich, daß positive Kräfte weiter in einer Kirche verbleiben, in der auch der offenbare Unglaube ge lehrt werden dürfe, und beriefen sich dafür auf Stöcker, der ebenfalls die Trennung für unvermeidlich halte. Außerdem traten die beiden Redner für Trennung von Staat und Kirche «in, da die Kirche nur dann mit neuem Leben erfüllt werden könne, wenn sie vom staatlichen Zwang befreit lei. An die Vorträge der beiden Referenten schloß sich eine D i s k u s s i o n, die sich so stürmisch gestaltete, daß der Vor sitzende die Versammlung schließlich auflösen mußte. iNuslancl. Oesterreich Ungarn- * Oesterreich und die Katholiken im Orient. Trotz oifi- ziüser Dementis ist der Konstantinopeler Korrewontent des „B. D." in der Lage, die Meldung über die Absicht Oesterreichs, das Pro tektorat über die katholischen Institutionen im Orient zu übernehmen, voll aufrecht zu erhallen. * Ter Berliner österreichisch - ungarische Botschafter Herr von Szvgyenyi hat sich, wie wir hören, nm Sonnabend nach Pest begeben. ES wird sich dabei nicht um die llebemahme eines aktiven Mandats zur Beilegung der ungarischen Krise handeln. Herr von Szvgyenyi war von jeher Vertrauensmann des Kaisers Franz Josef auch in ungarischen Angelegenheiten, und rs liegt nahe, daß der Monarch auch im vorliegenden Falle seinen bewährten Rat einholcn will. Serbien. * Skandal auf dem Hosball. Das Belgrader Organ drr Antiverschworerparlei in der Armee, „Oppositia", berichtet über einen Skandal, dessen Schauplatz der letzte Hof ball imKonakzu Belgrad war. Zu diesem Heft waren alle Vertreter der fremden Höfe eingeladen, und diese halten ihr Erscheinen auch zugesagt, allerdings in der festen Er wartung, daß niemand von den Häuptern der Verschwörer partei gegenwärtig sein werde. In dieser Annahme sahen sich die Diplomaten jedoch getäuscht; sie kamen zwar während des Diners nicht in unmittelbare Berührung mit den Ver schwörern, unter denen sich auch Maschin befand, denn dafür war bei der Anordnung der Tafel gesorgt worden. Allein bei dem im Prunksaal statlfindenden Balle gab es einen pein lichen Eklat. Anläßlich der Ausführung einer Figur im Kotillon sollten alle Herren auf der einen Seite des Saales denen auf der andern die Hände reichen. Hierbei erhielt der Vertreter einer europäischen Großmacht einen der Ver schwörer zum Partner In demselben Moment verließ der Diplomat plötzlich den Saal und mit ihm die übrigen fremden Gesandten. Eine peinliche Pause entstand, und König Peter, der den Vorfall beobachtete, erbletchte sichtlich. Schnell sprangen einige junge Leute hinzu und füllten die Lücken aus, iedoch die Diplomaten kehrten nickt mehr in den Saal zurück, soudcrn hielten sich bis zum Schluß des Festes in einem Ncbcnraume auf. Natürlich erregte der Vorfall große Sen sation und beeinträchtigte die weitere Festfreude. Diese Mit teilung der „Oppositia", die ihre Informationen direkt aus den Kreisen der Gegenverschwörer erhält, ist bisher nickt dementiert worden, und auck von anderer Seite sind Be stätigungen des geschilderten Vorfalles eingelaufen. Leipriger Ungelegenbritrn. Leipzig, 27. Mär;. * Tcntschrr Flottcnvercin, Geschäftsstelle Leipzig. An läßlich des Stapellaufs des Kreuzers „Leipzig" bat der Deutsche Flottenverein folgende Depesche an den Staats- sekretär deS Reichsmarineami« Admiral von Tirpitz abgesandt: „Von Stolz erfüllt, daß der neueste Zuwachs unserer Seemacht mit dem Namen „Leipzig" das Meer durch queren wird, geben wir ibm mit dem untertänigsten Danke an Se. Majestät, unseren Kaiser den Wunsch auf seinen Weg: „Glückliche Fahrt im Frieden, siegreichen