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Erscheint jeden Wochentag früh S Uhr. Inserate wer den bis Nachmittags 3 Uhr siir die nächst- erscheincnde Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger UN- Tageblatt. Preis vierteljährlich IS Ngr. Inserate werden die gespaltene Zeile oder deren Raum mit 5 berechnet. Amtsblatt des Königl. Bezirksgerichts zu Freiberg, der Königl. Gerichtsämter zu Freiberg, Sayda und Brand und der Stadträthe zu Freiberg und Sayda. . 19. Montag, den Tagesgeschichte. Dresden, 22. Januar. (Dr. I.) Die königl. sächs. privi- legirte künstliche Brutanstalt des Herrn Apothekers Baumeyer, welche, wie man sich erinnern wird, auch bei der letzten Geflügel ausstellung ein lebhaftes Interesse erregte, hat seit dem vergan genen Herbst eine ganz wesentliche Vergrößerung erhalten, indem neue Localitäten zur Aufzucht der jungen Hühner geschaffen und die Brütvorrichtnngen erweitert worden sind. Seit einem Jahre sind in dieser Anstalt 3000 Stück junge Hühner aus gebrütet worden, von denen 1200 Stück an Hühnerbesitzer (größtentheils an Landwirthe) zur Zucht abgegeben worden sind. Nicht unerwähnt darf hierbei bleiben, daß über diese Hühner mehrfache Berichte eingegangen sind, aus denen ersicht lich wird, daß diese künstlich ausgebriiteten und künstlich aufge zogenen Thiere sich zur Fortzucht vollkommen bewähren. Der Rath der Stadt Dresden hat am 22. Jan. folgende „Bekanntmachung" veröffentlicht: „Se. Majestät der König haben allergnädigst geruht, aus Anlaß der glücklichen Entbin dung Allerhöchstihrer durchlauchtigsten Frau Tocher, der Erb großherzogin von Toscana k. k. Hoheit, die Summe von 300 'Thlrn. zur sofortigen Vertheilung an hier wohnende verschämte Hausarme — ohne Rücksichtnahme aus deren Konfession — huld vollst zu bewilligen und in unsre Hände niederzulegcn. Mit dem allcrunterthänigsten und tiefempfundensten Danke haben wir jene Summe in Empfang genvmmen und der allerhöchsten Be- i stimmung gemäß sofort unter Vermittelung der Armenversor- gungtzbehörde zur Vertheilung bringen lassen. Gott segne und erhalte unsern erhabenen und geliebten König und Allerhöchst- dessen ganzes Haus! Leipzig, 21. Jan. Das hiesige Tageblatt berichtet: „In der Nacht von vorgestern zu gestern wurde einem hiesigen ! Schcnkwirth aus einem in der Gaststube befindlichen Schränk chen mittelst gewaltsamer Erbrechung des letzter« eine Summe Geldes von ungefähr 400 Thlrn. entwendet. Gestern Bor mittag wurde in Rötha ein junger Mensch wegen Legitimations- - mangels angehalten und bei Durchsuchung seiner Effecten im Besitz von mehreren Hnndert Thalern Geld befunden. Auf Befragen über den Erwerb des Geldes gestand er sofort rin, daß er den oben gedachten Diebstahl verübt habe. Er hat früher bei dem Bestohlenen als Kellner in Dienst gestanden und sich während der Nacht von vorgestern zu gestern in das frag liche Local entschließen lassen. Naumburg, 21. Jan. Gegen den Pfarrer an der hie sigen OthmarSkiirche, Pastor Weber, hat gestern Nachmit rag von einem seiner Beichtkinder, einem Schneidermeister, Na mens Liebeskind, ein Mordversuch stattgefunden, und zwar des halb, weil der in Rede stehende Geistliche gegen den betreffenden Verbrecher in dessen Ehescheidungssache genau das neuerdings in dieser Beziehung ««geordnete Verfahren beobachtet. Liebes kind hat versucht, den Pastor Weber in dessen Studirstube mittels eines großes Messers zu erstechen, und nur dem Umstande, daß die Klinge deS Mordinstruments beim Stoße zerbrochen, ist es zuzuschreiben, daß der Angefallene ohne erhebliche Verletzungen davon gekommen. Der Verbrecher ist verhaftet. Der Frankfurter Postzeitung schreibt man aus Jena vom 19. Jan.: „Zu unserer akademischen Säcularfeier will sich ganz unerwartet eine sehr vielen, liebe und werthe Bekannte einfinden, sofern sie sich, wie zu hoffen steht, sicheres Geleit zu verschaffen vermag. Es ist die dem Zuge der Studenten von fast sämmtlichcn deutschen Universitäten im Jahre 1817 bei dem Wartburgsfeste von den Jungfrauen Eisenachs gefertigte sogenannte Wartbur-Ks ». Von weiland der Mainzer 28. Januar. 