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Erscheint jeden Wochentag früh S Uhr. Inserate wer« den bi» Nachmittag» L Uhr sür die nächst« «scheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger ----- und «kstMme Zeile,»h« . . l dem, «a«r mit vs^ Tageblatt. 185 Montag, den 2«. Juli. 1857. Tagks^eschichle. Freiberg. Oeffentliche Gerichtsverhandlung d. 2t. Juli Vormittags 11 Uhr. Hauptverhandlung in Untersuchungssachcn Wider Christiane Friederike Richter aus Halsbrücke, wegen Diebstahls. j- Dresden. Im Ausschüsse des landwirthschaftlichen Kreisvereines zu Dresden wurde unter andern auch Berathung gepflogen über die Bullenhaltung im Allgemeinen und über Verbesserung des bisher sehr mangelhaften Haltens von Ge meindebullen. Es wurde hierauf nach erfolgtem Vortrage des Referenten Herrn Hauswald und des Coreferenten Herrn Stecher folgende Maßregeln für die Zukunft beschlossen: 1) Es soll, um die Bullenhaltung im Allgemeinen zu befördern und ins besondere die sehr mangelhafte Haltung von Gemeindebullen zu verbessern und bezüglich zu ersetzen, in allen Gemeinden, in welchen Mangel an geeigneten Zuchtbullen vorhanden ist, mit einzelnen intelligenten Landwirthen daselbst in Unterhandlung getreten und diese zur Haltung von tüchtigen Bullen zum all gemeinen Gebrauch aufgefordert werden. 2) Ferner sollen die Lokalvereine veranlaßt werden, diejenigen Gemeinden, in welchen sich ein derartiger Mangel herausstellt, dem Kreisverein nam haft zu machen und ebenfalls die Landwirthe zu bezeichnen, welche geeignet sind, diesem Mangel durch Haltung guter Bullen abzuhelfen. 3) Ein vom Kreis Vereine zu wählender Sachverstän diger soll diese Verhältnisse seiner Beurtheilung unterwerfen, die Bullen prüfen, die Haltung derselben überwachen und hier bei darauf sehen, daß nur solche Bullen angeschafft werden, welche der Holländer oder Allgauer Race oder mindesteuS einer guten Kreuzung angehören, aus anerkannt vorzüglichen Ställen entnommen, von erblichen Krankheiten frei, durch regelrechte Gestalt und Zeugungsfähigkeit zur Zucht besonders geeignet, mindestens zwei Jahre alt und angemessen gefüttert und ge halten sind. Aus Dresden berichtet das „D. I." vom 16. Juli über die Wiederherstellung des in Pillnitz erkrankten Königs von Preußen: „Der König ist von dem Unwohlsein, welches ihn befallen hatte, vollständig wieder hergestellt und wird sich, wie wir erfahren, wahrscheinlich morgen Mittag nebst der Königin von Preußen nach Berlin zurückbegeben. Der kön. preußische Ministerpräsident Frhr. v. Manteuffel ist in vergangener Nacht um 1 Uhr hier eingetroffen, hat beim kön. preußischen Gesandten Grafen v. Redern übernachtet und sich heute Morgen in des Letzter» Begleitung nach dem königlichen Hoflager zu dem Kö nig von Preußen begeben." f Plauen. Von welcher Bedeumng die Auswahl und der Wechsel des Saamenö auf den Ernteertrag werden kann, sieht man aus den Resultaten, welche der Herr Graf zur Lippe auf dem Rittergute JrferSgrün erzielt hat. Derselbe erntete vom Acker ProbstehKorn !5 Scheffel 14 Mtz., vom böhmischen Waldkorn auf derselben Fläche 11 Scheffel 1 Mtz., vom russi schen Korn 8 Schffl. 13. Mtz. Im vorliegenden Falle gab das Probstei-Korn über das russische Korn einen höher» Rein ertrag von 7 Schffl. und 1 Mtz., über das böhmische Waldkorn von 4 Scheffel. 13 Metzen. Wie der Hilfsverein in dem durch Feuer schwer heimgesuchten Auerbach weiter bekannt macht, hat das Brandunglück tiefere Wunden geschlagen, als sich in den ersten Augenblicken «ach Len Schreckensstunden erkennen ließ. Die größte Anzahl der Abge brannten gehört dem Handwerkerstände an. Es sind 75 Jnnungs- meister, in der größten Zahl Weber, betroffen worden. Letztere müssen sich mit ihren Familien fast lediglich durch ihren täg lichen mühsamen Erwerb ernähren. Es sind selbst viele Web- fiühle mit verbrannt und überhaupt 459 Personen ihres Obdachs beraubt. Von der Pulsnitz schreibt man der „C. Z." vom 14. Juli: Seit einigen Tagen, gegen andere Jahre um 12 —14 Tage früher, ist in hiesiger Gegend