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BergerAy^ Abend» und Tag Matt Krake, ;säork, affene«. liebevoller Blumen- c herzrns- ter, Groß ¬ er. Aus «ng der uSchau- und Be- so reichen erer guten 2 ),5 ° R. ° k- ttS8. onus vr. n und er- me. Musik sehr deutschfeindlicher Weise besprechen. Noch dem „Melbourner Argus" soll sich die Insel in einem Zustande großer Aufregung in Folge einer Jntrigue befinden, die angeblich von den Deutschen behufs Absetzung des Königs Malietoa und Erhebung eines ihrem Einflüsse zugänglichen Häuptlings auf den Thron eingcfädelt worden war. Die Deutschen seien thatsächlich so weit gegangen, vom „Albatroß" eine Mannschaft zu landen und den König aus seinem eigenen Hause zu vertreiben, welches sie demnächst besetzten und die deutsche Flagge darüber auf hißten. Diese Darstellung wird in Berlin als entschieden unrichtig angesehen und erwartet man darüber eine baldige amtliche Ausklärung. — In England wird die Schärfe und Ein stimmigkeit, mit welcher sich die leitenden deutschen Blätter gegen die Ausrüstung russischer Kaperschiffe aussprechen, den besten Eindruck machen. So bemerkt z. B. die „Weser-Ztg.": „In den Vereinigten Staaten würden sich Unternehmer finden, die kühn genug wären, Flibustierschiffe gegen die britische Handelsflotte auszurüsten, vorausgesetzt, daß der Chance, an der großen Raa eines englischen Kreuzers zu baumeln, die jenige auf hohen Gewinn gegenüberstände. Aber wo ist diese ter. mpreise. >rs und masczeck und des Lebrecht !l. Zum MN. l". eitaz 2 8 IlA »g Amtsblatt für die königlichen nnd Mischen Behörden zu Freiberg nnd Brand Verantwortlicher Redakteur: Julius Brau» iu Freiberg. 38. Jahrgang. Sonnabend, den 2L. April Inserate werden bis Bormittag 11 Uhr angenom- s! FH UH men und beträgt der Preis für die gespaltene Zeile 1 FHFHlH oder deren Raum lb Pf. ü W möglicht. Bei uns verketzert man aber den Zwischenhandel. Die „Werkstatt" schreibt: „Der Zwischenhändler ist der böse Geist dcs Handwerkers. Für ihn gicbt es nichts Besseres, als direkt mit dem Publikum zu verkehren, das ihn, wenn er gediegene Arbeit liefert, bald ehren, schätzen und gut be zahlen wird. Er lernt auf diese Weise den Geschmack seiner Kundschaft kennen, fügt sich ihren Wünschen und vervoll kommnet sich immer mehr. Leider haben aber die wenigsten Handwerker Zeit, immer mit ihren Kunden selbst zu ver handeln, noch Geld genug, einen kleinen Laden bei ihrem „ , . , ... Geschäft zu halten." — In Wirklichkeit sind die Handwerker, Chance? Als legale Prise könnte das aufgebrachte englische die ein kleines Ladengeschäft besitzen, aber gar nicht beneidens- werth; sie stecken meist weit tiefer in den Sorgen als die Meister, welche für eine große, gutfundirte Fabrik arbeiten, keine Ladenmiethe, weniger Steuern und keine Verluste an faulen Borgern zu überwinden haben. Zum Verkehr mit dem Publikum gehören kaufmännische Kenntnisse, die den ge schicktesten Handwerkern zuweilen gänzlich fehlen. Selbst die kleinen Fabriken in Deutschland kranken schwer an dem direkten Verkehr mit dem Publikum und quälen sich vielfach für hohe Reise- und Mebspesen. Da ist der englische Fabrikant viel glücklicher daran; der quält sich nicht mit dem Aussenden von Reisenden, mit Erkundigungs-Bureaus, Wechsel-Diskontirungen u. f. w. Wenn er etwas Neues und Gutes ansertigt, bietet er es einem reichen Grossisten an, der den Vertrieb für eigene Rechnung übernimmt und es durch Vorschüsse dem Fabrikanten ermöglicht, sein ganzes Augenmerk auf die Vervollkommnung und Gleichmäßigkeit feiner Erzeugnisse