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Des Reformationsfestes wegen erscheint die nächste Nummer dieses Blattes am Montag Abend —————— SS. S,hr,«,. sJnimsrwädä^B^mtM^ümir^öwm^I »OOSL 254. lALLMLÄ'V-rLLM! Sounaveud, de« 31. Oltover. 1oo5 Amtsblatt für die königlichen und städtischen Behörden zn Freiberg und Brand Lerautwortlicher Redakteur: Iuliu» Brau» iu Freiberg. soldclenZich-I Ses Henn hin » envilligungvi» I rs dem S^I bez. den vAß Schramm gpl lückslausgkldüil cs Zuger Vezj l ildebrandl äl ^abnkgrund'ül mg aus lU I ig aus 1881 Kl I Sie Anlage ml 1883. Gliedes in dal an Stelle deil rn BreilhmUl >s StadlMhU Herm BMI chung betr. ZenvilligMgd« )erstellung einet die HolzMM bett. düng der noch leihcbestande zi ngenu.s.v.d«r chung, Trotlm- asterungansda he bett. gung der Gerd» ußung, PW - Engegasietck ußung, PW er Herderstch tzung des E» er der SpaW üvr. penchreist. rr isro»«, rett« »r. 7 IW. 8cnG r ShaHZ^ 7 Uhr. Eg: md Tageblatt. verloren worden und schmolz wieder zusammen, was durch den Westfälischen Frieden zersplittert worden war. Des ialb hat heute das Reformationsfest neben der kirch lichen auch eine hohe politische Bedeutung, der sich kein nationalgesinnter Deutscher irgend eines Bekenntnisses der- , chließen wird. - Das am Mittwoch und Donnerstag in Berlin festlich begangene zweihundertjährige Jubiläum der dortigen ranzösisch-reformirten Gemeinde frischte ebenfalls die Er- nnerung an die humane Gesinnung des großen Kurfürsten auf, der dadurch, daß er den bei Aufhebung des Edikts von Nantes fluchtig gewordenen Franzosen eine Zuflucht zewährte, den Grund zum industriellen Aufschwung Brandenburgs legte. Wie der mit allgemeiner Menschen- icbe gepaarte tiefreligiöse Sinn jmes Helden auf unsern Kaiser übergegangen ist, bewährte derselbe erst in den letzten Tagen, als er dem Oberhofprcdiaer Kögel gegenüber bei Besichtigung eines Altarbildes erklärte: „daß das große Werk der letzten Jahre bestehen werde, wenn sein Funda ment die Reiicheit der Religion und der Fortschritt in jedem guten Werke bleibe." Durch die Wahl eines Neffen unseres Kaisers, des Prinzen Albrecht von Preußen, zum Regenten des verwaisten Herzogthums Braunschweig naht sich das braunschweigische Jnteregnum seinem Ende. Der braunschweigische Landtag, welcher die Wahl einstimmig vollzogen hatte, begrüßte die Annahme derselben durch den Prinzen mit großem Enthusiasmus und die Bevölkerung bereitete dem aus Schloß Kamenz heimkehrenden Staats minister Grafen Görtz-Wrisberg eine glänzende Ovation. Am Donnerstag traten die preußischen Staats bürger wieder an die Wahlurne. Die Bedeutung der dies maligen Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause wird allseitig sehr hoch veranschlagt, da eine Rückwirkung der dortigen Parteiverhältnisse auf den zum 19. November einberufenen deutschen Reichstag nicht ausbleiben kann. Nachdem am Montag der österreichis che Reichs- rath vertagt worden, haben die . Verhandlungen in den Delegationen begonnen, welche der Kaiser Franz Josef mit einer Thronrede eröffnete, die in Ungarn genau so be fremdete, wie sie in Rußland mit Begeisterung aufgenom- men wurde. Auf eine im Heeresausschuß der ungarischen Delegation gestellte Interpellation bestritt der Kriegsminister Graf Bvlandt, eine die nationalen Zwistigkeiten im Heere betreffende Ordre erlassen zu haben und behauptete, es seien in Böhmen nur einzelne Wirthshausschlägcrcien vorgekom men. Ein schärferes Licht werfen auf diese nationalen Verhältnisse die Verhandlungen, welche vor dem Kriegs gericht zu Königgrätz