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Erscheint jede» Wochentag früh »Uhr. Inserate wer de« bi» Nachmittag« » Uhr für di- nächst- erscheinende Nummer angenommen. Tageblatt. deren Raum mit i L berechn«.« Freiberger Anzeiger-M-- und gespaltene Zeile oder 106. Montag, den 1t. Mai. 1857. Tagesgeschichle. Freiberg. Oeffentliche Gerichtsverhandlung den 15. Mai 1857 Bormittags 9 Uhr: Hauptverhandlung in Untersuchungs- sachen wider Johanne Christiane verw- von Minkwitz wegen Meineides. Freiberg. Dem hier erscheinenden „Glückauf" entnehmen wir folgende Korrespondenz aus khemnitz: „ Es ist eigenthüm- lich, wie so manches bei der Geburt mit Freuden Begrüßte stets nur mit Widerwärtigkeiten zu kämpfen hat, so daß es nur schwer zu tintm fröhlichen Gedeihen kommen kann. — Hierzu ein Beispiel. — Im August 1847 tagte in Chemnitz zum ersten Male ein Kongreß sämmtlicher Gewerbvereine Sachsens. Die Verhandlungen fanden sehr viel Anklang und man beschloß einstimmig diese Zusammen künfte von Zeil zu Zeit zu wiederholen und es wurde Freiberg zum nächsten Vorort bestimmt und dem Gewerbevereine zu Freiberg auch die Acten ausgehändigt. Die politischen Bewegungen der nächsten Jahre und die auf dieselben folgende Apathie verhinderten ein ferneres Zusammentreten dieses Kongresses. Erst bei dem im Mai vorigen Jahres abgehaltencn Stiftungsfeste des hiesigen Hand- wnkervereincs wurde von Neuem diese Angelegenheit angeregt und der gerade anwesende Vorsitzende des Freiberger Gewerbevereines beanspruchte unter Bezugnahme auf die 1847 geschehene Wahl für den Gewerbevercin zu Freiberg das Recht, in nächster Zeit einen Kongreß sämmtlicher Gewerbcvcreinc Sachens einzuberufen. — Wir freuten uns dieser Rührigkeit Seiten des Vorsitzenden des Freiberger Gcwcrbcvcrcincs und dicß um so mehr, als wir wußten, daß der Freiberger Gewerbevercin in den letzten Jahren eine grö ßere Thärigkeit entwickelt hatte und wir selbst mit großem Vergnü gen bei so einer Veranlassung die alte Bcrgstadt besucht hätten. — Aber was machte nunmehr der Freiberger Gewerbeverein? Nichts! gar Nichts! — Erst auf wiederholte vom hiesigen Vereine an ihn erzangne Anfrage» erklärte er, daß er sich nicht im Stande fühle, einen solchen Kongreß cinzuberufen, und dieß wohl mehr Sache des kbemnitzer Handwerkervereines sei. Aber weshalb? Hat der Ge- wcrbcverein zu Freiberg wirklich Niemanden, der an sämmtliche (86) Gewerbvereine Sachsens die nöthigen Einladungsschreiben richte? Oder fühlt sich der Vorstand des Vereins außer Stande, die ersten eiuleitenden Schritte zu einer solchen Versammlung zu thun und die Wahl eines Vorsitzenden zu veranlassen? Oder fehlt es in Frei berg an einem Local oder den dortigen Gasthöfen an Raum, die Abgeordneten von 36 Vereinen aufzunehmen? — Wahrlich, wir wünschten, der Gewerbevercin zu Freiberg hätte sich und Freiberg ein andres Zeugniß ausgestellt!') Ja selbst das einfache und gewiß ganz richtige Verlangen des hiesigen Handwerkervcreines: „der dortige Gewerbevercin möge, ka Freiberg einmal von dem Kongreß 1847 zum nächsten Versamm lungsort bestimmt sei und der Verein auch seit dieser Zeit die Acten habe, wenn er sich nicht für befähigt erachte einen solchen Kongreß nach Freiberg einzuberufen, wenigstens sämmtliche Gewcrbevercine Sachsens zu einer andcrweiten Wahl veranlassen" blieb ohne Er widerung und so sah sich denn der Chemnitzer Handwerkerverein, sollte ein Kongreß zu Stande kommen, genöthigt, die Initiative i» ergreifen und die Wahl eines anderwciten Versammlungsortes durch alle Gewerbvereine zu veranlassen. — Leider scheint auch dieß mal die Wahl keine glückliche gewesen zu sein. Mit geringer Ma jorität (die Stimmen zersplitterten sich zwischen Dresden, Zwickau und Riesa, von denen letztere beiden Orte sich durch sehr'thätige Gewerbevereine auszeichnen) wurde Dresden zum Versammlungsort bestimmt, und dem Gewcrbevercine zu Dresden die nöthige Anzeige gemacht und soviel wir wissen sind auch von Freiberg aus die Acten abgescndet worden. — Aber bis heute hat der Gewerbevercin zu Dresden noch kein Zeichen irgend einer Thätigkeit gegeben und es steht zu befürchten, daß auch dießmal wieder kein Kongreß zusam- menkomme, und dieß zu einer Zeit, wo der Entwurf der Gewerbe ordnung einem solchen Kongreß so reichen Stoff geboten hätte r — Nun fragen wir aber die