1838. MM«»-»»—E-W—' "" Centraluntersuchungscommission und der Polizei in ganz Deutschland verfolgt, mußte auch sie ein Asyl in fremden Landen suchen, fand solches, und will nun wieder nach Jena (ihr früheres Domicil) zurückkehren. Möge sie die deutschen Farben jetzt unangefochten entfalten dürfen und dann auf der Wartburg die Ruhe nnd Sicherheit finden, die ihr bis jetzt In Deutschland nicht vergönnt war." Paris, 20. Jannar. Die Gesammtzahl der beim Attentat Verwundeten beläuft sich, soweit ihre Namen bis jetzt bekannt geworden sind, auf 141. Das „Pays" berichtet noch Folgende-: Orsini wohnte seit ungefähr sechs Wochen in der Rue Mon- thabor. Er gab sich für einen englischen Offizier Namens Sir Thomas Albof aus. Er besaß ein Pferd, mit dem er häufig nach dem Boulogner Hölzchen ritt. Seit drei Tagen war ein angeblicher Bedienter unter dem Namen Gomez angekommcrt. Da im Hause kein Zimmer leer war, so hatte er eine Stube in der Rue St. Honoro gemiethet, wo er schlief. Am Tage kam er in die Rue Monthabor, um angeblich seinen Dienst zu versehen, that aber sehr wenig, und theilte Cigarren und Schnäpse an alle Domestiken des Hauses auS. Am Donners tag Abend war Gomez in der Portierloge, als er plötzlich mit den Worten aufstand: „ES ist Zeit; ich muß meinen Herrn nach dem Theater begleiten." Er ging dann in die Wohnung Orsini s, und kam mit diesem wieder heraus, welcher Letztere in Begleitung eines Freundes war, dem ein zweiter Bedienter folgte- Beide Bedienten trugen in Tüchern eingewickelte Packete; der Portier und seine Frau, welche sich darüber wunderten, daß man so belastet ins Theater ging, sahen den vier Männern auf der Straße nach, und bemerkten, wie die angeblichen Be dienten bald nicht mehr hinter ihren Herren, sondern neben ihnen gingen. Paris, 21.. Januar. Der heutige „Moniteur" meldet, det Kaiser und die Kaiserin hätten gestern wieder ihre bei dem Atten tate verwundeten Diener besucht. — Der Leipziger Zeitung wird aus Paris geschrieben: „Die neuen Hohlkugeln oder Sprengkugeln, welche in der Lepelle tierstraße gebraucht worden sind, besitzen in der That eine große Gefährlichkeit. Artillerie und Genie sind darin vereinigt. Die ersten Versuche damit sind vor Sewastopol gemacht worden und zwar beim Sturme des Malakow. Es sind keine Bomben, denn sie sind größer. Es sind runde Körper von 12—15 Centimeter Umfang, überall mit Zündhütchen garnirt, welche ihr Zündfeuer nicht gewöhnlichem Schießpulver, sondern einer Ladung Schieß baumwolle mittheilen. Die Sprengkugel enthält nur wenige kleine Kugeln, und die mörderische Wirkung erfolgt durch die Heftigkeit der Explosion, welche die aus Eisen gegossene-Hohl- kugel selbst in zahllose Stücke zersprengte. Um solche Spreng kugeln ohne Gefahr bei sich tragen zu können, sind sie mit Kautschuckumhüllungen versehen worden; andere befinden sich in einer Glasumfaffung. Der General Niel, Adjutant des Kaisers, zeigte einige solcher Sprengkugeln und auch ein Stück der er wähnten Glasumfassung." Sta-ttheater. Freiberg, den 25. Jan. 1858. In der Wahl der Opern ist die Direktion bis jetzt hier glück licher gewesen, als in der Wahl der andern Stücke, die sie uns vor geführt. Gestern brachte sie uns Mozart's liebliche „Entführung aus dem Serail" und bereitete damit dem zahlreich versammelten Publikum einen genußreiche» Abend. Die wunderschöne und zum Theil, insonderheit für die zweite Violine schwierige Ouvertüre gab unserm Muflkchor Gelegenheit, seine Befähigung zur würdigen Aus führung derartiger Kunstwerke in erfreulichster Weise zu documcntiren. Es spülte die Ouvertüre von dem eisten sicheren und exakten Einsatz