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Erscheint jeden Wochentag früh 9 Uhr. Inserate wer den bi« Nachmittag» Z Ubr für die nächst erscheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger und - /, ' Tageblatt. Preis pierteljährNch iö Ngr. «Inserate werd« die gespalten« Zeile »der deren Raum mit 5 Pf. berechnet. Amtsblatt des Königs. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie der Königs. Gerichtsämter und der Stadträthe zu Freiberg, Sayda und Brand. 130. Freitag, den 7. Juni. 1861. Tagesgeschichte. Chemnitz, 30. Mai. Gleich der Todten Hand, die vor Zeiten fruchtbares Erdreich zur Unfruchtbarkeit verdammte, sä hat zeither der Zunftzwang wie ein Alp auf den sogenannten zünftigen Gewerben gelegen. Brachen sich trotzdem hier und da Fortschritte Bahn, so waren dies Einzelfälle; eine allgemeine industrielle Entwickelung vermochte dabei nicht aufzukommen. In ganz auf fallender Weise verräth sich das bei denjenigen zünftigen Gewerben, die cs mit der Bearbeitung des Holzes zu thun haben. Während die Bearbeitung des Eisens — Dank sei es dem unzünftigen Maschinenbau — durch die Theilung der Arbeit und mit Hilfe sinnreicher Werkzeugmaschinen aller Art zu einer wirklich bewunde- rungswerthen Ausbildung gediehen ist, die stets immer weiter fortschreitet, walten in den Werkstätten unserer Tischler, Glaser, Zimmerleute rc. — vereinzelte Ausnahmen stoßen die allgemeine Thatsache nicht um — bis beute die veralteten Arbeitsmethoden vor, wo einer Alles macht, wo man mit der Hand langsam, schlechter und theurer macht, was die Maschine schnell, besser und um vieles wohlfeiler liefert. Jetzt nun, ww die Gewerbesreiheit im Anzuge ist, da beginnen sich plötzlich die so lange gebundenen Kräfte zu regen, der Unternehmungsgeist beginnt zu erwachen, indem zunächst einzelne voraussichtige und strebende Männer sich der Wohltbaten zu bemächtigen anfangen, welche durch Arbcitstheilung und Hilfs maschinen auch in den Holzbearbeitungsbranchen zu erzielen sind. Man hört, daß den hiesigen Werkzeugmaschinensabrikanten Aufträge aus Hobelmaschinen, Sägcmaschinen rc. von allen Seiten zugehen, um, wenn die Gewerbefreiheit eintritt, der Concurrenz mit Erfolg begegnen zu können. Welche Erfolge aber mit derartigen Maschinen zu erringen sind, dies berechnete kürzlich der hiesige berühmte Werkzeugmaschinenfabrikant Johann Zimmermann in der Sächsischen Industrie-Zeitung. Derselbe weist z. B. nach, daß eine Dielen hobelmaschine, die 700 Thlr. kostet, für 4 Thlr. 5 Ngr. herstellt, wofür der Zimmermann 11 Thlr. 20 Ngr. Arbeitslohn empfängt; daß eine dergleichen Maschine, die 1100 Thlr. kostet, für 5 Thlr. 5 Ngr. leistet, was mit der Hand 27 Thlr. zu stehen kommt; ja, daß eine Maschine zum Aushobeln der Simsleisten, Thürbeklei dungen rc. bei einem Preise von 850 Thlrn. für 4 Thlr. 7?/, Ngr. zu liefern vermag, wofür der Handarbeiter 286 Thlr. 20 Ngr. zu bekommen pflegt! Es leuchtet ein, daß durch allgemeine Einführung der Maschinenarbeit sich die betreffenden Gegenstände namhaft verwohlseilern müssen und daß dies nur eine der Segnungen ist, die man der Gewerbefreiheit zu danken haben wird. Hier erwartet man mit wahrer Sehnsucht den Augenblick ihres Eintritts, denn selbst unsere Jnnungsmeister sind in ihrer Mehrzahl der Zunft herzlich müde, weil sie unendlich besser auf eigenen Füßen zu stehen wissen und des antiquirten Lauskorbs schon lange nicht mehr bedürfen. Nürnberg, 3. Juni. Gestern wurde die erste Auflage des Korrespondenten von und für Deutschland wegen eines Artikels über das bairische Lotto, unter Angabe des Art. 26 des Preßgesetzes (Beschimpfung der Staatsregierung) polizeilich mit Beschlag belegt. Die Herausgeber des Blattes erklären heute unter Anderm, daß dies die erste Beschlagnahme sei, welche demselben seit einem Zeiträume von fünf bis sechs Jahren widerfahren sei. Karlsruhe, 1. Juni. Die „Karlsruher Zeitung" weist die in verschiedenen Blättern