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40. Jahrgang. Apalt«. Zeile UW/. .^269 Inserate werden bi- Vormittag 11 Uhr angenom- mm und beträgt der Preis für die s "" " " oder deren Raum 1b ' BerMAHeiaex und Tageblatt. Amtsblatt für w Kmgliche« und städtifcheu Behörden zn Freiberg and Brand. Verautwortticher Redaktem: Juli«» »raun in Freiberg. Erscheint jedm Wochmtag Nachmttt. '/.«lihr für den ALLS. Sonntag, dm SV «»dcmber. Ischlüssen der früheren Reichstagskommission möglichst Rech« I starb in Paris General Adolphe Leflü, der in den Jahren nung getragen, so daß die Annahme dieser Vorlage in die- 1870 und 1871 Kriegsminister und dann bis 1879 Bot» schafter Frankreichs in Petersburg war. Wie Kriegsberichte lesen sich die ausführlichen Schilde rungen, welche die englischen Blätter von der „Schlacht auf dem Trafalgar-Square" bringen und es geradezu als Hohn erscheinen lassen, wenn die „Times" hinzufügt, daß die Londoner Polizei bei der Säuberung des Platzes von den Radikalen und dm Beschäftigungslosen mit möglichster Schonung vorgegangen sei. Von berden Seiten wurde mit Erbitterung gekämpft. Die Konstabler zu Pferde ritten Alles schonungslos nieder, die Menge gebrauchte Knüttel, Messer und Steine. Unter den Verwundeten befinden sich Viele, deren Verletzungen lebensgefährlich sind. Nachdem das Unglück am Sonntag geschehen war, richtete Gladstone am Tage darauf an die Londoner Bevölkerung die Bitte, sich von den Versammlungen auf dem Trafalgar-Square« fernzuhalten, bis zu dem Augenblicke, da die Fragen, um derentwillen die Kundgebung hätte stattfinden sollen, durch Richter entschieden sein werden. Er warnte die Liberal« davor, dm Erfolg der Agitation gegm die schlechte Regie« rung Irlands durch eine Verbindung mit den lärmenden Straßm-Kundgebungen in London ernstlich zu gefährden. Durch solche billige Erklärungen wird Gladstone den Bor wurf, daß die Londoner Vorgänge wenigstens zum Theil doch eine Mitfrucht seiner Wühlreden sind, freilich nicht von sich abwälzrn könnm. Die Behörden Londons sind fest entschlossen, der Gewalt auch ferner Gewalt mtgegmzusetzm. Nach einer amtlichen Bekanntmachung find die Magistrate sämmtlicher Stadtquartiere Londons bereit, Spezial-Kon- stabler in Eid zu nehmen und durch solche freiwillige Hilfs kräfte die Polizei durch 20000 waffenfähige Männer zu ver stärken. Die englische Regierung beglückwünschte dm Leiter der Londoner Polizei, Sir Charles Warren, wegen der erfolgreichen Unterdrückung des Aufruhrs Der Minister des Innern war Augenzeuge des energischen Einschreitens, da er sich während der Ruhestörung im Gebäude seines Ministeriums befand. Tagesschau. Freiberg, den 19. November Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgenden Erlaß des deutsche« Kä sers: „Aus Anlaß der jüngst bekannt ge wordenen betrübenden Nachrichten über die Krankheit Sr. Kaiser!, und König!. Hoheit dcS Kronprinzen hat sich im ganzen deutschen Baterlande und weit über dessen Grenzen hinaus die wärmste Theilnahme kundgegeben. Nicht nur daS schwere Geschick, welches über den künftigen Thronfolger ver hängt, sondern auch die harte Prüfung, welche dadurch über Se. Majestät den Kaiser und König, wie über daS ganze königliche Haus gekommen ist, hat aller Orten tiefes Mitge fühl hervorgerufen. Dasselbe hat in zahlreich« Eingabm, welche nicht nur aus allen Theilen des Deutschen Reiches, sondern auch aus dem Auslande, insbesondere aus Oesterreich, Rußland, Frankreich, Belgien, Holland, England, Italien, Spanien u. s. w. bei Sr. Majestät in diesen Tagen ringe gangen