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" " " ———. II Amtsblatt für die königlichen nnd städttschen Behörden W Freiberg nnd Brand. Brrantwortticher Redaft««: J«lt»s Brau» i» Freiberg. 88. gahrgaug »8. SaSra-«« r Kj Dienstag, den 24. November. § 1 M. SO Pf. und etnmonatltch 7b BergerM^ttet md Tageblatt Jnferatr werden bi« Vormittag ll Ühr angnuM- UHUHS' men und beträgt der Preis für die gespaltene Zeile H oo8 oder deren Raum 1S Pf. v w« Vertreter nie Flanke der bulgarischen Stellung ein Ende zu machen. Die Stimmung überwog, daß die niedrigen Hügeln gebildet, die sich Türkei dies mit Garantien von Seiten der Mächte thun zur Rechten in der Richtung von Malovo zu einem die müsse. Die europäischen Mächte sollen über diesen Vor- Position von Slivnitza auf 5 bis 6 Kilometer beherrschenden schlag vernommen werden. Die Bulgaren sind aber gar Plateau vereinigen. Die bulgarische Position glich demnach! nicht mehr in der Stimmung, sich von den Mächten em- dem bekannten historischen Lagei» von Plewna, um so un- schüchtern zu lasset,. Die m Sofia befindlichen V vorsichtiger war es von der serbischen Donau-Division, der Letzteren waren behufs Abfassung eines Schri gegen dasselbe angriffsweise vorzugehen, aber sich selbst da- zusammengetreten, welches die bulgarische Reqierun Nachbestellungen «ff Monat Metern. Die rechte und linke Flanke der bulgarischen Stellung ein Ende zu machen. Die Stimmung überwog, daß die wurde gleichfalls von niedrigen Hügeln gebildet, die sich Türkei dies mit Garantien von Seiten der Mächte thun zur Rechten in der Richtung von Malovo zu einem die müsse. Die europäischen Mächte sollen über diesen Vor- ,, Schriftstück- zusammenaetreten, welches die bulgarische Regierung auf forderte, die Freiwilligen und Milizen eintretenden Falle- an der Thellnahme an der Vertheidigung der Hauptstadt zu hindern, damit den Serben kein Grund zur Begehung von Grausamkeiten gegeben werde. Der Minister Zanow richtete darauf eine schriftliche Miltheilung an die Vertreter der Mächte, in welcher darauf hingewiesen wird, daß die ser bische Armee ebenfalls Freiwillige und Milizen in ihren Reihen zähle. gegen dasselbe angriffsweise vorzugehen, aber sich selbst da gegen nicht hinreichend zu schützen. Die Mißerfolge bei Slivnitza waren, wie von serbischer Seite offen zugestanden wird, die Schuld aber auch der Ruin der Donau-Division und sollen nach Belgrader Berichten in der Hauptsache auf grobe Fahrlässigkeit bei der Handhabung des Vorposten dienstes zurückzuführen sein, die wiederum ihren Grund in schütze. Die Serben zogen sich zunächst auf die Höhen von Jarlowce und Solince zurück, während ihnen die Bulgaren nicht gefolgt zu sein scheinen, da es am Freitag nur zu einem kurzen Gewehrfeuer, aber zu keinen weiteren Kämpfen gekommen ist. Inzwischen soll sich die Hauptmacht der Serben weiter auf Dragoman und Gabor zurückgezogen haben, so daß die Gefahr für die bulgarische Hauptstadt Sofia nun gänzlich abgewendet scheint. Serbischerseits wird die Lage der bulgarischen Armee ungeachtet der von der selben errungenen Erfolge als kritisch hingestellt, da sie bei Slivnitza eingezwängt sei, und von Süden her durch die Morawa- und die Schumadja-Division bedroht werde. Da bei dürfte jedoch etwas Selbsttäuschung unterlaufen, am seltsamsten berührt es jedoch, daß man gar nicht recht weiß, wo sich die von dem General Leschjanin befehligte Timok-Armce befindet, welche nicht, wie es anfangs hieß, Widdin erobert, sondern diese Festung nur zernirt hatte und seit einigen Tagen von dort wieder abgezogen ist. Der nach Pirot berufene serbische Ministerpräsident Garaschanin