CHEMISCHE INDUSTRIE. 35 DIE FARBSTOFFE. Zur Zeit der Unabhängigkeitserklärung bestand der Handel in Farbstoffen in Amerika nur in dem Umsatz von importirten Farbstoffen, Leinöl etc., welche auf Handmühlen gemahlen und mit Oel verrieben wurden. Die hölzernen Häuser der damaligen Zeit wurden in Folge der hohen Preise der Farben meistens aus dunkeln oder gebeizten Hölzern erbaut und namentlich die Ausgabe für den Anstrich der inneren Wände gespart. Erst der Krieg mit England 1812 — 1815 gab Veranlassung zur Entwick lung einer nationalen Farben-Industrie. Die Cultur des Flachses nahm einen schnellen Aufschwung und der Leinsame wurde ein wichtiger Handelsartikel. Bleiweissfabriken und Mineralfarben werke entstanden überall, nachdem man zur Einsicht gelangt war, dass es ökonomischer sei, die Häuser mit billigen Farben zu schützen, als dieselben durch den Einfluss der Witterung schnell verfallen zu lassen. Mit dem Wachsthum der Bevölke rung hielt die Production gleichen Schritt. Da durch eine lange Reihe von Jahren und theilweise auch jetzt noch der Einfuhrs zoll für Chemikalien und Rohstoffe von Farbstoffen ein grösserer ist als für die Farbstoffe, welche aus ihnen hergestellt werden, so darf man wohl annehmen, dass das Gedeihen dieser Industrie, wenigstens bei jenen Producten, denen nicht einheimische Roh stoffe zu Grunde liegen, einem rationellen Betriebe und der guten Qualität der Waaren zuzuschreiben ist. Lange hatte übrigens die heimische Fabrication mit der ausländischen Concurrenz zu kämpfen; während sie jetzt wohl den Markt zum grossen Theile versorgt. Dasselbe gilt von den Lacken und Firnissen. Die Anzahl der hiehergehörigen Aussteller, Fabriken von Blei-, Zink-, Chromfarben, war eine so grosse, dass es bei der wenig stens scheinbaren Gleichartigkeit der Objecte nicht möglich war, die Vorzüge einzelner vor anderen zu erkennen und zu besprechen. Die zahlreichen Bleiweissfabriken arbeiten nach dem holländischen Verfahren. Ein Aussteller, Barker, Moore & Mein in Philadelphia, gab an, dass er einen eigenen Process betreibe, den er geheim hält. Die bedeutendste Bleiweissfirma dürfte John Lewis & Brothers sein, welche 33 Fabriken in den verschiedenen Staaten der Union besitzt.