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und Tageblatt Amtsblatt für die königlichen nnd städtischen Behörden zn Freiberg nnd Brand. Verantwortlicher Redakteur: I« Vertretung Ernst Mau Lisch in Freiberg. M 185. Erscheint jeden Wochentag Nachmitt. ^/,6 Uhr für den andern Tag. Preis vierteljährlich 2 Mark 2S Pf., zweimonatlich 1M. SO Pf. und cinmonatlich 7S Pf. Freitag, de« 12. August. Inserate werden bis Vormittag 11 Uhr angmom- men und beträgt der Preis für die gespaltene Zeile oder deren Raum 1K Pf. 1887 Tagesschau Freister?, dm 11. August. Der deutsche Kaiser hat gestern Nachmittag 3'/, Uhr unter stürmischen Huldigungen der Bevölkerung die Rückreise von Gastein angetreten. Der deutsche Botschafter in Wien Prinz Reuß und der Statthalter Graf Thun gaben dem Kaiser daS Geleite bis Salzburg, wo der Monarch AbyidS 71/2 Uhr eintraf, von den Spitzen der Behörden empfangen wurde und im »Europäischen Hof" abstieg. Morgen Vor mittag wird Kaster Wilhelm auf der Station Drewitz bei Potsdam eintreffen und sich dann sofort mit den Herren seiner nächsten Umgebung zu Wagen nach Schloß Babelsberg begeben. Ueber die Dauer seine- dortigen Aufenthaltes find bis jetzt ärztlicherseits feste Entschließungen nicht gefaßt worden; man will diesen vielmehr ausschließlich von dm Witternngsverhält- Nissen abhängig gemacht wissen. ES find deshalb auch bereit» -ie nöthigen Vorkehrungen zur Uebersiedelung des Kaiser» nach Berlin getroffen, sobald seitens der Aerzte dies für dm Gesundheitszustand deS Monarchen als nothwendig erachtet werdm sollte. Zu diesem Zwecke ist von dem Hofmarschall- amte Befehl gegeben, auch da» Berliner Palais zum Empfange des kaiserlichen Herrn jederzeit bereit zu halten. ES ist da her nicht unwahrscheinlich, daß der Aufenthalt deS Kaiser» in Babelsberg sich nur auf wmige Tage erstreckt, da die Aerzte das vor den Nordostwinden wenig geschützte Schloß Babels derg der Gesundheit ihres kaiserlichen Herrn überhaupt nicht zuträglich haltm und wiederholt auch gegen einen nur vorüber gehenden Aufenthalt daselbst Einspruch erhoben haben, obwohl ihnm die große Vorliebe des Kaiser» für Schloß und Park Babelsberg sehr wohl bekannt ist. — Ueber die wiederholt ange kündigte Ankunft de» deutschen Reichskanzler» in Berlin ver lautet bi» jetzt nicht» Sichere». Der Königlich preußische Ge sandte beim Vatikan, Wirk. Geh. Rath v. Schloezer, welcher sich nach seiner Ankunft von Rom und Wim zum Reichs kanzler Fürsten BiSmarck nach Varzi» begebm hatte, ist Dienstag Nachmittag von dort wieder in Berlin eingetroffm. — Den offiziösen »Berliner Politischen Nachrichten" zufolge sind die AuSsührungSbestimmungen zum Branntweinsteuergesetz den Provinzialsteurrbchörden mitgetheilt worden, um sich bi» zum 28. August darüber gutachtlich zu äußern. Außerdem sind behufs Einziehung von Gutachten au» dem HandelS- stande Einberufungm au- diesen Kreisen für die nächsten Tage zu erwarten. Au» den Kreisen der landwirthschaftlichen Interessenten wurdm bereits Sachverständige gehört. Die Ausführungsbestimmungen dürften dm Wünschen dieser Kreise entsprechend verschiedene, wenn auch nur wenige Modifikationen erfahren. Wie die »Pol. Nachrichtm" versichern, beabsichtigt die Regierung allen berechtigten Wünschen innerhalb der Grenzen des Möglichen gerecht zu werden. Dasselbe Regierungsorgan beschäftigt sich mit der IFrage, ob behufs Aushebung des Identitätsnachweise» für das zollfrei durch- zusührende, bezw. wieder auszuführcnde Getreide eine außer ordentliche Herbstsession de» Reichstages in Aussicht zu nehmen sei. »Unleugbar," schreiben die „B. P. N.", »entspricht die Aufhebung des Identitätsnachweises den Interessen des Getreidehandels; auch örtliche Interessen der