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Freiberger Anzeiger und Tagevlatt io Erscheint jede« Wochentag früh »Uhr. Inserat« wer den bi« Nachmittag« »Uhr für die nächst- erscheinende Nnmmrr «genommen. Prei« vierteljährlich 15 Rgr. Inserate ' «erd« die gespaltene Zelle oder deren Raum mit 5 Zb berechn«. 161. Zur Erinnerung an den vormaligen Bürgermeister Christian Sigismund Horn (geboren den 25. Aug. 1659, gestorben den 24. Mär; 1736.) Die schon an sich freundlichen Umgebungen unserer Stadt und namentlich die unlängst erst geschaffenen Promenadenanla- gm vor dem Erbischen Thore haben in diesen Tagen wiederum einen neuen würdigen und Freibergs Einwohner ehrenden Schmück verliehen erhalten. , Ein sinnreiches Denkmal zur Erinnerung an einen der größten Wohlthäter Freibergs, an seinen vormaligen Bürger meister und echten Bürgerfreund Okristisn GiKisin«»«! Lor» ist daselbst aufgerichtet und solches uns heute für die Stadtge- meinde von der hiesigen Promenadendeputation, welche sich die Ausführung desselben unter vorzüglicher Bethätigung des ver dienstvollen Herrn Professors Heuchler besonders angelegen sein ließ, übergeben worden. Wir zögern nicht, dasselbe hiermit zu übernehmen und be grüßen es mit aufrichtiger Freude. Wohl bedurfte es eines solchen Erinnerungszeichens zur Erhaltung, Verherrlichung und Ueberlieferung des Andenkens an den Namen und die Verdienste unseres Horn nicht erst, da er durch treuste Erfüllung seiner Berufspflichten, durch seine hervorragenden Bürgertugenden und insonderheit durch seine großmüthtge und füv das stete Wohl seiner Mitbürger so ganz berechnete Stiftung ein für alle Zetten leuchtendes Beispiel ge worden ist und sich einen in der Geschichte Freibergs unaus löschlichen Namen erworben hat; aber das mahnende Gefühl inniger Dankbarkeit und offener Anerkennung der Gegenwart drängte dazu und es galt, damit eine alte Schuld abzutragen, deren Druck man schon längst gleichwie einen schweren Vor wurf empfand. Siebenzig Tausend Thaler betrug die Summe, welche der Vater Horn mit seltener Selbstverleugnung oder, um mit den eigenen Worten seines Testamentes zu reden, „auS wahrer aufrichtiger Zuneigung und Liebe gegen seine Va terstadt und zu wohlgemeinter Beförderung ihres ihm von Jugend auf jederzeit angelegenen Auf- nehmens und Besten vor die Bürgerschaft" unserer Stadt aussetzte. Wer könnte die Wohlihaten alle schildern, die während des 120jährigen Bestehens dieses schönen Vermächt nisses, — dessen einhundertjährige Jubelfeier im Jahre 1836 durch solennen Gottesdienst in der Kirche Set. Petri, in deren Vorhalle der Stifter ruht, sowie durch Errichtung eines guß eisernen Monumentes an seiner Grabstätte daselbst begangen wurde, — durch sie verrichtet worden sind? Gewiß unzählige Thränen des Kummers und der Noth sind mit Hilfe ihrer Nutzungen getrocknet oder doch gelindert, manche brave und redliche Bürger vom drohenden Verfalle ihrer Nahrung gerettet worden. Von den Zinsen seiner Stiftung, die am Schluffe des Jahres 1855 die Summe von 87,596 Thlr. Ngr. 1 Pf. erreichte, werden gegenwärtig nur allein über 2700 Thlr. zu ordentlichen und außerordentlichen Armenunterstützungen jähr lich verwendet, und das Stammkapital selbst ist stiftungsgemäß bis auf einen geringen Theil ausschließlich an hiesige Bürger gegen die mäßige Verzinsung von 4 pro Dent ausgeliehen. Der Vortheil billiger Zinsen kommt daher ebenso wie der blos 1857. Zproceutigen Verzinsung der Capitalien aus