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Di: den bis Nachmittag« M-M:. 3 Uhr für die nächst- UNS --.!«, ,,Mi'-i't erscheinende! Nummer UI angm°.mn°n. TÜgevlKlt* Amtsblatt -es König!. Bezirksgerichts zu Freibergs -er König!. Gerichtsämter zu Freiberg, Say-a und Drau- un- -er Sta-träthe zu Freiberg un- Sayda. 27. Mittwoch, den S Februar. 1858. P,re,« vierteljährlich IS Ngr Inserate werden die gespaltene Zeile oder deren Raum mit S Ä. berechnet. -7 :7p? 7,4 N'.' . Tagesgeschichte. Freiberg. Bei hiesiger Leihanstalt ivurden im Monat Januar j. I. auf 347 Pfänder 837 Thlr. 5 Ngr. auSgeliehen und für 204 eingelöste Pfänder 519 Thlr. 5 Ngr. zurückbezahlt. Chemnitz, 30. Januar. Leider haben wir heute schon wieder von einem Verbrechen aus hiesiger Umgegend zu berichten. In Klaffenbach hat ein 17jähriges Dienstmädchen, welches bald nach seinem Antritte als unbrauchbar wieder entlassen werden sollte, das Wohnhaus der Dienstherrschaft in Brand gesteckt. Aus Lichtenstein vom 25. Jan. wird der Freimüthigen Sachsen-Zeitung geschrieben: „Ich kann Ihnen sicher melden, daß der Sträfling Kutschke heute im Verhör den Mord des Günther'schen Ehepaars eingesianden und die Einzelheiten mit einer kaum glaublichen Frechheit und Ruhe angegeben hat. Er giebt an, früh nach dem Kaffeetrinken den Mord beschlossen zu haben, um zu Geld zu gelangen. Hierauf hat er, seiner Aus sage gemäß, Günther in den Schafstall gelockt Und ihm mit einer dazu bereitgelegten Axt einen Schlag auf den Hintcrkopf beigc- bracht, worauf Günther sofort todt zusammengcsunken; doch hat ihm Kutschke noch mehrere Schläge auf den Vorderkopf versetzt. Nachdem der Mörder sich vom Tode deS Opfers überzeugt, ist er in die Oberstube gegangen, wo die Frau wegen Unwohlseins im Bett gelegen. Er hat hier vorgegeben, Abschied nehmen zu wollen, weil er fort müsse. Die Günther hat dies bedauert und ihu bedeutet, bald wieder zu kommen, woraus er ihr mit einem zu dem Zweck mitgebrachten Beil die Todesstreichc versetzt und eine tiefe Wunde in den Hals beigebracht hat. Hierauf hat er Wurst und Brod herbcigeholt, sich recht satt gegessen und das Geld (800 Thlr.) genommen und sich auf den Weg gemacht. Der Mörder hat noch erklärt, daß die zwei mit ihm in Frei berg gefangen genommenen Frauenzimmer seine Arrctur ver schuldeten, weil sie ihn zu lange ausgehalten, während er sonst wohl nach Böhmen entkommen sein würde. (Da geht der Weg aber nicht über Chemnitz und Freiberg.) Johann Gottlob Kutschke ist am 22. August 1831 in Bcyersdorf bei Neusalza in Sachsen geboren und der Sohn eines Webermeisters, hat vom Januar 1852 bis August 1856 in der königlich sächsischen Armee gedient, ist aber um diese Zeit aus dem Militärstande entfernt worden, weil ihm wegen mehrerer Eigcnthumsvergehen eine sechs monatliche Arbeitshausstrafe zuerkannt worden war. Kutschke ist übrigens noch öfters, z. B. wegen grober Excesse, Wider- setzung und Eigenthumsvergehen bestraft, und endlich im Nov. 1857 vom königlichen Bezirksgericht zu Löbau wieder wegen Eigenthumsvergchen zu einer Arbeitshauöstrafe in der Dauer von drei Jahren zwei Monaten verurtheilt und am 18. Novbr. v. I. in das Arbeitshaus zu Zwickau eingclicfert worden. Berlin, 30. Januar. Se. königl. Hoheit der Prinz von Preußen traf heute früh gegen 9 Uhr mit dem Courier- zuge von Frankfurt a. M. hier ein, fuhr um ^12 Uhr zu Sr. Maj. dem Könige nach Charlottenburg und empfing um i/,2 Uhr den kais. russischen Generalmajor und Militärbevoll mächtigten Grafen v. Adlerberg. — Se. königl. Hoheit wurde bet der Ankunft auf dem Potsdamer Bahnhofe von dem Ministerpräsidenten v. Manteuffel, dem Kriegsminister Grafen v. Waldersee, dem Stadtcommandanten Generalmajor v. Alvens- leben und dem Polizeipräsidenten v. Zedlitz empfangen. Auch der Oberbürgermeister, Geh. Nath Krausnick, der Bürger meister, Geh. Rath Naunyn, der Stadtverordnetenvorfleher, Geh. Rath Dr. Esse und dessen