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el», riek jen Beweise da dem so smha , unveMcha n innioM M >8«. versekisä ucd gute IVjilch red VervMia illt aarsizt Lled^ lugust Mi. ätag I UkrM ,» . Erscheint jeden Wochentag Abend»'/,? Uhr für den »n I andern Tag. Preis vierteljährlich 2 Mark 25 Ps., t/I» K.W* zweimonatlich 1 M. 50 Pf. und einmonatltch 75 Pf. 38. Jahrgang. < Freitag, de« 28. August. und Tageblatt. Amtsblatt für die königlichen nnd städtischen Behörden zn Freiberg nnd Brand. Verantwortlicher Redakteur: Iuliu» Brann in Freiberg. Inserate werden bis Vormittag 11 Uhr angenom- Ust FH k men und beträgt der Preis für die gespaltene Zeile st FHFHjH oder derm Raum 15 Pf. eater. just 1885, roßes »aMie Pz. Stadtthvtt! inigl. HossW' . Hofschmlpiilv- Vasser. von Stritt- >errn Absicht erfolgt, die Repolonisirung einzelner Landestheile I zu hindern. Wäre es wirklich nur eine Masse erwerbloser Individuen zweifelhaften Charakters, so würden die russischen Regierungs beamten die erwähnten Maßregeln, welche dann Rußland mit neuen Lasten bedrohen, nicht beschönigen. Trotz der Vertheidigung der Ausweisungen aus Preußen beginnt man aber von Petersburg aus Anordnungen zu ertheilen, auch die deutschen Staatsangehörigen aus Rußland auszuweisen. In Posen sollen bereits mehr als Hundert Deutsche an- gckommcn sein, welche die russische Regierung aus Warschau und anderen Orten ausgewiesen hat, um Repressalien für die Ausweisung von russischen Polen aus Preußen zu üben. Es liegt allerdings bisher keine Erklärung vor, daß die russische Regierung die Maßregel der preußischen als dazu angethan betrachtet, Gegenmaßregeln ihrerseits zu veranlassen. In der That ist sie dies — wie immer man sie auch sonst beurtheilen mag — keineswegs. Die Ausweisungen aus Preußen erfolgen, weil man der Polo- nisirung preußischer Gebietstheile entgegenwirken will. Bon einer Germanisirung, welche durch Deutsche erfolgte, die im Auslande Erwerb suchen, hat man noch niemals und nirgends etwas bemerkt; im Gegentheil, Deutsche geben dabei nur allzu leicht ihre Nationalität auf und die russische Regierung versteht sich besonders in den Ostseeprovinzen wunderbar darauf, diesen Prozeß zu beschleunigen. Die Absetzung der beiden Bürgermeister von Riga und Reval, welche sich konsequent der deutschen Sprache als Amts sprache bedienten, hat erst in den letzten Tagen gezeigt, daß es nicht Deutschfreundlichkeit ist, wenn sich die russische Regierung hütet, die besseren deutschen Kulturelemente aus dem Zarenreiche hinauszutreiben. Die Letzteren werden nur mit allen möglichen Mitteln gezwungen, sich in Russen umzuwandeln und deutsche Sprache und Sitte abzulegen. Ganz ähnlich ergeht es den Deutschen in Ungarn, wo man dieselben Wohl oder übel magyarisirt, aber nicht daran denkt, die nützlichen, fast unentbehrlichen Ansiedler aus dem Lande zu schaffen. Uebrigens beschränkt sich die preußische Ausweisungsmaßregel keineswegs nur auf russische Unter- thanen und scheint sich dieselbe ebenso gegen die Ansiedelung von Ausländern in Preußen wie gegen den Handelsverkehr mit dem Auslande zu richten. Das Letztere geht aus folgendem Schreiben hervor, welches der „National-Ztg." aus Thorn zugina: „Alljährlich kommen Hunderte von Flössem und Schiffern mit dem Holze nach Thorn und gleichzeitig stellt sich eine beträchtliche Anzahl von Holz händlern, Holzbesitzern und Holzkommissionären ein. Jene (die sog. Flissaken) passiren gewöhnlich blos die Stadt bis auf eine kleine Anzahl, die zur Behütung und Entladung des am Orte ausgestellten und