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Erscheint jeden Wochentag früh »Uhr. Inserate wer- bi» Nachmittag« z Uhr sllr die nächst- erscheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger und . - gchaltw AM vi« deren Raum mit S L Tageblatt. Amtsblatt -es Königl. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie -er König!. GerichtsSrnkr und -er Sta-ttäthe zu Freiberg, Sayda un- Brand. Mittwoch, den 2S August. 1858. —sss-se-s-vM Die Gewerbe- und Produkten-Ausstellung zu Freiberg. War die Zelt ztvische» Beschluß und Ausführung der am 22. d. M. hier eröffneten Gewerbe- und Producten-Aubstellung «ine so kurze, daß dieselbe geradezu als eine improvisirte anzu- sehen ist, so wird man in der That überrascht durch daö, was sie dennoch bietet, sowohl in Ansehung der Mannigfaltigkeit und Menge der ausgestellten Gegenstände, als hinsichtlich ihrer Bcrtrefflichkeit. Beinahe alle Zweige dcö hiesigen Gewerbebe triebs sind bald durch eine kleinere, bald durch eine größere Anzahl von Erzeugnissen vertreten; selbst die Wissenschaft, die hier ihren Hauptsitz hat, sowie der praktische Bergbau und das HüNcnwesen haben Proben von dem, was sie, hier aus dem Schoße der Erde, dort aus dem Schachte deö Geistes zu Tage förderten, geliefert, und auch die Frauen haben es an manchem sinnigen Werke ihres Fleißes nicht fehlen lassen. Treten wir die Wanderung durch den mit den Stadt- und Landesfahnen wie mit den Emblemen der Gewerbe und sonst noch sinnig geschmückten Saal an, so zieht im Vordergründe eine Tascl mit verschiedenen Berg- und HüttcnproLucten unsere Aufmerksamkeit an sich. Es ist dabei, dein Charakter der gan zen Ausstellung gemäß, nicht sowohl a^s besondere seltene Schau stücke Bedacht genommen, als auf Eremplare, die der alltäg liche Betrieb ergicbt. Wendet man sich von diesem Tische rück wärts, so gewährt ein herrliches Portal von Eisenguß aus der Gießerei von H. Tittel in dieser Umgebung einen wahrhaft imposanten Anblick. Im Hintergründe fesselt ein kunstvoll aus- gtsührlcs Grabdenkmal — ein Kreuz mit Postament — das Auge, dem zur Seite einige mehr praktische und prosaische Gegenstände, Maschinen, sowie einiges kleiner Zimmergeräthe, alles in guter solider Arbeit, auch auf Beachtung Anspruch machen. Gehen wir von da die Fensterseite entlang, so will uns ein mit zierlichen Flaschen, gefüllt mit verschiedenfarbigen Flüssig keiten besetzter Tisch, verbunden mit einer Menge leerer Liqueur- gläschen, und einer Karte mit der Aufschrift: zur gefälligen Prüfung, die Beschauer locken, daß sie glauben sollen, ein Schnäpschen sei auch nicht zu verachten, und wirklich, wenn man z. B. die Vanillen-Cremec des Herrn Hermann Päß ler kostet, so muß man gestehen, daß Zschockes „Branntwein- Pest" und Pater Matthews Predigten nicht nöthig gewesen wären, wäre aller Branntwein so lieblich und zugleich so un schuldig wie dieser. Wir sind da schon an einigen Gegenstän den im Vordergrund vorbeigegangen, die wir jedoch keineswegs übersehen haben, die wir aber nicht besonders besprechen können, weil der uns vergönnte Raum nur eine eingehende Be sprechung der hervorragenden Gegenstände gestattet. Eine besondere Beachtung verdienen die Arbeiten de8 Holz rahmen-Fabrikanten Richter, der deren eine sehr reiche Auswahl ausgestellt hat. Auf dem Tische gegenüber liegt in freundlicher Nachbarschaft eines zierlichen Backwerks von Janett eine ge waltige Tafel schöner Waschseife, das erstere wie das letztere ein lockender Anblick für die Süßigkeiten nicht minder als reine Wäsche liebenden Krauen. Die Männer werden mehr durch die ausgestellten Instru mente der Mechaniker Neumann und Lingke ungezogen, sowie durch die Werke des reichhaltigen technischen Verlags der Ungel- bardtschen Buchhandlung. Die Zahl dieser Werke und ihre schön« Ausstattung nöthigt unS die größt« Achtung ab vor der soliden Lhätigkeit dieser Verlagshandlung, die gar nicht wenig beiträgt, den Namen unserer Stadt in Ansehen und Achtung