begannen und die Exzesse betreffen, die von czechischer Seite anläßlich der am 23. August statt gehabten Eröffnungsfeier des Turnsaales des Turnvereins „Tafelrunde" in Königinhof stattgefunden haben. Ange klagt sind 24 Personen, meistens böhmische Arbeiter und Handwerker, ferner der Bürgermeister Franz Sieb und der Polizeimann Alois Recina von Königinhof. — Neuerdings sind in Böhmen die Vorsteher der Bezirkshauptmannschaften angewiesen worden, bei allen Feierlichkeiten des „Deutschen Schulvereins" den Obmann der betreffenden Ortsgruppe stets vorher darauf aufmerksam zu machen, daß „Aus schreitungen auf das Gebiet der Politik nicht gestattet werden können und daß der Verein im Falle der Nicht beachtung dieser Weisung seine Auflösung wegen Ueber- schreitung des statutenmäßigen Wirkungskreises sich selbst zuzuschrerben hätte." Der Plan des radikalen französischen Abgeordneten Lockroy, ein gemeinsames Programm für alle Republikaner Frankreichs zu ermöglichen, ist unausgeführt geblieben. Die Regierung gedenkt nun eine Einigung der republikani schen Fraktionen dadurch zu erreichen, daß sie mit einem von ihr ausgearbeiteten Programm vor die Kammer tritt und in derselben dafür eine Mehrheit zu gewinnen sucht. Zum Glück für das Ministerium sind die Monarchisten und Bonapartisten nach ihren Wahlerfolgen bald wieder uneins geworden. Prinz Napoleon erließ eine Kundgebung zu Gunsten der Republik, was seinen Sohn Viktor ver anlaßte, im „Figaro" zu erklären, er gebe den Kaisertitel nicht auf. Da er aus Respekt vor dem Vater nicht direkt ' in die Wahlen eingreifen konnte, hätten dies die Royalisten . benützt, um Northeil daraus zu ziehen; das müsse aber ; anders werden. Zunächst gilt es aber als ausgemacht, daß Mitte Dezember der Senat und die Kammer zum Die Woche. Wieder ist der für das deutsche Volk so denkwürdige Tag hcrangenaht, an dem vor nun 368 Jahren der kühne Sohn eines sächsischen Bergmanns die römischen Fesseln zerschlug, die auf Deutschland gelastet hatten Als 0r. Martin Luther am 31. Oktober 1517 den Hammer schwang, um an das Thor der Schloß- und Universitäts kirche zu Wittenberg die berühmten 95 Sätze anzuschlagen, da wußte er wohl selbst kaum, was mit jedem Schlage zerklirrtc. Der fromme Doktor der Gottesgelahrtheit folgte zunächst nur dem in ihm lebenden sittlichen Ideal, mit welchem der Ablaßkram Johann Tetzel's im schroffsten Widerspruch stand. Nichts schien ihm unverzeihlicher, als die Vergebung der Sünden für schweres Geld, weil diese ihm geradezu als eine Aufmunterung zu neuen Verbrechen aalt. Indem sich Marlin Luther zu den strengsten Beweisen für die Verwerflichkeit des Ablaßhandels verbindlich machte, war er der Meinung, das, wogegen er eiferte, sei nur ein schnöder Mißbrauch, dessen Beseitigung bei gutem Willen keine besonderen Schwierigkeiten machen werde. Er unter schätzte dabei die Macht der materiellen Interessen. Erst nachdem sich Luther wegen des Ablaßhandels vergeblich an den Kurfürsten von Mainz und an den Papst gewendet hatte und sich selbst zum Stillschweigen verurtheilt sah, brach er wissentlich mit Rom, indem er die päpstliche Bulle, die ihn in dm Bann that, öffentlich verbrannte. Jeder große Mann ist der hervorragende Ausdruck seiner Zeit und so war auch das Zeitalter der Reformation schon vor Luther's Hammerschlägen zu der Ueberzeugung gelangt, daß eine Verbesserung der Kirche an Haupt und Gliedern ein dringendes Bedürfniß sei. Als aber der Bruch mit der päpstlichen Autorität durch den sittlichen Muth und die Gesinnungstüchtigkeit des deutschen