Volltext Seite (XML)
1858. Freitag, den 12. März abermals festgenommen und „in Eisen" nach Reichenberg tranS. Prci« vierteljährlich 18 Ngr. Inserate werden die gespaltene Zeile oder deren Raum mit 8 berechnet. - Amtsblatt -es König!- Bettrksgerichts ;u Freibergs sowie -er Königl. Gerichtsämter und -er Sta-träthe ;u Freiberg, Sayda und Brand. Tagesqeschichte. Freiberg. Der am 8. März stattgefundene Orkan, wel cher bei uns glücklicherweise noch etwaS gelind ausgetreten ist, hat an andern Orten mehrere Verheerungen angerichtet. So in Leipzig z. B. wurde das Begehen der Straßen durch Herab wehen von Dachsteinen, Dachrinnen, Schiefer und Zinkplatten geradezu gefährlich. Das hohe Dach der Thomaskirche hat be deutend gelitten und mußte der Weg über den Kirchplatz poli zeilich gesperrt werden. Einen Knaben warf der Sturm zu Boden, wobei er den Fuß brach. In Oschatz wurde durch den Sturm der Jahrmarkt förmlich aufgelöst. Auch in Rei chenbach mußte der Jahrmarkt eingestellt werden, indem die meisten Buden einstürzten und theilweise auch zertrümmert wur den; Breter flogen ellenhoch in die Höhe und Plantücher und Papier wirbelten haufenweise in der Luft. In Zwickau warf der Sturm ein unbewohntes Hintergebäude auf der Bahnhofs straße ein; ein achtjähriges Mädchen wurde von einem heftigen Windstoß, als sie Mittags gegen 1 Uhr über den Steg bei der Treppenmühle ging, in den Mühlgraben geworfen, blieb aber zum Glück an einem Rechen vor einem zur genannten Mühle gehörigen Rade hängen, worauf sie vom Knappen Müller be merkt und gerettet wurde. In Dresden hat der Sturm eben falls bedeutenden Schaden angerichtet: Ein mehrere Centner schweres Steinstück wurde von der Frauenkirche herab über den ganzen Kirchplatz weg bis an das Haus des Hofmundbäckers Kayser getrieben; ein 14 Pfd. schweres Trümmcrstück desselben flog sogar durch die Hausflur und das dort befindliche Verkaufs- senster in die Stube. Ferner wurden ein Ggscandelaber nnd mehrere Droschken umgeworfen und die darin Sitzenden verletzt. Ebenso erging cs bei Possendorf einem Postwagen. — Die Kölnische Zeitung berichtet über die Wirkungen des Sturmes am 8. März Folgendes: Eine auf dem Schornstein der könig lichen Polizeidirection hier befindliche mächtige Hausteknplatte, angeblich mehrere Centner schwer, wurde aufgehoben und in Len anstoßenden Garten geschleudert. Der Thurm der Pfarr kirche von St.-Johann kam ins Wanken, sodaß die Augen der Zuschauer mit Acngstlichkeit daran hafteten. In der Maschinen fabrik im Bayenthale trug der Sturm zwei Centner schwere Deckplatten 60—80 Fuß und ein einzelnes ziemlich großes Bruch stück des Daches ungefähr 300 Fuß weit durch die Luft. Das Schilderhaus am Fort Nr. 1 wurde 60 Fuß weit geschleudert. In Rodenkirchen wurden mehrere Häuser zerstört und in dem jenseitigen Dorfe Poll ziemlich bedeutende Verwüstungen ange richtet. Der nach Bcnn abgelassene Bahnzug brauchte drei Viertelstunden, um nach Kalscheuren zu gelangen, und es mußte, um die Weiterbeförderung sicher zu stellen, eine zweite Locomo- tive nachgesandt werden. Auf der Station Kalscheuren selbst wurde die Bedachung des Wartesaals mitsammt dem Dachstuhl über das höhere Stationshaus geschleudert. In Bergisch-Glad- bach soll ein hoher Fabrikschornstein umgewvrfen sein und einen Arbeiter erschlagen und zehn bis zwölf andere verwundet haben. Dem Stürme folgte Abends ein reichlicher Schneefall, welchem ein vielfach wahrgenommenes Helles Wetterleuchten voranging. Dresden, 1. März. (Dr. I.) Se Königliche Majestät haben geruht, bei Gelegenheit der am 25. v. Mts. stattgefun denen Feier des 25jährigen Bestehens des Leipziger Buchhänd ler-Vereins, dem Vorstande desselben, Buchhändler Friedrich Fleischer, in Anerkennung der vielfachen Verdienste, welche derselbe um den' Leipziger Buchhandel sich erworben hat, das Ritterkreuz des Albrechtordens zu verleihen. Aus Böhmen, 5. März. (D. A. Z.) Neuerdings Hab ich Ihnen einen bedauerlichen