Volltext Seite (XML)
!M. k. Ok. rk". «I. Lebten r die wie hmuck g Zur mrde, Süß Srabe »ok »«I. rr- »8 !, rrn Zis 88- >8- Z7. i län- Frau Die ; Uhr rschied Vater, r. der l". zeigen ene«» egast, ' früh 8«7r SN. nstaedt- »o. — »r » o. sie. iu«e° 7Ä 72« 710 k,r " n i,6 ° k HLtt » eichnift vk irr Amtsblatt für die königlichen mb städtischen Behörde« z« Freiberg nud Braud. Lerantwortlicher Redakteur: Iuliu» Brauu iu Freiberg. .N 247. Erscheint jeden Wochentag Nachmitt. ^/,6 Uhr für den Ü andern Tag. Preis vierteljährlich 2 Mark 2S Pf., 8 zweimonatlich 1M. SO Pf. und einmonatltch 7SPf. 40. Jahrgang. ' --» Sonntag, de« 23. Oktolier. Inserate werden bis Vormittag 11 Uhr angcnom- k mm und beträgt der Preis für die aespaltme Zeile k 10O I < oder deren Raum 15 Pf. k ' Tagesschau. Freiberg, den 23. Oktober. Bei der gestern früh 8*/. Uhr erfolgten Ankunst de» deutsche» Kaisers in Berlin war ein sehr zahlreiches Publi kum auf dem Perron versammelt und viele Hunderte hatte« sich vor dem Bahnhof aufgestellt. Pünktlich zur angegebene» Zeit lief der Zug in die Halle; der Kaiser, frisch und Wohl aussehend und jede Hilse beim AuSsteigen abwehrend, verließ sofort den Salonwagen und begrüßte die zum Empfang an wesenden Herren. Der Monarch, welcher im Ueberrock und Mütze war und den bekannten grauen Mantel über die Schul tern geworfen hatte, verweilte längere Zeit im Gespräch auf dem Perron; dann verließ er, während das Publikum in leb hafte Hochs ausbrach und die Damen mit den Tüchern weh ten, den Bahnhof und begab sich in einer geschlossenen Stadt equipage nach dem kaiserlichen Palais, wo alsbald die Purpur standarte aufgehißt wurde, die den Berlinern anzeigte, daß der kaiserliche Herr wieder in seine Residenz zurückgekehrt sei. — Gestern Vormittag empfing der Kaiser den Besuch de» Prinzen Georg von Preußen und arbeitete dann längere Zeit allein. Um ^1 Uhr erschien der Kaiser beim Aufziehen der neuen Stadtwache an dem Fenster seines Arbeitszimmers und wurde von dem zahlreich vor dem Palais versammelten Publi kum mit begeisterten Hoch- und Hurrahrusen begrüßt. Der greise Monarch begtebt sich heute Nachmittag anläßlich deS Geburtstages der Prinzessin Wilhelm von Preußen mittelst Extrazugcs nach Potsdam und wird dort einige Stunden beim Prinzen und der Prinzessin Wilhelm verbleiben. — Der deutsche Kronprinz Hst auf den Geburtstags-Glückwunsch, den der Ministerpräsident Crispi im Namen der italienischen Re gierung und als Dolmetscher der Gefühle deS italienischen Volk an ihn gerichtet hatte, geantwortet, er danke für die ihm aus gesprochenen Wünsche. Er freue sich, daß das italienisch« Klima dazu beitrage, ihm seine Gesundheit wiederzugeben, er weile gern in Jtalim und fühle sich immer glücklich, wenn er die Bande zwischen den beiden Nationen sich enger knüpfen sehe. Der deutsche Kronprinz erhielt auch vom Papst ein herzliche» Glückwunschtelegramm. Gegenüber der Behauptung, die Zu ziehung deS vr. Mackenzie bei der Krankheit des Kronprinzen von Deutschland sei deshalb nolhwendig geworden, weil die deutschen Aerzte das Leiden des Kronprinzen für ein „krebs artiges" und eine der gefährlichsten Operationen, einen Ein griff in den Kehlkopf von Außen, für unvermeidlich erklärt hätten, schreibt die „Kreuz-Ztg.": „Die deutschen Aerzte haben den englischen Arzt nicht hinzugezogen. Sie hielten die Neu bildung für eine solche, welche eine Tendenz zu Wucherungen zeigt und daher radikal nur von Außen her operirt werden könne, während hierbei gleichzeitig eine möglichste Erhaltung der Stimmsunktion zu erwarten gewesen wäre. Als eine lebens gefährliche Operation ist die Spaltung des