Volltext Seite (XML)
und Taaeblatt und Tageblatt Nl-" Wz.'! 18AA k« 15 Wg. so V«, Inserat« »erden bi« Bormitd angenommen. Preis für die Spall . Luherdalb de« Laudgerichtibezirk» «MAM stil die MiMcii Md WtWci Behörden zu Freiduz Md Brrnd. Verantwortliche Leitung: Georg Burkhardt. -»/» a trlwemt jeden Wocbenlog Ab md« '/,«. Ihr für den I! JahrgMg. u 40. I Freitag, de« 17. Februar. I Zwangsversteigerung. Das im Grundbuche aus den Namen des Handarbeiters August Clemens Knorr in Freiberg eingetragene, daselbst an der Wasserthurmstraße unter No. 28 gelegene Hausgrundstück Folium 60B deS Grundbuchs für Freiberg, vormaligen Stadtgerichtsantheils, No. 858 deS Brand- kotasterS, Abth. und No 727 des Flurbuchs sür diese Stadt, geschätzt auf 10000 Mk. — Psg-, soll im hiesigen Königlichen Amtsgerichte zwangsweise versteigert werden, und eS ist der 24. Mär, 1899, vormittags 11 Uhr, als Anmelvetermin, ferner der 11. April 1899, vormittags 1v Uhr, als Bersteigerungstermi« sowie der 21. AprU 1899, vormittags 11 Uhr, als Termin zu Verkündung des vertheUungsplanS anberaumt worden. Die Realberechtigten werden aufgefordert, die auf dem Grundstücke lastenden Rückstände an wiederkehrenden Leistungen, sowie Kostensorderungen, spä estens im Anmeldetermine anzumelden. Eine Uebersicht der aus dem Grundstücke lastenden Ansprüche und ihres Rangverhältnisses kann nach dem Aumeldetermine in der Gerichtsschreiberei des unterzeichneten Amtsgerichts ein gesehen werden. Zum Bieten wird nur zugelassen, wer seine Bereitschaft zur Zahlung oder Sicherstellung den bestehenden Bestimmungen gemäß nachweist. Freiderg, den 13. Februar 1899. Königliches Amtsgericht, Abth. I. 2». 28/98 No. 12. L-r »öttiM«, Asi Nicolai. Bekanntmachung. Montag und Dienstag, den LV. und 21. dieses Monats sollen sämmtliche Kanzleien und Kasienräume des Rath- und Stadthauses gereinigt werden, waS mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird, daß an diesen beiden Tagen nur unaufschiebbare Geschäfte erledigt werden können. Freiberg, am 8. Februar 1899. Der Stadtrat h. JohannisgSrtea. Von den an der Claußallee angelegten Johannisgärten find noch einige größere zu verpachten. Auf Wunsch können die einzelnen größeren Gärten in mehrere kleinere getheilt werden. Pachtliebhaber wollen sich umgehend in unserer Rathskanzlei — Zimmer Nr. 6 — melden. Die Lage und Größe der Gärten und die in einer Gartenordnung zusammengestellten Pachtbedingungen können daselbst eingesehen werden. Freiberg, den 16. Februar 1899. Der Stadtrath. - Vr. Fhrg. Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen deS Gutsbesitzers Emil Theodor Ficker in Falkenberg hat der Gemeinschuldner unter Bezugnahme darauf, daß er infolge eineS Un falles seit 30. Dezember 1898 arbeitsunfähig sei, die Gewährung einer Unterstützung auS der Masse beantragt. » Zur Beschlußfassung über diesen Antrag wird eine Gläubigerversammlung auf de« 21. Februar 1899, Borm. 10 Uhr vor daS unterzeichnete Gericht, Zimmer Nr. 38, berufen. Freiberg, am 7. Februar 1899. , DaS «gl. Amtsgericht, Abth. I. Bekannt gemacht durch den Gerichtsschrriber: X. 14/98. No. 110. Sekr Zttvolnl. ' GyiWsiM AlbMW zu Kelberg. Die Anmeldungen für die nächste Osteraufnahme bitte ich, mir mündlich oder schriftlich bis Sonnabend, den 1. April zukommen zu lassen. Persönliche Anmeldungen nehme ich in meinem Dienstzimmer von 11—12 Uhr entgegen. Beizubringen sind: 1) das .letzte Schulzeugniß (Michaeliscensur), 2) Geburtsschein oder Taufzeugniß, 3) Impfschein. Dit Aufnahmeprüfung ist auf Montag, den 10. April, früh 8 Uhr festgesetzt. Freiberg, den 7. Januar 1899. Prof. vr. LliwIL Vrv««», Rektor. demokratischen Staat haben. Minister v. d. Recke erwiderte, die Polizeiorgane seien angewiesen, gegen derartige Ausschreitungen einzuschreiten, so weit es eben im Rahmen der geltenden Gesetze möglich sei. Es werde indeß Bedacht darauf genommen werden müssen, durch gesetzliche Mittel einen wirksameren Schutz der Arbeitswilligen herbeizuführen. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Fehlisch (kons.) schilderte die Aechtung arbeitS-, williger Arbeiter durch die Streikenden und die Nöthigung der Arbeiter, einer Organisation beizutreten. Gegen das Streikposten- ystem müsse unter allen Umständen eingeschritten werden. Abg. vr. Hirsch erklärte die Anfragen Rings für bestellte Arbeit und verbreitete sich über Terrorismus der Arbeitgeber. DaS bißchen. Koalitionsrecht solle man den Arbeitern nicht noch weiter ver kümmern, denn es stehe ohnehin für diejenigen Arbeiter nur auf dem Papier, deren Arbeitgeber sich zu einem Kartell vereinigt hätten. Abg. Ring entgegnete, daß die Gewerkschaften längst den Händen des vr. Hirsch entglitten, und nur noch ein Instrument seien, auf dem die Sozialdemokratie spiele. Für die Vorgänge wie in Löbtau bedürfe es der strengsten Strafen. (Sehr richtig rechts.) Wenn aber gesagt werde, wir hätten bestellte Arbeit geliefert, so solle das heißen, wir fungirten als Polizeispitzel — und daS ist eine Infamie! (Großer Lärm links.) Ja, daS ist eine Infamie! (Vicepräsident Frhr. v. Heeremann ruft den Redner wegen dieses Ausdrucks zur Ordnung.) Dem Reichstage ging ein Antrag Stumm zu, den Reichs kanzler zu ersuchen, bei Revision des Strafgesetzbuches auf eine Verschärfung derjenigen Strafen Bedacht zu nehmen, welche für Sittlichkeitsverbrechen, insbesondere für gegen Kinder gerichtet«, vorgesehen sind. Mit dankenSwerther Entschiedenheit hat der preußische Kriegs minister von Goßler in der Budgetkommission des Reichstags den Wunsch deS Abg. v. Dziembowski, die Rekruten der Provinz Posen möchten nicht „nach entfernten Regimentern versetzt, sondern möglichst im Corpsbezirk behalten werden", abgelehnt. Daß der genannte polnische Abgeordnete diesen Wunsch äußerte, ist um so begreiflicher, als während der Kanzlerschaft deS Grafen von Caprivi die Bildung polnischer Regimenter in der That ihren Anfang nahm, weil verfügt wurde, daß die Rekruten Posens und Westpreußens nicht nach deutschen Provinzen verschickt werden, vielmehr in einheimischen Garnisonen ihrer Dienstpflicht genügen sollten. Nicht lange nach dem Rücktritt Caprivis hat der Preußische Knegsminister jene dem Polenthum Vorschub leistende Anord nung aufgehoben. Groß war darob die Trauer bei allem polnischen Volk, und gerade das Organ des Erzbischofs vr. v. Stablewski, der „Kuryer Poz.", gab seinem Schmerz m überaus gefühlvoller Weise Ausdruck. Die Lehren, die der „Kuryer Poz." damals in direkt uns Deutschen ertheilt hat, sind so beherzigenswerth, daß wir sie ins Gedächtniß zurückrufen wollen. Das polnische Blatt schrieb Anfang Oktober 1897 u. A. Folgendes: „Aus der Kaste der verschickten Soldaten geht die Klasse der Bedauernswerthen hervor, die zwecks Avancements im Dienste bleiben oder auch schon in den ersten beiden Jahren in die Netze von sentimentalen deutschen Weibsleuten gerathen Am verhängnißvollsten ge staltet sich die Sache aber dann, wenn der junge Soldat sich dazu entscheidet, gewöhnlich in der protestantischen Kirche die Ehe ein zugehen. Ein derartig Umstrickter bleibt selbstverständlich an Ort und Stelle und geht sür die Heimath und die Kirche verloren. Seine Nachkommenschaft verhunzt ihren polnischen