verkauften Holzes den Sommer hindurch zurückbleibt; die ausländischen Kauf leute verweilen zur Abwickelung der Geschäfte zumeist mehrere Monate in der Stadt. Gestern ist nun eine An zahl Flissaken und Kaufleute, die durchweg mit ord nungsmäßigen österreichischen Pässen ver sehen waren, vor die hiesige Polizeibehörde geladen worden und hat die Aufforderung erhalten, spätestens bis zum 1. Oktober er. das Staatsgebiet zu verlassen. Es wurde ihnen auch eröffnet, „daß sie im nächsten Jahre gar nicht über die Landesgrenze gelassen werden würden". Letztere Eröffnung klingt so unglaublich, daß man sie wohl der Laune des verkündenden Polizeibeamten zuzuschreiben hat. Daß aber derartige Ausweisungen die Holzhändler von Preußen abzuwenden geeignet sind, bedarf keiner Er örterung." Das Recht der preußischen Regierung, den Angehörigen fremder Staaten den Aufenthalt in ihrem Lande zu ver bieten, ist zwar unbestreitbar, dennoch sollte aus Gründen der Nützlichkeit und Billigkeit dieses Recht nur dort zur Anwendung gelangen, wo es sich um Fremde handelt, welche die Gastfreundschaft mißbrauchen oder begründete Besorgniß erwecken, daß sie der öffentlichen Ordnung ge fährlich werden könnten. Der Nationalitätsgedanke läßt sich nicht bis zur äußersten Konsequenz zur Anwendung bringen und gerade dieser Versuch ist der Politik Napoleons des Dritten verderblich geworden. Etwas Anderes ist es, ob das massenhafte Hereinziehen polnischer, czechischer und italienischer Arbeitskräfte nach den theilweise bereits mit Arbeitsuchenden übervölkerten deutschen Gebieten beschränkt oder ob man die bereits bei uns heimisch gewordenen Ausländer wieder schonungslos aus dem Lande jagen soll. Es läßt sich gar nicht verhehlen, daß gerade die breitesten Bevölkerungsschichten die unablässige Einwanderung czechi- scher, polnischer und italienischer Arbeiter mit großem Mlß- muth betrachten und dem preußischen Verfahren Beifall zollen. Anders denken die Grundbesitzer in den preußischen Grenzprovinzen, welche den Verlust der billigeren auslän dischen landwirthschaftlichen Arbeiter schwer empfinden, ferner die Großindustriellen und Ingenieure, welche die italienische Geschicklichkeit bei umfänglichen Steinarbeiten und dergleichen mehr sehr hoch veranschlagen. Weit wich tiger aber noch ist das Humanitätsprinzip, das über alle politischen Zwistigkeiten hinaus eine brüderliche Gesinnung unter allen Menschen der verschiedensten Nationen anstrebt. Wozu sind mit ungeheuren Kosten und mit Aufwendung aller Verstandcskrüfte die Mittel des Weltverkehrs unab lässig vermehrt worden, wenn wir den Austausch der Arbeitskräfte und der industriellen und Bodenerzeugnisse zwischen den verschiedenen Völkern für ein Unglück halten und gewaltsam zu verhindern streben? Die Kultur hat bisher bei solchem Austausch nur gewonnen. Was das deutsche Volk den Romanen und den Slaven dankt und was es diesen fast überreich vergolten, das steht mit un vergänglichen Lettern in den Tafeln der Geschichte. Ein großes Volk, das sich nach außen abschließt wie der chine sische Staat, schreitet nicht vorwärts, getrieben durch den Wettkampf der Leistungen, sondern geht zurück. Der preußische Staat, der einst die durch die Aufhebung des Edikts von Nantes vertriebenen Protestanten aufnahm und damit den Grund zu seiner industriellen Entwickelung legte, sollte die Duldsamkeit, die ihm so herrliche Frucht trug, auch weiter üben. Das germanische Kulturelement ist doch wohl kräftig genug, um von einigen Tausenden von fremden Ansiedlern keinen Schaden zu leiden, zumal wenn jede