Bergmannssohnes vollzogen war, fragten sich dennoch Tausende entsetzt: „Wo findet sich die Grenze für diese Erschütterung? wo wird die Reformation ausruhen, wenn man ihr Raum giebt? was wird stehen bleiben, wenn das fällt, was bisher Alles ge tragen hat?" Die Antwort gab Luther selbst, als er un erschrocken zu Worms vor Kaiser und Reich jeden Wider ruf weigerte, es sei denn, daß man ihn mit Beweisen aus der heiligen Schrift bündig widerlege, als er seine fürstlichen Richter durch die männliche Erklärung in Staunen setzte: »Hier stehe ich; ich kann nicht anders; Gott helfe mir! Amen!" Solcher Muth mußte begeisternd und überzeugend wirken und bald gab es selbst unter der Geistlichkeit zahl reiche hervorragende Männer, welche die Nothwendigkeit einer Kirchenvcrbesserung zugaben, ohne vor deren Folgen zu erschrecken und Ritter, die wie Ulrich von Hutten den Dunkelmännern den Fehdehandschuh hinwarfen und unter der herrlichen Devise kämpften: „Ich hab's gewagt!" Unter den deutschen Fürsten erschlossen sich Viele dem Vortheil der neuen Lehre, die ihnen eine größere Unabhängigkeit von Kaiser und Papst ermöglichte. Indem sich die Fürsten zum Protestantismus bekannten, wurden sie in ihren Staaten die höchste kirchliche Autorität und da das Kaiscrthum sich zum Schutze des Papstthumes aufwarf, des doppelten Bandes ledig. So wirkte zunächst die Reformation politisch zer splitternd und untergrub das alte deutsche Kaiscrthum, welches sich stets erst in Rom die Bestätigung seiner Würde holte. Deutschland verlor aber durch die Reformation damals eine Einheit, die nur ein Scheinwesen und keine Wahrheit mehr war, denn wiederholt hatten schon vorher deutsche Fürsten, von den Bischöfen angestachelt, die Waffen gegen den Kaiser geführt. Wohl erzeugte die Reformation Wider den Willen Luthers den Aufruhr der Bauern und mittelbar den dreißig jährigen Krieg, der unendliches Weh über Deutschland brachte, aber sie hatte den entsetzlichen Druck der Lehnsherrschasten nicht verschuldet und nichts zu schaffen mit dem Gegensatz zwischen der Politik des Haufes Habsburg und derjenigen des französischen Kardinals Richelieu, welcher letztere die schwedischen Feldherren und Bernhard von Weimar gegen Oesterreich aufrief und unterstützte. Aus den Gebeinen der in jenen Kämpfen Erschlagenen wuchs der Rächer Mor und treu bewahrte das Geschlecht der Hohenzollern d>e Traditionen des großen Kurfürsten, der die Schweden wis dem Besitz Vertrieb, welchen sie im dreißigjährigen Krieg in Deutschland errungen hatten. Das protestantische deutsche Kaiserthum vollendete, was Luther am 31. Oktober tat? begonnen hatte, die Befreiung Deutschlands vom Nälschthum und gewann in unserer Zeit dem Reich Mück, was durch die Glaubenstrennung an das Ausland die gelegeM des Bieistwa zten BeschM es StadtrM Schnittgerum aegcs am Holck Verwilligmgv« Bestreitung t« rterung über dü Zeise der AW ! aus hieW Kassen-RechM -itzung. I chesT^! >1, Dinktm. roTÖLb^ 56,112, w ;i. Kongreß vereinigt Jules Grövy abermals zum Präsident« )er französischen Republik wählen werden. Seitdem die Einzelheiten der deutschen Besitzergreifung von Jap in Spanien durch Privatbriefe, welche aus den Philippinen eintrafen, genauer bekannt geworden sind, führ« nicht nur alle unabhängigen spanischen Blätter wieder eine ehr gehässige Sprache gegen Deutfchland, sondern erhitzt 'ich auch die Bevölkerung Madrids wieder gegen das Mi nisterium Canovas in bedrohlichster Weise. Die Lage de» spanischen Kabinets ist um so, mißlicher, als König Alfon» fehr leidend ist und