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^Freiberger Anzeiger dm bi, Nachmittag, UN- , gespalten, Zell« öder r Ubr für di. nächst. »««.RaMn mit« Pf. ^7—Tagevlatt. Amtsblatt des König!. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie der König!. Gerichtsämter und der Stadträthe zu Freiberg, Sayda und Brand. . . i 202. Donnerstag, den 29. August. - Tagesqeschichle. Dresden, 25. August. (D. A. Z.) Heute hatten wir eine sehr feierliche Beerdigung, eine wirklich imposante Beerdigung einer schlichten Bürgersfrau. Und warum soll ich nicht auch einmal von dem Leichenbegängniß einer Bürgersfrau berichten? Haben denn blos die obenauf Schwimmenden das Recht, daß ihre Todtenfeier« lichkeiten ausposaunt werben? Tausende haben die Frau nicht gekannt, aber Tausenden hat sie wohlgethan; daher mögen es auch Tausende lesen. Es war die Frau des auch weitbekannten und renom- mirten Restaurateurs Felßner, eines Ehrenmannes, den man heute in der Frau wie die Frau in ihm ehrte. Die ganze Feier war ein Ereigniß für unsere Antonstadt. — Eine andere, eine heitere Feier fand heute im.Lincke'schen Bade statt, die fünfzigjährige AmtS- jubclfeier des durch seine kalligraphischen Werke und Gutachten rühmlich bekannten Kanzleiraths im Ministerium des Auswärtigen, Zschille, eines in vieler Hinsicht sehr verdienten, deshalb auch schon mit dem Ehrenkreuzdes Verdienstordens, mit dem österreichischen Franz-Josephsordcn und mit dem portugiesischen Christnsorden dccorirten Manncö, welcher 1811 als Accesstst bei der damaligen sogenannten „Unterstützungskasse des FinanzcollegiumS" seine StaatS- dienercarrivre begann. Biele Glückwünsche von nah und fern, selbst eine telegraphische Depesche aus dem sächsischen Hoslager zu Luzern und die Verleihung des Ritterkreuzes des Albrechlsordens erfreuten den noch rüstigen Jubilar. Wien, 22. August. Wie die „Presse" mitthcilt, gelangte in der letzten Sitzung des vom Abgeordnetenhaus« nicdergesetzten Ausschusses die Frage der Befreiung der Schule vom Einflüsse der Geistlichkeit zur Bcrathuug. Es war folgende Fassung vorgeschlagen: „Der Einfluß irgend einer Religions-Genossenschaft aus die Mittel und Volksschule ist aus den Unterricht in der betreffenden Religions lehre beschränkt. — Die theologischen Facultäten an den Universitäten werden frei gemacht von den Einflüssen der Bischöfe." Der erste Absatz wurde trotz des Widerstandes der Bischöfe mit 8 gegen 3 Stimmen angenommen, der zweite dagegen mit 6 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Die Einführung der Civilehe (obligatorisch) hat der Ausschuß schon in einer früheren Sitzung beschlossen. Ofen, 22. August. (W. Bl.) Gestern wurden in Ofen die Steuerbücher vom Bürgermeister durch einen in Begleitung eines Beamten der k. k. Steuercommission erschienenen k. k. Hauvtmann des k. k. Hartmann-Infanterieregiments abgefordert. Nachdem der Herr Bürgermeister erklärte, daß ihm dies durch einen Beschluß der Generalversammlung untersagt sei und daß er nur dem Zwange weichen dürfe, so verfügte sich der gedachte Hauptmann, dem man übrigens bei diesem Anlasse ein sehr moderates und tactvolleS Be nehmen nachrühmt, in das städtische Steucramt, um die fraglichen Bücher via kaoti zu übernehme», woran er auch nicht gehindert wurde; doch wäre ein solcher Versuch auch unnütz gewesen, indem er Militärassistenz zur Verfügung hatte, welche zwar aus der Bastei postirt, aber mit dem Stadthause durch ausgestellte einzelne Wach posten in Verbindung und eines jeden Winkes gewärtig war. — Aus Pesth meldet man in derselben Angelegenheit: Infolge der Sleuereintreibung, die erst gestern anch in der Hauptstadt begonnen, war schon heute das Steueramt derart von Zahlungswilligen be lagert, daß die vorhandenen Amtskräfte zur Befriedigung der Par teien nicht ausreichten. ES wurden daher im Steueramte Vor merkungslisten aufgelegt, in welche die Namen Derjenigen ein getragen werden, die sich zur Zahlung ihrer rückständigen Steuer bereit erklären, indem sie durch diese Vormerkung von der