Kehlkopfs niemals bezeichnet worden. Anders läge die Sache freilich, wenn eS sich um die Entfernung des Kehlkopfes oder einer Hälfte des selben gehandelt hätte, vr. Mackenzie glaubte, die Operation Di« Woche. Der Jahrestag der Schlacht bei Leipzig, durch welche Afft Deutschland von dem Joch des fränkischen Imperators befreit wurde, erweckt alljährlich im deutschen Volke jene Stimmung, welcher Uhland einst an demselben Tage mit den Worten Ausdruck gab: „Wenn jetzt ein Geist herniederstiege, ein Sänger und zugleich ein Held!" Jener Geist echten deutschen Heldenthums, der am 18. Ok tober 1813 für die Franzosen so verhängnißvoll wurde, er lebt und webt in dem edlen Sohn, der dem deutschen Kaiser, dem damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen, am 18. Oktober 1831 geboren wurde. Um so schmerzlicher empfand es diesmal jeder deutsche Patriot, daß dieser in Krieg und Frieden bewährte deutsche Kronprinz, durch ein hartnäckiges Leiden an ein müderes Klima gebannt, seinen 56. Geburtstag fern von der geliebten Heimath begehen mußte. Glücklicher Weise lauteten die letzten Nachrichten über das Befinden des Kaisersohnes so günstig, daß dessen beide Söhne, die Prinzen Wühelm und Heinrich von Preußen, die ihn an diesem Tage in Baveno aufsuchten, ihren erlauchten Vater in entschiedener Besserung gefunden haben werden. Ein Hauch jenes wahrhaft nationalen Geistes durchwehte an demselben Tage auch die weitaus größte Mehrheit der wahlberechtibten Bewohner von 29 sächsischen Wahlkreisen, die am Dienstag ihrer Pflicht bei der Landtagswahl in so patriotischem und einträchtigem Sinne genügten, daß es den Sozialdemokraten nur gelang, den von ihnen früher innegehabten Wahlkreis Leipzig-Land zu behaupten, während ihre Bemühungen an allen anderen Orten kläglich scheiterten. Im Großherzogthum Baden, wo die Wahlen zur Abgeordnetenkammer am Mittwoch er folgten, nahmen die Wählen ebenfalls einen für die nationale Sache hocherfreulichen Verlauf, denn die Liberalen nahmen der katholischen Volkspartei fünf und den Demokraten zwei Mandate ab. Der Wunsch unseres Kaisers, die Ruhe des deutschen Reiches durch einen friedlichen Ausgleich zwischen dem preußischen Staat und der römischen Kirche zu sichern, ist durch die milde Gesinnung des jetzigen Papstes und die geschickten Bemühungen des deutschen Reichskanzlers in fast unerhoffter Weise in Erfüllung ge gangen. Unstreitig hat dazu das ebenso patriotische wie gut- Krchlichgesinnte Verhalten des Bischofs Dr. Kopp in Fulda beigelragen, dessen Ernennung zum Fürstbischof von Bres lau deshalb fast allgemein freudig begrüßt wurde. Als ein neues Unterpfand des Friedens zwischen Staat und Kirche mußte die an dem deutschen Ehrentage am Dienstag im Kultusministerium in Berlin stattgehabte Vereidigung des neuernannten Fürstbischofs von Breslau, vr. Kopp, seit vielen Jahren der erste Fall dieser Art, deshalb angesehen werden. Nachdem vr. Kopp den vorgeschriebenen Eid ge leistet hatte, empfing er die landesherrliche Anerkennungs- urkunde aus den Händen des Ministers v. Goßler, welcher dem Fürstbischof die Unterstützung des Staates und seiner Behörden in der Ausübung des bischöflichen Amtes zusicherte und dem Vertrauen Ausdruck gab, daß seine Verwaltung allezeit darauf gerichtet sein werde, den Geist der Eintracht und des konfessionellen Friedens zu fördern. Am Mittwoch reiste der Fürstbischof von Berlin nach seiner neuen Diözese Breslau ab, wo er mit wahrhaft fürstlichen Ehren em pfangen wurde, die seinem kirchenpolitischen Wirken gezollte Anerkennung aber bescheiden mit der Bemerkung ablehnte, daß Alles, was erreicht worden, dem