find, unzweideutig« Ausdruck gesund«. Sr. Majestät werd« dabei die verschiedensten Heilmittel und Heilverfahren für Se. Kaiser!, und König!. Hoheit empfohlen, eigene Lebenserfahrung« bei ähnlichen Leiden mitgetheilt, sowie Rath- schläge- für die sernere Behandlung des Krank« gegeben. Se. Majestät find von dieser allgemeinen Theilnahme und Liebe sür Allerhöchst Ihren Herrn Sohn tief gerührt und haben zu befehlen geruht, daß dies zur Kenntniß aller Betheiligten ge bracht werde." — Wegen Abhaltung einer Fürbitte in dm evangelischen Kirchen Preußen- für den deutschen Kronprinzen ist seilen- des Ministers der geistlichen Angelegenheiten und deS evangelischen Ober-KirchenrathS an die Provinsial-Kon« fistorirn Verfügung ergangen. — Der Redakteur Dernburg auS Berlin, der am Donnerstag die Billa Zirio In San Remo besuchte, berichtet der „National-Zeitung": „Ich wurde vom Kronprinz« bemerkt und angesprochen. Sein Aussehen war vortrefflich, die Stimme verschleiert, doch durchaus verständ lich. Der Kronprinz erwähnte mit humoristischer Betonung seinen leidenden Zustand und sagte dann innig: „Sagen Sie den Berlinern, wie qerührt und dankbar ich über die un zähligen Beweise der Liebe und Theilnahme bin, die ich von dort und ans ganz Deutschland erhalte." Auf meine Be ¬ merkung, daß Deutschlands ganzes Herz jetzt in San Remo - und das Gefühl hingehender Liebe in der Nation nie so heiß, wie in diesen Tagen gewesen, antwortete der Kronprinz: „Diese Empfindungen sind gegenseitig." Auf meinen Ausdruck des Vertrauens auf die Herstellung seiner Grsnndheit er- Die Woche. Eine Woche tiefster, schmerzlichster Erregung liegt hinter dem deutschen Volke. Auf die Zeit der bangen Unge wißheit über den Zustand des deutschen Kronprinzen folgte die nicht minder trostlose volle Wahrheit, welche der „Reichsanzeiger" in amtlicher Weise veröffentlichte, nachdem der aus San Remo in Berlin eingetroffene Frankfurter Arzt, vr. Max Schmidt, unserem Kaiser ein« erschöpfend« Bericht erstattet hatte. Mit den Gefühlen der innigsten Sympathie blieben seitdem die Blicke und die Herzen der gesammten Bevölkerung Deutschlands südwärts gerichtet, wo der edle Kaisersohn sein Martyrium mit wahrhaft über menschlichem Muth erträgt. Eine größere Operation von Außen hat der erlauchte Patient mit Bestimmtheit abge lehnt und erklärt, er wolle feine Sache in Gottes Hände leg«. Die am Montag stattgesundene Entleerung einer Eiteransammlung aus dem Kehlkopfe verschaffte dem Kron prinzen zwar vorübergehend eine Erleichterung, zeigte aber daß das krebsartige Leid« bereits sehr weit gediehen ist. Gerüchtweise verlautete, daß in Berlin Erwägungen über etwaige staatsrechtliche Folgen der Erkrankung des Kron prinzen bevorstehen. Die Meldung des „Deutschen Tage blattes", Prinz Wilhelm solle mit der „Stellvertretung" des Kronprinzen betraut werden, wird als unbegründet be- zeichnet. Prinz Wilhelm von Preußen reiste Freitag dem Zaren vis nach Wittenberge entgegen. Der Letztere wurde aus dem Lehrter Bahnhof in Berlin von sämmtlich« dort an wesenden Prinzen des preußischen Königshauses und anderen deutscher souveräner Häuser am Freitag empfangen. Das russische Kaiserpaar fuhr nach dem russischen Botschafts hotel, von wo sich die russisch« Herrschaften Mittags nach dem Palais begaben, um dem deutsch« Kaiser ein« Be such abzustatten. Es bedurfte eines besonderen kaiserlichen Befehls, um den deutschen Reichskanzler zu veranlassen, sich während der Anwesenheit des Zaren in Berlin aufzuhalten. Fürst Bismarck konnte dem Besuche des Kaisers von Ruß land