Erfolg im Kriege!" Als Antwort gingen vom Staatssekretär des Reichs- marineamts an den Deutschen Flottenverein, Abteilung Leipzig, zu Händen des Herrn E. von Bressendors folgende Zeilen ein: „Erfreut über die dem Kreuzer „Leipzig" bei seinem Stapeilauf von der Abteilung Leipzig des Deutschen Flottenvereins auf den Weg gegebenen Glückwünsche, danke ich im Namen der Kaiserlichen Marine herzlichst für daS rege Interesse an der Erstarkung unserer Seemacht." von Tirpitz — Die Internationale Kochkunst- und Fachausstellung für das Gastwirtsgewerbe. Gestern abend zur festgesetzten Stunde standen alle Räder der großen Ausstellungsmaichinerie still, die riesigen Wiegemesser der Wurstapparale ruhten, die musikalischen Tonwerke verstummten, die Bierqnellcn ver siegten, Zithcrklang und Jodelruf verklang .... das Ende der Ausstellungstage war berangekommen und damit der Ab schluß eines großen wohlgelunqenen Werkes, das seinen Ver anstaltern zur vollen Ehre gereichte. Mögen sich auch hie und da Tadler erheben, die nicht immer das gesunden haben wollen, was ibr Wunsch gewesen, mögen sich Gekränkte und Verstimmte finden, die ihre goldenen Medaillentrüumc in nichts zerfließen iahen, mögen Spekulative nicht den Lohn gewonnen haben, den sie sich selbst vorgespiegelt, eins aber ist klar, und das bleibt unverrückbar bestehen: Die große wirtschaftliche Be- deulung deS Unternehmens, an der auch mäkelnde Stimmen nichts zu ändern vermögen. Jener gewaltige Impuls, welcher von der Ausstellung ausgehend unsere Stadt berührte, ist nickt ohne wesentlichen Einfluß auf den gesamten geschäftlichen Verkehr in unseren Mauern und auf die finanziellen Momente im Wirtschaftsleben Leipzig» geblieben, er ist von unverkenn bar hohem Wert gewesen. Nach dem gestrigen Ausweis strömten in der gesamten Ausstellungswoche, den letzten Tag mit eingerechnet, rund 80 000 Besucher zum Kristallpalast und erfüllten dessen Säle, Hnllcn und Kolonnaden mit bnnt- bewcatem Leben. In manchen Stunden nahm dieses Wogen der Bcsuchermassen fast unheimliche Dimensionen an, und selbst noch am gestrigen Sonntag erreichte die Frequenz den Höhepunkt vorhergegangener Tage. Tag für Tag also eine Steigerung auf der gegebenen Linie, kein Abflauen und kein Abschwächen. Unermüdlich harrten die Aussteller auf ihren Posten aus, immer erklärend den Nachfragen der Vorüber wandelnden begegnend. Es ist in der Tat Großes an auf opfernder Arbeit geleistet worden; einmütig haben die Ver anstalter der Ausstellung mit den Ausstellern ein mit wabrein Ernst und Euer begonnenes Werk in Ehren durchgesübrt und vollendet. Rückhaltlos erkannten dies auch alle Kreise an, die da» Werk in Augenschein genommen. Fachaenosseu des Gastwirttzgewerbes und des KochkunstberuieS schätzten, wir sichs gebührte, seinen Inhalt hoch, die Laien erfreuten und ergötzten sich daran und acwannen vielfachen Einblick in neue Errungenschaften der Gastronomie, der Technik und der Chemie. Leider blieb das, was allen dabei so begehrenswert er schien, die wunderbaren kulinarischen Werke, die manchen Gourmet in «in stilles Entzücken versetzten, in der Tat nur eine b'nt« innrcranu. Wie dem Wanderer in der Wüste die Il lusion einer grünen Oase vorgeiviegelt wird, so mußten alle di« kostbaren Schüsseln und gastronomischen Arrangements hinter den Spiegelscheiben, an denen die Wandernden staub auswirbelnd vorveiwgen. auch nur wie eine Illusion er scheinen, denn kein Mund durste sie später berühren: sie wur den au» hygienischen Gründen noch am Abend verbrannt.
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