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Erscheint jed« Wochentag früh » Uhr. Inserate wer de» bi» Nachmittag» z Uhr sür die nächst- ascheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger und Tageblatt. Preis vierteljährlich 1S Ngr. Inserate werde» bk grspaüene Zelle oder deren -haum mit 5 Sb berechn«. ' 203. Mittwoch, den S September. 1857. äst will »in D , weicht« gen hat. MBch - Brief,, 6 post« »end n, s bis auf eer mSzi Schmii- latz ai- »). mit gol< der Post hinter ttmessent BUmS schwarz- °n F«i- Sonntag d ersucht, ilohnurz Lingke und, mit urwöchtn pt. ? neert Opern- Z inrichj islocal. r eitel, z . iUicdrt' berriickti in srooo^ Xngieiä in Ürooi !N VäM" lug. I8sl- «tr, TaljkSijeschlchte. Freiberg. Im Monat August j. I. hat die hiesige Leih anstalt auf 484 Pfänder l160 Thlr. 15 Ngr. ausgeliehen und für 487 eingelöste Pfänder 1172 Thlr. 20 Ngr. zurück erhalten. AuS dem Plaucnschen Grunde berichtet daS „Dr. I." vom 3l. August: Vorgestern fand bereits die feierliche Hebung des Braucreigebäudes der im raschen Vorschreilen begriffenen Actienbierbrauerei im Plauenschen Grunde (Grassis Villa) statt. Nach einem vom Artilleriemusikchor vorgetragenen Choräle hielt ter Dirigent des Unternehmens, Herr Schmidt, die Festrede, in der er zunächst den Segen deö Himmels erflehte, hierauf aber Sr. Majestät dem Könige, den Behörden und allen Freun den der Sache kräftige Hochs ausbrachte, die von dem Donner explvLirendcr Pulverminen als Ehrensalve begleitet wurden. AlS darauf der Choral „Nun danket alle Gott" verklungen war, bewegte sich der Zug nach dem Reißewitz'schen Garten, allwo der Hebeschmaus abgchaltcn wurde. Dem,,Dr. I." wird aus Berlin vom 30. Aug. geschrieben: Mit besonders regem und ziemlich allgemeinem Interesse sieht man Ler am 7. k. M. beginnenden Versammlung evangelischer Christen aus allen Ländern entgegen. Die zur Zeit der Con- ferenz von verschiedenen ihrer hervorragendsten Mitglieder in hiesigen Kirchen zu haltenden Abendpredigten werden im Ver lage einer hiesigen Buchhandlung im Druck erscheinen. Beson ders lebhaft scheint sich England an dem Unternehmen zu be- theiligen, da mehrere hochkirchliche Bischöfe und englische Lords von bedeutendem Namen ihr Erscheinen bereits gemeldet haben. Auch der Bischof von Jerusalem, vr. Goabat, hat in einem kürzlich hierher gesandten Briefe seine Anwesenheit zugesagt. Magdeburg. Zwischen dem hiesigen Oberbürgermeister, Hrn. Hasselbach, und dem königlichen Proviantamt ist über den Ausbruch des Brandes ein Streit ausgebrvchcn, indem Ersterer öffentlich aussprach, daß das Feuer im königlichen Fourage- magazin zuerst ausgcbrochen sei, während das Proviantamt Lie Entstehung des Feuers in die Wittenbergesche Eisenbahnbrücke verlegt. Beide Theile fordern Augenzeugen zur Ablegung von Aussagen auf. Das Direktorium der Magdcburg-Wittcnbcrge- schen Eisenbahngesellschaft hat sich in dieser Controverse auf die Seite Les Bürgermeisters gestellt. Auch das Direktorium be hauptet unter Berufung auf zahlreiche Zeugenaussagen, daß der Brand in einem den Bahnhofsgebäuden benachbarten königlichen Magazingcbäude ausgebrochen sei. Dasselbe bestätigt übrigens, Laß die Brücke bei der Aachen-Münchener Feuerversicherungsge- sellschast mit 45,000 Thlrn. versichert gewesen ist, und weist im Uebrigen nach, daß der in erfreulicher Zunahme begriffene Ver kehr Ler Bahn durch die erlittene Beschädigung nicht unterbrochen ist und daß Einnahmeausfälle nicht zu besorgen stehen. In einer Mittheilung der Preußischen Correspondenz aus Frankfurt a. d. Q. über den Verlauf der Messe heißt es unter Andern«. „Die verflossene Margarethenmesse muß als vorzüglich bezeichnet werden. Obgleich mehr als 100,000 Ctr. Waaren zum Verkauf gestellt waren, so hat doch der größte Theil einen schnellen und lohnenden Absatz gefunden. Die Tuch- geschaste waren so erheblich, wie sie cs seit mehren Jahren nicht gewesen sind; die vorhandenen Bestände konnten den Bedarf nicht decken. Berliner Calicots, rheinische und westphältsche bedruckte und unbedruckte Nessel, schlesische Zeuge re. wurden vorzüglich schnell verkauft. Die Vorräthe entsprachen dem Be gehr in keiner Beziehung und die Fabriken wurden dergestalt mit Bestellungen überhäuft, daß sogar die letzter» theilweise zu- rückgewlesen werden mußten. Zu