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^55. Amtsblatt für die königlichen nnd städtischen Behörden zn Freiberg nnd Brand. Verantwortlicher Redakteur: Julius Braun in Freiberg. Erscheint jeden Wochentag Abends '/,7 Uhr sür den andern Drq. Preis vierteljährlich 2 Mark 25 Ps., zweimonatlich 1 M. 50 Ps. nnd einmonatlich 75 Ps. 37. Jahrgang. Sonntag, den 8. März. Inserate werden bis Vormittag 11 Uhr angenom- oO Kl mm und beträgt der Preis sür die gespaltene Zeile D oder deren Raum 15 Pf. I jungen, hoffnungsvollen Staatsmannes, wenn cs demselben I gemalt zu Vertheidigen. Die letzte russische Antwort sei I gelänge, in England feste Garantien dafür zu erhalten, daß absolut ungenügend. Alle englischen Journale bediene« tischen Verhältnisse. Fürst Bismarck hat die Debatte über .von hoher Das Programm der Reise des österreichischen "es deutschen Reichskanzlers, Graf Herbert Bismarck, nackU lsi^e Negierung jeden Augenblick aufgefordert werden London abgereist und wäre es das Meisterstück dieses j könne, Afghanistan gegen ungerechte Angriffe mit Waffen- kanzler Egypten den Engländern angeboten oder gerathen hätte, es zu nehmen, so müßte dadurch natürlich das Ver trauen bei allen Regierungen, deren Interesse durch die englische Annexion Egyptens verletzt wäre, wesentlich er schüttert werden, in erster Linie bei der Pforte, dann aber auch bei Frankreich und Rußland, selbst bei Oesterreich. Es war demnach für den deutschen Reichskanzler geboten, den englischen Veröffentlichungen gegenüber den wahren Sachverhalt klarzustellen, um nachtheiligen Folgen vorzu beugen, welche aus der Entstellung hätten entstehen können." Die Wirkung der freimüthigen Rede des Fürsten Bismarck hat auch den gehegten Erwartungen durchaus entsprochen, da dieselbe in Frankreich den Eindruck einer bedeutenden Friedenskundgebung machte und in England die Organe der verschiedensten Parteien veranlaßte, von der englischen Regierung die Anbahnung einer Verständigung mit Deutsch land dringend zu verlangen. Die Rückwirkung jener Aus einandersetzung über die auswärtige Politik auf die inneren deutschen politischen Verhältnisse war aber fast noch groß artiger. Mit Ausnahme der entschiedenen antinationalen Fraktionen der Polen und Sozialdemokraten genehmigten daraufhin alle Parteien des deutschen Reichstages die erst bau der Mehrheit bekämpften Negierungsforderungen für die Kolonialpolitik und die Führer der Opposition betonten dabei lebhaft, daß dem Auslande gegenüber die deutsche Volksvertretung allen inneren Zwist vergesse. Ganz so änmüthig ist die Bewilligung der am 15. Dez. v. I. dem Kanzler abgeschlagenen Errichtung einer neuen Direktorstelle "n Auswärtigen Amte nicht erfolgt, aber sie ist immerhin durch Zustimmung von 20 erst widerstrebenden deutsch- Minnigen Abgeordneten zu Stande gebracht worden, ohne d"b Fürst Bismarck nöthig hatte, selbst in die Debatte ein- iugreifen und seine Autorität in die Wagschaale zu werfen. So hat sich denn das Mißtrauensvotum der Reichs - Mmehrheit in eine Vertrauens-Kundgebung umgewandelt Mch den geschickten Appell an den Patriotismus der Volks- Mretung. Um die gleichzeitig dadurch in England er äugte nachgiebigere Stimmung auszunützen, ist der Sohn Tagesschau. Freiberg, dm 7. März. Bei der am Donnerstag im deutschen Reichstage fort gesetzten dritten Lesung des Etats machte Abg. Dr. Baum bach darauf aufmerksam, daß einige der Berichte der Fabriken inspektoren einigermaßen dürftig ausgefallen seien, was wohl damit Zusammenhänge, daß entweder das Amt als Nebenamt versehen