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Prei« deren Raum mit 5 Pf. Tageblatt. ,^II' Und Freitag, den 26. April. 96. Erscheint jedm Wochentag früh 9 Uhr. Inserate wer» dm bi« Nachmittag» 3 Ubr für die nächst- erscheinende Nummer angenommen. 71Ä berechnet. .'N Amtsblatt des König!. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie der König!. Gerichtsämter der Stadträthe zu Freiberg, Sayda und Brand. 1861. Freiberger Anzeiger und " ».spaltme Seil, -der Tage8^eschlchte. Freiberg, 20. April. „Kaufmann werden" heißt jetzt nicht mehr sich einige.Jahre als Lehrling hinter den Ladentisch stellen, um durch eine mechanische Handthierung mit Geld und Waaren diejenige Routine sich zu erwerben, die früher allein für das Ge schäft und dem kaufenden Publikum gegenüber erforderlich und ausreichend zu sein schien; wenn anders die erfrorncn Hande cs erlaubten, ward kaufmännisches Rechnen und ein wenig geschäftliches Bricfschreiben cingeübt, und ging es ja hoch her, ward ein leichter Anlauf auf die 'französische Sprache genommen. Wer nicht von Talent oder äüßeren glücklichen Zufälligkeiten begünstigt ward, sah ^jne ganze Erziehung, seine wissenschaftlichen Kenntnisse auf ein sehr geringes Maß das ganze Leben hindurch beschränkt. Das ist iHt kaum einem Menschenalter gar viel anders geworden; auch an das kaufmännische Leben und Wesen ist ein Kreis von Wissen schaften mit wohl berechtigten Forderungen herangetreten. Sprach Mn ja vor ohngefähr 10 Jahren in wissenschaftlichen Blättern lebhaft von der Gründung einer deutschen Handelsuniversität; H-mburg war für eine solche Anstalt ansersehen. Und wir glauben niept, daß ein derartiger Plan als ein für immer zu Boden ge fallener angesehen werden darf, sobald, was zu Erwarten steht, der Handel sich immer mebr zu einem großartigen Welthandelsystem entwickelt. Die Handelsschulen werden dann in dasselbe Berhältniß zur Hanbelsunivcrsität trelen, wie unsere verschiedenen Gelehrten- schülcn zu den jetzigen Universitäten. Doch richten wir jetzt unseren Blick nicht auf eine wahrscheinliche Zukunft, sondern auf die un mittelbare Gegenwart, wie sic sich besonders in unserer Stadl ge staltet hat. Es verdient die vollste Anerkennung — die Lokalpresse darf darüber nicht schweigen — daß die hiesige Kanfmannschast in richtiger Würdigung der Verhältnisse und der Bedeutung ihres Standes eine Handelsschule unbeirrt durch materielle Schwierig keiten und verknvcherungsfrcnndliche Vornrtheile 1830 ins Leben rief. „Aller Anfang ist schwer" mußten die Begründer der Anstalt sich sagen, aber anch der Wahrheit des Satzes sich nicht verschließen, „dem Muthigen wird der Preis." Und so ist's in der That auch gekommen Mit wöchentlich 18 Stunden ward am 6. Januar des genannten Jahres die Handelsschule eröffnet, doch konnte diese Stundenzahl zu Ostern schon aus 20 erhöht werden, so daß am Schluffe des ersten Jahres 906 Lehrstunden ertheilt worden waren: 122 in der Arilhmetik (1 Klaffe); 196 in Comptoir- und Handels wissenschaften (2 Klassen); 1-17 in Geographie und Handelsgcschichte (3 Klassen); 147 im Deutschen (2 Klassen); 196 im Französischen H3 Klaffen) und 98 im englischen (2 Klaffen); dagegen wurden in denselben Unterrichtsklaffen, einschließlich des in 3 Klaffen ertheilten stenographischen Unterrichts, im Jahre 1860 nicht weniger als 1684 Lehrstunden gehalten oder wöchentlich L6. Die Handelsschule ist von 1850 bis Ende 1860 von 317 Schülern besucht worden, während 254 entlassen wurden, so daß der gegenwärtige Cötuö aus 63 "Schülern besteht: eine höchst erfreuliche Erscheinung. 