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i887. BeranIworUicher Redakteur: Julius Braun iu Freiberg. '/.S UHr für den ü 40. Jahrgang. „ .E«! Dienstag. Sen 2». September. , 1887. eigen dies Die Redaktion und Expedition des „Freiberger Anzeiger nnd Tageblatt". Einzellandtage mehr Wahlagitation vorkommt als für eine 7«» N« r>« euen Shme, mann. 1887. Olm» abrikbss. urob sr- s orn. 887. sr. Lvr. er 1887 °g »er! osen. nberr Ug Grunde befürwortete, weil kein anderer europäischer Groß staat so kurze Wahlperioden wie Deutschland hat, wo bei TagMchan Freiberg, dm 19. September. Der deutsche Kaiser hat die vielen Anstrengungen, welche mit den Stettiner Festen verbunden waren, glücklich über- landen und am Sonnabend Abend mit dem Prinzen und der Prinzessin Wilhelm von Preußen, sowie dem gesammten Gc- olge die Rückreise nach Berlin angetreten. Sowohl in den Straßen wie auf dem Bahnhofe in Stettin wurden Sr. Ma jestät von der dichtgedrängten Menge begeisterte Ovationen dargebracht. Der Kaiser-Aufenthalt in Stettin ging darnach zu Ende, ohne daß der greise Monarch von dem Zaren durch den von Vielen noch bis ganz zuletzt erhofften Besuch „über rascht" worden wäre. Sonnabend Abend 9 Uhr 20 Min. traf unser Kaiser wieder in Berlin ein, wo sich auf dem Stettiner Bahnhose zur Begrüßung ein nach vielen Hunderten zählendes Publikum eingefunden hatte. Vor dem kaiserlichen Palais, die ganze Friedrichstraße entlang, stand eine dicht gedrängte Menge. Der Kaiser wurde bet seinem Erscheinen aus dem Perron deS Bahnhoss von lautem Jubel empfangen; in einer geschloffenen Stadtequipage, der zwei Schutzleute voransprengten, begab sich der hohe Herr vom Bahnhofe auS in sein PalaiS, auf dem ganzen Weg begleiteten ihn stürmische Hochs. Zwei Wagen voll von herrlichen, riesengroßen Blumenbouquets wurden der kaiserlichen Equipage nachgesahren. — In der deutschen Retchshauptstadt bedauert man, daß der indische Rajah Set Khengarjt III. und dessen Bruder Prinz Koomar Sei Koloobha, welche dort einige Zett zu bleiben gedachten, tn Folge einer auS der Hetmath angelangten Trauerbotschaft bereits nach dreitägigem Aufenthalte Berlin verlassen mußten und mit kurzem Aufenthalte in Wien die Rückreise nach Indien antraten. — Eine andere hohe indische Fürstlichkeit wird da gegen mit zahlreichem Gefolge in den nächsten Tagen auf einer Reise durch Europa auch in Berlin eintressen, um dort längere Zeit zu verbleiben. — Wegen sozialistischer Umtriebe sind vor einigen Tagen in Breslau 27 Personen verhaftet worden, darunter der Zeitungsverleger Conrad, der Redakteur Geiser und der Schriftsteller Kasprowicz. — Wie die „Nationallib. Korresp." annimmt, wird das Dampfersubventionsgesetz in der bevorstehenden Session des deutschen Reichstags eine Erwei terung erfahren. Bekanntlich wurde seinerzeit die afrikanische sinniger Seite wird in Verfassungs-Angelegenheiten stets gern auf England hingewiesen und dessen parlamentarische kathschluß 16 Sep« lzige und ter pro viertes Quartal 1887 höflichst einzuladen uns erlauben, bitten wir, besonders die auswärtigen Abonnenten, die Bestellungen auf das Blatt rechtzeitig machen zu wollen, damit eine Unterbrechung resp. verspätete Lieferung vermieden wird. — Nach wie vor werden wir bemüht sein, dm Inhalt unserer Zeitung möglichst mannigfaltig, gediegen und interessant zu gestalten. Bei wichtigeren Vorkommnissen geben wir sofort Kunde durch telegraphische Depeschen. Bei den Nachrichten aus dem Königreich Sachsen sollen hauptsächlich die Ortschaften des Landgerichts- und amtshaupt" mannschaftlichen Bezirks Freiberg, sowie insbesondere die des Erzgebirges Berücksichtigung finden. Regelmäßig erscheinen auch die Schwur gerichts- und sonstigen Verhandlungen beim Landgericht Freiberg, sowie die Obst- nnd Gartenbauzeitung. Um auch den unterhaltenden Theil unseres Blattes möglichst interessant und mannigfach zu gestalten, bringt das tägliche Feuilleton nur ge diegene Novitäten anerkannt tüchtiger Schriftsteller. In der werden die Preisräthsel während des Winterhalbjahrs fortgesetzt. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt 2 Mark 28 Pfg. Inserate, pro gespaltene Zeile 15 Pfennige, finden bei der großen Auflage des Blattes die weiteste und zweckentsprechendste Verbreitung. Bestellungen nehmen sämmtliche kaiserlichen Postanstalten, sowie die bekannten Ausgabestellen entgegen. - 14,8 ° . 7,1 : 13,» o« re. nr dun ics hoi chicd nach te, Vater, hlenmesser tiefbetrübt ittwe assenen. roschwttz. ;, den 18. t. W 218 Einladung zum Abonnement. Indem wir das geehrte Publikum Freibergs, sowie der näheren und weiteren Umgebung zum Abonnement auf unser täglich erscheinendes Organ: „Ireiöerger Anzeiger und Hageölatt" Inserate werden bis Vormittag 11 Uhr angenom- I mm und beträgt der Preis für die gespaltene Zeile l I FH FH oder deren Raum 15 Pf. H N-W». Erscheint jeden Wochentag Nachmitt. - andern Tag. Preis vierteljährlich ! zweimonatlich 1M. SO Pf. und einmonatlich sachliche gesetzgeberische Arbeit gut ist. Ohne die Folge der zweijährigen Budgets wäre die Verlängerung der Legisla tur-Periode vielen Liberalen sofort recht gewesen, wenn man nicht diese Frage mit anderen Vorschlägen vermischt hätte, die allerdings auf eine Schmälerung der Befugnisse des Reichstages hinausliefen. Der während der Session von 1885/86 von konser vativer Seite eingebrachte Antrag, die Legislatur-Periode auf fünf Jahre zu verlängern, stieß gerade deshalb aber mals auf Bedenken, welche nun auch von der oppositioneller gestimmten Zentrums-Partei getheilt wurden. Bei den sehr erregten Verhandlungen stellte es sich unwiderleglich heraus, daß für diese Verfassungsänderung zunächst keine Mehrheit zu erlangen war, wenn es auch zu keiner Ab- stimmung kam. Sollte es sich bei dem jetzt bevorstehenden dritten Versuch nur um eine Verlängerung der Legislatur- Perioden, nicht aber um die Feststellung des Reichs haushaltetats auf zwei Jahre handeln, so wäre dieser Ver such nicht ganz aussichtslos, weil jetzt die nationalliberale Partei, die schon früher die Sache von diesem Gesichtspunkte aus wohlwollend beurtheilte, einer solchen Abänderung nicht abgeneigt ist und ein Theil des Zentrums dafür zu gewinnen sein wird. Diese Partei hat schon früher in dieser Sache lavirt und sieht sich jetzt nur unangenehm durch die Nothwendigkeit der Wahl berührt, entweder sich dabei der nationalliberal-konservativen Mehrheit anschließen oder und Tageblatt. Amtsblatt für dir kömglicheu und städtischen Behörden zu Freiberg und Brand Die Verlängerung der Legislatur- Periode. Während der jetzigen politischen Windstille ist urplötz' lich wieder der Gedanke aufgetaucht, durchs eine Verlänge rung der Legislatur-Periode des deutschen Reichstages eine größere Stetigkeit in dem Gang der Gesetzgebung zu er möglichen und die von der Wahlagitation unzertrennliche Aufstachelung der politischen Leidenschaften zu vermindern. Bereits in der Reichstagssession von 1880 wurde ein Gesetzentwurf vorgelegt, wonach der deutsche Bundesrath und der deutsche Reichstag mindestens alle zwei Jahre berufen, die Legislatur-Periode aber auf vier Jahre aus gedehnt und der Reichshaushaltsetat für einen Zeitraum von zwei Jahren festgestellt werden sollte. Diese Vorlage kam erst in der Session des Jahres 1881 zur Berathung, stieß aber im Reichstage auf prinzipielle Bedenken. Die Mehrheit befürchtete, daß durch eine solche Verfassungs änderung die Macht- und Rechtsstellung der deutschen Volks vertretung eine Einbuße erleiden könne, und lehnte deshalb den Gesetzentwurf ab. Dafür wurde von einem Theil des Zentrums und von den Liberalen ein Antrag auf jährliche Berufung des Reichstages im Oktober angenommen, ebenso aber auch ein von den Konservativen und von dem rechten Flügel des Zentrums unterstützter Antrag auf Einführung von vierjährigen Legislatur-Perioden. Da eine Einigung darüber nicht zu Stande kam, wurde der Gesetzentwurf bei der Schlußabstimmung von allen Parteien abgelehnt. Schon damals wurden auf nationalliberaler Seite Stimmen laut, welche die Verlängerung der Legislatur-Perioden aus dem Mor. icmann. ektisn. September: 129, 130, September: 131, 134, Regierung als Ideal hingestellt. Nun, in England wendet Niemand etwas gegen eine längere Legislatur-Periode ein, " Regierung nur sehr schwer sich entschließt, das Parlament vorzeitig aufzulösen, aus einer Kammer mehrheit dort stets ein Tory-Kabinet, aus