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Preis vierteljährlich 18 Ngri Inserate werden die gespaltene Zeile oder deren Raum mit 8 k berechnet. ----Freiberger Anzeiger de» bi, Nachmittags 8 Uhr sür die »Lchst- ' «scheineade Nummer 70. Freitag, den 27. März. 1857. Tagesgeschichte. Freiberg. Gerichtsverhandlungden 31. März Nachmittags 3 Uhr. Verhandlungstermin bis zur Verkündigung des Er kenntnisses in geheimer Sitzung in der Untersuchung gegen Ernst Julius Steudel aus Niederforchheim, wegen widernatür licher Unzucht. Oeffentliche Gerichtsverhandlung den 31. März Nachmittags 4 Uhr: Verhandlungstermin in der Untersuchung gegen Concordie Friederike .Schroth in Freiberg wegen Ver- läumdung. -f Frauenstein. Auch in unserer Gegend haben viele Oekonomen an den Kreisverein zu Dresden die Erklärung ab gegeben, daß sie mehrere Sorten ausländischer Banknoten nicht höher als zum Cours annehmen wollen Wenn wir nun lesen, daß die meisten Landleute der Lommatzscher Gegend, welche jene Erklärung ebenfalls abgegeben, wieder die verrufenen Bank noten sür voll annehmen, so müßten wir dies im Interesse der sächsischen Landwirthschaft sehr bedauern. Wir sind aber der Utbcrzeugnng, daß dies nicht im Allgemeinen, sondern blos von Dem und Jenen geschehe», und daß man diese Erfahrung übertreibt, um auch Andere zu verleiten, ihre gegebene Erklärung nicht zu halten. Sollte dies wirklich eintretcn, so wären Sach sens Landwirthe durch List um die Vortheile gebracht, welche eine consequente Durchführung der vom Kreisvereine zn Dres den vorgeschlagenen Maßregel nothwendig haben müßte. Denn eine unglückliche Maßregel ist sie keineswegs, sie ist von Männern beschlossen, die den öffentlichen Geschäftsverkehr aus langjähriger Erfahrung kennen, und welche den redlichsten Willen für Be förderung der Landwirthschaft unausgesetzt bewiesen haben und eher unser Vertrauen verdienen als Diejenigen, welche gern ihre Banknoten absetzen möchten und dabei mehr ihr eigenes In teresse als das Wohl der Landwirthe im Auge haben. Uebrigens heißt es an dem richtigen Urtheile der Landwirthe zweifeln, wenn man sagt: die Landwirthe nehmen Alles an, wenn es nur von Dresden kommt! Nein, wir Gebirgslandwirthe werden bei unserer Erklärung sichen bleiben, weil sie erst dann eine un glückliche Maßregel wird, wenn die Mehrzahl wieder abspringt. Den Geldwechslern wollen wir ihr einstweiliges Profitchen von Procent recht gern gönnen! Berlin, 23. März. Ueber den Stand der Beamtenbesoldung in Preußen gab der Finanzminister in der Kammer folgende Aufschlüsse. Es gicbt in Preußen, sagte der Minister, mit einem Gehalte bis 400 Thlr. 35,724 Beamte, welche 7,642,000 Thlr., von 400-500 Thlr. 2300 Beamte, welche 1,055,000 Thlr., von 500—600 Thlr. 4500 Beamte, welche 2,482,000 Thlr., von 600-700 Thlr. 2700 Beamte, welche 1,137,000 Thlr., von 700-800 Thlr. 3100 Beamte, welche 2,377,000 Thlr., von 800-900 Thlr. 798 Beamte, welche 672,000 Thlr., von 900 bis 1000 Thlr. 824 Beamte, welche 786,000 Thlr., von 1000 Thlr. und darüber 1996 Beamte, welche 2,576,000 Thlr. absorbiren. Wien, 21. März. Die „Ostd. Post" schreibt: Dem österreichischen Geschäftsträger in Turin ist im Laufe dieser Woche der Auftrag zugegangen, die sardinische Hauptstadt zu verlassen und nach Wien sich zu begeben. Aber indem das kai serliche Cabinet im Gefühle seiner Würde zu dieser Abberufung sich veranlaßt sah, hat es gleichzeitig Sorge dafür getragen, sie jeden Charakters zu entkleiden, der die Interessen des Frie dens compromittiren könnte. Wie wir vernehmen, geht der Auf trag an den Grafen Paar keineswegs dahin, seine Pässe zu fordern oder einen Abbruch der diplomatischen Verbindungen denö picmontesischcn Cabiner zn not'ficiren. Der Geschäftsträger Oesterreichs wird sich beim Grafen Cavour in Ler Form verab schieden, die bei einer gewöhnlichen Abreise gebräuchlich ist; er wird nach Wien berufen, um über einige Fragen persönlich Bericht abzustatten, und wenn er nicht in der Lage ist, mit Ge wißheit zu sagen, wann und ob er zurückkebren wird —- so ist das eine Folge der Verhältnisse, deren Besserung Herr v. Ca vour selbst in Händen hat. Die Brücke zu einer