zu richten. Wer das Handwerk mit dem Kapital verfeindet, der treibt das erstere nur auf die sozial demokratische Bahn. Die Art, mit welcher die verschiedenen politischen Parteien das deutsche Handwerk mit dem jetzigen Stand der Dinge unzufrieden machen und ihm von der unmöglichen Rückkehr zum alten Zunftzwang goldene Berge versprechen, sie arbeitet unbewußt doch nur der Sozialdemokratie in die Hände. Als die Preußische „Pro- Vinzial-Korrespondenz", das offiziöse Sprachrohr der ministe riellen Ansichten im Nachbarlande noch existirte, legte die selbe mit klaren Worten dar. daß es in unserer Zeit unmöglich sei, diejenigen Bedingungen zu erfüllen, von denen das Bestehen der Zünfte abhängig ist, nämlich juristisch scharfe Abgrenzung der einzelnen Gewerke, Anwendung der Zunftschranken auf die große Industrie, Ausschließung der Handwerksartikel vom Fabrikbetricb. Jetzt scheint es freilich, als ob man in diesen Kreisen etwas besser von den obliga torischen Innungen dächte, auf die man bewußt oder un bewußt hinsteuert. Tagesschau. Freiberg, den 24. April. Für die Verhandlungen, welche zwischen der deutschen Rcichsregierung und dem englischen Kabinet über koloniale Fragen schweben, sind die jetzigen Verlegenheiten Englands geradezu förderlich. Auch wegen Zanzibars sind keine Schwierigkeiten mehr zu erwarten, zumal dem dortigen Sultan zu verstehen gegeben wurde, die deutsche Flagge werde ohne seine Ermäch tigung nur auf solchen Gebieten aufgehißt werden, die sich nachweisbar nicht unter feiner Oberhoheit befänden. Von diesem ostafrikanischen Herrscher theilt „Schor. Familienblatt" eine charakteristische Aeußerung mit: „Als vor einigen Jahren bei einem Konflikt, welcher durch die angebliche Beleidigung englischer Unterthanen hervorgerufcn wurde, der englische Ge- schäststräger dem Sultan mit einem Bombardement drohte, fragte dieser den Konsul, wie viel dies England wohl kosten würde. „So und so viel Millionen," lautete die Antwort. „Nun," erwiederle der Sultan, „so sagen Sie Ihrer Königin, daß ich, wenn sie mir die Hälfte dieser Summe geben will, bereit bin, die Stadt Zanzibar selbst zusammenzuschließen." Weder in Ostafrika noch in Australien werden sich die Wege Englands und Deutschlands ferner kreuzen, wenn auch die australischen Blätter die neuesten Vorgänge auf Samoa in das geht aus einem jüngst von dem „FrankfurterJournal" zitirten Aufsatz Justus Möser's aus dem Jahre 1774 deut lich hervor. Derselbe schrieb über den damals schon be merkbaren Rückgang des Handwerks: „Der erste Meister in den großen Städten, der es dahin brachte, sich 30, 40 oder auch mehr Gesellen zu halten, verfiel ganz natürlich auf den Gedanken, jedem Jungen oder Gesellen sein eigenes Fach anzuweisen und ihn ganz allein dazu zu gebrauchen. Der Uhrmacher ließ z. B. einen Gesellen blos Uhrfedern machen, den andern nur Stifte, de» dritten nichts als Räder, dieser verfertigte Zifferblätter, jener emaillirte sie, die wieder ein anderer gravirte oder durch getriebene Arbeit verschönerte. Als alle diese Gesellen ausgelernt hatten, verstand keiner, auch allein eine ganze Uhr zu machen. Es nutzte auch nicht einmal mehr, alle Theile einer Uhr machen zu lernen, da keine Uhr nach alter Art von einer Hand gemacht werden kann, ohne höher im Preise zu kommen. Beim Tischler lernte der eine nichts als Stuhlbeine schneiden, der andere diese ausarbeiten, der dritte sie poliren u. s. w. Sie waren nun alle Meister in ihrer Art, aber keiner von ihnen konnte allein was Ganzes machen; sie blieben vom Hauptmeister abhängig, und