Kaiser, sowie dem Papste und dem katholischen Volke zu danken sei. Es ist innig zu beklagen, daß nicht auch ein anderer sehnlicher Herzenswunsch unseres greisen Kaisers, eine freundliche Be gegnung mit seinem Großneffen, dem Kaiser von Rußland, ebenfalls derartig in Erfüllung geht, so sehr es dazu in den letzten Tagen den Anschein hatte. Die von Ritzaus tele graphischem Bureau in Kopenhagen verbreitete Mittheilung, es sei wahrscheinlich, daß der Kaiser von Rußland in 8 Tagen über Warnemünde abreisen und dem Kaiser Wühelm einen Besuch in Berlin abstatten werde, hat sich jedoch als unbe gründet erwiesen. Durch die Hartnäckigkeit, mit welcher die Czechen den von dem Kaiser von Oesterreich gebilligten Mittelschul- Erlaß des Ministers von Gautsch bekämpften, ist der Fort bestand der regierungsfreundlichen Mehrheit im österreichi schen Reichsrath ernstlich in Frage gestellt worden. Die in den letzten Tagen zwischen dem Ministerium und dem Exe- kutiv-Kömits der Rechten stattgefundenen Verhandlungen führten zu keinem Ausgleich, da sich die Regierung zwar zu einigen Konzessionen verstand, aber einen Widerruf des Mittelschul-Erlasses als unmöglich bezeichnete und sich mit dem angefeindeten Unterrichtsministerals unzertrennlich ver bunden hinstellte. Der Kaiser selbst hat der slowenischen Deputation, die sich bei dem Monarchen über die Auf hebung des Krainburger Gymnasium beschwerte, eine ein gehende sachliche Prüfung dieser Angelegenheit zugesagt, gleichzeitig aber erklärt, daß sich die Regierung nicht drän gen lassen werde. Da der österreichische Monarch den ga- lizischen Minister Ziemialkowski, den feudalen Führer Graf Hohenwart und den Altczechen Rieger zu sich kommen ließ, dürfte der Kaiser selbst den Versuch gemacht haben, die Rechte mit dem bedrohten Kabinet Taaffe wieder auszu söhnen. Eine rasche Klärung der Lage m Oesterreich ist trotzdem nicht zu erwarten, weil die altczechische Partei von dm jungczechischen Hetzern systematisch zur Opposition ae- trieben wird und kaum noch als eine zuverlässige Stütze des jetzigen Regierungssystems angesehen werden kann. Die italienische Regierung traf umfassende Vor- kehrungen, um bei dem Zug der in Rom angekommenen zahlreichen französischen Pilger nach dem Vatikan jede Ruhestörung zu verhindern. Es kam denn auch zu keiner Unordnung. Die öffentliche Meinung in Nom beschäftigt sich jetzt fast ausschließlich mit dm Vorbereitungen zu dem Feldzug gegen Abessinien, die so west gefördert sind, daß die ersten vier zur Ueberführung des afrikanischen Expedi tionskorps nach Massauah bestimmten Dampfer am 5. No vember von Neapel abgehen können. Da der frühere französische Kliegsminister, General Boulanger, die über ihn wegen Beleidigung und Verleum dung seines Nachfolgers Ferron verhängte dreißigtägige Haft still und reumüthig angetreten hat, der bei dem Limousin-Skandal schwer kompromittirte Senator General Andlau aber spurlos verschwunden ist, dürfte nur der bei dem Ordensschacher betheiligte General Caffarel Strafe ei le den. Derselbe ist aus der Armreliste gestrichen, seiner sämmtlichen Auszeichnungen verlustig erklärt und außerdem noch in das Gefängniß der Conciergerie abgeführt worden. Der Versuch der Radikalen, den Schwiegersohn des Prä sidenten Grsvy. Wilson, in den unsauberen Handel hinein zuziehen, ist völlig mißglückt. Alle Personen, die nach dm radikalen Blättern durch Wilson dekorirt sein sollten, haben nachgewiesen, daß sie Wilson entweder nicht kennen oder bereits vor ihren Arbeiten für ihn den Orden erhielten. Die Blätter „Lanteme", „France" u. f. w verlangen des halb jetzt nur noch, daß Wilson nicht länger