einheimischen Landwirthschaft sind dabei bctheiligt; in welchem Umfange dies der Fak ist, erscheint freilich zweifelhaft. Dabei kommt entschieden West- und Ostpreußen, Danzig und Königsberg und deren Hinterland in Betracht. Die Interessen dieser unter der Wirtschaftspolitik unseres östlichen Nachbarn schwer lei denden Landestheile verdienen ohne Zweifel besondere Berück sichtigung und es ist die ernste Sorge der Regierung, dieselben zu pflegen und zu fördern, soweit dies ohne schwere Benach- theiligung anderer gleichwerthiger Interessen geschehen kann. Ob eine solche Benachtheiligung, und zwar eine solche der -gesammten Nationalwirthschaft nicht bei der im Prinzip mit der Politik des Schutzes der nationalen Arbeit nicht Wohl zu vereinbarenden Aufhebung deS Identitätsnachweises für das unter Erstattung des Zolles auszuführende Getreide zu be fürchten ist, erscheint aber mindestens fraglich. Mindestens wäre damit schwer abzuwetsenden Berufungen Thor und Thür geöffnet. Jedenfalls ist daher die Frage noch nicht soweit spruchreif, daß eine Beschlußfassung der gesetzgebenden Körper schaften darüber am Platze sein könnte. Auch mag billig be zweifelt werden, ob in der That Konservative, Nationalliberale und Zentrum so bereit sind, einer so schwerwiegenden Durch löcherung des Zoll- und Wirthschaftssystems zuzustimmen, wie dies einzelne Pleßstimmen behaupten. Eine derzeitige Zusammen- berusung des Reichstages behuss Lösung dieser Frage möchten wir daher nicht für wahrscheinlich halten." — Anläßlich der 17. Wiederkehr der Schlacht von Weißenburg hatten am 4. d. M. lämmtliche in der Umgegend der Stadt Weißenburg >efindlichm Denkmäler und Gräber in herkömmlicher Weise rischen Schmuck erhalten. ES ist erfreulich, so schreibt daS »Weißenburger Wochenblatt", daß die schöne Sitte, die Gräber und Denkmäler der für das Vaterland Gefallenen alljährlich am 4. August zu schmücken, trotz der Länge der Zett eher zu- als abnimmt. So waren auch diesmal nicht iloS die Denkmäler der deutschen und französischen Krieger, owie daS Grabdenkmal des Generals Douai auf dem hiesigen Zriedhofr, sondern auch daS große deutsche Denkmal und das Denkmal der KönIgS-Grenadtere auf dem GaiSberg, die Massengräber in der Altenstadter Mee, sowie daS baierische Denkmal bei Schweigen reichlich mit Kränzen, Blumen rc. geziert. Auch die zahlreich über da» ehemalige Schlachtfeld Zerstreuten Einzelgräber, welche erst kürzlich an Stelle >er alten stark beschädigten Kreuze neue erhalten jaben, entbehren nicht des frischen grünen Schmuckes. — In der Umgegend von Saarbrücken wurde der Jahrestag der Schlacht bet Spicher« am 6. d. M. in besonders feierlicher Weise unter zahlreicher Betheiltgung der Bevölkerung begangen. Dm Mittelpunkt der verschiedenen Veranstaltungen bildete die m Ehrenthal «bgehalteue patriotische Feier, an welcher sich ämmtltche Schulkinder betheiltgten, sowie die sich daran chlteßende Schmückung der Denkmäler und Gräber mit frischen Kränzen. Auf dm Besucher macht rS «inen erfreulichen Ein- druck, daß die alten verwitterte» Holzkrruze auf dm Krieger gräbern jetzt überall durch haltbare in Steinsockel eingelassene Eisenkreuze ersetzt worden find. Wie immer zog der »Lulu- Stein", ein an der Stelle, wo Prinz Louis am 2. Aug. 1870 den ersten Kanonenschuß abfeuerte, angebrachtes Denkmal die besondere Aufmerksamkeit der fremdm Besucher auf sich. Im Ehrenthal, dem Hauptbegräbnißplatz der Gefallenen bei Spicheren, zeichnete sich daS Grab des Gmeralmajors von Fran^oiS, der, wie die Inschrift de» Denkmals sagt, an der Spitze der Truppen bet Erstürmung der Spicherer Höhen von fünf Kugeln durchbohrt fiel, so wie der bescheidene Grabhügel de» unter dem Namm »Schulzmkathrin" bekauntm Dienst