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Erscheint jeden Wochentag früh S Uhr. Inserate wer den bis Nachmittags 3 Uhr für die nächst erscheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger und Tageblatt. Preis vierteljährlich 18 Ngr. Inserate werden die gespaltene Zeile oh« deren Raum mit ö L. berechnet. Amtsblatt des König!. Bezirksgerichts zu Freiberg, Ler Königt. Gerichtsämter zu Freiberg, SayLa unL ManL unL Ler StaLträthe zu Freiberg unL SayLa. 47. Freitag, den S« Februar ! 1858. Tagesgeschichte. Leipzig, 23. Februar. Der Oekonomieverwalter B. aus Klausthal auf der Leipzig-Dresdner Bahn heute früh nach 1 L »«gekommen, hat sich nach kurzem Aufenthalte in Ler Bahnhofsrestauration an einem geheimen Orte des Magde burger Bahnhofes durch verschiedene Messerstiche zu entleiben gesucht und ,st infolge dessen ins Jacobshoßpital gebracht wor den. Eln Grund zu dieser That ist nicht bekannt. (D. I. Chemnitz, 22. Febr. (D. I.) Nachdem sich der Bäcker meister Traugott Friedrich Richter aus Zschopau, welcher wegen Verdachts der Tödtung seiner beiden Kinder hier zur Untersu chung gezogen war, am 5. Jan. d. I. im Gefängntß entleibt hatte, räumte seine Zuhälterin Johanne Christliebe Gimpel aus Mühtau ein, dasi Richter allerdings das ältere, bereits vor eini gen Jahren verschwundene Kind getödtet habe. Er habe ihr glauben gemacht, das Kind im Waisenhause unterbringen zu wollen, wo ihm Lie Aufnahme gegen das Vorgeben zugesichert worden sei, daß sich dessen Mutter nicht mehr am Leben befinde. Sie habe dem Kinde auch das Geleite bis in die Nähe des Waisenhauses gegeben, wo es ihr Richter abgenommen, ihrer Meinung uach hineingetragen und nach seiner Rückkehr ihr unter dem Verbote, das Kind zu besuchen oder nach ihm zu fragen, weil es sonst die Stelle im Waisenhause wieder verliere, erzählt habe, daß es ganz gut versorgt sei. Später erst, als sie ihm mit Fragen keine Ruhe gelassen, habe er ihr das erwähnte Geständniß abgelegt und ihr mit den Worten strenges Still- ! schweigen geboten: ,,er habe es allein auf seinem Gewissen." , Ob Richter — wie kaum zu, bezweifeln sein dürfte — auch das ! jüngste, von ihm heimlich beerdigte Kind getödtet, ließ die Gim- > pel dahingestellt und lehnte alle Wissenschaft von den verübten ! Verbrechen ab. ' Das Bezirksgericht hat in Ermangelung ge nügender Verdachtsgründe die Untersuchung gegen dieselbe ein gestellt. Hainichen, 20. Febr. (D. I.) Statt der Gasbeleuchtung, von deren beabsichtigten Einführung die städtische Behörde ab- fehen mußte, weil die Betheiligung nicht in erforderlicher Weise sich in Aussicht stellte, erfreuen wir uns bereits seit December v. I. der Beleuchtung durch Photogen. 38 mit Photogen ge speiste Lampen erweisen sich so" wirksam, daß der Wunsch nach Gasbeleuchtung wohl sobald nicht auftauchen dürfte. — In diesen Tagen macht ein trauriges Nachtstück sittlicher Verirrung tiefe Sensation in den Gemüthern. Drei Mitglieder einer bis gestern hier thätigen Schauspielergesellschaft haben die Befriedi gung ihrer sinnlichen Lust in Kreisen gesucht, von denen Sitte wie Naturgesetz sie hätte fern halten müssen, und harren nun, in Haft.und Untersuchung gezogen, der Strafe. Berlin. Der Preußische Staats-Anzeiger berichtet unterm 13. Febr. : „Der Prinz von Preußen hat eine gute Nacht ge habt. Das örtliche Leiden schreitet in der Besserung in dem Grade fort, als es die Umstände gestatten; das allgemeine Be finden ist völlig zufriedenstellend. Heute Vormittag nahm der Prinz den Vortrag des Obersten Frhrn. v. Manteuffel und Nachmittags den des Ministerpräsidenten entgegen." Aus der Provinz Preussen, 20. Febr. (D. A. Z.) Der Conflict, welcher den Tod des Generals v. Plehwe zur Folge hatte, giebt Veranlassung, auf Ereignisse und Zustände zuriickzublicken, welche weit über die Grenzen eines localen In teresse hinausgehcn und ein trauriges Stück Geschichte des Va terlandes ausfüllen. Was