werde oder die Bezirke der Inspektoren zu groß bemessen sind. Der Redner hoffte, daß der Bundesrath von seiner ihm nach der Gewerbeordnung zustehenden Befugniß Gebrauch machen werde, um Abhilfe zu schaffen. Der Staatssekretär von Bötticher erwiederte, die Regierung habe bereits durch entsprechende Verfügungen die möglichste Gleichartigkeit der Berichte der Inspektoren zu erzielen versucht; die Angelegen heit sei indeß nicht Reichssache und daher in den Einzelland tagen zur Sprache zu bringen. Dagegen glaubte der Abg. Schrader, daß von Reichswegen sehr gut Verfügung ge troffen werden könne, die Bezirke zu verkleinern. Nach seiner Ueberzeugung würde auch die jetzt thätige Arbeiterschutzgesetz- Kommission keine positiven Resultate erzielen, wenn nicht der Bundesrath dieser Gesetzgebung mit möglicher Freundlichkeit sich gegenüberstelle. Auf eine Anfrage des Abg. Ackermann bezüglich der Sonntagsruhe erwiederte Staatssekretär von Bötticher, er habe die einzelnen Regierungen um bezüg liches Material ersucht; sobald dasselbe eingegangen sein würde, werde er dasselbe der Gewerbe-Kommission mittheilen. Bei dem Kapitel: Reichsgesundheitsamt beleuchtete Abg. Eysoldt die Befürchtungen der Gewerbetreibenden wegen des Nahrungs mittelgesetzes. Geh. Rath Köhler gab darauf einige be ruhigende Erklärungen. Abg. I)r. Witte wünschte weitere Ausdehnung des Verbots der Verwendung giftiger Farben bei Spielwaaren. Abg. Di-. Braun verlangte, daß den Uebel- tänden des Nahrungsmittelgesetzes entweder durch eine Revision -esselben oder durch Spezialverordnungen zu den einzelnen Artikeln abgeholfen werden müsse. Gegenwärtig wisse Nie mand, was verboten und was erlaubt, was Wein, Bier rc. sei. Der Staatssekretär von Bötticher betonte die Schwierig keiten, diese Materie zu regeln. Abg. Greve sprach sich so dann über die Vortheile der Leichenverbrennung gegenüber )em Begraben auf Kirchhöfen aus und knüpfte daran den Wunsch, das Reichsgesundheitsamt möge sich der ersteren gierungen, mit welchen das gute Einvernehmen zu erhalten die deutsche Politik erfolgreich bemüht war, durch eine Entstellung der Thatsachen von englischer Seite in dem Vertrauen zu der Zuverlässigkeit der deutschen Politik irre gemacht werden. Wenn es wahr wäre, daß der Reichs- Die Woche. „Durch die auswärtige Politik des deutschen Reichs kanzlers ist erst dessen innere Politik möglich geworden," äußerte sich der Abg. Liebknecht am Mittwoch im deutschen Reichstage und stellte damit eine Behauptung auf, welche durch die Erfahrungen der letzten Tage vielfach bestätigt wurde. Die deutsche Volksvertretung ist selten in der Lage, sich mit Fragen der auswärtigen Politik zu befassen, wenn dies aber geschieht, so haben die Verhandlungen nicht nur stets eine allgemeine bedeutungsvolle Tragweite, sondern üben auch eine mächtige Rückwirkung auf die inneren pvli- Der Gesammtverlust des nach dem Sudan gesandten englischen Expeditionskorps beträgt nach ärztlichen Berichten von der Zeit an, wo es von Korti abrückte, bis zur Rück- kehr nach Gakdul dreißig Offiziere und 450 Mann an Todten und Verwundeten, was bei einer Gesammtstärke von 2000 Mann den enormen Satz von 24 Prozent er- giebt. Mit dem am Mittwoch stattgefundenen feierlichen Ein züge des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Grover Cleveland, in das weiße Haus zu Washington, in dem die republikanische Partei 24 Jahre lang geherrscht hat, vollzog sich eine bedeutsame Wendung. Natürlich wünschte die siegreiche demokratische Partei der Uebernahme der Regierung durch Cleveland einen