Stellvertreter Krebs t. waren, mit ihren Amtszeichen angethan, erschienen, um Sr. königl. Hoheit im Namen der Stadt die allerunterthänigsten Glück wünsche darzubrtngen. Der Prinz drückte allen Anwesenden huldvoll die Hand, dankte ihnen für die dargebrachten Glück wünsche und begab sich dann, von dem Adjutanten Grafen v. d. Goltz begleitet, in das Palais. Der Kölnischen Zeitung schreibt man aus Pari-: „Ueber die Urheber des Mordversuchs erfahre ich, daß Orsini und Pievrt fortfahren zu leugnen. Ersterer, trotzdem ihn der Büchsenmacher Devisme als Kaufer eines Revolvers erkannt haben will und ungeachtet der compromittirenden Aussagen von Rudiü, will von nichts wissen. Er legt eine große Heiterkeit an den Tag, wie überhaupt die vier Angeklagten wenig Angst vor ihrer» Schicksal zeigen. Londvn. Bei der Vermählnngsfeierlichkeit trug die Königin Victoria als Kopfschmuck ein aus Diamanten und Perlen be stehendes Diadem und als Broche den weltberühmten Diamanten Koh-i-nur (Berg des Lichts), das ehemalige Kleinod der Herrscher von Delhi. Die Frau Prinzessin von Preußen trug ein Kleid von weißer Seide mit silberdurchwirkten Falbeln, ein Diamanten diadem und einen Spitzenschleier. Die Schleife wär aus blaUtr silberdurchwebter Moiröe antique, der Halsschmuck bestand aus Topasen und Diamanten. Der Köniz Leopold erschien in der Uniform eines britischen Feldmarschalls und trug seinen Mar schallsstab sowie die Insignien des Hosenband- und des Bath ordens. Der Prinz-Gemahl trug gleichfalls Feldmarschalls- uniform sowie die Insignien des Hosenbandordens nebst dem in Diamanten gefaßten Bildnisse des heiligen Georg als Schutzheiligen, ferner die Insignien des Schwarzen AdlerordenS, des Baihordenö und des Goldenen Vließes. Der Prinz von Preußen erschien in preußischer Generalsuniform und trug die Insignien des Schwarzen Adlerordens, des BathordenS und des hohenzollernschen Hausordens. Die übrigen preußischen Prinzen trugen ebenfalls den Schwarzen Adlerorden und er schienen in preußischer Uniform, Prinz Adalbert in Admirals- nnisorm. London, 29. Januar. Alle Soldaten, welche kleinere Vergehen in der Artillerie-Caserne zu Woolwich abzubüßen hatten, waren auf Befehl des commandirenden Generals Sir F. Williams am 25. Januar, aus Veranlassung der Vermäh- lungSfeier in Freiheit gesetzt worden. Die Truppen selbst wurden von allen Exercktien diSpensirt. — Am ,,Leviathan" sind jetzt alle Arbeiten eingestellt. Man brachte ihn so weit in den Fluß, als eS vermittelst der Maschinen nur eben möglich war, und am Sonntag wird, wie man berechnet hat, das Wasser so hoch im Flusse sein, um ihn flott zu machen. — Der stärkste Vorwurf, der dem englischen System in Betreff der Flüchtlinge gemacht werden kann, ist der, daß Maz zini, der geständlgerweist Urheber einer Menge Attentate ist und der sich dessen in unzähligen Manifestationen offen gerühmt, gegen den also England Beweise seiner Schuld die Hülle und Fülle hätte, noch nicht ausgewiesen ist. Er und drei oder vier seiner Emissäre treiben die Sache als förmliches Handwerk mit Einforderung der erforderlichen Zuschüsse und Anlehen, und «in Theil des englischen und ausländischen Publikums nimmt an letzter« mehr oder minder Theil. Sie verbergen die Sache nicht, sondern gestehen sie und prahlen damit wie mit dem rühmenswer« thestcn Beginnen. Es handelt sich nicht um die Erneuerung der Fremdenbill, die übrigens von 1793—1820 bestand, als die Engländer gewiß die Freiheit so hoch stellten als gegenwärtig. Damals konnten die Minister nach Gutdünken jeden Ausländer, der ihnen nicht gefiel, gleichgiltig aus welchem Grund, aus dem Lande weisen und an den Punkt aussetzen, der ihnen der pas sendste dünkte. Dies war eine Ausnahmestellung vom englischen Recht, die nicht schreiender hätte sein können. Aber fetzt genie ßen die Fremden auf britischem Boden eine Freiheit, welche die der Einheimischen weit übertrifft. Der Eingeborne ist durch