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«rscheixt ^«»chextag ftllh ,Hr. Inserate wer- »I« Nachmittags , Uhr sür die nächst- scheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger UN- - gchaltme ZÄ« oh« , i n der« Raum mit » Tagevlatt. — Amtsblatt -es Köuigl. Btfirksgrrichts zu Freiberg, sowie der König!. GkkichtsS«t»r und der Stadtröthr ?u Freiberg, Sands und Brand. , . 237. Dienstag, den Tagesgeschichte. Freiberg, 11. Oct, Bald nach dm festlichen Tagen deS Kongresses der Gewerbevereine Sachsens in unserem Freiberg ging das alte Vereinsjahr des hiesigen Gewerbevereines zu Ende, und es hat sich mit dem Beginn des neuen manche Veränderung in demselben zugrtragen. ES möge gestattet sein, hier Einiges «iijutheilen. Es gingen zunächst bei der Neuwahl des Vereins- Direktoriums aus der Wahlurne hervor: Herr Apotheker Krause als Vorsteher und Herr Buchdruckereibesitzer Gerlach als dessen Stellvertreter, Herr Nadlermstr. Richter als Protokollant, Herr Sünlermstr. Mühlhausen als Bibliothekar und Herr Lehrer Schütze als Cassirer des Vereins; die aus zehn Mitgliedern be stehende Geschäfts-Deputation besteht auch ferner aus den Herren Dischlermstr. Claußnitzer, Kleidermacherobermstr. Erler, Factor Gläntz, Werkführer Kretzschmer, Klempnermstr. Lange, Tisch- lnmstr. Schlegel, Kunstgärtner Seyderhelm seo., .Oberlehrer Tränkner, Buchbindermstr. Wagner u. Schieferdeckermstr. Zinner. Dem abtretenden Vorstand«, Hern. Conr. 0r. Zimmer, ward für jmoußerordentlichen Verdienste, welche er sich in zehnjährigerLei- tmzdes Vereins umdenselbenerworben, — wir wollen hier nur die Gründung einer allgemeinen Arbeiter-Krankencaffe und nruer- ^mgS einer gleichfalls bereits segensreich wirkenden Gewerbe- Lorschußbank in Freiberg erwähnen — die wohlverdiente Än- nkennung nicht allein in einer Hauptversammlung vom gesammten Verein in dankbaren Worten ausgesprochen, sondern auch später lurch eine besondere Deputation das Diplom der Ehrenmit- gliedschaft nebst einem Ehrengeschenk, bestehend in einem Paar großer Porzellanvasen, überreicht. Eine wesentliche Veränderung hat im neuen Vereinsjahr unsere Geschäftsordnung für die Versammlungsabende erfahren. Seither hielt nämlich der Verein im Winterhalbjahr allwöchent lich Versammlungen ab, in welchen wenigstens je zwei Bor- iräge zu halten waren; die Erfahrung hatte jedoch gelehrt, daß dieselben bisweilen nicht oder doch nicht in vollständig genügender Weise zu beschaffen gewesen. Das neue Direktorium machte daher folgenden diesenIVrr- hältnissen entsprechenden Vorschlag, welcher im Verein allsei tigen Anklang fand und auch zum Beschluß erhoben wurde, nämlich: die Vortragsabende — bei welchen u. A. auf wohlwollende Unterstützung von Männern der Wissenschaft, welche auch außerhalb des Vereins stehen, zu hoffen und zu rechnen sein dürfte, von nun an abwechscln zu lassen mit soge nannten Unterhaltungsabenden. Während an diesen da« Bibliothekzimmer sür die Mitglieder geöffnet und denselben Gelegenheit geboten wird, die jetzt gegen 600 Bände, darunter ausgezeichnete Kupfcrwerke umfassende Bibliothek, den ganzen Arnd frei zu benutzen und die neuesten Nummern der vom Verein gehaltenen Zeitschriften zu lesen, findet gleichzeitig in dem anstoßenden gewöhnlichen Versammlungslocale ein anderer Theil der Mitglieder Gelegenheit, bei Bier und Cigarren gegen seitig nähere Bekanntschaften zu machen und in traulicher Unterhal- tungsichzu ergehen. Nur dann und wann soll dabei die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch genommen werden durch Mitthei- lungen aus der Leipziger Jllustrirten Zeitung, der Deutschen Gewerbe-Zeitung, der Polytechnischen Centralhalle, dem Arbeit geber, der Münchener Zeitschrift für Fortbildung der Gewerbe, der Zeitschrift des Germanischen Museums zu Nürnberg und dem Centralblatt für die Gewerbevereine Sachsens. Für jede dieser Zeitungen ist ein besonderer Referent ernannt worden. Auch beabsichtigt man, an diesen Unterhaltungsabenden dann und wann Sprechstunden einzuführen, in welchen ein allgemein mteressirendes Thema der Diskussion übergeben wird. Ganz be sonderen Nutzen und angenehme Unterhaltung verspricht 12. October. 