mädchens Kath. Weißgerber durch besouderm reichen Blumen schmuck au». Die »Schulzmkathrin" hat sich diese Auszeich nung dadurch verdient, daß sie während der Schlacht sich in >te vorderste Gefechtslinie wagte, um dm Kämpfenden und Verwundeten Erfrischungen zuzutragen. Nach einer Meldung der „Grazer Tagespost" ist der österreichische Unterrichtsminister vr. von Gautsch, den die czechtschen Blätter wegen der Aufhebung einzelner mangel haft besuchter Mittelschulen so heftig angrtffen, zu den bekannten beiden klerikalen Führern, den Fürsten Liechtenstein gereist. Die czechischen Blätter meinen, Herr v. Gautsch suche die Klerikalen durch Konzessionen zu gewinnen, um die Czechen in ihrem Angriff auf da» Mittelschul. Regulativ zu isoliren. Unterstützt wird diese Ansicht durch die Hilfe, welche die klerikalen Blätter der Mittelschul-Maßregel des Ministers entgegenbringen. Die weiteren Ereignisse werdm zeigen müssen, ob die Besorgnisse der Czechen begründet sind. Die seit dem Eintreffen des italienischer» Generals Shletta in Massauah dort begonnenen kriegerischen Vorberei tungen werden auch in der glühenden Hitze der Sommer monate fortgesetzt. Die Befestigungen um die Stadt, bis hin auf in die entlegeneren Höhen von Arkikos und M'Kullu, sind nunmehr mit der entsprechenden Anzahl von Geschützen bewaffnet und die von dm Abessiniern so sehr gefürchteten „Löcher" mithin zu jeder Abwehr gerüstet. Der Besatzung selbst wird von dem umsichtigen General trotz der entsetzlichen Gluth weder Rast noch Ruh' vergönnt; Offiziere und Sol daten sehen mit begreiflicher Spannung den kommenden Dingen entgegen. Es scheint doch, daß Italien einm Feldzug gegen Abessinien zu unternehmen im Begriff ist. Mit Einstimmigkeit bewilligte vorgestern die belgische Kammer den von der Regierung Belgims verlangten Kredit für die Beschaffung eines neuen Postdampfers für die Route Ostende-Dover und für Hafenbauten in Ostende. Ein von dem Abg. Stuers eingebrachtes Amendement, welches den Bau von zwei neuen Dampfern verlangte, wurde mit 61 gegen 16 Stimmen abgelehnt. Die Kammer vertagte sich darauf auf unbestimmte Zeit. Der französische Minister des Innern hat an alle Vor gesetzten der direkt oder indirekt vom Staat abhängigen Arbeiten ein Rundschreiben gerichtet, worin sie daran erinnert werden, daß sie nur französische Arbeiter beschäftigen dürfen. Sie werden zugleich aufgefordert, eine Liste ihrer Arbeiter einzureichen und sofort alle fremden Arbeiter zu entlassen. — Aufsehen erregt eine Rede, welche der Kommandeur des 15. Korps, General de Colomb, als Ehrenpräsident bei einem Festesten der RettungSgesellschast in Marseille gehalten hat Mit nicht zu verkennender Anspielung auf daS Vorgehen seines Kameraden Boulanger sagte der General: „Ich verdächtige den Patriotismus von Niemandem, aber in einem Laude wie dem unserigen, kann keine Gesellschaft, keine Person, keine Gruppe den Patriotismus als Monopol beanspruchen." — Der Pariser .BaulotS" veröffentlicht daS Exposs eines aus wärtigen Diplomaten über die bulgarische Frage, worin es heißt: Der Eintritt de» Prinzen von Koburg in Bulgarien bedeutet die Wahrscheinlichkeit eine» Krieges noch vor dem nächsten Frühjahre. Indem Graf Kalnoky nichts gethan habe, um den Prinzen von Koburg zurückzuhalten, habe er die österreichische Politik in bedenklicher Weise rngagirt. Durch ein gestern in Madrid veröffentlichtes Dekret der Königtn-Regentin von Spaniel» ist die Bildung von vier neue» Kavallerie-Regimentern angeordnet worden. Wie der Londoner »Observer" erfahren habe« will, konnte sich die englische Regierung darüber noch nicht schlüssig machen, ob sie de« Artikel de- irischen StrafrechtSgesetzeS über gefährliche Vereine und Verbindungen in