diesem günstigen Resultat scheint der neue russische Zolltarif wesentlich beigctragen zu ha ben, indem die Wahrnehmung gemacht wurde, daß namentlich russische Kaufleute bedeutende Einkäufe realisirt haben. Die vvlhandcnen Bestände an Leder jeder Art wurden schnell und zu höher» Preisen abgesetzt, als früher je gezahlt worden sind." Hessen. Die Kaiserin von Rußland genießt ihr schöne» deutsches Vaterland gründlich. Von Kissingen und Brückenau ist sie nach Darmstadt, ihrer Vaterstadt, zurückgekehrt und wird von da aus einen mehrwöchentlichen Aufenthalt auf dem reizend gelegenen Landsitze Heiligenberg bei Jugenheim an der Berg straße nehmen. Aus Paris wird der „D. A. Z." vom 27. August ge schrieben: Gestern Nachmittag um 3 Uhr erschien der Kaiser plötzlich im Ausstellungspalast in den Champs ElyfleS, betrat jedoch nur Len Ehrensaal, wo Nyons „Einnahme des Malakow" ausgestellt ist. Nachdem sich der Kaiser mit diesem Gemälde zehn Minuten beschäftigt, verließ er den Palast wieder, ohne ein anderes Bild in Augenschein genommen zu haben. Der Kaiser fuhr in einer einfachen Kalesche ohne Eskorte. Derselben folgte nur ciu zweiter Wagen mit dem bekannten Polizeicom- missar Hirevoil und einigen andern Agenten. In den Champ» Elvsses augekommen, fuhr plötzlich ein dritter offener Wagen hinter dem kaiserlichen her. In demselben befanden sich drei junge Männer, die wie Italiener aussahen. Der Kutscher deö Hrn. Hirevoil warf einen Blick in den Wagen und erblickte eine Pistole. In einem Augenblicke war der verdächtige Wagen umringt, aber bald stellte es sich heraus, daß es nicht Italiener, sondern Brasilier waren. Dieselben hatten bei dem Waffen- fabrikanten Lepage einen sechsläufigen Revolver gekauft und fuhren nach einem Schießplätze, um die Pistole zu probiren. Man unterwarf die Aussagen der jungen Leute, die sehr reichen und angesehenen Familien angehören, einer länger« Prüfung. Sie hatten aber nur die Wahrheit gesagt, und die Polizei gab sie unter Entschuldigungen wieder frei. — Der frühere Hospodar der Moldau, Fürst Gregor Ghika, hat sich am 26. Aug. Abends auf seinem Schlosse in der Umgegend von Melun, das er vor Kurzem erst angetauft hatte, mit einer Jagdflinte erschossen. Ueber Lie Ursache dieses Selbstmordes verlautet noch nichts Bestimmtes, obwohl es, wie immer bei solchen Veranlassungen, nicht an abenteuerlichen Gerüchten fehlt. Fürst Gregor Ghika wurde am 16. Juni 1849 zum Hospodar der Moldau ernannt. In Liverpool haben die Geschwornen ein Beispiel gegen die Barbarei auf der See gegeben. Der Capltän esnrS Kauffahrers mit seinen zwei Gehülfen hatte einen armen See mann auf schreckliche Weise todt gefoltert und dann wie «in Aas ins Meer geschleudert. Die drei Ungeheuer hatten den Unglücklichen, der ein ordentlicher Mensch, aber halb blödsinnig war, abwechselnd mit Stricken gegeißelt, ihm eine eiserne Stange in den Mund gezwängt, seinen eigenen Koth in den Mund ge stopft, unter dem Vorwand, er sei unreinlich, ihn halbe Nächte lang in ein mit Wasser gefülltes Faß gesteckt und über daS Verdeck gerollt. Eine Zugabe dieser Marter war: während die drei Henker ihn schlugen, wurde der große Schiffshund auf ihn gehetzt und riß ihm Stücke Fleisch aus Lenden und Armen. Als er starb, war er mit eiternden Wunden bedeckt, in denen sich Maden mästeten. — Das ist die Erzählung der Schiffs mannschaft, auf deren Aussage hin die Schuldigen verhaftet und dem Tod — so lautet der Wahrspruch — überantwortet wurden. Aus Turin wird gemeldet: „Die amtliche Gazetta Pie montese veröffentlicht das auf die Durchstechung des Mont-CeniS zwischen Bardonneche und Mondaue bezügliche Gesetz. Die Arbeiten sollen am 30. August in Gegenwart des Königs Vietor Emanuel in Angriff genommen werden. Auch der Prinz Na poleon wird hierbei gegenwärtig sein. Der König wird zu Mondäne die Mine anzünden, deren Explosion eins der riesen haftesten Werke beginnen soll, die je ausgeführt worden. ÄXe Durchstechung des Mont-Cenis bleibt unbestritten die großartigste Unternehmung unserer Zeit. Einer der drei Ingenieure, welche die Durchbohrungsmaschine erfunden, nämlich Hr. Sommeilier, hat sich nach Belgien begeben, um die Vollendung der Maschine zu überwachen, die dort gefertigt wird. Alle Geologen sind auf de» Erfolg des Durchstichs gespannt, um zu erfahren, auSwel-