im Elyste- palast bei seinem Schwiegervater wohne. Die französischen Kammem sind auf den 25. d. M. einberufen worden. Am Tage der Kammereröffnung wird die Rechte eine Er klärung verlesen, wonach sie weder die gegmwärtige noch eine andere, dem Radikalismus feindliche Regierung be kämpfen und in keinem Falle sich mit der äußersten Linken in ein Bündniß einlassen werde. Dagegen werde die Rechte einmüthig und energisch jedem Kabinete opponiren, das mit den Radikalen Hand in Hand gehe. Auf diese Weise brauchen die jetzigen Minister Rouvier, Flourens und Ferron keine Angriffe der Monarchisten zu befürchten und könnten es auch ruhig mit ansehen, wenn Boulanger den Abschied fordern und von den Radikalen in die Kammer gewählt werden sollte. Unter dm Ereignissen der letzten Woche verdienen die täglich wiederholten Umzüge der beschäftigungslosen Arbeiter der englischen Hauptstadt besondere Beachtung. V ic dieser Herumziehenden sind freilich gar keine Arbeiter, sondem Tagediebe, die nur Gelegenheit zum Lärmen und zu Plünder ungen suchen; aber sichergiebt es unter der Mengevon Demon- strirmden auch eine Anzahl von wirklichen Arbeitern, welche durch den frühen Winter um ihre Beschäftigung und ihr Brod gekommen sind. Bei diesen Kundgebungen kam es wiederholt zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Be schäftigungslosen und den Polizisten, welche die aufrührerischen Versammlungen zu verhindern suchten. Da die Arbeits losen oder Arbeitsscheuen jede Gemeindeunterstützung ab- lehnen und ihr angebliches „Recht auf Arbeit" auf ungesetz liche Weise geltend zu machen suchen, sieht sich die englische Regierung gezwungen, die Bewegung gewaltsam einzudämmen. In noch schlimmeren Maße ist das in Irland der Fall, wo selbst die außergewöhnlichen Vollmachten nicht mehr hin reichen, die Ordnung wieder herzustellen. Der irischen Nationalliga ist es neuerdings wiederholt gelungen, Ver sammlungen abzuhalten, welche durch eine Proklamation der Regierung verboten worden waren. Der liberal-unionistische Schatzkanzler Goschen erklärte deshalb öffentlich, daß die Regierung in der nächsten Parlamentssession eine Erweiterung der außerordentlichen Vollmachten fordem werde, um de» Trotz der Irländer zu brechen. Diese Absicht scheint selbst den Oppositionsführer Gladstone einzuschüchtern, da derselbe in Nottingham versicherte, nichts gegen die Einheit des Reiches thun zu wollen und die Irländer düngend ersuchte, trotz aller Aufreizungen sich jeder Gesetzwidrigkeit zu enthalten. Ueber die durch die Erkrankung seiner Kinder verzögerte Heimreise des Kaisers von Rußland aus Kopenhagen schwebt noch immer ein gehrimnißvolles Dunkel. Für die jetzige Jahreszeit wäre der Weg über Land am natürlichsten, d. h. über Giedser, Warnemünde und durch Norddcutsch- land. Würde aber diese Route gewählt, so wäre ein Besuch in Berlin beinahe selbstverständlich. Um so auffallender ist die Entschiedenheit, mit welcher die leitenden preußischen Blätter die Möglichkeit eines solchen Besuchs in Abrede stellen. Am 27. d. M. wird die bulgarische Sobranje zu sammentreten, deren weitüberwiegende Mehrheit durchaus regierungsfreundlich gesinnt ist. Der für den Prinz« Ferdinand überraschend günstige Wahlausfall hatte für Vie sich in Bukarest aufhaltenden bulgarischen Emigranten sehr schlimme Folg«. In ihren Hoffnung« auf den Aus bruch einer Empörung in Bulgarien getäuscht, eilten dieselben nach dem russischen Gesandtschaftshotel m Bukarest, um neue Unterstützungen entgegenzunehmen. Der ruffische Gesandte Hitrowo erklärte aber, die bisher den Flüchtlinge» gewährten Geldunterstützungen einstellen zu müssen.