keinem Ministerrath präsidiren kann. Das von dem Schriftsetzer Rasmussen gegen de» dänischen Ministerpräsidenten Estrup verübte Attentat bewirkte einen Umfchwung der Stimmung in Kopenhagen, dessen Bevölkerung dem bisher bestgehaßten Minister große Huldigungen darbrachte. Trotzdem wurde ein sogenannte» Gendarmerie-Gesetz erlassen, dessen Motive besagen, die Zivilbehörden brauchten eine größere militärische Beihilfe, als der Militärdienst gestatte; der König von Dänemark habe deshalb für nothwendig gefunden, ein Gendarmerie korps zu errichten, das die Zivilbehörden im ganzen Lande bei Ausrechthaltung der öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung, sowie bei Handhabung der bestehenden Gesetze unterstützen solle. Die englischen Parlamentswahlen werden dem alt« Brauche gemäß eine Woche nach der auf den 18. November d. I. festgesetzten Auflösung, also am 25. November statt finden. Die Wahlkampagne ist bereits außerordentlich leb haft, und jeden Tag giebt es jetzt in England einige Dutzend Wahlreden. Die Expeditton nach Birma scheint von der Opposition gebilligt zu werden, da sich dieselbe den Vor theilen nicht verschließt, die die Annexion dieses Landes für den englischen Landhandel nach Siam und China haben würde. Das Gerücht, daß in Mandalay eine Revolution ausgebrochen und der König Thibaut ermordet worden sei, hat sich nicht bestätigt. Auf die polnische Bevölkerung macht das fürsorgliche Verhalten der russischen Behörden gegenüber den au» Preußen ausgewiesenen Polen den besten Eindruck. Im Auftrage des russischen General-Gouverneurs von Pol« bilden überall die Bezirksvorsteher Hilfs-Komitees für die aus Preußen Zurückgekehrten. Während bei der Kriminal- abtheilung des Senats der Oberprokurator die Aufhebung des Verdikts der Geschworenen des Charkowschen Gerichts hofes in dem Taganrog'schen Zolldefraudationsprozesse be antragte, begann in Petersburg ein neuer skandalöser Riesen prozeß gegen den Polizeimeister von Kronstadt, Golowatschjoff, der daselbst neunzehn Jahre wie ein Pascha gehaust und sich die unglaublichsten Erpressungen hat zu Schuld« kommen lassen. Die von der türkischen Regierung angeregte Bot schafter-Konferenz hat noch immer nicht beginnen können, weil die Westmächte Vorbehalte zu Gunsten der Balkan- ftaaten zu machen versuchten. Indessen steht bei Trn und Pirot das serbische Heer hart an der bulgarischen Grenze, wo die Truppen des Fürsten Alexander Gewehr bei Fuß abwarten, ob die Mächte die bulgarisch-ostrumelische Union zulassen oder nicht und ob die Serben dann ein Stück Bulgarien an sich zu reißen versuchen. Tagesschau. Freiberg, den 30. Oktober. Der deutsche Kaiser, welcher gestern Nachmittag den Unterstaatssekretär Grafen Bismarck zum Vortrag empfing, fuhr heute früh mit dem König von Sachsen, de« Prinzen Georg von Sachfen, dem Herzoge von An halt, dem deutschen Kronprinzen und Prinzen Wilhelm vo« Preußen nach Eberswalde, um von dort die Fahrt zur Jagd in der Schorfhaide anzutreten. Die Ankunft im Schloß Hubertusstock fand Mittag 12 Uhr statt. Nach eingenommenem Döjcüner erfolgte um 1 Uhr der Aufbruch zur Jagd in daS Terrain unweit des Schlosses, wo ein abgestelltes Jagen auf Rothwild abgehalten werden sollte. Nachmittags 4 Uhr er- ' folgt die Rückkehr von der Jagd und Abends 7 Uhr findet Diner statt. Am Sonnabend früh 9*/, Uhr wird die Strecke ' des vorigen Tages abgenommen und um 10 Uhr zur Jagd , aufgebrochen. Nach Ankunft am Rendezvousplatze wird zu- : nächst im Jagdzelte ein Imbiß eingenommen, an den sich ein 4-3,- 4-0.« ° K ilage.