Namen und verstärkt die Reihen der Sozialisten und der dunklen Existenzen. Nicht die Armee, nicht der Militärdienst demoralistren. sondern do« un- Ans -m Reichstag. Berlin, den 15. Februar 1899. (Nachdruck verboten.) , Aschermittwochstimmung lagerte über dem Hause, daS sich heute nun schon den dritten langen Tag über die Jnvaliditätsgesetz- novelle unterhalten hat, ohne mit der Debatte zu Ende zu kommen. Hatten eS sich gestern wenigsten- zwei Redner, Gamp (Rp.) und Raab (Refp.), angelegen sein lassen, durch theils freiwilligen und theils unfreiwilligen Humor das Haus inmitten der sachlichen De batten etwas zu unterhalten, so fühlte heute nur Abg. Wurm (soz.) dieses Bedürfniß. Er polemisirte, ost von stürmischer Heiter keit und heftigem Widerspruch unterbrochen, lebhaft gegen die Rechte und ihre Stellungnahme, versicherte, daß gegen die „Land flucht" keine schönen Reden und paradiesischen Schilderungen Helsen, sondern nur „Suppenlogik mit Knödelgründen", und protestirte gegen die Bezeichnung des geplanten Vermögensausgleichs als sozialistische Maßregel, da als solche nur diejenigen gelten können, die den Arbeitern etwas geben, und nicht die, die ihnen etwas nehmen. Ueberhaupt erklärten sich auch heute fast alle Redner — die zweite Runde kam heute zu Wort, sodaß Abweichungen in -en Ansichten der Parteien laut werden konnten — gegen diesen beabsichtigten Ausgleich. Freilich vertrat die reine Negation nur Äbg. Hauß (Els.), das zweitjüngste Mitglied des Hauses, Vereine sehr gewandte und formvollendete Jungfernrede hielt, die in dem Satze gipfelte: „Wir Elsaß-Lothringer behalten gern, was wir -haben, zumal wenn es sich um Preußen handelt, wie Du mir, !so ich Dir!" Payer (d. Vp.) und Hilbek (nl.) erkannten wohl an, daß etwas gegenüber der Nothlage der ostpreußischen Anstalt geschehen müsse, erklärten aber den von der Regierung vorge schlagenen Weg für rein agrarisch und deshalb völlig ungangbar; die Schaffung eines Unterstützungssonds aus den über das Deckungs kapital hinausgehenden Ueberschüssen der reichen Anstalten, um daraus Zuschüsse an nothleidende Anstalten zu leisten, einen Aus weg, den diese Abgg. beschreiten zu wollen erklärten, wurde frei lich von Ministerialdirektor v.Woedtke für unzureichend bezeichnet. Dennoch gewinnt eS den Anschein, als wenn sich die Mehrheit auf diesen oder einen ähnlichen Vorschlag einigen wird. Auch Abg. Herrmann, ein ostpreußischer Centrumsmann, der in beweglichen Tönen die Schädigung der Landwirthschaft durch das Jnvaliditäts- versicherun gsgesetz, das die Arbeiter begehrlich gemacht und die Sachsen gängerei verstärkt habe, beklagte, erklärte sich schließlich mit einer solchen Hilse zufrieden. Für den Regierungsentwurf trat in dieser Be- iziehung nur Abg. v. Löbell (kons.) ein, mit der Motivirung, daß das Vermögen den Arbeitern im Allgemeinen, im ganzen Reiche gehöre, und nicht Privatvermögen der einzelnen Anstalten sei. Auch Graf Posadowsky sprang noch einmal sür sein Kind ein, aber seine Vertheidigung war matt, offenbar in dem Bewußtsein, für eine verlorene Sache zu kämpfen. Er schloß sich der Ansicht deS konservativen Wortführers vollkommen an und betonte, daß die ostpreußische Unterbilanz kein Uebergangsznstand bleiben werde, daß vielmehr bei Ablehnung des vorgeschlagenen Aus gleichs die Beiträge im Osten würden erhöht werden müssen, wodurch die Abwanderung nach dem Westen nur verstärkt und die Kalamitäten vergrößert werden könnten. Die übrigen Theile des Gesetzentwurfs mußte der Staats sekretär dagegen gerade gegen die Konservativen Vertheidigen, deren heutiger Redner sich rundweg