versöhnlichen Politik wird seitens Oesterreich «och immer bereitwillig offen gehalten. Es verlangt Nichts, was die Wohlfahrt, die Ehre, die Sicherheit Piemonts auch nur im Mindesten berührt, eS hält nur die Ansprüche aufrecht, daß diese großen Güter, die es bei andern Staaten heilig hält, auch ihm gesichert bleiben. Wien, 20. März. Die „Oest. Corresp." schreibt: Heute ist ein für alle Kronlander gilttges kaiserliches Patent kundge macht worden, womit die Verpflichtung zur Ablieferung und zur k. k. Aerarialeinlösung des beim Berg- und Waschwerksbe triebe gewonnenen Goldes und Silbers aufgehoben wixd: Auch in Gemäßheit des am 23. Mai 1854 eingeführten neuen Berg gesetzes mußten die in Rede stehenden Metalle, sei es nun, daß dieselben bereits den Hüttenproceß durchgemacht hatten oder noch im unfertigen Zustande als Erze oder Schlicht vorkamen, dem Aerar zur Einlösung dargebracht werden. Diese Nölhigung entfällt nunmehr gänzlich. Der Bergbau auf edle Metalle er langt dadurch, Insofern er von Privaten betrieben wird, eine vollkommene Freiheit der Bewegung. .Die Wichtigkeit und Ge meinnützigkeit der besprochenen allerhöchsten Verfügung leuchtet ein, wenn man in Erwägung zieht, daß, Rußland ausgenom men, Oesterreich an edeln Metallen mehr producirt, als jedes andere europäische Land, und daß den statistischen Ermittelungen zufolge die Privaterzeugung des Goldes ungefähr doppelt so stark ist, als die diesfallsige Aerarialproduction. Im Jahre 1851 z. B. wurden privatim 4524'/,, ärarialisch 2314 Mark Gold in Oesterreich gewonnen. Die ärarialische Silberausbeute ist bedeutender als die private, immerhin letztere aber so nam haft, daß Denjenigen, welche sie betreiben, durch dieses aller höchste Patent eine wahrhaft wohlthätige Erleichterung zu Theil wird. Hannover. Die Hannoverschen Nachrichten enthalten einen Artikel über den mit der Regierung der Freien Stadt Hamburg abgeschlossenen Vertrag wegen der Benutzung hiesiger Militäranstalten, worin am Schluffe gesagt wird: „Der Ver trag ist als ein höchst erfreuliches Ereigniß in der Geschichte des Bundesheerwesens zu begrüßen und trägt ganz das Gepräge der echtpatriotischen Sorgfalt, mit welcher unser König unaus gesetzt bemüht ist, den Verband des 10. Bundesarmeecorps durch größere militärische Einigung zu einem immer lebenskräftigern Organismus zu entwickeln. Koburg, 21. März. In einem Ort des Amts Neustadt ist vorgestern aus Religionsschwärmerei ein schauderhaftes Ver brechen verübt worden. Die Frau eines Schneidermeisters hatte vor einigen Wochen ihr erst 14 Lage altes Kind in Folge von Krämpfen durch den Tod verloren. Sie maß sich die Schuld dieses Todes bei, weil sie einmal das Kind etwas unsanft aufs Bett gelegt und unmittelbar darauf die Krämpfe sich eingestellt hatten. Nun will sie „wie Jesus das Kreuz tragen und sich selbst eine Buße auflegen". Sie nimmt deshalb das andert halbjährige Kind eines Hausbewohners, das sie sehr liebte, und schlägt ihm in ihrer Wohnstube mit einem Hammer die Hirn schale ein. Die Thäterin ist zur Haft gebracht und betrachtet diese als den ersten Anfang ihrer Buße. Bern, 21 März. Bian versichert, das Berliner Cabinet habe von seinen Ansprüchen durchaus Nichts ausgcgeben; der König von Preußen beharre bei dem Verlangen, daß die Schweiz, bevor er auf seine Rechte auf das Fürstenthum Neuenburg ver zichte, zuerst diese Rechte anerkenne. Unter den Royalisten in Neuenburg zeigt sich große Entmuthigung. Paris, 21. März. Der gestrige „Moniteur" veröffentlicht den Bericht Ler zur Vollstreckung des Testaments Napoleons I. gebildeten Commission. Hiernach konnten von den an 76 na mentlich aufgeführte Legate zu vertheilenden 400,000 Frks. 55,923 Frks. nicht zur Auszahlung gelangen und wurden zur Befriedigung der nachträglich augemeldeten Ansprüche von Sol chen, die beim Bataillon von Elba gestanden oder hei Waterloo verwundet worden und welche im Allgemeinen mit 500,000 Fr. bedacht waren, verwendet; 26 Departements, die bei dem Ein rücken der feindlichen Armeen am meisten gelitten, erhielten je 300,000 Fr., welche sie zu milden und gemeinnützigen Zwecken zu verwenden beschlossen. Die Städte Brienne und Mry wa-