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Erscheint t«den Wochentag früh 2 Uhr. Inserate wer den bis Nachmittag« Z Uhr für die nächst- erscheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger und Tageblatt. Preis vierteljährlich IS Nzr. Inserate werde« di» gespaltene Zeile oder deren Raum mit 8 Pf. berechnet. Amtsblatt des König!. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie der König!. Gerichtsämter und der Stadträthe zu Freiberg, Sayda und Brand. 127. Dienstag, den 4. Juni. 1861. Tagesoeschichte. Berlin, 1. Juni. Daö Abgeordnetenhaus berietb heute über das Budget des Ministeriums des Innern. Der Minister Graf Schwerin erklärte hierbei: Nachdem der Polizeipräsident v. Zedlitz um Beginn der Untersuchung dringend gebeten, sei selbige jetzt eingelcitet. Die nothwendigen Konsequenzen würden in wenigen Tagen bekannt gemacht werden. Die Discusfion fiel hierauf aus. Duncker erklärte namens der Berliner Abgeordneten, befriedigt zu sein. Im Herrenhause wurde das Handelsgesetzbuch nebst Einführungs- gesetz angenommen. In Karlsruhe wurden Versuche gemacht, den Hofmarschall v. B. zu vergiften. In Folge der gerichtlichen Voruntersuchung ist die Frau des Hofmarschalls sammt mehreren Dienern verhaftet worden. Zwischen den Negierungen Meinungen und Gotha ist ein sehr wohlthätiger Vertrag zur Erleichterung der Rechtspflege auf 12 Jahre abgeschlossen worden. Ihm zufolge werden sich die Gerichte beider Staaten gegenseitig jede Rechtshilfe leisten, welche sie den Gerichten des Inlandes nach dessen Gesetzen und Gerichtsverfassung nicht verweigern dürfen. Der „Augöb. Allg. Ztg." wird aus Wien vom 29. Mai geschrieben: „Die im Reichsrath sitzenden Erzbischöfe und Bischöfe haben vor dem Antritte der parlamentarischen Pfingstferien Lie Ab fassung einer an den Kaiser gerichteten Adresse beschlossen, worin sie bei der immer steigenden Bebrängniß des Papstes die dabei ge fährdeten Interessen der Kirche dem Kaiser dringendst ans Herz legen und gleichzeitig die Wahrung des mit dem Heiligen Stuhl abgeschlossenen Concordats, sowie die definitive Regelung der noch nicht gelösten Frage der gemischten Ehen erflehen". — Die Nachricht der Oesterreichischen Zeitung, daß wegen einer antiprotestantischen Pfingstpredigt in Feldkirch eine Crimi- naluntersuchnng eingelcitet sei, hat sich nicht bestätigt, dagegen wird, wie die konstitutionelle Korrespondenz wissen will, Abgeordneter Psretschner Len Staatsminister in den nächsten Tagen wegen Aus führung deS ProtestantenpalentS in Tyrol interpelliren. Paris. Die „Presse" macht auf die Nachricht aus Deutsch land hin, daß ein preußischer, ein bairischer und ein würtembergischer Offizier das Festungsviereck besichtigen, folgende Bemerkung: „Wenn, im Fall eines heutzutage sehr unwahrscheinlichen Streits, Würtemberg, Baiern nnd Preußen wirklich die Idee hätten, sich in den Kampf z» mischen, so könnte es sich ereignen, daß eine andere Negierung sie zwingen würde, auch etwas Anderes als bas Festungs- Viereck zu vertheidigcn". Griechenland. Die Bank- und Handels-Zeitung schreibt nnterm 31. Mai: „Wir erhalten heute aus Wien folgende wichtige Mittheilung, die wir nach der Quelle, ans der sie stammt, für be glaubigt erachten dürfen: Gutem Vernehmen nach hat die Regierung des Königs Otto von Griechenland bei der österreichischen Regierung vertraulich zur Anzeige gebracht, daß sie sich außer Stande sehe, der zugleich nationalen und antidynastischen Agitation im Lande Herr zu werden, nnd daß sie den Augenblick für gekommen erachte, eine materielle Intervention der Schutzmächte in Anspruch zu nehmen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist in diesem Augenblick das betreffende Ersuchen bereits gestellt". Warschau, 