wirkliche Ausschreitung oder Ueberhebung aus ländischer Elemente strenge gesetzliche Ahndung nach sich zieht und wenn die deutsche Regierung ihren mächtigen Einfluß geltend macht, auch für das deutsche Element im Auslande eine rücksichtsvollere Behandlung zu erlangen, als demselben jetzt zu Theil wird. Tagesschau. Freiberg, den 27. August. Die von der deutschen Reichsregierung angeregte Unter suchung über die Beschäftigung der gewerblichen Arbeiter an Sonn- und Festtagen wird mit der Ausfüllung der Frage bogen durch die Arbeitgeber und Arbeiter keineswegs ihre voll ständige Erledigung finden, vielmehr sollen auch noch münd liche Erklärungen der betreffenden Gewerbtreibenden verlangt werden. Die preußischen Behörden wurden bereits veranlaßt, im amtlichen Wege Versammlungen von Arbeitgebern und Ar beitern anzuberaumen, in welchen unter Leitung eines Regie rungs-Kommissars darüber Erörterungen zu pflegen sind: 1) in welchen Industrie- und Erwerbszweigen bezw. in welchem Umfange in den einzelnen eine Beschäftigung der Arbeiter an Sonn- und Festtagen stattfindet, 2) welche Gründe die Sonn tagsarbeit veranlassen, 3) welche Folgen ein Verbot derselben für die Arbeitgeber und Arbeiter haben würde und 4) ob ein solches durchführbar ist. — Die preußischen Regierungspräsi denten sind beauftragt worden, mit Hilfe ihrer amtlichen Or gane die Arbeitgeber und Arbeiter zur möglichst regen Theil- nahme an diesen Versammlungen herbeizuziehen, welche etwa Mitte September stattfinden werden. Unser Kaiser ertheilte gestern Vormittag auf Schloß Babelsberg dem General der Kavallerie und Generaladjutant Graf von Brandenburg eine längere Audienz. Der Graf hatte im Auftrage Seiner Majestät bekanntlich den Kaiser Alexander von Rußland auf dessen Reise nach Kremsier an der Landesgrenzc begrüßt. Nachmittags wohnte der deutsche Kaiser im Katharinenholze bei Potsdam dem Adlerschießen des Offizierkorps des ersten preußischen Garde-Regiments zu Fuß bei. — Ueber die Statuten der von dem deutschen Reichskanzler eingerichteten „Schönhauser Stiftung" ver breiten sich sehr ungünstige Urtheile. Bezeichnend ist folgende Aeußerung der „Nationalliberalen Korrespondenz" : Man hat es seiner Zeit an Vorschlägen, wie die aus der Bismarckspende restirende Summe zu verwenden sei, nicht fehlen lassen, das Projekt aber, welches jetzt seine Ausführung gefunden hat, haben wir von Anfang an für das am wenigsten glückliche gehalten. Fürst Bismarck hat es seiner eigenen bisherigen Thätigkeit auf sozialpolitischem Gebiete zu danken, daß man bei der von ihm zu gründenden Stiftung in erster Linie an das schwere Loos der Arbeiter und dessen Erleichterung dachte. Mitbestimmend wirkt hierbei die Art und Weise, wie die Gel der für die Bismarckspende aufgebracht worden waren. Ge rade in den unbemittelten Klassen hatte man in der festen Zuversicht gesteuert, daß das Resultat der Sammlung Nachbestellungen ws den Monat September „nden zum Preise von 75 Pfennigen von allen kaiserlichen Postanstalten sowie von den be- kanuten Ausgabestellen nnd der unterzeichneten Expedition angenommen. Expedition des Freiberger Anzeiger. Die Ausweisungen aus Preußers. Der preußische Staat, der seinerzeit durch die den Flüchtlingen aus Frankreich, Holland und Salzburg groß- müthig gewährte Zuflucht Kultur-Elemente gewann', die ganz wesentlich zu seiner industriellen Entwickelung beitrugen, hc>t sich jetzt, wo er auf der Höhe derselben steht, zur Wssenhaften Ausweisung fremder Staatsangehöriger ent schlossen. Es ist das um so seltsamer, als man erst kurz noch dem