Gewerbcvereine zu Freiberg und Dres- ') Wir müssen es dem Vorstand des hiesigen GewcrbevereineS, von dem an, mbtnbei bemerkt, eher das Gegentheil als eine Vernachlässigung befürch- M hätten, überlassen, gegen diese harte Beschuldigung sich zu r^htfeNigen. den: „warum habt Ihr das gethan?" Wenn Ihr nicht die Hände bieten wollt, eine gute Idee zu fördern, so hindert sie we nigstens nicht!! CajuS." Leipzig, 8. Mai. (D. I.) Wie aus einer Bekanntma chung und Danksagung des Stadtraths hervorgeht, hat der hie sige Kaufmann F. W. Mende, dessen Leben am 10. April v. I. ein unerwarteter Tod endete, in seinem letzten Willen noch folgende gemeinnützige Vermächtnisse ausgesctzt: 20,000 Thaler mit der Bestimmung, daß von den Zinsen derselben verschämte unbemittelte Töchter und Söhne hiesiger Gelehrten, Kaufleute und Künstler, besonders auch zu Erlernung und Einrichtung eines Erwerbsgcschäfts unterstützt werden sollen; 5000 Thlr. zur Erweiterung der hiesigen PestalozzistiftUNg; 5000 Thlr. zur Unterbringung und Verpflegung armer unglücklicher Blinder und endlich 500 Thlr. der Armenanstalt. Seinem Testamente hat er noch den Wunsch beigefügt, daß das von ihm hierdurch gegebene Beispiel Nachahmung finden möge. Hierbei nimmt zu gleich der Stadtrath Veranlassung, unter Zustimmung der Hin terlassenen des Schenkgebers, ihm für diese und die am 12. Juli v. I. der Stadt zu Errichtung eines neuen Waisenhauses ge machte Schenkung von 50,000 Thlr. den Dank inS Grab nach zurufen. Zu jener Zeit hatte Mende sich ausdrücklich die Nen nung seines Namens verbeten. Großenhain, 3. Mai. Das gestrige Wochenblatt ent hält eine Bekanntmachung des hiesigen Stadtraths, laut dessen denjenigen Fabrik-, Bau-und Handarbeitern, welche ihre Per- bindlichkeiten gegen die öffentlichen Kassen ungenügend erfüllen, die betreffenden Reste auf an die Arbeitgeber zu gebende Roti- fication von den verdienten Arbeitslöhnen gekürzt werden sollen. Jngleichcn sollen bei Nichtberichtigung der Schulgelder die Kin der der Restanten aus der ersten in die zweite entsprechende Schule versetzt werden. Es sind dies Maßregeln, welche wohl geeignet sein dürften, den beabsichtigten Zweck zu erfüllen und ter durch die Saumseligkeit und den bösen Willen so vieler Re stanten übel beschaffenen Schulkasse etwas aufzuhelfen. Kassel. Nach eine Berliner Korrespondenz im „Altonaer Merkur" hat der Graf von Hanau (Sohn des Kurfürsten von Hessen) die Geldmittel zur Heirath mit Fräulein Birnbaum (der Tochter des Regisseurs am Kasseler Hoftheater) und zur nachherigen Reise re. in Berlin mit 100,000 Thaler Wechsel- schulden aufgebracht. Der Kurfürst hat die Zahlung verweigert, die Post verweigerte die gerichtliche Insinuation durch Anschlag der Klageladung am Palais zu Kassel, kein Kasseler Advocat will die Klage bei den dortigen Gerichten anstellen, und die in Berlin von den Gläubigern erhobene ist von dem Gericht, als gegen einen Ausländer erhoben, zurückgewiesen worden. Weimar, 5. Mai. Gestern Abend gab der Taschrnspi-e ler Bosco eine außerordentliche Vorstellung in der ägyptischen Magie. Unter den verschiedenen Kunststücken befand sich ^uch das bekannte Herausschießen eines lebenden Vogels aus einer Pistole. Es mußte unterbleiben, weil mehrere Mitglieder deS Orchesters sich weigerten, die ihnen von dem Künstler dargereichte geladene Pistole abzufeuern. Kaum war der Vorhang nach dem ersten Act« gefallen, so hörte man auf der Bühne einen Schuß und einen durchbringenden Schrei. Herr VoSco hatte, in der Meinung, die Pistole sei wie gewöhnlich abgeschoffen, von Neuem laden wollen, dabei war der Schuß losgegangen, der Ladestock hatte ihm die Hand durchbohrt und war dann wahrscheinlich in die leere herrschaftliche Loge geflogen. Der unglückliche KütMer theilte dies selbst dem Publikum mit und zeigte demselben seine blutende Hand. Noch in der gestrigen Nacht ist BoScv von dem telegraphisch durch höchsten Befehl hierher berufene« Professor Ried aus Jena operirl worben und es scheint Hoffnung vorhan den zu sein, daß dem Künstler der volle Gebrauch seiner Hand wieder geschenkt wird. Pari-, 6. Mai. Die Zugeständnisse, welche Frankreich in China attstrebt und in deren Durchsetzung die Aufgabe deS BaronS GtoS bestehen wird, sollen nach der „Jndöp.^ folgende sein: Das Recht, einen ständigen Gesandten in Peking zu Hal-