selten konnte es jetzt einem gelingen, Hauptmeister zu werden." Ganz dieselben Klagen hört man heute wieder, aber im Grunde ist es heutzutage mit der Einseitigkeit der Ausbil dung gar nicht so schlimm, wenn, rin Lehrling nur bei einem Meister in der Lehre steht, der, gleichviel ob er zur Innung gehört oder nicht, sein Fach versteht und den Lehrling von einem andern Standpunkt aus beurtheilt als von dem ter Jnnungsvorrechte auf unentgeltliche Arbeitskräfte. Natürlich müssen auch tüchtige Eltern dahinter stehen, von denen der Lehrling schon als Knabe gute Sitten, Gehorsam und straffe Zucht gelernt hat. Außerdem giebt es heute Fortbildungs-, Fach- und Gewerbeschulen, die für die theoretische Ausbildung sorgen, wodurch die nur das Praktische umfassende Aufgabe des Lehrmeisters wesentlich erleichtert wird. Daß während der Zeit der Gewerbefreiheit die Tüchtigkeit und Vielseitig keit der Gesellen nicht zurückgegangen ist, geben die Ver fechter der obligatorischen Innungen selbst zu. In dem zünftlerischen Wochenblatt „Werkstatt" erzählt man dem Meister Konrad: „Ich war mit einem Schlossergesellcn zu sammen in Kralup bei Prag in Böhmen, der erst die Eisen bahn-Werkstätte dort montiren half, dann Maschinenmeister wurde und endlich zum Ingenieur ernannt ward. Weiter ist der Mann, der die Fachzeitung für die Töpfer u. s. w. herausgiebt, Namens Jakob Müller, ein Geselle, d. h. Por- zellandrcher gewesen und doch versteht er seine Sache gründlich, vielleicht gerade deshalb. Und so aiebt's viel andere Fälle. — Meister Konrad aber kennt selber einen Schneidergesellen, der Architekt, einen Uhrmachergesellen, der Gewerbcschuldirektor und einen Schlossergcsellen, der Eisen bahndirektor geworden ist." Was will man mehr? Ttotzdem sagt dasselbe Blatt, es gebe heute kein freies Handwerk mehr, sondern nur noch Händler und Sklaven und eifert gegen die Fabriken, die dem Handwerk nichts nützten, in alle Geschäfte hineinarbeiteten und sich in der Arbeit und in den Preisen herunterdrückten, bis sie selbst zu Grunde gingen. Der Vorwurf der Schleuderkonkurrenz ist leider nicht ganz ungegründet, aber dabei trägt wohl weniger der Pro duzent als der Konsument die Schuld, denn die zahlreichen Minderbemittelten in Deutschland legen weit weniger Werth auf die Haltbarkeit einer Waare als auf den niedrigen Preis, lieben den häufigen Wechsel der Mode, die sie in geringen Stoffen ebenso wie die Begüterten mitzumachen streben. Darnach richtet sich nicht nur die Produktion, die am liebsten für den Massenverbrauch arbeitet, sondern auch das kleine Handwerk, das mit seinen kunstgewerblich vollendeten Waaren nur einen sehr geringen Umsatz erzielen kann, wenn ihm nicht der mit großem Kapital arbeitende Zwischenhändler den indirekten Verkehr mit dem begüterten Publikum er Frau. en reichen isse ihre» Dank »recht. und. Direktor. April: 133, 134, Nachbestellungen «,f die Monate Mai und Juni »erden zum Preise von 1 Mk. 5V Pfg. von allen kaiserlichen Postanstalten sowie von de« be- kaunten Ausgabestellen und der unterzeichneten Expedition angenommen. Expedition des Freiberger Anzeiger. Die Rückkehr zur Zunft. Am vergangenen Freitag hat die von dem deutschen Reichstag zur Vorberathung des Ackermann'schen Antrages eingesetzte Kommission beinahe einstimmig den Antrag des Abg. Günther abgelehnt, welcher für alle Fälle die An wendung der für Innungen, welche sich auf dem Gebiete des Lehrlingswesens bewahrt haben, bestimmten Vorrechte dem Ermessen der höheren Verwaltungsbehörde überlassen haben wollte. Soweit wollte die Kommission