Militär- bequartierungslast verschont bleiben. Berlin, 26. August. Der vor einigen Tagen von Rio in Hamburg eingetrvffen« bisherig, Ministerrefident, Freiherr v. Meuse ¬ bach, hat, wie die „N.Pr.Z." berichtet, behufs ärztlicher Behandlung seines beklagenswerthen psychischen Leidens zunächst in der königl. Provinzial-Jrrenanstalt zu Halle a. S. Aufnahme gesunden. — Die „A. Pr. Z." bespricht die bedenklichen Dimensionen, welche die Ueberstedelung preußischer Unterthanen nach Rußland angenommen hat, so wie da« elende Geschick, welchem die Auswanderer fast ohne Ausnahme entgegengehen. Selbst im Falle eines wirklichen ContractbruchcS könne der Auswanderer, wie die Erfahrung lehre, auf prompten und wirksamen Schutz von Seiten der russischen Be hörden nicht rechnen. Bis dann die betreffende Gesandtschaft am kaiserlichen Hose zu St. Petersburg in der Lage sei, einzuschreiten, vergingen viele Monate, und selten sei die Gesandtschaft auch im Stande, für Die, welche sich durch da« äußerste Elend, in welche» sie inzwischen gerathen sind, noch irgend wie durchgeschlagen haben, etwas Anderes als sofortige ungehinderte Rückkehr zu erwirken. Und auch diese Rückkehr finde dann ost ganz unvorhergesehene Hindernisse. In einem Falle seien 15V Arbeiter aus Pommern, welche bitter enttäuscht ihrer Heimath wieder zurilen wollten, in elendester Lage längere Zeit zurückgehalten worden, weil di» Herausgabe ihrer zur Zeit der Ankunft bei der russischen Polizei deponirtcn Reisepässe von vorheriger Bezahlung der — den arme« Leuten unerschwinglichen — UeberfahrtSlosten abhängig tzemacht wurde. Es liege in der Natur der Sache, daß bei einem so massen haft auftrelenden Elend die Gesandtschaft in St. Petersburg keine wirkliche Hilfe zu leisten und namentlich nicht die Rücksendung dir Getäuschten nach Deutschland zu vermitteln im Stande sei. Aus Italien hat man sehr traurige Nachrichten über den Stand der Erndte erhalten. Die schreckliche Hiße, die wir vor einiges Tagen hatten, hat dort alle Feldfrüchte vernichtet. Die Hitze wat: so groß, daß alte Eichen in de» Wäldern verdorrten. Futter giebt cS gar keins, Wasser ist nirgends zu haben; alle Bäche und Flüsse find ausgetrocknet und in Parma und Modena mußte man da» Vieh wegen Mangels an Wasser schlachten. Die Italiener durch» ziehen Städte und Dörfer in Procesfionen. Alle Kirchen find über füllt, um Regen zu erflehen. Turin, 22. August. Eine neue Schrift von Mazzini unter dem Titel: „Nieder mit den Masken", macht viel von sich reden. Dieselbe enthält unter Anderm einen von der Hand des Grafen: Cavour geschriebenen Vertrag zwischen Frankreich und Piemont», datirt vom 21. Juni 1858. In demselben ist ein Schutz« und Trutzbündniß gegen Deutschland und England stipulirt und- der » Kriegsfall von: Jahre 1859 mit allen daraus hervorgehenden Even tualitäten vorgesehen. Als Entschädigung für Frankreich ist die Abtretung nicht nur von Savoyen und Nizza, sondern eventuell auch vou Sardinien, Genua, Ligurien und selbst von Sicilien festgesetzt. Dieses Document wird hier allgemein für ächt gehalten. — „Nanonalitvs" versichern in einem Schreiben au« Eaprem in bestimmtester Weise, daß Garibaldi nicht daran denke, seinen gegenwärtigen Wohnsitz zu verlassen. Man schreibt dem Journal de« Döbats aus Neapel vom 17. August: „Die Insurrektion scheint ihrem Ende entgegenzugeben; das alte Samnium Hirpinum (Benevent, ei» Stück von der Terra di Lavora und von Molise) ist allein noch unsicher» aber General Pinelli wird eS in einigen Tagen gesäubert haben. Er hat schon mit seinen Abteilungen alle Berge von Nola, Avellino undArienzo besetzt. Oberst Negri hat am 14. August mit 3SV Mann Asalount uud Ponte Landolfo nach lebhaftem Feuer genommen. Dee ent setzlichen Spuren der Grausamkeit der Insurgenten: ausgenfftnt Augen, 37 seit drei Tagen in einem Hintcrhalt getodtete Soldaten und namentlich Ler Kopf des Lieutenant« Kama welchen^«« Insurgenten auf die Spitze eine« Kreuze« gesteckt hatten, brachte» unfereSol^ sehrauf, daß.sie beide Ort» in Brand MtÄr»