gegen alle vorgeschlagcnen Aenderungen aussprach und dabei die Erklärung abgab, daß seine Partei zwar weiter an der Ausgestaltung des Arbeiterschutzes Mitarbeiten wolle, daß ober darin ein langsameres Tempo Un geschlagen, und vor Allem wirksame Repressalien gegen die sozialdemokratische Agitation ergriffen werden müßten. Aber auch auf der Linken scheinen namentlich die örtlichen Renten stellen nach manchen Klarstellungen in der Diskussion auf starkes Mißtrauen zu stoßen. Abg. Payer erklärte sich sogar rundweg gegen sie, da sie weder genügend Wissen und Erfahrung haben noch genügend Objektivität walten lasten würden. Dem Regierungsentwurf als ganzen scheinen eigentlich am freundlichsten die Sozialdemokraten gegenüberzustehen. Denn wenn man ihre Aeußerungen des auf die agitatorische Wirkung berechneten Drum und Dran entkleidet, so ergiebt sich, daß sie einerseits geneigt sind, der ostpreußischen Anstalt in bescheidenen Grenzen zu Helsen und daß sie andererseits den meisten anderen Bestimmungen unter gewissen Vorbehalten, deren Prüfung der Kommission obliegen wird, zustimmen können. Jedenfalls erklärte ihr Redner heute, daß sie sich eifrigst an den Kommissionsarbeiten betheiligen werden, um dem Gesetz eine Fassung zu geben, die es ihnen ermöglicht, für dasselbe einzutreten. — Morgen wird die erste Lesung voraussichtlich zu Ende geführt werden, worauf eine große Dänenausweisungsdebatte folgen soll. Politische «mscha«. Freiberg, den 16. Februar. Deutschland. Die Aussichten der Militärvorlage sind, wie der Verlauf der Kommissionsberathungen zeigt, recht günstig. In der letzten Sitzung der Budgetkommission hat nun auch der Wort führer desjenigen Theiles der Ccntrumspartei, welcher hinsichtlich der Artillerievermehrung in der Opposition stand, seine Zu stimmung erklärt, weil er nach den Aufklärungen des Kriegs ministers die Sache, wie er äußerte, jetzt mit ganz anderen Augen ansieht. Freisinn und Sozialdemokraten singen nun wieder das alte Lied vom „Umfall" des Centrums. So können aber nur grundsätzliche Opposition treibende Leute urtheilen, die sich durch bestere Gründe nicht belehren lassen wollen. Für das Land wird die alte Erscheinung, daß Freisinn, Sozialdemokratie und Polen Hand in Hand gehen, wenn es sich um Ablehnung der militärischen Stärkung Deutschlands handelt, sehr lehrreich sein. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, ist durch kaiserliche Ordre vom 27. Januar den Konsuln und Dragomanen des Reiches an Stelle der bisherigen Uniform eine Dienstkleidung nach dem Schnitt der Uniform der übrigen Reichsbeamten verliehen worden. Auch ist den genannten Beamten in den Tropen und anderen heißen Gegenden das Anlegen einer besonderen dem Klima an gepaßten Uniform gestattet. DaS preußische Abgeordnetenhaus führte gestern endlich die allgemeine Debatte zu Ende, die sich an den Titel „Mmister- gehalt" des Etats" des Innern geknüpft hatte. Aus der Debatte ist hervorzuheben, daß es zwischen den Abgg. Ring und Fehliscl (kons.) einerseits und vr. Hirsch und Goldschmidt (freis. Volksp. andererseits zu einem scharfen Zusammenstoß wegen der gewerk schaftlichen sozialdemokratischenEinflüssen unterstehenden Organisationen und des von denselben geübten Terrorismus kam. Abg. Ring wies nach, daß die Arbeiter, besonders die Maurer, vielfach einem Terrorismus unterworfen seien, der ihnen jede Hoffnung auf Hilfe von Seiten der Obrigkeit nehme. Sei es nicht möglich, die Arbeiter vor den freiwilligen Zwangsver bänden zu retten, dann würden diese Verbände auch auf die anderen Gewerke überschreiten, und bann würden wir den sozial-