1858- o man sich gleichfalls an diesen Abenden von kleinen Ausstel lungen; eS hat nämlich jedes Mitglied das Rechts ohne weitere Anmeldung auf einer stets hierzu entsprechend de- corirt bereitstehenden Tafel Erzeugnisse eigenen Fleißes oder andrrweite Handelsartikel, an denen sich etwa« lernen odrr.br- wundern läßt, Kunstgegenstände und Antiquitäten auSzustellem, sowie sich auch eine hiesige Buchhandlung bereit erklärt hat, guf dem Ausstellungstisch regelmäßig die neuesten Erscheinung»» i« Buch- und Kunsthandel zur Ansicht auSzulegen. — Man chep spricht sich von dieser veränderten Tagesordnung unserer Vereins abende nur Nutzen und hofft, daß sie dazu beitragen werd», nicht nur das Interesse der Mitglieder am Verein fortwährend zu steigern, sondern «8 auch außerhalb desselben für ihn immer mehr und mehr zu erwecken. 7. Leipzig, 8. October. Als sich gestern Abend nach 6 Uhr der Küster der hiesigen katholischen Kirche, um das Abendläuten zu besorgen, in letztere begab, fand er in der Sakristei einen Mann, welcher sich auS den Ministrantengewändern ein Lager gemacht hatte und darauf elngeschlafen wär. Neben sich Haye »r zwei bis auf einen kleinen Rest geleerte Weinflaschen steht« ; es waren die mit CommUnionwtin gefüllt gtwesenen Flaschen, welche der Mann in einem Schranke d»r Sattiste! gefunden und ausgetrunken hatte. Wie sich herausstevte, war der Maün in folge des genossenen Weines in ganz ttUUkenem Zustande. An Polizeiamtsstelle, wohin er auf vorherige Meldung deS Küsters gebracht wurde, erwies es sich, daß es der schon mehr fach bestrafte Zeichner K. von hier war. Er hatte gestern früh der Messe in der katholischen Kirche bcigewohnt und sich nach Beendigung derselben in die Kirche elnschließen lassen, um in letzterer, da er ohne Herberge war, die Nacht zuzubringen. Berlin, S. October, Nachmittags '/«3 Uhr. (D. A) Der soeben erschienene allerhöchste Erlaß vom 7. Octobrr ersucht de« Prinzen von Preußen, da Se. Majestät der König noch fort dauernd verhindert sei, die Regierung selbst zu führen, so lange, bis der König vie Pflichten seines königlichen Amtes wiederum selbst werde erfüllen können, die königliche Gewalt in alleiniger Verantwortlichkeit gegen Gott nach bestem Wissen und Gewissen in des Königs Namen als Regent auszuüben und hiernach die erforderlichen weitern Anordnungen treffen zu wollen. Ein Erlaß deS Prinzen von Preußen an das Staatsmini- sterium vom heutigen Tage sagt: Da der König durch die nach Gottes Rathschluß noch fortdauernde Krankheit verhindert ist, sich den Regierungsgeschäften selbst zu widmen, so übernimmt der Prinz infolge Aufforderung des Königs und auf Grund des Art. 56 der Verfassungsurkunde, als der dem Throne am nächsten stehende Agnat hierdurch die Regentschaft des Landes, um die Regierung im Namen des Königs so lange zu führe«, bis der König wieder im Stande sein wird, die königliche Ge walt selbst auszuüben. Der Prinz beruft demnach gemäß der Bestimmung des Art. 56 der Verfassung beide Häuser des Landtags auf den 20. October zusammen. Prag. Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich am ver gangenen Freitag auf der Prag-Bodenbacher Bahnstrecke. ES fuhr nämlich die Frau des Prager Bahnverwaltungschefs Hrn. Sch. mit der Schwiegermutter und einem schon erwachsenen, Kinde mittelst eines Bahnwagens (Draisine) nach Weltrus, wo selbst sie mit einer entgegenkommenden Draisine, die überdies mit Bahnschienen schwer beladen war, zusammensticßen. Sämmt- lichen oben bezeichneten Personen wurden buchstäblich die Füße scharf an den Knieen weggerissen. Die Verunglückten wurden zwar noch lebend nach Prag gebracht, allein ihr Zustand ist sehr gefährlich. Gegen die Schuldtragcnden ist bereits das Strafverfahren eingeleitet.