besonders feierlichen Charakter zu geben. Wie weit die Erwartungen, welche sich an den Amtsantritt des demokratischen Präsidenten knüpfen, in Erfüllung gehen werden, läßt sich natürlich noch nicht voraussehen, jedoch beweist schon die Stellungnahme Clevelands zur Silber prägung, daß derselbe nicht nur ein Vertreter der demo kratischen Partei fein will, sondern auch auf die un abhängigen Republikaner, deren Unterstützung er zum guten Theil seinen Sieg verdankt, Rücksicht nehmen wird. geschwader Ordre, von dem griechischen Archipelagus nach den heimischen Gewässern zurückzukehren. — Im österrei chischen Abgeordnetenhause hat die langausgesponnene Budgetdebatte der Opposition mehrfach Gelegenheit gegeben, ihre Beschwerden vorzubringen, aber auch dazu beigetragen, der Rechten die Gefahren einer weiteren Zerklüftung klar zu machen. Besonders fand es die klerikale Partei für nöthig, bei der Berathung des Dispositionsfonds zu er klären, daß sie sich von den nationalen Parteien nicht trennen werde und daß vorübergehende Mißverständnisse den Gegnern keinen Grund bieten könnten, einen Zerfall der Reichsrathsmehrheit zu erwarten. In der französischen Hauptstadt vermehren sich nicht nur die anarchistischen Exzesse, sondern auch die Handgreiflichkeiten zwischen den chauvinistischen Patrioten und den Sozialisten. Die Letzteren pflanzten bei der Er richtung eines Denkmals für zwei in Tonkin gefallene Söhne eines Arbeiters auf dem Kirchhofe von Levallois- Peret eine rothe Fahne auf und trieben die unter Führung des Revanche-Dichters Deroulöde erschienenen Mitglieder der Patriotenliga und die Schulbataillone gewaltsam hin weg. Deroulode selbst, welcher dabei Schlüge austheilte und noch u;ehr empfing, muß sich nachträglich den herben Spott der radikalen Blätter gefallen lassen. — Es berührt eigenthümlich, daß die französische Regierung noch immer bestreitet, sich in offenem Kriege mit China zu befinden, trotzdem aber offizielle Berichte aus Ostasien veröffentlicht, aus denen deutlich hervorgeht, daß die Franzosen jetzt auch im Begriffe steyen, von Tonkin aus nach China einzudringen. Nach der Einnahme von Langson ver folgte General Negrier die sich flüchtenden chinesischen Trup pen, welche durch eine Reihe terrassenförmig angeleg ter Redouten ihren Rückzug gedeckt glaubten. Negrier stürmte jedoch am Morgen des 24. Februar diese Redouten, worauf sich die Chinesen Nachmittags drei Uhr mit Zurücklassung eines großen Theils des Kriegsmaterials weiter bis Thatke zurückzogen. Ein zweites noch in Tonkin operirendes chinesisches Armeekorps, das von Mirman aus sich zwischen Langson und Hanoi eingeschoben hatte, wird von Luvinh Phuoc befehligt und von dem General Brisre de l'Jsle selbst bekämpft. gegenüber gestattete, niemals wieder vorkommen. Der deutsche Reichskanzler scheint aber auch in vergangener Woche noch einen anderen Erfolg stillerer Art errungen zu haben, da plötzlich von wohlunterrichteter Seite versichert wird, daß die Verhandlungen, welche thatsächlich mit dem Herzog von Cumberland in der letzten Zeit wegen der braunschweigischen Erbfolaefrage angeknüpft waren, jetzt gänzlich als abgebrochen zu oetrachten sind. Die „Nordd. Allg. Ztg." bestreitet übrigens mit großer Entschiedenheit aber den Wunsch aus, die Mißhelligkeiten mit Deutschland beglichen zu sehen. Die „Times" knüpft an die Anwesen heit des Grafen Herbert Bismarck in London die Hoffnung, daß Mittel für die Wiederaufnahme freundlicher Bezieh ungen zwischen Deutschland und England gefunden werde«. Mißverständnisse hätten wahrscheinlich eine bedeutende Rolle in Herbeiführung der gegenwärtigen unglücklichen Verhält nisfe gespielt; unter dem Einflüsse persönlicher Erklärung?