die Kornernte im vollen j Gange, und ob auch nicht so viel Schocke werden geernttt wer» den wie voriges Jahr, so dürfte doch der Ausdrusch dem vori gen Jahre nur wenig nachstehen. Der fruchtbar? Regen -in voriger Woche hat wirklich Wunder gethan, denn auch MS Haidekorn ist in wenig Tagen nicht nur noch sehr gewachsen, sondern es steht auch in prachtvoller gesunder Blüthe und ge währt den Bienen herrliche Trift. Schenkt uns der Himmel noch einige stille thaureiche Nächte, so ist auch hier <t» guter Ertrag so ziemlich sicher. Gerste und Hafer werdenhier sehr fehlen, wiewohl hiesige Gegend keine Gerst- und Haserg«- gend ist, vielmehr Jeder nur seinen Bedarf zu erbauen sucht. Am nachtheiligsten hat die Trockenheit auf die Fütterung einge wirkt, und dürften daher die Preise für Heu rc. zu« Winter sehr hoch steigen; daher noch immer keine Aussicht auf «billige Butter. Die reformirte Gemeinde zu Elberfeld hat im Anfänge des vorigen JahreS den Beschluß gefaßt, ihre sämmtlichen W» chenbedürfnisse, welche über 7000 Thlr. betragen, lediglich durch freiwillige Sammlungen aufzubringen. Zu diesem Zweck wur den 300 Sammler aufgestellt, welche die einzelnen Gemelnde- glieder in ihren Häusern aufgesucht und den Bedarf vollständig zusammengebracht haben. Für das laufende Jahr ist der Be darf auf 9000 Thlr. gewachsen. Man hofft aber auch jetzt und ferner lediglich im Wege der Freiwilligkeit die nöthigen Mittel ist beschaffen. ! Aus Tübingen wird dem Schwäbischen Merkur unterm 14. Juli geschrieben: „Der Vorgang der Heidelberger Univer sität, eine Groschensammlungzu Gunsten der vertriebest?« Schleswig-Holsteiner zu eröffnen, hat auch hier, wie anderwärts, lebhaften Anklang und thätige Nachahmung gefunden. Gestern Abend wurde nämlich zu demselben Zweck eine Versammlung von Studirenden gehalten, deren Ergebniß war, SubseriptlonS- listen zu wöchentlichen Beiträgen in einigen öffentlichen Lokalen auflegen zu lassen; und die Betheiligung daran wird voraus sichtlich eine bedeutende werden. Ein holsteinischer Student wußte Lurch kräftige Worte das Interesse an der Sache seiner unglücklichen Heimath in hohem Grade zu spannen u»td fand allgemeinen Beifall." r i(lE Homburg v. d. Höhe, 10. Juli. Seit Anfang dies»« Monats sind die Arbeiten zur fernern Ausgrabung des interes santen Römercastells Saalburg, 1'/? Stunden von hier, von Seiten der „Vereinigten Pachtungen" eingestellt. Man ver nimmt, daß die Administration als Bedingung sie fortzusetze» die Erlaubniß zur Aufstellung eines fünften Spieltisches verlangt. Ueber das Schützenfest in Bern schreiben einige Blätter vom 14. Juli Folgendes: Ein Glanzpunkt des ganzen Festes war am Sonntag das Auftreten Dufour's. Bei der ungeheu ren Menschenmasse, die den ganzen Tag die Festhütte auf und ab wogt, wird es selbst den beliebtesten Rednern nicht leicht, auch nur in den nächsten Kreisen sich Gehör zu verschaffen. Als aber der greise Heerführer die Stufen der Rednerbühne hinaufschritt, da waren Aller Augen auf ihn gerichtet und «in nicht enden wollender Jubelruf begrüßte ihn. Er wollte reden, aber die liefe Bewegung seines Innern erstickte seine Staupe. Er wischte sich die Thränen aus dem Auge, und nun wurde eS still in dem weiten Raume, still wie in einem Gottestempel. Als er nun mit bebender Stimme anhob: „Glücklich der Tag, der mich am Ende meiner Lebenslaufbahn dieses hohe Fest der Ein tracht und Freiheit meines heiß geliebten Volkes erleben liess!" da entblößten sich Aller Häupter; die Menge erhob sich von ihren Sitzen und lauschte mit wahrer Andacht den wenigen Worten, die der greise General über die großartige Erhebung Les Volkes im letzten Winter sprach und mit ?inxm Hoch auf die schweizerische Armee und besonders auf die Schützen endigte. Der General wandelte nachher Arm in Arm mit 0r. Kern Lurch Lie Festhütte. Als sie an den Tisch der Schwyzer kamen, erhob sich deren Führer, Styger, und rief: „Laßt Euch vom ältesten Sohn der theueren Mutter zu ihrem jüngsten Kinde führen! " Das rechte Zeichen war gegeben und nun bewegte