weit über die Grenzen unseres engern Vaterlandes hinaus zu erhalten. Auch die beiden hiesigen Buchdruckereten geben durch die von ihnen ausgestellten Gegenstände ein erfreuliches Bild ihrer ' Thätigkeit. Wenn die Sachen aus der Wölfischen Officin mehr ! dem praktischen Bedürfnis; dienen und dabet Geschmack mit ! praktischem Takt verbinden, ;o muß an den Proben auS der ! Gerlach'schen Offizin die zierliche gefällige Ausstattung gerühmt werden. Besonders aber wirbt Lasi ausgelegte Album mst ! Natursclbstdruck um den Beifall von Kennern und Laien. Die ' Wölfische Buchdruckerei hat unter ihren Gegenständen eintzt schöngedruckten Zuruf an die Gewerbe FrcibergS in vielen zur Verthciluug bestimmten Exemplaren ausgelegt, der gewisser maßen schon in der Ausstellung selbst seine Erfüllung gefunden, und hoffentlich fort und fort finden wird. Beachtung verdient sodann ein schöner und zugleich preiS- würdiger Silberschrank von Ehrentraut, sowie ein Schreibtisch , von Claußnitzer, zwischen welchen Goldarbeiter Alberti seine j trefflichen'' Reliefbilder in Wachs und Gips, neben Goldarbeiten f auögcbrcitet hat. Rühmliche Erwähnung verdienen di« Papierarbeiten der Frau Baronin von Wagner, insbesondere «in Bilderrahm«! und Blumen, Georginen in reichster Auswahl «ach der Namr täuschend gearbeitet, in der That ein Meisterstück derartiger sinniger Frauenarbeit. Nicht weit davon erreichte ein gestickte- Kiffen von Fräul. Scyderhelm Anspruch auf unsern Beifall. Eine reiche Auswahl von Erzeugnissen der Schlegel'schen , Etui-Fabrik giebt aufs Neue Zeugniß von der Intelligenz, Strebsamkeit und dem soliden Geiste dieses Etablissements und regt zu immer neuer Achtung vor dem Manne an, der mit An fangs unbedeutenden Mitteln so Bedeutendes geschaffen. Schwer wird eS uns, von all den schönen und köstlichen Sachen unS zu trennen, die da vor uns liegen. Aber eS giebt noch so vlÄl zu beschauen, daß wir schon weiter gehen müssen. Wir wenden uns um, und Auge und Gemüth weiden sich an den herrlichen Pflanzen, die unsers Seyderhclm soo. geseg» ! nete Hand mit liebender Sorgfalt gezogen und gepflegt, und ! mit gewohntem Geschmack hier aufgestellt hat. Die Product« seines Sohnes stehen den seinigen würdig zur Seite. Und un ter Liesen freundlichen, erquickenden Kinder» der Natur ladet ein Stuhl nebst Tisch von Gußeisen aus der Gießerei Constan- tinöhütte der Herren Häcker und Büttner zum Ruhen ein. Aber was ist dahinten an der Wand für ein gothisches Holzwerk? Eine Thür von Claußnitzer für die Wohnung des Herrn Apotheker Krause gefertigt; ein würdiges Werk deutschen GewerbfleißeS, in welchem Kunst mrd Handwerk sich so gern die Hand reichen. Apotheker Krause, der zu diesem Werke die Anrwung ge geben und dadurch ein gutes Beispiel, den deutschen Styl auch in unsern Wohnungen wieder zu Ehren zu bringen, 'hat sich selbst an Ler Ausstellung mit Chemikalien betheiligt — unsere- Wissens das erste Mal, Laß Droguen unL dergleichen zu einer Gewerbeausstellung gebracht worden. Haben wir dann an einem Sekretär von Johst ein schönes Stück Tischlerarbeit beschaut, so ladot uns ein sanftes Plätschern in der Nähe zum Beschauen eines Springbrunnens ein, den Jeder leicht in seinem Zimmer kalten kann. Ein ganz hübsche- Ziermöbel von Zink aus der Werkstatt des Klempner Lang«, von welchem weiter vorn ein prächtiger Vogelbauer von Messina die Augen auf sich zieht. Unweit von Lem plätschernden Wasserbecken lauscht still der Grist eines andern Wassers in mancherlei Flaschen, und harrt seiner Befreiung, um in die Köpfe der Menschen zu fahren. LiqueurS aus Lem Destillationsgeschäft von Hoffmann in gro ßer Auswahl find La, wovon Freiberg LaS mag«nstärkende China-Destillat schon lange zu schätzen weiß. Weiter bekunden zwei neue Werke von Ehrentraut, ein Näh» und ein Damenschreibettsch von Mahagoni diesen Aussteller al- einen wahren Meister seines Faches. Ein etwas davon entfernter Nähtisch von L. Schlegel steht demselben würdig zur Seite.