derConradkschen Stiftung, (welche die einzige, am 7. November 1735 verstor bene Schwester unseres Horn, Frau Anna Elisabeth verw. Appellationsräthin Conradi mittelst letztwilliger Bestim mung vom 14. August 1735 gründete) lediglich unserer Bür gerschaft zu Gute und ist gerade bei der gegenwärtigen Lage des Geldmarktes, wo es vielleicht auf lange Zeit hinaus un möglich ist, Geld für einen gleich mäßigen Zinsfuß zu erlan gen, von nicht geringem Belange. Und alle diese reichen Segenswirkungen werden sich noch in spätester Zukunft und um so wirksamer äußern, je schwerer sich der Druck der Zeit fühlbar machen sollte, wovor unS Gott in Gnaden behüten wolle- und je sorgsamer und gewissenhafter die Verwaltungsbehörde über die Unantastbarkeit und Integri tät dieses Kleinodes, wie sie stets bemüht ist, wachen wird. Schon jetzt würde es mehr als das Doppelte seines ur sprünglichen Betrages ausmachen, wenn man nicht in den Zei ten des siebenjährigen Kriege« in der Ueberzeugung, hierdurch im Sinne des edlen Stifters zu handeln, die namhafte Summe von 47,130 Thlrn. zur antheiligen Bestreitung der enormen KriegScontribution von 190,000 Thlrn., und um auf diese Weise gewaltsame Erpressung und gänzlichen Ruin der ärmeren Bür ger abzuwenden, davon hatte nehmen müssen. Die Idee eines öffentlichen Erinnerungszeichens an unseren großen Wohlthäter und Vater Horn dürfte daher jedenfalls gerechten Anspruch auf allgemeinen Beifall machen und es hat sich denn auch ein solcher bei ihrer weiteren Ausführung in er freulicher Weise zur Gnüge kund gegeben. Der gesammte fich auf etwa 850 Thlr. belaufende Aufwand des neuen Monumentes ist lediglich durch freiwillige Beiträge und zwar zur Hälfte durch den Ertrag einer speekell für diesen Zweck veran stalteten außerordentlichen Subscription, welche die Summe von 425 Thlr. 21 Ngr. 3 Pf. ergab, und zur anderen Hälfte von den allmähligen Ersparnissen bei der Privatpromenadmeaffe, als» ohne alles Zuthun von Mitteln aus städtischen oder anderen öffentlichen Cassen bestritten worden. Dieses Ergebniß ist um so erfreulicher, da es gerade wegen der lange anhaltenden Theue» rung, Gewerbsstockung und Krankheitsnoth in so ungünstige Zeitverhältnksse htnetnfiel, daß es beinahe bedenklich erschien, den sonst immer bewährten Gemein- und Wohlthätigkeitssinn der bedrängten Einwohner zur Mitleidenheit für, wenn auch edele und theuere, dock aber solche Zwecke, deren Erfüllung nicht an den Augenblick gebunden war, anzurufen und daß man bei dem Mißlingen des an sich schönen Planes keinesweges berechtigt gewesen sein würde, über Mangel an Gemeingeist, an dankba rer und thatenkräftiger Gesinnung zu klagen. Wir fühlen uns daher doppelt aufgefordrrt, diese so rege. Bethätigung und Unterstützung hiermit öffentlich zu rühmen und allen denen, welche sich durch freiwillige Spenden betheiligten oder das gelungene Werk sonst zu fördern bemüht waren, unseren innigsten Dank abzustatten. Dank aber vor Allen dem Herrn Professor Heuchler, welcher nicht nur den Plan zu der neuen Zierde unserer Stadt entwarf, sondern auch dessen Aus führung und bisherige Vollendung mit gewohnter Uneigen nützigkeit und rastlosem Eifer betrieb und leitete und dadurch am Meisten dazu beitrug, daß der bereits zur Säcularfeter der Hornstiftung mehrseits laut gewordene Wunsch eines solchen Monumentes, dessen Werth noch durch die vorzüglichen Leistungen der von einem hiesigen jungen und talentvollen Künstler, in Mittwoch, den LS. Juli.