Kraft setzen soll? Seit der Annahme de» Ausnahmegesetzes haben sich die Agrar verbrechen in Irland merklich vermindert, und so lange dieser Stand der Dinge andauert, ist keine Nothwendigkeit für die Anwendung jener außerordentlichen Machtbefugnisse Vorhände», welche der Artikel mit Bezug auf gefährliche Verbindungen der Regierung verleiht. lleberdieS glaubt di« Regierung, daß die meisten gesetzwidrigen Handlungen, welche gegen Gesetz und Ordnung unter dem Deckmantel der Nationalliga verüä werden, wie z. B. Boycotten, Einschüchterung von Pächter», Obstruktion von Sheriff- und Beamten, sowie Agrarverbreche» im Mgemeinen, durch die jetzt in Wirksamkeit befindliche» Klauseln de» VerbrecheugescheS gedeckt find. Wie au» Rußland berichtet wird, suchen die nach Moskau zu dem Leichenbegängniß KatkowS gereisten Mitglieder der französischen Patrioten-Liga unverkennbare Stimmung für ein russisch-französisches Bündniß zu machen. Am Dienstag legten dir beiden offiziellen Vertreter der französischen Patrioten« Liga, Döroulsde und Goupil, auf das Grab deS deutschfeind lichen Publizisten Katkow einen Kranz, welcher die Inschrift trug: »An Katkow, dm großen russischen Patrioten", und daS Band zeigt die Worte: „Es lebe Frankreich! ES lebe Ruß land!" Dsroulsde hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, i» welcher er die Verdienste Katkow» als Patriot hervorhob. Der von der bulgarischen Sobranje zum Fürsten von Bulgarien gewählte Prinz Ferdinand von Koburg befindet sich aus der Fahrt nach Tirnowa, wo ihm am 13. d. M. di« zu diesem Tage einberufene Sobranje huldigen wird. Die bulgarische Regentschaft traf Dienstag Abend in Lom-Palanka ein und reiste von dort mit dm bulgarischen Ministern nach Orsowa weiter, um dort den Prinzen Ferdinand von Koburg bei seiner Ankunft zu begrüß«. In Orsowa gedachte der Prinz die Eisenbahn zu Verlusten und die Fahrt aus der Donau sortzusctzen. In Turn-Severin wird heute der Prinz auf die fürstlich bulgarische Jacht geleitet, die ihn nach Widdin führt. Angeblich erhielt die bulgarische Regierung die verbürgte Mit- theilung, daß ein in Turn-Severin geplantes Attentat gegen den Prinzen von Koburg von dem Donaulchiff der russischen „Gagarin's Schwarzmcer-Dampfschifffahrts-Gesellschaft" unter stütztwerden sollte. Die bulgarische Regierung e tsendete in Folge besten sofort eine große Anzahl von Gehennpo'zisten, welche als Paffagiere auf den beiden an dem bulgarisu/.n Ufer ver kehrenden Gagarinsschiffen Plätze kauften und dieselben Vor der Landung des Prinzen von Koburg nicht verlaffen werden. In Widdin, wo der Prinz den bulgarischen Boden zum ersten Male betritt, dürften auch die ersten bedeutsamen osfi- ziellen Ansprachen gewechselt werden. Der Präfekt von Widdin soll der Erste sein, der den neugewählten Fürsten auf bulgarischem Bodm begrüßt, und die Antwort des Fürsten Ferdinand auf diese Ansprache dürfte bereits einige Andeutungen darüber enthalten, welche Beweggründe den Prinzen bei seine» neuesten Entschlüssen geleitet habm und wie er von nun ab die Stellung Bulgariens zu den Mächten sowie seine eigene aufzufasten gesonnen ist. Von Widdin dürfte noch am Donners tag die Reise nach Lom> Palanka fortgesetzt werden, wo gleich falls eine Begrüßung stattfinden dürfte. Von Lom-Palanka soll nach dem bisher festgestelllen Programm, das immerhin noch einige Modifikation« erleiden kann, die fürstliche Jacht weiter nach Sistowa dampfen. Der Landungs platz in Sistowa, sowie die Straße, welche vom Donau-Ufer nach dieser Stadt führt, sind festlich beflaggt. In der Nähe des Landungsplatzes und an einem anderen Eingangspunkte zur Stadt sind Triumphbögen errichtet. Der Prinz wird heute Abend oder Freitag in Sistowa erwartet und wahr-