keine politische Bedeutung beimessen, nachdem die letztere im Voraus von den Petersburger Blättern bestritten wor den ist, die Gerüchte von dem baldigen Rücktritt des friedens freundlichen Minister von Giers immer festere Gestalt an genommen haben und die militärischen Vorbereitungen in Rußland in letzter Zeit in einer Weise fortgesetzt wurden, welche sowohl in politisch« wie in finanziellen Kreisen Deutschlands und Oesterreich-Ungams Beunruhigung her vorriefen. Uebrigens traf in Berlin als Vertreter des russischen Auswärtig« Amtes Geheimrath von Stolipine ein, statt des persönlich erwarteten Ministers von Giers. Der deutsche Reichskanzler dürfte nun zunächst in Berlin bleiben und sich an den Reichstagsarbeiten schon von deren Beginn an betheiligen. Möglicherweise wird er sogar den Reichstag eröffnen, der diesmal in so ernster Lage zusammen tritt, und sieht man der Eröffnungsrede mit großer Spannung entgegen, da dieselbe im Hinblick auf die Krankheit des Kronprinzen kein« rein geschäftlichen Charakter tragen kann, wie dies seit Jahren üvlich war. Zu den bedeutungsvollsten Aufgaben, welche dm Reichstag beschäftigen werden, gehört unstreitig die Alters- und Invaliditäts-Versicherung. Wie die bereits vorliegenden Grundzüge ergeben, soll das Gesetz von Anfang an aus der breitesten Grundlage in Kraft treten: es soll sich auf alle Arbeiter, Gesellen, Gehilfin rc., außerdem auf Handlungs gehilfen und andere Prwat-Angestellte mit einem Einkom men bis zu 2000 Mark und fakultativ noch auf mehrere andere Kategorien von Personen beziehen. Am Tage der Veröffentlichung dieser Grundzüge waren gerade 6 Jahre seit der Veröffentlichung der die großen Sozialreformm einleitenden kai erlichen Botschaft vom 17. November 1881 ver stossen. Die etzige Vorlage ist bestimmt, das bedeutende Werk der Sozialreform zu krönen, das nach den Worten der „Nordd. Allg. Ztg." bestimmt ist, „dem sozialen Frie den, seiner Wiederherstellung, wo er bedroht ist, und seiner Erhaltung zu dien«. In diesem'Sinne wird sie wirken, wenn auch erst nach Generationen ihre volle Wirksamkeit auf die nationalen Zustände sich entfalten kann. Aber dem Volke sollte immer wieder nahe gelegt werden,wie es die höchste Stelle im Reiche war, welche den Anstoß zum Eintreten in die Sozialreform gegeben hat!" Zu den ferner dem Reichs- tage zugedachten Vorlagen gehört auch der in der letzten Session nicht erledigte Entwurf über die Rechtsverhältnisse in den Schutzgebieten, der auf Grund amtlicher Berichte eine wesentliche Erweiterung erfahren hat. Bei dem jetzt dem Bundesrathe vorliegenden Entwurf über Beschränkung der Oeffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen ist den Be In der österreichischen Reichshauptstadt wurden die Arbeiten beider Delegattonen eifrig fortgesetzt. Die österreichische Delegation hat die Budgets des Äeußer«, deS Krieges, der Marine, des Fimm»ministeriums, des obersten Rechnungshofes, sowie den Ansatz der Zollgefälle unverändert angenommen. Auch daS außerordentliche Heeresbudget, einschließlich der Forderungen für die Ein führung der Repetirgewehre wurde in dm Budgetausschüssen beider Delegationen genehmigt, nachdem der Reichskriegs- minister Graf Bylandt dafür energisch eingetreten war. Zu einer weiteren Erörterung der auswärtigen Lage kam es in den Plenarsitzungen der österreichisch« Delegatton nicht, dagegen erhielt eine Sitzung der ungarischen Delegation dadurch eine erböhte politische Bedeutung, daß der Vize- präsidmt Graf TiSza unter lauter Zustimmung aller An wesenden der tiefgefühlt« Theilnahme dieser