konferirte dort am Sonnabend mit dem König Milan über die bulgarischerseits unter dem Eindruck der anfänglichen militärifchen Vortheile Serbiens gemachten Vorschläge. Inzwischen hat sich aber das Blatt gewendet und augenblicklich ist der im Vortheil befindliche Fürst Alexander von Bulgarien wohl kaum geneigt, die früheren Vorschläge aufrecht zu erhalten, sondern bereut auch tief, im Augenblick der höchsten Noth der Pforte die freiwillige Räumung Ostrumeliens angeboten zu haben. Wie die „Times" erfährt, hegt nun der König von Serbien die Absicht, dem Fürsten von Bulgarien selbständig Friedensvorschläge zu machen. Die Pforte aber hat ihre Absicht, zwischen Serbien und Bulgarien zu vermitteln, seit dem bulgarischen Sieg bei Slivnitza als voraussichtlich aussichtslos aufgegeben. Den europäischen Mächten ist diese Theilnahmelosigkeit der Türkei unerwünscht. Bei einer im Auswärtigen Amte zu London stattgefundenen Bc- rathung, an welcher Lord Salisbury, Graf Hatzfeldt, Waddington und Musurus Pascha theilnahmen, äußerten »«-m zum Preise von — Ml. 7S Pf. von allen kstserliche« Poftanstalten sowie von den be- dumten Ausgabestellen nnd der unterzeichnete« Expedition angenommen. Expedition des Freiberger Anzeiger. der allzu großen Siegesgewißheit und Unterschätzung des Feindes hatte. Die Serben wurden im eignen Lager durch die Bulgaren unter dem Kommando des Fürsten Alexander überrumpelt und vollkommen zersprengt. Obwohl die herbei eilenden Kavallerie-Abtheilungen der Praporcetovich-Dwision Alles aufboten, um die vordringenden Bulgaren zurück zuwerfen und die Infanterie-Kolonnen Zeit zum Sammeln und zur normalen Gefechtsentwicklung gewinnen zu lassen, konnte die Infanterie trotz wiederholter Anstrengungen dem Anprall der Bulgaren nicht Stand halten und mußte, durch die feindlichen Flankenangriffe bedroht, unter heftigem Artilleriefeuer des Feindes zurückweichen, um einer Um zingelung za entgehen. Der Rückzug der Serben ist von den Bulgaren entsprechend ausgenützt worden und hat die geschlagene Donau - Division alle früher innegehabten Positionen aufgeben müssen. Welche derbe Niederlage die Serben vor Slivnitza erlitten haben, geht nicht nur aus der Zurückverlegung des serbischen Hauptquartiers nach Pirot hervor, sondern es spricht auch die angebliche Erkrankung des Generals Milutinovic, sowie die Verweisung des Generals Jowanowitsch und des Obersten Miskowitsch, welche an jenem Tage verhängnißvolle Fehler begangen haben sollen, vor ein .Kriegsgericht, zu Gunsten der bis herigen bulgarischen Darstellungen von den Ereignissen bei Slivnitza. Nach bulgarischcr Angabe sind dort auf beiden Seiten mehr als 4000 Mann kampfunfähig geworden, darunter besonders viele bulgarische Offiziere. Unter den Verwundeten befindet sich auch der Flügeladjutant des Fürsten Alexander, Kapitän Marinow. Auf dem linken Flügel erbeuteten die Bulgaren allein zwölf serbische Ge Dirision sich allein stark genug fühlte, die Bulgaren anzu- amfin, oder daß Fürst Alexander mit dem militärischen Scharfblick des ehemaligen deutschen Offiziers die isolirte Lage der serbischen Zentrums-Division erkennend, rasch zur Offensive überging — es kam bei Slivnitza am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag zu Kämpfen, in welchen die Serben entschieden den Kürzeren zogen. Die Schumadja- Division und die Morawa-Division waren an den Tagen, an welchen diese Kämpfe stattfanden, noch in den Engpässen der serbisch-bulgarischen Grenzgebirges verwickelt und mußten sich den Weg nach dem Vereinigungspunkte der drei Ko lonnen Schritt für Schritt kämpfend bahnen. Am Drenstag nahm, während das