deutsch-französischen Kriege die Erfahrung machte, das die aus Frankreich ausgewiesenen Deutschen, nach der Heiviath zurückgedrängt, dieser dazu verhalfen, der französi- jchm Industrie eine weit wirksamere Konkurrenz als vorher zu machen. Man könnte es dem preußischen Staate nicht verübeln, wenn er sich ebenso wie der nordamerikanische Freistaat der Zuschiebung von Almosenempfängern oder Verbrechern erwehrte, aber die aus Preußen Ausgewiesenen sind keineswegs nur fahrendes Volk, von dem angenommen werden kann, daß es der öffentlichen Sicherheit gefährlich werden oder der öffentlichen Armenpflege zur Last fallen möchte. Vielmehr sind Leute aus Schlesien und Posen ausgewiesen worden, die lange Jahre dort ortsansässig waren und sich bei den Behörden und bei ihren Mitbürgern des vollsten Vertrauens erfreuten. Wie die in jenen preußischen Provinzen erscheinenden unabhängigen Blätter versichern, enthalten die massenhaft ergangenen Ausweisungs befehle keine Angabe von Gründen, so oaß die dadurch in den meisten Fällen überaus hart Betroffenen keine Ahnung haben, wovon sich die preußische Regierung bei den Ver- sügungcn leiten läßt, die so tief in das Schicksal zahlreicher Familien einschneiden. Auf solche Weise brechen nicht nur zahlreiche Unternehmungen, die im Vertrauen auf die seit- herige gastliche staatliche Gepflogenheit gegründet worden lind, urplötzlich zusammen, sondern es wird auch bei allen Nichtstaatsangehörigen ein Gefühl der Unsicherheit wach- Mfen, das oft noch schlimmer wirkt als die thatsächlich »folgte Ausweisung. Zm Allgemeinen wird angenommen, daß mit den Aus- iveisungen ein doppelter Zweck verfolgt wird, nämlich den Preußisch-russischen Auslieferungsvertrag auf diese Weise «"glichst wirksam zur Ausführung zu bringen und dann der Wiederansiedelung der Polen in den von denselben früher bewohnten altpreußischen, posenschen und schlesischen Distrikten einen Damm zu setzen. Die letztere Absicht hat der Preußische Minister des Innern, von Puttkamer, seiner zeit aus die Interpellation von Abgeordneten aus den Ost- mrkn im preußischen Abgeordnetenhause mit voller Offen heit bekannt, und gegen diese Tendenz erhob sich auch kein Widerspruch. In den meisten russischen Kreisen hält Mn aber den ersteren Beweggrund als den maßgebenden und sieht der Entwickelung der Dinge mit bewunderns- Mrthem Gleichmuth entgegen. Die von einem Korrespon denten des russischen Blattes „Nowoje Wremja" entworfene Schilderung der Ausweisungen, wonach dieselben keinen Wern Zweck verfolgen sollen, als das Gesindel fremder Staaten fernzuhalten, entspricht den Thatsachen keineswegs, M die von den Blättern der Grenzprovinzen namentlich dusgesührten Fälle von Ausweisungen unbescholtener, er- Merbstüchtiger und theilweise sogar ansässiger Personen deutlich beweisen. Die Berliner „National-Ztg." entschul- Mt den russischen Gewährsmann Molschanvw damit, daß derselbe bei seiner Nachforschung nach den Ausweisungen M Opfer eines großen Mißverständnisses geworden sei. E Preußische Beamte, an den sich derselbe um Auskunft wEle, habe geglaubt, die Frage bezöge sich auf den tufslsch-preußischen Auslieferungsvertrag vom Jahre 1872, dn allerdings die Vagabunden und erwerbslosen Personen ^tiaf. Die Aeußerung des russischen Botschafts-Attachös ,EO"Budberg, die Mehrzahl der Ausgewiesenen sei jüdi- Mn Glaubens, bezeichnet das Berliner Blatt ebenfalls als unrichtig da unter den zwanzigtauseno bisher ausgewiese- sich höchstens fünftausend Juden befanden. Ausweisungs-Maßregeln seien ausschließlich in der eilage. IS,- : 4-