Körperschaft über die tiefbetrübende Nachricht Ausdruck gab, welche der deutsche „Reichsanzeiger' in amtlicher Fassung über die ernste Erschütterung der Gesundheit des deutschen Kron prinz« veröffentlicht hat. Desgleichen gedachte in der österreichischen Delegatton der Präsident Graf Revertera der Erkrankung des deutschen Kronprinzen und gab den Wünsch« der Delegation für die Wiedergenesung des hohen Kranken den herzlichsten Ausdruck. Anläßlich der Großjährigkeits-Erklärung des Kron- irinzen von Italien wurden demselben von befreundeten S uvcränen hohe Ord« übersandt Als eine besondere Auszeichnung ist es in Rom angesehen worden, daß der reutsche Botschafter, Graf Solms, gleichzeitig mit den Ju- tgnien des: Schwarzen Adler-Ordens ein eigenhändiges Glückwunsch-Schreiben des Kaisers Wilhelm überbrachte. Der Hinweis auf die Freundschaft mit Deutschland wurde >ei der Thronrede, mit der König Humbert am Mittwoch )ie italienischen Kammern eröffnete, mit ganz besonderem Jubel begrüßt. Die Königin und der Kronprinz von Italien trafen am Mittwoch zuerst im Parlamentsgcbäude ein und wurden von lebhaft« Zurufen empfangen. Sodann er schienen der König und die Herzöge von Aosta und Genua unter den Jubelrufen oes Volkes, Geschützsalven und Glockengeläute im Palais auf dem Monte Citorio. Ihr Eintritt in den Saal war von einer begeisterten Ovation begleitet. In der Thronrede wurde u. A. gesagt, daß die Vermehrung der Ausgaben für militärische Zwecke und öffentliche Arbeiten zu einer Einschränkung des Staats- Kredits bezüglich der neuen Eisenbahnbauten zwinge. Wenn aber, wie der König fest vertraut, der Friede erhalten bleibe, werden außerordentliche Militärausgaben auf dem zukünfti gen Budget nicht erscheinen. Am Abend eines allseitig geachteten Lebens ist der Präsident der französischen Republik, Jules Grevy, durch den unverzeihlichen Leichtsinn seines Schwiegersohnes Wilson und durch den unversöhnlichen Haß der Boulan gist« in eine Lage versetzt worden, die ihm das Verbleiben an der Spitze des Staates fast unmöglich macht. Die ovN zder Kammer mit großer Mehrheit beschlossene gericht liche Verfolgung Wilsons wirft ihren Schatten auf Grövy selbst zurück, den das Kabinet Rouvier soweit verleugnete, daß es sich der Versetzung Wilsons und des Polizei-Prä- fekten Gragnon in den Anklagezustand gar nicht ernstlich widersetzte und dem aus lauter Gegnern Grovys bestehenden parlamentarischen Untersuchungs-Ausschuß völlig freie Hand ließ. Clemenceau und die übrigen republikanischen Parteiführer sind bereits bestrebt, eine Verständigung inner halb der Fcamon« wegen der Wahl eines Nachfolgers von Grävy herbeizuführen, für den Fall, daß der Äilson- Skandal doch noch den Rücktritt des Präsidenten bewirken sollte. Der am Montag früh in aller Stille in Paris angekommene General Boulanger ist neben der berüchtigten Ordenshändlerin Limousin der Held des Tages. Er hält aber die Zeit sür eine hervorragende Thätigkeit anscheinend noch nicht für gekommen, denn er erklärte einigen radikalen Journalisten, die ihn aufsuchten, rundweg, er wünsche keine Kundgebungen zu seinen Gunsten und wolle sich nicht wieder an die Oeffentlichkeit drängen. Am 16. d. M. ver- nun^ getragen, so daß die Annahme dieser Vorlage in die ser Reichstagssession gesichert erscheint. Zn ernsten Aus einandersetzungen dürfte eS im Reichstage nur über die Kornzollerhöhungs-Vorlage kommen, da bei dieser Ange legenheit ein Ausgleich der widerstreitenden Interessen sehr schwer ist und selbst innerhalb der Fraktionen keine Einmüthig- kert herrscht.