« und der beiderseitigen versöhnlichen Neigung möchten die selben verschwinden. Deutschland und England seien durch viele Bande untereinander verknüpft und hätten so Vieles gemein, daß Eifersucht und Unfreundlichkeit zwischen diesen beiden Staaten niemals entstehen sollten. Die von der Königin von England angcordnete Ein berufung der Reserven ist vom Parlament in einer beson deren Dankadresse gebilligt worden, auch lobt die öffent liche Meinung die kundgegebene Absicht, während der heißen Jahreszeit die gegen die sudanesischen Rebellen operirenoen Truppen Wolseleys von Korti nordwärts zu konzentriren und dafür indische Truppen von Suakim aus gegen Berber vorrücken zu lassen. Am Montag verließ abermals ein für Suakim bestimmter indischer Truppentheil den Hafen von Bombay. Um die in Indien dadurch entstehenden Lücken auszufüllen, ließ der englische Kriegsminister m den letzten Tagen zahlreiche Mannschaften darauf ärztlich unter suchen, wieviel derselben sich zur Ueberführung nach Indien eignen, wo man eine Besetzung der nordwestlichen Grenzen für nöthig hält, um die Afghanen zu beruhigen. Das Londoner Blatt „Daily News" befürchtet, daß die eng- Könias von Griechenland eine Äenderung erfahren. Da der Besuch Athens nun erst nach Bereisung der syrischen Küste erfolgen kann, erhielt das österreichische Mittelmeer- d-n Nachttagsetat für Kamerun am letzten Montag mit dtt ^haupt^ Blattes, daß „> ' " wunderbarem Geschick benutzt, um der von einzelnen englischen Stelle" das Kort gefallen sei: „Um den Felsen' der Kabmetsmitgliedern Deutschland gegenüber geübten Politik Legitimität des Welfenhauses werde man nicht herum- der Verdächtigungen energisch entgegenzutreten. Der deutsche »ammen" > Reichskanzler beleuchtete mit Meisterschaft alle die kläglichen Winkelzüge der englischen Staatskunst und „beseitigte", wie gelange, m England feste Garantien dafür zu erhalten, daß absolut ungenügend. Alle englischen Journale bediene« ähnliche Provokationen, wie man sie sich dem bisherigen' sich gegen Rußland eines überaus gereizten Tones, drücken deutschen Botschafter in London, dem Grafen Münster, aber den Wunsch aus, die Mißhelligkeiten mit Deutschland ein Berliner Blatt treffend schreibt, „mit gewaltigen Axt- Kronprinzenpaares mußte in Folge eines Unwohlseins des hieben das ganze Gestrüpp falscher Aufstellungen, mit welchem! Königs von Griechenland eine A das Ministerium Gladstone seine Irrwege dem prüfenden Blick zu verbergen suchte, als der Tadelsantrag Northcote solche Forschungen veranlaßte." Bei der schonungslosen Klarlegung der Unwahrheiten Granvilles lag wohl zunächst der Grund vor, die Mißstimmung in Frankreich zu ver hüten, welche entstehen mußte, wenn man dort der Be hauptung Glauben schenkte, daß der deutsche Kanzler Eng land den Rath ertheilt habe, Egypten zu annektiren. Die Art, wie die Rechtfertigung des deutschen Kanzlers ausge fallen ist, war allerdings vernichtend für die Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Englands, bezweckte aber sicher nicht, zu dem Sturze des Kabinets Gladstone bci- zutragen. Dieser letzteren Annahme vieler ausländischer Blätter tritt das freiwillige Organ des deutschen Reichs kanzlers, die „Nordd. Allg. Ztg." ausdrücklich entgegen und sagt darüber: „Das Motiv der am Montag von dem Fürsten Bismarck gehaltenen Rede ergiebt sich deutlich als das Bedürfniß, zu verhüten, daß befreundete Nachbar-Re-