Gesamtansicht von Südsüdwesthttp://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71857255

Das Kraftwerk Hirschfelde war das älteste sogenannte Großkraftwerk in Sachsen. Errichtet von der AEG und zunächst auch von ihrer Tochtergesellschaft ELG (Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft) betrieben übernahm der sächsische Staat während des 1.Weltkrieges das Kraftwerk, die benachbarte Brikettfabrik und die beide versorgenden Tagebaue Seitendorf und Türchau. In den 20er und 30er Jahren wurden diese Anlagen, inzwischen privatrechtlich in der ASW (Aktiengesellschaft Sächsische Werke) organisiert, zu einem Industriekomplex entwickelt. Das Kraftwerk wurde in dieser Zeit mehrfach erweitert und bildete zusammen mit dem Kraftwerk Böhlen das Rückgrat der sächsischen Elektrizitätsversorgung.

Nach dem 2.Weltkrieg befanden sich Kraftwerk und Braunkohlenwerk (BKW) in der Sowjetischen Besatzungszone, während der Tagebau auf dem Territorium der Volksrepublik Polen lag. Der nunmehr polnische Tagebau Turów versorgte das BKW bis zu dessen Schließung in den 60er Jahren und das Kraftwerk bis 1980 mit Kohle und diente auch der Entsorgung der Kraftwerksasche. Von da an, bis zur Produktionseinstellung des Kraftwerkes 1992, wurde das Kraftwerk aus Tagebauen der Ober- und Niederlausitz versorgt.

Dem Teilabriss in den 90er Jahren folgte die Nutzung des Maschinenhauses des ehemaligen Kraftwerkes Hirschfelde II als technisches Denkmal und Museum. 2017 musste das Museum wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Auf dem ehemaligen Kraftwerks- und BKW-Gelände (und teilweise in deren Gebäuden) befinden sich weiterhin Produktionsstätten der chemischen und metallverarbeitenden Industrie. Der Tagebau Turów versorgt nun das drittgrößte polnische Braunkohlenkraftwerk.

Bestand

Die Stiftung Kraftwerk Hirschfelde verwaltet für den Eigentümer des Historischen Betriebsarchives, die Lausitz Energie Kraftwerke AG, den in Fotos, technische Pläne und Schriftakten gegliederten Bestand. Im Fotobestand sind die Dokumentationen des Baufortschritts, der Tagebauerweiterungen, technischer Störungen und Unfälle, von Maschinen und Geräten, aber auch kultureller und politischer Veranstaltungen überliefert. Die Namen der Fotografen sind leider nur teilweise oder als Kürzel bekannt. Insgesamt sind etwa 5.000 Negative (vor allem Kleinbild) und etwa 5.000 Positive, teils in Alben oder Konvoluten, archiviert. Während von den Negativen kaum Abzüge vorhanden sind, fehlen den vorhandenen Positiven die Negative!

Die technischen Pläne umfassen sowohl Lagepläne der Industrieanlagen, Baupläne verschiedener Gebäude als auch Übersichts- und Detailpläne technischer Anlagen. die etwa 7.000 Pläne sind zum großen Teil Diazotypien, ein geringerer Teil sind Cyanotypien und es gibt auch einige Originalzeichnungen auf Transparentpapier. Der Bestand an Schriftakten umfasst ca. 20 lfm.

Anhand der überlieferten Dokumente lassen sich die Veränderungen innerhalb der industriellen Braunkohleverstromung und ihrer Folgen für die Landschaft, die technischen Entwicklungen als Basis dieser Veränderungen, aber auch die sozialen Aspekte dieser Veränderungen in der Oberlausitz nachvollziehen.

Erschließung, Digitalisierung und Online-Präsentation

Die Erschließung erfolgte zwischen 2000 und 2010 zunächst durch ehemalige Mitarbeiter des Kraftwerkes, später durch die Stiftung Kraftwerk Hirschfelde. Die Digitalisierung von insgesamt ca. 11.000 Objekten wurde finanziert aus Mitteln des Landesdigitalisierungsprogramms für Wissenschaft und Kultur des Freistaates Sachsen. Die Präsentation der Objekte erfolgt über die Bilddatenbank der Deutschen Fotothek. Weiterhin stellt die Stiftung Kraftwerk Hirschfelde in ihrer Online-Repräsentanz ihre Findmittel für die Recherche zur Verfügung.

(Quelle: Stiftung Kraftwerk Hirschfelde, Dirk Storm)