einer liberalen Mehrheit immer ein freisinniges Ministerium hervorgeht und die herrschende Politik ohne sonderliche Rücksicht auf die Wünsche der Minderheit durchgeführt wird. Die damit zusammenhängenden Nachthelle braucht man in Deutschland nicht zu befürchten, wo eine Reichstagsmehrheit erst durch das Zusammenwirken mehrerer Parteien gebildet werden kann. Für das deutsche Volk sollte bei der Entscheidung der Frage der Verlängerung der Legislatur-Periode zunächst der Wunsch maßgebend sein, einen Reichstag länger festzu halten, mit dem die Mehrheit der Natton Grund hat, völlig zufrieden zu sein, dann aber auch der sehr berechtigte Wider wille gegen eine allzuhäufige Wiederkehr einer monatelangen die Gemüther tieferregenden Wahlagitation »7. Uttsol». er» ladet d. O. anke. le. durch die st erfreut dieser gegenüber mit den Deutschfreisinnigen vereint in Aktion zu treten Den Klerikalen ist es ebenso unwillkommen, Niemand etwas geo einer offenbar praktischen Maßregel zu widersprechen, als trotzdem dort die R< sich eine Verminderung der Gelegenheit zu Wahlagitationen ° '— gefallen zu lassen. In weiteren VolkSkreisen wird sich aber voraussichtlich das Verlangen nach einer Entlastung bezüglich der allzuhqufigen Wahlen bald deutlich genug geltend machen, um auch die Führer des Zentrums für eine Ver längerung der Wahlperioden zu gewinnen Einer solchen praktischen Neuerung, welche doch nur bezweckt, dem Staats bürger für längere Zeit, als dies gegenwärtig der Fall ist, Ruhe vor dem aufregenden Parteitreiben zu gönnen, haben nur diejenigen Parteien Grund zu widersprechen, die bei Neuwahlen ihren geschmälerten Besitzstand wieder aufzubessern hoffen. Das Zentrum hat jedoch erreicht, was zu erreichen war und dürfte sich kaum der Hoffnung hingeben, bei späteren Reichstagswahlcn weitere Mandate zu erobern. Anders verhält es sich mit der deutsch freisinnigen Partei, die gern recht bald wieder nach oben kommen möchte, aber dabei gar nicht bedenkt, daß ein Stimmungswechsel im Volke nicht so rasch eintritt und daß eine schwache Partei bei allzuhäufigen Wahlagitationen nur ihre Kräfte aufreibt. Wenn die Wortführer dieser Fraktion die geplante Neuerung als eine Verkürzung der Volksrechte bekämvfen und die Befürchtung äußern, daß man damit nur die politische Gleichgiltigkeit großziehen und die Wähler in einem zum politischen Hypnotismus führenden Halbschlaf einlullen wolle, so übersehen sie, daß das Volk selbst mehr Ruhe als bisher wünscht und Die jenigen nicht sehr wohlwollend behandeln wird, die ihm diese Ruhe mißgönnen. Um die Verminderung der Aufstachelung der politischen der doppelten Repräsentation durch den Reichstag und die' Leidenschaften und um nichts Anderes handelt es sich und ' ' dagegen können sich tm Ernst eigentlich nur die Sozial ¬ demokraten auflehnen, deren Lebenselement die Wahlagitation ist und von dieser Letzteren stets mehr für ihre Sache ge hofft haben als von der Mitarbeit im Reichstage. Inner halb der Ordnungsparteien ist man sich aber darüber nicht unklar, daß bei der Heftigkeit der Kämpfe, die jetzt jeder Reichstagswahl vorausgehen und die sich vielleicht in Zu kunft noch verschärfen werden, die praktisch« Brauchbarkeit der dreijährigen Legislatur-Periode für die gesetzgeberischen Aufgaben sich mehr und mehr vermindert Die Berliner „National-Ztg." bemerkt treffend, „daß im ersten Jahre die Streitpunkte des Wahlkampfes nochmals im Reichstag durchgefochten, im dritten Jahre schon wieder die Neuwahlen durch die Reden zum Fenster hinaus vorbereitet werden, so daß für die ruhige Arbeit nur das zweite Jahr übrig bleibt." Würde dieser Zeitraum auf drei Jahre verlängert vermittelst der Ausdehnung der ganzen Legislatur-Periode auf 5 Jahre, so wäre das unbedingt ein sachlicher Gewinn. Für so lange, daß der geistige Zusammenhang zwischen dem Volke und seiner Vertretung verloren ginge, kann der fünfjährige Zeit raum nicht erachtet werden. Derselbe bildet vielmehr einen befriedigenden Mittelweg zwischen den Uebeln einer allzulang sich hinausspinnenden Legislatur-Periode und einer fast allen Parteien unerträglich ununterbrochenen Wahlagitation, bei der die besten Kräfte unnütz verbraucht werden. Von frei-