ausgestellte Behauptung, daß die badische Regierung mit Preußen Separatverträge, speciell eine Militärcon vention zu schließen beabsichtige, als unbegründet zurück; sie sagt: „Jeder, der einigermaßen politisch sehen gelernt hat, muß darüber außer Zweifel sein, daß unsre Regierung nach ihren Grundsätzen eine specielle Militärconvention mit Preußen nicht eingrhen kann und wird. Wien, 4. Juni. (W. Z.) Se. Majestät der Kaiser hat den durch Brand verunglückten Bewohnern von Trautenau in Böhmen eine Unterstützung im Betrage von 4000 Fl. zu spenden geruht, welche durch den kaiserl. Flügeladjutanten Major v. Latour ihrer Bestimmung zugeführl worden sind. Aus Zürich vom 2. Juni wird berichtet: „Nach einer ofstciellen Aufnahme über die Brandbeschädigungen zu GlaruS sind 616 Häuser und Nebengebäude zerstört. Der Schaden wird auf 15 Millionen geschätzt. Das Hilfscomit^ in GlaruS hat bis jetzt 630000 Fr. in Geldgeschenken erhalten, worunter 5000 von dem Kaiser Napoleon, 2000 von dem Papst PiuS und 27000 von den in Paris befindlichen Schweizern." Turin, 1. Juni. Es wird heute versichert, sagt das „Regno d'Jtalia", daß General Garibaldi, wenn Italien zwei Monate ruhig bleibt, nach Amerika, dem ersten Felde seines militärischen Ruhmes, abzureisen gedenkt. Turin, 6. Juni. Graf Cavour ist diesen Morgen 7 Uhr gestorben. Rom, 27. Mai. Den Repräsentanten Sr. Majestät des Königs Franz II. im Auslande wurde eben eine Depesche über sendet, worin der König laut und feierlich gegen das Anleiheproject Piemonts (500 Mill. Francs) protcstirt und erklärt, fest entschlossen zu sei», die Folgen desselben, insofern fle die Interessen beider Sicilien berühren, niemals anzuerkennen. Kopenhagen, 4. Juni. Wie es heißt, sind die vier Mächte, deren Rathc Dänemark in der holsteinischen Budgetangelegenheit folgte, bemüht, nachdem die holsteinische Ständeversammlung diese Vorschläge verworfen hat, den Streit zu beendigen. Man erfährt, daß Schweden dicserhalb den nichtdeutschen Mächten bereits Vor schläge gemacht hat und letztere geneigt sein sollen, denselben mit einigen Abänderungen beizutreten. Warschau, 3. Juni. Ueber die Beerdigung des Fürsten- Statthalters Gortschakoff erfährt man, daß dessen Leiche am kom menden Sonnabend, den 8. d. M., nach der Krim tranSportirt werden soll, und zwar per Eisenbahn nach Wien, und von dort per Dampfschiff die Donau herab. Die Familie des Fürsten, so wie dessen Adjutanten und mehrere Generale begleiten die Leiche, um der Beerdigung in Sebastopol, welches der Fürst so lange tapfer vertheidigt, beizuwohnen. — Dem „Echo der Zeit" schreibt man aus Warschau vom 1. Juni: „Ich melde Ihnen einige Einzelheiten, welche hier über die Ursachen des Todes des Fürsten Gortschakoff circuliren. Er erkrankte am 25. Mai ebensowohl infolge der Entlassung, welche er an diesem Tage von Petersburg erhielt, als auch infolge des unangenehmen Eindrucks, welchen ihm seine Frau und seine Tochter verursacht hat. Letztere kehrten in Trauer von Dresden zurück und hatten den Muth, ihm das Hassenswerth seiner Stellung fühlen zu lassen. Am Abend vor seinem Tode war er in Hallu- cinationen versunken, welche ihm beständig das Bild einer weißen Frau mit einem schwarzen Kreuze zeigten. Er gab Befehl, auf jene Gestalt zu schießen. Um ihn einigermaßen zn beruhigen, schoy man aus dem Fenster seines Krankenzimmers, in den (sarren hinab." Beirut 18. Mai Heute vor 8 Tagen, am 11. d. M. früh, starb Said Bey Dschumbellat, der -nächtigste untkr den Drusen- scheichs, Besitzer sebr ausgedehnter (doch tangst von derRegierung confiscirter) Güter, der Anstifter der scheichstchen Mordthaten und Metzeleien in Deir-el-Kamar und Beit-ed-Dln. Zehn Tage unge fähr vor seinem Tode hatte eine aus sechs Aerzten (darunter drei srantöfifchen) bestehende Commission ein Gutachten abgegeben, daß er infolge einer sehr vorgerückten Brustkrankheit, einen anderen Wohnort als sein Gesängniß in der Kaserne erhalten müsse. ES