Zentrum bei Slivnitza allein kämpfte, die Schumadja-Division erst Bresnik, während die Morawa- Division, die allerdings den weitesten Weg zurückzulegen hatte, an diesem Tage sich noch bei Jzvor schlug. lieber die Niederlage der Serben vor Slivnitza berichtet der Spezialkorrespondent der „Daily News" aus Sofia vitmn 18. November: „Die bulgarische Division aus Trn nnd Brasnitza hat die serbische Stellung in Dragoman überflügelt. Fürst Alexander entfaltete viel Bravour und befand sich im dichtesten Kampfe. Er befehligte den Angriff Non Slivnitza aus. Die Serben wurden vollständig zer sprengt und zogen sich in Unordnung zurück, sich bestrebend, ihr eigenes Terrain zu erreichen. Es wurden viele Ge- jangme gemacht, darunter 200 Kavalleristen. Der Einbruch der Nacht setzte der Verfolgung ein Ende. Nachdem sich die Serben während der Nacht wieder gesammelt, hielten sie auf der Straße nach Tsaribrod wieder Stand; sie wurden jedoch bald besiegt und abermals in die Flucht geschlagen. Hütten die Bulgaren hinreichend Kavallerie besessen, so würde der Feind vernichtet worden sein. Die Serben ver loren 10 Feldgeschütze und 356 Pferde. Einer ungefähren Schätzung nach ließen sie 3000 Tobte und Verwundete auf dm Felde. Es wurden viele Gefangene gemacht. Die Bulgaren kämpften mit Kaltblütigkeit und bewunderns würdigem Muthe, haben aber natürlich beträchtlich gelitten." Leiter meldet derselbe Korrespondent: „Die Serben, welche die Freiwilligen in Trn besiegt und Bresnik besetzt hatten zu dem Behufe, die Stellung Slivnitza auf der Straße nach Radomir zu umgehen und Sofia zu überrumpeln, wurden von den bulgarischen Truppen unter dem Befehle des Kapitäns Kyssoff angegriffen und zerstreut. Die dies es befindlichen bulgarischen Verstärkungen rücken von Wippopel direkt via Banitza und Dubnitza vor. Die Serben, welche Belgradjik angriffen, wurden mit starkem «rlust zurückgeworfen und ihre Positionen bei Knajevatz uud Saitsar auf der Straße nach Lom Palanca werden von den Bulgaren bedroht." Bon bulgarischer Seite wird berichtet, daß die Front dn Armee des Fürsten Alexander bei Slivnitza eine Aus- lwhnung von acht Kilometern hatte und daß die auf der Mzen Linie errichteten Verschanzungen, Redoutcn und Batterien Slivnitza zu einem sehr schwer zugänglichen ver- ——...y— Hanzten Lager machten. Im Zentrum beherrschen dort sich Salisbury und Waddington entschieden für ernste drei Hügel die Ebene auf .eine Distanz von mehreren Kilo- Maßregeln, um dem brudermörderischen Kriege in Bulgarien Der serbisch-bulgarische Krieg. Berauscht durch die während der ersten Tage des bul garischen Feldzuges errungenen Erfolge hat die serbische MgSleituna die Widerstandsfähigkeit ihrer Gegner unter- Mt und ist dadurch in empfindlichen Nachtheil gerathen. Aach dem serbischen Operationsplan sollte die Donau-Di- Hon über Dragoman und Slivnitza auf der geraden Straße «gen Sofia vorrücken, während die Schumadja-Division Listraa hatte, über BreSkidol, Trn und Bersnik, die Mo- rM-Division über Vlasina, Radomir und Pernik vorzu- dringm. Den beiden letzteren Divisionen war vorgeschrieben, die Höhen der Viskow- und Lünlün-Planina möglichst schnell zu gewinnm und die Bulgaren durch ein solches Umgehungs-Manöver zur Räumung der Stellung von Nivnrtza zu zwingen. Bis zum Gelingen dieser Umgehung hätte die Donau-Division sich freilich bei Dragoman streng in der Devensive erhalten müssen. Sei es nun, daß diese Nach der neuesten vom Kriegsschauplätze eingegangeneu Depesche setzten die Serben den Rückzug nach Trn fort. Die Bulgaren okkupirten die Straße nach Tzaribrod und besetzten Dragoman ohne Kampf. Kapitän