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m, hlasge- Sutter- gespaltene Zeil« ob« Tageblatt 1858. Mittwoch, den L3 Januar Erscheint jeden Wochentag srüh h r. Inserate wer den bi« Nachmittag« S Uhr sür die nächst erscheinende Nummer angenommen. deren Raum mit S K .berechn«. Freiberger Anzeiger UN- c. lttags- c ohni fragen Stuben an zu -r. 383. ist ein erfah- :cppen. andes- luf ge- asse. Gell,, nn es . 270, zt in . eine grün« errcn, Theil ällige NN. MI )r. Tagesljeschichte. Freiberg. Oeffentliche Gerichtsverhandlung den 22. Jan. 1858 Nachmittags 4 Uhr: Verhandlungstermin in der Unter suchung wider Johanne Christiane Concordie verehel. Schubert aus Sand, wegen Felddicbstahlö. — Verhandlungstermin in Forstrügensachcn wider Carl Christoph Richter aus Gahlenz. Dresden, 10. Jan. Ein Extrablatt des Journal besagt: „Aus Florenz ist die telegraphische Meldung hier eingegangen, daß Ihre kaiserliche Hoh. die Frau Erbgroßherzogin Anna von Toscana heule Morgen 4 Uhr von einer Prinzessin glück lich entbunden worden ist. Mutter und Kind befinden sich wohl." Zschopau, 9. Januar. Heute srüh Uhr brach in einem, theils dem Tischlermeister Lange, theils dem Lohnfuhr mann Uhlmann gehörigen Hintergebäude in der Vorstadt „Anger" Feuer aus, wodurch 6 Wohnhäuser nebst Hinterge bäuden eingeäschert wurden und 18 Familien Habe und Obdach verloren haben. Die Entstehungsursache ist noch unermittelt. Lunzenau, 9. Januar. Vorgestern wurde von der gräf lich Schönburgischen Herrschaft zu Rochsburg auf hiesigen und Schlcisdorfer Fluren eine Treibjagd und nach Beendigung der Jagd vor einer hiesigen Schenkwirthschaft die Strecke ab gehalten. Ein Webergeselle aus Rochöburg, der die Jagd als Treiber mitgemacht hatte, stand dabei mit einer Flinte bewaffnet Schildwache. Zufällig kommt die 17i/z Jahr alte Tochter teS hiesigen Webermeisters Langhanns dazu und sieht die Hasen an. Wahrscheinlich im Scherz ruft jener ihr zu: „Geh weg oder ich schieße dich todt", macht eine Bewegung mit der Flinte, der Schuß geht los und verwundet das Mädchen tödtlich in den Oberkörper; sie mußte gestern deshalb ihren Getst aufgeben. Wien, 10. Jan. Die Frage über die hiesige Handels akademie scheint, wie aus folgender Anzeige in der Wiener Zeitung hervorgeht, erledigt: „Die feierliche Eröffnung der Wiener Handelsakademie findet am 13. Jan. Vormittags 10 Uhr im Local dieser Lehr anstalt (Schottenbastei Nr. 140) Statt. Die Herren Mitglieder des Vereins, welche dieser Feierlichkeit beizuwohnen wünschen, werden eingcladen, die auf ihre Namen auszufertigenden Ein trittskarten im Bureau der Akademie am 12. Jan. zwischen 10 und 4 Uhr gefälligst in Empfang zu nehmen. Die kirchliche Eröffnungsfeier wird Donnerstags 14. Jan. um 9 Uhr Vor mittags in der Pfarrkirche zu den Schotten abgehalten. Wien, 9. Jan. 1858. Der Verwattungsrath der Wiener Handels akademie." München, 8. Jan. Der Haarabschneider treibt sein Unwesen immer ärger und frecher. Am 6. Jan. Abends wurden in der Augustenstraße einer Dienstmagd, gestern Abenv in der Nähe des Bahnhofs einer Arbeiterin, heute früh 4 Uhr in der Sendlingergasse einer Wäscherin die Haarzöpfe abge schnitten; das Allerfrechste aber war, daß heute Vormittags 11 Uhr einem Milchmädchen in der Hirtenstraße, und zwar ganz nahe bei deren Ausmündnug in die äußerst belebte Dachauer Straße, in der nächsten Nähe des Locals einer Gendarmerie brigade und unfern des Bahnhofs die Haare abgeschnitten wurden. Bei dem an der Wäscherin verübten Frevel waren „zwei gut gekleidete Herren", bei den übrigen Vorfällen aber immer nur einer thätig. Auffallend ist besonders bei allen diesen Attentaten, daß das Vorhalten eines Schwamms, oder eines Taschentuchs, oder auch nur der flachen Hand, einen das Athmen hemmenden Geruch verbreitend, bei allen angegriffenen Mädchen eine völlige Bewußt- und Sprachlosigkeit während der Operation des Zopfabschneidens herbeiführt und daß ihnen ein Rufen um Hilse erst dann möglich sein soll, wenn sich der Thäter von ihnen entfernt hat. Der Thäter konnte man noch nicht habhaft werden, ein am 6. Jan. als der That verdächtig verhafteter Müllerbursche war unschuldig, und sogar des frechen Burschen