30. Mai. Die heutige Frohnleichnamsproces- sion, welche vielfach Befürchtungen und denselben entsprechende Vorsichtsmaßregeln hervorgerufen hatte, ging ruhig vorüber. Auf Lem Altmarkt ereignete sich nur die Episode, daß eine Person aus dem Volke durch plötzlichen Hilferuf die Meinung an gewalt sames militärisches Einschreiten verbreiten wollte, was auch insofern gelang, als die Menge sich alsbald zerstreute. Man beruhigte sich aber kurz darauf und nahm an den, weitern Verlaufe der Cermonie ungestört Theil. — Der Fürst-Statthalter Gortschakoff ist am 30. Mai gestorben. Amerika. Die jüngsten Nachrichten von Valparaiso bestätigen der Hamburger Börsen-Halle zufolge die Schauderscenen deS Erd bebens in Mendoza leider in vollster Ausdehnung so sehr, daß im vollsten Sinne des Wortes kein HauS stehen geblieben ist. Von dem unter dem Schutte begrabenen Tausenden würden sehr viele haben gerettet werden können, wenn eS nicht an Händen gefehlt hätte, den Schutt hinwegzuräumen; Massen sind Hungers gestorben und verschiedene lebend, aber von Würmern angefreffen, aus de« Trümmern herausgezogen worden. Daß von der Bevölkerung von etwa 12,000 Seelen reichlich 9000 umS Leben gekommen sind, darf leider nicht mehr bezweifelt werden, ebenso daß beinahe gar keine Kinder am Leben geblieben sind. Durch ganz Chile und auch in Lima haben sich ComiteS gemeldet, um den Nachbleibenden Unter stützungen zukomyien zu lassen, Lie Entfernungen sind aber so groß und Lie Transportmittel so langsam, daß damit nicht viel Nutzen zu schaffen sein wird. — Der Süden der amerikanischen Union — heißt es in einem von der Weser-Zeitung mitgetheilten Privat- schreiben aus New-Orleans — bleibt hinter dem Kriegseiser des Nordens nicht im mindesten zurück. Bei uns steht und hört man fast nichts als Soldaten. Täglich bilden sich neue Compagnien Freiwilliger von jungen Leuten aus den besten Familien und Comp- toiristen. Alle Handelshäuser geben ihren Commis Freiheit, z« gehen, mit der Zusicherung, daß sie bei der Heimkehr ihre Plätze offen finden und daß ihr Gehalt fortdauern werde. Für die Uniformirung armer Rekruten wird durch reichliche freiwillige Beiträge gesorgt. Gegen 2000 junge Leute sind bereits nach Pensacola abgegangen und 100O find auf dem Wege nach Richmond, um „bei der Einnahme von Washington" zu helfen. Ein großer Angriff der südlichen Staaten wird erwartet, Präsident Jeffersohn Davids sührt selbst das Commando. Vermischtes. * In den ersten fünfziger und folgenden Jahren erhielt die britische Bibel-Gesellschaft, sieben Jahr hinter einander, jährlich ans unbekannter Hand das ansehnliche Geschenk von 10,000 Thlrn. Es wär nur ersichtlich, daß dasselbe vom Continente kam und war mit dem Wunsche begleitet, daß die Gesellschaft bei der Verteilung heiliger Schriften auch der preußischen Armee nicht vergessen möchte. Mitglieder der britischen Bibel-Gesellschaft hatten und haben nicht ohne Grund Lie Ueberzeugung, daß jene Gabe von keinem Ander« kam, als von König Wilhelm IV. von Preußen. * Ein Wiener, der dieser Tage einen Ausflug nach llngam machte, erzählt: In Palota, einer Station von-Pesth, sah ich etwas, was mich und die andern Passagiere höchlichst ergötzte, war ein Pudel als Postmeister. Ein schöner großer Pudel stand nämlich, als der Zug anlangte, unweit vom Bahngelcise aus den beiden Hinterfüßen, während er mit den Vorderfußen die gewöhnlich bittende Stellung der Hunde cimiahm. Plötzlich H'Nvout Postwagen herab ein Packet mit Briefen zugeworfen, das der Pudel geschickt auffing und flch damit zu seinem Ches m die Kanzietstube begab. Dieser Pudel kommt, wie mir der Conducteur versicherte, jedes Mal pünktlich zum Postzuge, um in der geschilderten Weise Lie Briefe in Empfang zu nehmen.