Panitza soll über Tsaribrod die serbische Grenze erreicht und mehrere Tausend Serben zu Gefangenen gemacht haben. Der Vormarsch der Bulgaren von Slivnitza gegen die serbische Grenze ist wahrscheinlich Tagesschau. Freiberg, dm 23. November. Mit Ausnahme der freikonservativen und nationalliberale» Blätter äußern sich die Organe der verschiedenen Fraktionen über die bei Eröffnung des deutsche« Reichstage- gehalten« Thronrede ziemlich mißgestimmt. Bon Seiten der Hoch konservativen wurde es sehr übel vermerkt, daß über die weiter« Ausdehnung der Sozialreform jede bündige Zusage mangelt. Der darüber in der „Kreuzzeitung" ausgesprochene herb« Tadel scheint die am Sonnabend im Reichstage von dem Minister von Bötticher abgegebene Erklärung veranlaßt z» haben, „es sei der Wunsch des Kaisers, in der Sozialpolitik auch fernerhin das Möglichste zu leisten". Weit bitterer äußern sich aber noch die Organe der ultramontanen Partei, was bei der großen Stimmenzahl des Zentrums den jetzt wieder um laufenden Gerüchten von einer nahe bevorstehenden Auslösung des Reichstages Nahrung giebt. Der klerikale „Westfälische Merkur" schreibt u. A. mit unverkennbarer Kampflust: „In Bezug auf die Kolonialpolitik redet die Thronrede in allge meinen Umriffen. Unsere Stellung zu derselben ist hinlänglich bekannt. Jedenfalls verlangen wir, wenn wir die Kolonial politik unterstützen sollen, daß die Katholiken in dem neuen Deutschland jenseits des Meeres vollkommene Religionsfreiheit haben sollen und der unglückselige Kulturkampf den Kolonie» nicht gleich wie eine Natter in die Wiege gelegt wird. Unsere parlamentarischen Vertreter wissen, daß sie in allererster Linie als treue Vertheidiger der Kirche gewählt sind; sie haben vor Allem der Wiedererlangung unserer religiösen Freiheit zu dienen und dagegen olles Andere gleich tauben Nüssen zu achten. Vergönnt inan uns also in den Kolonien nicht einmal unsere religiöse Freiheit, so muß in Sachen der Kolonialpolilik und was drum und dran hängt, Alles abgelehnt werde», was kommt, nicht nur das Schlechte, sondern auch daS Gute. Auf diesen Titel hin wird bei einer Reichstags auflösung jeder katholische Abgeordnete mit Begeisterung wiedergewählt werden, denn gegenüber dem historischen Kampfe, den wirzu führen haben, müssen alle anderen Rücksichten schweigen." — Ueber den Stand der Reichsfinanzen äußert sich das Haupt organ der Berliner Klerikalen, die „Germania", in schärfster Weise. Dieselbe sagt: „Die ganzen Neubewilligungen genügen also nicht einmal zur Deckung der Steigerung von zwei Jahren! An die Einzelstaaten und Gemeinden aber kann kein Heller abgegeben werden, im Gegentheil müßten für das Reich selbst erst noch rund zwölf Millionen neu bewilligt werden, sollte» nicht von Neuem die Einzelstaaten höher an das Reich zahlen. Und nun lese man, wie urgemüthlich und ruhig eine solche das Volk ruinirende Finanzwirthschast zu Anfang der Eröffnungs rede vorgetragen wird! Das muß endlich — ein Ende nehmen." In derselben Tonart bespricht die deutschfreisinnige „Voss. Ztg." den jetzigen Stand der Dinge in mißfälliger Weise und drückt besonders ihre Verwunderung darüber aus, daß die Eröffnungs rede weder des Sozialistengesetzes, noch des Militärgesetzes erwähnte, sür welche beiden wichtigen Fragen das Zentrum die Schlüssel der Lösung in seinen Händen halte. Die Er örterung der „Freisinnigen Zeitung" läßt erwarten, daß auch in dieser Session Windthorst und Eugen Richter Hand in Hand gehen werden, denn es heißt darin: „Die gegenwärtig maßgebende Finanzpolitik hat immer nur die Steigerung der Einnahmen und die Vermehrung der Steuerlast im Auge, ohne