von heute Vormittag konnte man nicht habhaft werde», indem er spurlos verschwand. Ein ebenso freches Attentat fand diesen Nachmittag nächst der Domkirche, also im Herzen der Stadt, statt, und auch hier wurde der Thäter nicht erwischt. Sonderbar ist es, daß von allen angrfallenen Mädchen nicht eins den Thäter zu beschreiben vermag. Die Polizei entwickelt eine außerordentliche Thätigkeit und mehr als 300 Agenten der selben sollen in den Straßen und auf den Plätzen vertheilt sein. Hoffentlich wird cs noch gelingen, der Frevler habhaft zu werden, was zur Beruhigung des sehr aufgeregten und äußerst erbitterten Publikums sehr nothwendig ist. Sonderbarer weise beschäftigt sich die hiesige Localpresse mit dieser Angelegen heit sehr wenig und dann nur in der Weise, um die Vorfälle geringer und an Zahl weniger darzustellen, als sie in der That sind. Stuttgart, 7. Jan. Die päpstliche Bulle in Betreff der Uebereinkunft Württembergs mit Rom schließt folgendermaßen: „Keinem Menschen sei es also gestattet, die Einräumung, Billi gung, Ratification, Genehmigung, Versprechung, Gelobung, Erinnerung, Ermahnung, Beschließung, Abschaffung, Festsetzung, Verordnung, Willensmeinung, so in dieser Urkunde enthalten ist, zu beugen, noch derselben in unüberlegtem Wagniß zuwider zu handeln. Wofern sich aber Jemand vermäße, solches zu ver suchen, der wisse, daß er dem Zorne des allmächtigen GotteS und seiner heiligen Apostel Petrus und Paulus verfallen wird." Harburg, 6. Jan. Auch in unserer Stadt wird jetzt bei Taufen der armen jungen Erdenbürger der Teufel auSgetrieben; und einer unserer Geistlichen machte am Neujahrstage die Bel tern ungetauft gestorbener Kinder für jede noch so kleine Ber- säumniß gerade so verantwortlich, als werde daS Kind nicht selig, obgleich er kurz vorher zugestanden hatte, Gott vermöge in seiner heiligen Machtvollkommenheit auch ungetanste Christen- kindcr selig werden zu lassen. Aus Mainz vom 6. Jan. wird der Allgemeinen Zeitung geschrieben: „Das Ergebniß der hier über die Katastrophe vom 18. Nov. v. I. gepflogenen militärischen Untersuchung, das in den Zeitungen noch immer in verschiedener Weise berichtet wird, möchte wohl wahrheitsgemäß in nachstehender Weise festzustellen sein: Der österreichische Artilleriecorporal Wimmer, auS Gali zien gebürtig, Pole seiner Nationalität nach trotz des deutschen Namens, hat das Pulvermagazin zu der fraglichen Zeit betre ten, nachdem er sich vorher die Schlüssel zu demselben wider rechtlich angeeignet, entwendet hatte. Wenn er hiernach alS der Thäter, und zwar als absichtlicher Thäter angenommen werden muß, so hat dagegen die Untersuchung keinen Beweg grund ermittelt, der ihn zu der entsetzlichen That veranlassen konnte, sodaß sich dieselbe nur alS eine Handlung im Wahnsinn erklären läßt. Wimmer hatte brav gedient und stand mit seinen Vorgesetzten in gutem Verständniß; was von Mißhelligkeiten, die er nach dieser Seite hin gehabt, oder gar von Drohungen, die er ausgestoßen, verlautet hat, ist falsch. Diese Gerüchte, die gleich anfänglich auftauchten, haben ihre Entstehung und den Glauben, den sie fanden, wohl nur dem Bedürfniß zu ver danken, einen Bcstimmungsgrund für die That aufzufinden. Die Schildwache, eine preußische, welche Wimmer das Pulver magazin betreten ließ, hat sich hierdurch einer Dienstwidrigkeit schuldig gemacht." London, 8. Januar. Die „Times" leiht dem schmerz lichen Eindrücke Worte, welchen die Nachrichten der neuesten indischen „Post" hervorgebracht haben. Selten, sagt sie, hat der Nation ein Ereigniß ein herberes Gefühl des Bedauerns verursacht, als der am Schluffe seines bewundernswürdigen FeldzugS erfolgte Tod des Generals Havelock. Wir sagen nicht zu viel, wenn wir behaupten, daß wir bis auf die Tage deS großen Krieges (d. h. des Krieges gegen den ersten Napoleon) zurückgehen müssen, um eine Parallele für die allgemeine Theil- nahme und den allgemeinen Schmerz zu finden. Wir alle fühlten, daß General Havelock kein gewöhnlicher Mann war. (Derselbe war 1795 geboren.) Aber auch sonst ist diese neue Depesche unheilvollen Inhalts. Auf langwierige Kämpfe, auf vereinzelte Schlachten hatte man sich hier wohl gefaßt gemacht,