hierüber von kundiger Hand einem Provinzialblatt geschrieben wurde, dürfte auch für größere Kreise wissenswerth sein: „Königsberg, 17. Febr. Das Ereigniß des Tages ist daS Pistolenduell zwischen dem Lieutenant vom 3. Kürassierregiment Jachmann und dem Generallieutenant v. Plehwe, das mit dem Tode des Letztern geendigt hat. Die Veranlassung zp der Herausforderung liegt jedenfalls in Familienzerwürfniffen, auch giebt man im Publikum bereits einen bestimmten Grund an, doch ist es besser, von Familienangelegenheiten dieser Art den Schleier nicht zu lüften. General v. Plehwe hat in der That ein merkwürdiges Schicksal gehabt. Im Jahre 1848 noch Oberst, wenn auch Brigadecommandeur, war er nach wenigen Jahren bereits Generallieutenant. Ueber seine militärischen Begabungen können wir uns ein Urtheil nicht erlauben, im Uebrigen ist sein Name hauptsächlich durch seine Bestrebungen im Preußenverein und dadurch bekannt geworden, daß er mit Emil Lindenberg zusammen den „Freimüthigen" redigirte. Stundenlang sah man den General in der Druckerei des „Fret- müthigen" sitzen, um die Artikel durchzusehen, die für das Blatt bestimmt waren. Die Folgen die er Artikel sind Tausende von Thränen gewesen, welche die Angehörigen der Leute vergossen haben, die durch dieses Blatt von Amt und Ehren, oder wbhl gar ins Elend gebracht worden sind. Der Name jenes Man nes wird stets mit einer der dunkelsten Perioden unserer vater ländischen Geschichte unauflöslich verbunden und es würde nichts als Heuchelei sein, wollten wir behaupten, daß wir mit dem Geschick dieses Mannes, der kurz vor seinem Tode auch von seinem Posten entfernt wurde, und der die Vermögensverhält nisse seiner Familie zerrüttet sehen mußte, schließlich in so tra gischer Weise endete, irgend ein Mitleid empfunden. Es geht eine Nemesis durch das Land. Alle die Leute, die, ohne daran zu denken, daß sie doch auch einst einmal Barmherzigkeit finden wollen, wenn sie vor Gottes Nichterstuhl stehen, aus bloßem Muthwillen oder wohl gar um selbstsüchtige Zwecke zu verfol gen, so viele wackere Manner ins Elend gebracht haben, schei nen jetzt einer nach dem andern die Strafe für solches Beginnen zu erhalten. Daß dem Einfluß des Verstorbenen ein Ziel ge setzt wurde, war die höchste Zeit. Er übte ihn auf alle Anstel lungen von Bedeutung, ja auf die Besetzung von Schulstellen aus, wie z. B. vor noch nicht langer Zett auf das Directoramt der reformirten höhern Bürgerschule. Natürlich wurde von ! einem so einflußreichen Manne nicht wenig gesprochen, manche ! Anstellungsbedürftige sollen ihm sogar unter Ablegung des Glau- ! bensbekenntntsses pater peccavi die Hand geküßt haben, selbst hochstehende Beamte verdankten ihm ihre Rehabilitirung. Sein ! Gegner bei dem Duell, Lieutenant Jachmann, war ein noch blutjunger Offizier, von dem man sonst wenig weiß. Bei dte- I ser tragischen Katastrophe hat er jedenfalls große Energie be wiesen; denn mit zerschmetterter Kinnlade noch fünf Schritte zu gehen und den Gegner sicher ins Herz zu treffen, ist nichts Kleines." Die Regierung in Oberbayern hat wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß in Fällen, wo Leute von tollen Hun den gebissen werden, nichts besser sei, als wenn man in die Biß wunde, bevor der Arzt erscheine, leichte Einschnitte mache, in dieselben feingepulverte spanische Fliegen eknstreue und darauf ein spanisches Fliegenpflaster lege. Man habe auch in der neuesten Zeit wieder Belege, daß man so vor der Tollwuth bewahrt bleibe. Im Senat der Universität Tübingen schwebt eine Streitfrage hinsichtlich der künftigen Stellung der katholischen Professoren, indem von einer Seite die bisherigen korporativen Verhältnisse der katholisch-theologischen Facultät als durch das Concordat völlig alterirt angesehen werden. DaS bitchöfltche Capttel scheint der etwaigen Separation der katholischen Professoren aus dem jetzigen Senatsvcrbande nicht gewogen zu sein.