denn doch nicht gehen. Dagegen wurde der von dem Abg. Ackermann und Genossen zu 8 100 o der Gewerbeordnung cingebrachte Antrag mit 12 gegen 7 Stimmen in einer Fassung an genommen, welche immerhin die Freunde der obligatorischen Innungen höchlichst befriedigt und es den Nichtinnungs meistern beinahe unmöglich macht, Lehrlinge anzunehmen. Am Montag Abend genehmigte die Kommission mit zwölf gegen acht Stimmen den von dem Abg. Ackermann vorgeschlagencn K 100 k, welcher jede Innung, der mehr als die Hälfte der in ihr vertretenen Gewerbe beigetreten ist, mit folgendem Privilegium ausstatten will: „Alle, welche in dem Bezirk der Innung eines jener Gewerbe selbständig betreiben, sowie ihre Gesellen sind verpflichtet, den von der Innung ge troffenen Einrichtungen beizutreten und zu den desfallsigen Kosten beizutragen, gleichzeitig aber auch zu deren Benutzung gleichmäßig berechtigt." Es wurden zwar vom Geh. Ober- Regierungsrath Lohmann mehrfache Bedenken geltend gemacht, auch kam es zu einer sehr lebhaften Auseinandersetzung Wischen den Abgg. Ackermann und vr. Baumbach, welch' Letzterer die agitatorische Seite der Ackermann'schen Anträge betont hatte. Trotzdem fanden dieselben Annahme und werden auch bei der jetzt im deutschen Reichstage herrschen den Stimmung von dem Plenum genehmigt werden, obgleich dieselben unmittelbar zur Zwangsinnung leiten. Die obligatorische Innung ist nun einmal das Zauber wort, womit jetzt dem Handwerk die Blüthezeit des Mittel alters zurückgebracht werden soll. Anfangs sprach man nur von einer zeitgemäßen Reform der Gewerbeordnung, jetzt ist es in Wahrheit auf die vollständige Beseitigung der Gewerbefreiheit abgesehen. Mitten unter den technischen Fortschritten des neunzehnten Jahrhunderts will man die Arbeitstheilung und die Maschinenverwendung in die mög lichst engen Schranken verweisen, die Zahl der Lehrlinge und Gehilfen statutarisch normiren und so weit als mög lich den Verkauf der Handwerkswaaren wieder in den Laden des Handwerksmeisters bannen. Es ist fast unglaublich, daß man in den Kreisen unserer intelligenten Handwerker sich einreden läßt, daß man damit den bürgerlichen Wohlstand wieder heben könne. Wenn das, was der sogenannten Handwerkerpartei als Ideal hingestellt wird, sich wuklich erreichen ließe, wäre es für alle Betheiligten sicher kein Glück. Vielmehr würde die deutsche Industrie alle Kon kurrenzfähigkeit verlieren, wenn wieder wie ehemals ein Gegenstand durch die Hand von fünf bis sechs Handwerks meistern gehen müßte, bevor er zum Gebrauche fertig wird. Wenn bei uns die Zeiten wiederkehren sollten, wo an einem Wagen der Stellmacher die Hvlzarbeit, der Schmied die Eisentheile, der Sattler den Lederbezug, der Schlosser die Klinken herstellte und schließlich der Lackirer dem Ganzen nst Farbe und Glanz verlieh, würden die ausländischen Wagenfabriken trotz aller Einfuhrzölle das beste Geschäft machen. Heutzutage sind Maschinenbenutzung und Arbeitsthei lung bei jedem größeren Handwerksbetrieb ebenso unent behrlich wie bei dem Fabrikbctrieb und basirt der ganze Unterschied nur noch auf eintr gewissen Zahl der be schäftigten Arbeiter. Daß die Arbeitstheilung, über die sich die Zünftler fo sehr beklagen, sich schon zu der Zeit in Deutschland einbürgerte, wo es weder Gewerbefreiheit noch Dampfkessel, dafür aber noch den alten Zunftzwang gab, rch Mit- ia«d. M 25. buj., .Stadt- tand. F Erscheint jeden Wochentag Abends '/,7 Uhr für den HO andern Tag. Preis vierteljährlich 2 Mark 25 Pf., e/I- zweimonatlich 1 M. 50 Pf. und einmonatlich 75 Pf. I