637.Schülcr erhielten, ob ihres Fleißes und sonstiger Tüchtigkeit, Prämien, n durchschnittlich 2 Thlr. an Werth. Zur Unterhaltung der Handelsschule hat die hiesige Kaufmannschaft von 1850 bis 1860 nahe an 12000 Thlr. beigetragen, wovon aus die Bibliothek etwas mehr als 434 Thlr. verwendet worben sind. Die Verwaltung und Direktion hat nicht die geringste Remuneration in Anspruch genommen. ' Das jährliche Schulgeld beträgt einschließlich des Lichtgeldes durchschnittlich 1060 Thlr.; anfänglich bezahlte jeder Handelsschüler jährlich 16 Thlr., jetzt 24 Thlr. Schulgeld. Wenn auf dem Schulplanc der Handclsanstalt keine Kalligraphie erscheint, so hat dies seine praktischen Gründe; doch ist für das in einzelnen Fällen hervortretende Bedürsniß durch Vorlcgeblätter, welche der Anstalt gehören und die auch recht fleißig benutzt werden, , - . -s 7- "' Il7> hinlänglich gesorgt. Ob die Physik auf einen kaufmännischeir Schulplan gehört, mag zweifelhaft erscheinen; doch wird in einigen Unterrichtsstunden dieser Wissenschaft, die in dem Vordergründe der Zeit steht, einige Aufmerksamkeit zngewendet. Wir schließen diesen kurzen Abriß der Geschichte der Freiberger Handelsschule mit dem aufrichtigen Wunsche, baß ihr in immer steigendem Grade die Be^ achtung und Pflege zu Theil werden möge, die sie in der That verdient, und daß das Heranwachsende Kanfmannsgeschiecht nimmer vergessen wolle, eS sei in unseren Tagen das Wissen eine Macht geworden; für Unwissende oder bloße Empiriker giebt es anch im kaufmännischen Kreise keinen Platz mehr. — Im Dresdner Journal war vor einigen Tagen ein „Ma nifest zur Rcvolntionirung Deutschlands" abgedruckt. Der Nä- tionalvcrcin wird darin aufgcfordert, 500,000 Mann zu uniformiren und zu bewaffnen, nm alle deutsche Fürsten wegzujagen, und dergl. Dinge mehr. Das Manifest soll aus Bern gekommen sein, wo neulich der große Bär den Engländer umgcbracht hat, — und es klingt so eigenthümlich, als ob uns Deutschen damit ein „Bär" aufgebundcn werden sollte. Dresden. Die Brodpreise haben in der laufenden Woche, mit denen der vergangenen verglichen, insofern eine Aenderung erfahren, als der höchste Preis der ersten, feinsten Sorte wieder um einen halben Pfennig thenrcr pro Pfund angezeigt worden ist. Es wurden nämlich angemeldct: 1) für feines Roggenbrod der höchste Preis 14>/z Pf. pro Pfund (V2 Pf- thcurer) von 2 Bäckern, der niedrigste 10 Pf. von 3 Bäckern, 2) für hausbackenes Roggenbrod der höchste HV2 Pf. von 2 Bäcker», der niedrigste 9 Pf. von 3 Bäckern; 3) für Schwarzbrod der höchste 10'/, Pf. von 2 Bäckern, der nied rigste 7 Pf. von 3 Bäckern. . Bei dem Bürgermeisterbanket in Graz hielt der katholische Professor der Theologie, Dr. Wagl, einen mit Jubel aufgenom menen Trinkspruch, in dem sich folgende Stelle befand: ' „ES leben die Juden'. Ich glaube allerdings, daß Niemand chvaS Begründetes dagegen einwenden kann, denn die erste» Ver kündiger der christlichen Humanität, welche die Welt umgebildet, waren Juden, und Diejenige, die wir mit so vielem Rechte unsern Frauen und Jungfrauen als Muster der Nachahmung verstellen, war eine jüdische Jungfrau. Doch das gehört weniger hierher. Ich meinte mit meinem Rufe insbesondere zwei sehr schätzcnswcrthe Eigenschaften, die diesem Volke eigen sind: erstens das tiefgewur- zclte Bewußtsein der Zusammengehörigkeit und daun den felsenfesten Glauben an eine glückliche Zukunft, welchen bis zur Stunde kein Unglück und keine Schande in ihnen zu ersticken im Stande waren." , Venedig, 17. April. (O.P.) Der Kriegslärm ist, für-einige Zeit wenigstens, vorüber, nachdem man sich überzeugt hat, daß die Truppenbewegungen, die in den ersten Tagen dieses Monats statt- fandcn, wirklich keinen andern Zweck hatten, als die Regimenter, welche den Winter hindurch den beschwerlichen Dienst am Mincio und Po geleistet haben, abzulöscn und durch neue, die bisher in den Städten lagen, zu ersetzen, überhaupt Acnderungen 1» der vräro ck« bat-Me vorzunehmen. , Paris, 2l. April. kFr.M ) In amtlichen Kreisen trägt man sich mit dem Gerücht, daß sich Ha-ti an schließen wünsche, und daß dem Befehlshaber der f^ Kricgsdivision in den Antillen berests Er^ gemacht worden seien. Bedingungen d-eses Anschlußes würben enr eine besondere Volksvertretung und eine besondere Verwaltung. San Domingo soll bereits für den Anschluß an haben. — Löte man versichert, wird d e Abschaffung der Paffe zwischen Frankreich und Belgien unmittelbar nach der Unterzeich nung und Raristcirung des französisch-belgischen Handelsvertrags flattfinden. v