Vorfall zu melden, der ein grelles Streiflicht auf unsere kirchlichen Zustände wirft. Kürzlich ge- rieth in Reichenberg ein jüdischer Kaufmann aus Polen mit einem christlichen Fabrikanten in Streit, der zu Gunsten deS erstern endigte. Der Fabrikant sann auf Rache, und denuncirte endlich den jüdischen Kaufmann, er habe „die christliche Kirch gelästert". Dieser wurde sofort festgenommen, jedoch, da er dl- Sache als eine falsche Beschuldigung darstellte, wegen Mangel Frauenstein. Am Donnerstag, den 4. d. M., ist der an Beweisen freigelassen, und reiste nach Krakau zurück, hicfige Nadlermeister und Hausbesitzer Drechsler in Geschäften Tage nach seiner Ankunft wurde er jedoch plötzlich d-s nachts nach dem eine Stunde von hier entfernten Buschhause bei Herms- abermals festgenommen und „in Eisen" nach R-ich-nderg a !< dorf (mit einer Privatgelegenheit) gefahren; Abends 8 Uhr geht er dort weg, ist aber nur eine Strecke von einer Viertelstunde gegangen, denn in dem sog. Stahlbusche wurde er am andern Morgen, dem Bußtage, von einem Forstgchilfen todt aufgefun- dcn. Wahrscheinlich ist An Unwohlsein, das ihn befallen und zum Hinsehen genöthigt hat, Ursache seines TodeS geworden. Er hinterlaßt eine Frau und vier unerzogene Kinder. Berlin, 8. März. (D. A. Z.) Man schmeichelt sich mit der Hoffnung, die königliche Gewalt, welche jetzt nur dem Namen nach in Dänemark bestehe und den Herzogthümern von Her zen gerecht zu werden wünsche, werde durch das Vorgehen deS Deutschen Bundes wieder zur Herrschaft gelangen und die Streit frage zu allseitiger Befriedigung lösen. Man glaubt sich einer solchen Hoffnung um so rückhaltloser hingeben zu dürfen, alS man zu wissen glaubt, daß Rußland auf das entschiedenste sich für die deutschen Forderungen erklärt habe. Ja man geht so weit, es möglich zu finden, daß Rußland die Hand zur Be seitigung des Londoner Protokolls bieten werde, wenn die Frage nicht anders gelöst werden könne Diesem Optimismus gegen über macht sich aber vielfach eine Ansicht geltend, der zufolge von den Bundesbestrebungen nicht viel zu erwarten sei. Leider hat die Art und Weise, wie der hannoversche Antrag in der Bundesversammlung ausgenommen worden ist, der pessimistischen Ansicht von der Lage der Dinge großen Vorschub geleistet. Der „Zeit" wird aus Königsberg geschrieben: „Um noch einmal auf das bedauerliche Duell zurückzukommen, so hören wir, daß der General in seinen letzten schriftlichen Dispositionen den Mitgliedern seiner Familie zur Gewiffenspflicht gemacht hat, jede« fernere Zerwürfniß mit der Familie Jachmann zu vermeiden und, falls er im Duell bleiben sollte, aus seinem Tode kein Motiv zu weitern Zweikämpfen hcrzunehmen. Di- Heilung des Lieutenants Jachmann ist eine sehr langwierige, obgleich eine Gefahr für das Leben des Verwundeten nicht obwaltet." Wien, 8. März. Die Wiener Zeitung vom 5. März enthält folgende Mittheilung: „Die treuen Völker Oesterreichs haben die beglückende Veranlassung, einem Ereignisse entgegen- zusehen, welches zugleich für die erhabene kaiserliche Familie Und die unter dem Scepter Habsburgs vereinten Länder ein neues, schönes Unterpfand freudenreicher Hoffnungen sein wird. Ihre Maj. die Kaiserin befindet sich in gesegneten Umständen. Alle die Herzen im weiten Reiche, welche die Geschicke des Kaiser hauses wie die eigenen mitzufühlen gewohnt sind, werden sich im Gebete vereinen, daß der Allmächtige in seiner Gnade unserer allergnädigsten Herrin in ungetrübtem Wohlsein die glückliche Erfüllung froher, tiefempfundener Wünsche gewähre." — Das Frankfurter Journal bringt die Mittheilung, Oesterreich habe den Vorschlag gemacht, einem jeden der ehe maligen schleswig-holsteinischen Offiziere auf fein Ansuchen die Nachzahlung der Pension zu bewilligen, sobald der Compe- tant seine Hilfsbedürftigkeit genügend nachgewtesen habe. »---Freiberger Anzeiger dm bis Nachmittags 3 Uhr für die nächst- erscheinende Nummer UI g mm A H H 1