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Sonnabend, den 18. Juli. Freiberger Anzeiger -L- , Uhr für die nächst- »«ipaltme Zeile od« ajchemeode Nummer » — Tageblatt TttO'^^eschichli'. Chemnitz. Man beabsichtigt hier nach dem Muster Ber lins eine öffentliche Wasch- und Badeanstalt zu gründen. Das allgemeine Bedürfniß dazu kann kaum wo dringender erscheinen, als in Chemnitz, dessen Chemnitzbach oft mehr Farbestoff und andere Chemikalien, als Wasser zu enthalten scheint. Wie bald und wie gerne würde unser Arbeiterstamm die Wohlthat schätzen lernen, nach Berliner Preisen ein warmes Wannenbad für IVr ! Ngr., ein Bad im erwärmten Bassin für 1 Ngr. nehmen zu j können! — Ein neues Eisenbahnproject ist jetzt aufgetaucht; man will nämlich die Chemnitz Würschnitzer Eisenbahn bis zum Bahn hofe Klösterlein (zwischen Lößnitz und Schneeberg) verlängern. Es ist dies eine Strecke von eirea 44,000 Ellen, welche dann in eine direkte Verbindung mit der Zwickau-Schwarzenberger Bahn kommen würde. Man rechnet dabei nicht nur auf einen Unge heuern Transport von Schiefer, Eisen, Bauholz, Kohlen, Ge treide und Colonialwaaren, sondern auch auf starken Personen verkehr von Berlin rc. nach Karlsbad und dem südwestlichen Böhmen. Zu weiterer Besprechung über diesen Gegenstand ist bereits auf Sonntag (l9. Juli) eine Versammlung im Bahn hofe zu Chemnitz aller dafür sich Jnteressirenden ausgeschrieben. Zittau, 14. Juli. Hinsichtlich der Verlängerung der Löbau-Zittauer Eisenbahn in nördlicher Richtung von Löbau aus über Kottbus nach Berlin geht es sehr mißlich . Die par- tlkularistischen Interessen sind wieder der ledige Hemmschuh, welcher diesmal mit unbeugsamer Consequenz dem Rade der Lvcomvtive untcrgelegt bleibt und zwar zum großen Nachtheil der kürzesten Eisenstraße zwischen Hamburg über Wien nach Triest. Man hat daher die Flinte entmuthigt an die Wand gehängt, um bessere Zeiten, aus denen wohl eine ziemliche Ewigkeit werden dürfte, abzuwarten. Leider muß man sich sagen, daß schon zwei benachbarte Concurrenzbahnen bestehen, die Sächsisch-Böhmische und die Sächsisch-Schlesische, und da die nationalökonomischen Gründe, welche für den noch nähern so überzeugend sprechen, im preußischen Handelsministerium nicht Lurchzudringcn vermögen, so ist auch keine Aussicht auf Besse rung Ler Konjunktur zu erblicken, wenn nicht etwa das Schick sal will, daß ein der Sache günstiger Personenwechsel im Schoose dieser Behörde bald eintritt. Allein das ist für jetzt eine zu weitausschende Perspective, und Zeit und Geld, somit doppelt Geld, geht dadurch dem Erwerb des großen Ganzen wahrschein lich für eine lange Epoche verloren. Wie doch Alles in der Welt nur Stückwerk bleibt! Aus Jöhstadt wird dem „D. I." vom 15. Juli geschrie ben: Heute früh zwischen 3 und 4 Uhr brannte das im hiesi gen Schlöffel gelegene Martin'sche Hammerwerk nebst einem daran gebauten Hause ab. Die übrigen Gebäude, sowie einen wie großen Kohlenvorräthen versehenen, dicht daneben befindli chen Schuppen gelang es bei der vollkommenen Windstille zu retten. Sanssouci macht den Politikern manche Sorge. Sie wüßten jetzt schon gern, wie viele der mächtigen Persönlichkeiten, die in Europa gebieten, dorthin im Juli kommen, und noch lieber, was sie dort sprechen und verhandeln werden. Daß Kaiser Alexander kommt, ist sicher. Kommt der Kaiser von Oesterekch? Das Gerücht antwortet: ja, der König von Preußen hat in Schönbrunn an einer Aussöhnung Oesterreichs nnd Rußlands gearbeitet nnd einer persönlichen Begegnung der beiden Sou veräne vorgearbeitet. — Wird Kaiser Napoleon kommen? Die Politiker halten's nicht für ganz unwahrscheinlich und deuten die Reise, welche der Großherzog von Darmstadt, der Schwa ger des russischen Kaisers, unerwartet am 11 Juli zu Kaiser Napoleon in Plombieres angetreten hat, zu Gunsten einer Zu sammenkunft einer vertraulichen Vermittelung. Aus BraunSbcrg berichtet das dortige Wochenblatt Fol gendes über eine Unterschlagung von Prüfungsarbeiten: „Nach ¬ dem 21 Abiturienten des hiesigen Gymnasiums die schriftlichen Prüfungsarbeiten beendigt, kam unmittelbar darauf durch eine Anzeige zur Kenntniß, daß dieselben die Themata der Arbeiten zuvor gewußt hätten. Ein Seeundaner nämlich, in her Ptn» sion des Direktors, hat auf unerlaubte Weise sich die Aufgaben zu verschaffen gewußt und diese einigen Abiturienten in die Hände gespielt, welche sie dann den Uebrigen direkt oder indi rekt mittheilten. Nach einer am 8. Juli unter Leitung deS kö niglichen Regierungs- und Schulraths vr. Dillenburger veran stalteten Untersuchung ergab sich leider das höchst unerfreuliche Resultat, daß sämmtliche Abiturienten, mit Ausnahme eines ein zigen, sich eine Unterschlagung im Sinne der Mtnisterkalverfü- gungen hatten zu Schulden kommen lassen, und traf infolge dessen jene 23 Jncriminirten die durch ein Ministerialrescript vorgesehene Strafe; sie wurden von der jetzigen Abiturienten prüfung ausgeschlossen und ihre künftige Prüfung auf ein hal bes Jahr ausgesetzt. Erfurt, 5. Juli. (D. A. Z.) Die Association zur Be schaffung billiger Lebensbedürfnisse, welche hier vor einem Jahre gegründet wurde, hat neuerdings durch ihre Direktion Bericht erstattet über die Ergebnisse der Geschäfte im ersten SoeietätS» jahre. Diese Ergebnisse erscheinen in jeder Beziehung sehr günstig.- Die Mitglieder der Association, zur Zeit nur «i hie» sige Bürger, empfingen außer 6»/, Proc. Zinsen von de« ein gelegten Kapitalien noch 19 Proc. Dividende baar »Usbezahlt, obgleich statutenmäßig zum Einkaufspreis der Waaren kein hö herer Aufschlag als durchgängig 3*/, Proc. stattgefunden hatte und zu dem solchergestalt festgestellten mäßigen Verkaufspreise alle Waaren auch in den kleinsten Quantitäten abgegeben wur den. Noch erwähnenswerther erscheinen indessen dl» Erfolge, welche die Bestrebungen dieser Association für den Gemeinnützen gehabt haben: der Müller und Bäcker namentlich ist zu einer Concurrenz angeregt, welche, was Qualität und Preis deS Mehls und des Brotes betrifft, der Gesammtheit unschätzbare« Vortheil geschaffen hat, wiewohl die Associationsbäckerei derma len noch sehr mangelhaft eingerichtet ist und sich auf den Be trieb des Geschäfts in einem Backhause nach alter Constructio» beschränkt. Heizungsmaterialien aller Art, in welchen großar tigere Geschäfte gemacht wurden und für welche früher tm har ten Winter oft unverhältnißmäßig hohe Preise gezahlt werde« mußten, sind jetzt beträchtlich billiger und besser zu haben lc. Solche Erfolge sind um so erfreulicher, als sie zunächst von de« weniger bemittelten klaffen benutzt und dankbar anerkannt wer den. Darum wünscht man den fernern Unternehmungen der Association ein gutes Gedeihen. Dieselben sind, neben der Er weiterung des Geschäfts im Allgemeinen, noch im Besondere« auf demnächstige Errichtung einer Brotfabrik und einer Bier brauerei gerichtet. — Die Versicherungsanstalt Thuringta in Erfurt hielt am 29. Juni ihre Generalversammlung. Der Rechnungsabschluß für 1856 stellt sich folgendermaßen: Einnahme. An Reserve vortrag aus 1855 174,986 Thlr,; an Prämien aus sämmtlichen Versicherungsbranchen excl. Lebens- und Hagelrückversicherung 457,796 Thlr.; zusammen 632,783 Thlr. An Zinsen und Agio, Gewinn auf Schadenreserve 34,437 Thlr.; Summa 689,417 Thlr. Ausgabe. Per regulirte Schäden, Provisionen, Prämien auf Rückversicherungen und Ristorni 442,964 Thlr.; per General verwaltungskosten und Abschreibung auf Errichtungskostencontv 27,271 Thlr.; per Schäden und Prämienreserve 194,981 Thlr.; per Capitalreserve nach h. 17 des Statuts 20 Proc. deS lieber- schusses, das sind 2 Thlr. per Actie 5000 Thlr.; per Dividende an die Actionäre 8 Thlr. per Actie 20,000 Thlr.;: Summa 680,417 Thlr. Actiencapitaiconto 3 Mill. Thlr. Anmerkung: Davon sind ausgcgcben 2,500,000 Thlr. Capitalreserve, auS 1854 und 1855 10,000 Thlr., und 1856 500V Thlr.; zusammen 15,000 Thlr. Reservevortrag für das nächste Jahr 194,981 Thlr. Aus Wien wird der „D. A. Z." stom 10. Juli geschrik-' beu: Die k. k. niederösterreichische Statthalterei hal ber hiesigen Polizeidirection anbefohlen, den Abdruck der aus dtm Auölande eingesa«dten Anpreisungen von Heilmethoden nicht mehr zu ge-