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AAröergerAnzejgH. und Tageblatt Tageblatt Initiale »erden bi« B-rmur-z U a»r I OO (L angenommen. Brei« für dte --°°l-z«.i° L3 M». AOvb Nuberhalb de« Landaerlcht»be»irk« 1, vM- AMSVUM M die kömgliLe« Md städtischen Behörden zu Freiberg Md Brand. »erantworUich-Leitung: Georg »urthardt. beim ersten Etatstheil, dem des Reichstages, kam eS wieder zu weitschichtigen und zeitraubenden Erörterungen über die Aus schmückung des ReichShauseS einerseits und über die daran bei Gelegenheit der zweiten Lesung von vr. Lieber (C.) geübte derbe Kritik andererseits. Frhr. v. Heyl (nl.) war eS, der diese Debatte Hervorries, indem er jene Kritik als zu scharf und in der Form verletzend hinstellte und die darin enthaltenen Angriffe auf die Künstler bedauerte. Aber vr. Lieber, der in der Presse manches böse Wort über seine Leistung hat hören müssen, war durchaus nicht lleinmüthig, sondern so kampfessreudig wie je. Er be hauptete, die deutsche Kunst nicht angegriffen, sondern sie im Gegentheil in Schutz genommen zu haben gegen einzelne angeb lich künstlerische Leistungen. Er ging noch einmal die zur Aus schmückung dienenden Bildwerke durch, überall seine humoristisch gefärbte Kritik einsetzend, und verglich schließlich den gegen ihn inszenirten Entrüstungssturm der Künstlerschaft mit ver Ruhe, die über allen Kunstwipseln herrschte, als seiner Zeit ein er lauchterer Mund das Reichshaus für den „Gipfel der Geschmack losigkeit" erklärte; niemals habe sich der Künstlerstolz vor Königs thronen glänzender blamirt als hierdurch. In der weiteren Debatte, an der sich auch der bayerische Gesandte Gras Lercheuseld- Kösering in versöhnlichem Sinne betheiliqte, wurde ziemlich all gemein empfohlen, dem verdienstvollen Meister Wallot die Leitung der Ausschmückung weiter zu überlassen, endgiltige Bestellungen aber erst nach Begutachtung der Entwürfe durch die Ausschmückungs kommission zu vergeben. Nur Gras Kanitz (k.) sprach sich für Lösung des Wallot'schen Vertrages und für äußerste Sparsamkeit in der weiteren Ausschmückung unter dem lebhaften Beifall seiner Parteifreunde auS. Brömel (fr. Vgg.) rügte wiederum den Mangel jedes Hinweises aus den Zweck des Hauses in der äußeren wie in der inneren Dekoration und einen flammenden Protest gegen die von Lieber beliebte „lieblose" Herabsetzung seiner heimathlichen Künstler gab der Vertreter der Kunststadt München ab, der Rentier und Bäckermeister a. D. Schwarz. WmsM MMm zu Werg- »...°-° Freiberg, den 7. Januar 1899. Prof, vr. »m» Sektor. nach dem Willen der Regierung und ders herrschenden Parteien öl Abw Müller-Sagan erklärt, er habe Mt von allen Krieger vereinen, sondern nur von einer gewissen Sorte dieser Vereine gesprochen, welche von Landräthen, Postdicektoren rc. gegründet und dazu auSgenützt würden, bei den Wahlen sur die Regierung und die Konservativen thätig zu sein. Nachdem Abg. Graf Klinkowström sich gegen die Aeußerungen SingerS gewendet, bemerkt Staatssekretär Graf PosadowSky. Ich will mich zwar in diese Wahldebatte nicht emmischen, ab« ich muß doch sagen, wenn man Männern, t»e für daS Vaterland ihr Leben eingesetzt haben, Kriecher nennt, so »st daS zum Mindeste» eine arge Geschmacklosigkeit. Herrn Singer aber muß ich sagen, daß diese Leute doch ihrem Landes- und obersten Krieg-Herrn de» Eid der Treue geschworen haben und daß sie jederzeit m die Lage kommen können, als Reservisten oder Landwehrleute wieder rm- berusen zu werden. Ein Sozialdemokrat, der doch Republikaner ist, würde natürlich ehrlos sein, wenn er trotzdem in einem Krieger verein bleiben wollte. ... „ . Abg. Stöcker erklärt, mit der Sozialdemokratie allerdings 1884 verhandelt, ihnen aber Bedingungen gestellt zu haben — u. a. Treue gegenüber dem Monarchen —, auf welche die Sozial demokraten nicht hätten eingehen können, denn fönst wären sie eben nicht Sozialdemokraten gewesen. Abg. Beckh erinnert daran, wie seine Fraktion ja erst neulich für den Antrag auf Bewilligung von Pensionen an Veteranen gestimmt habe. Wie komme man denn jetzt dazu, seinem Partei«, freunde Müller nachzusagen, daß er sich beschimpfend über die alten Krieger überhaupt geäußert habe. Wir tadeln an den Kriegervereinen nur, daß sie sich als politische Vereine bethätigen, politisch agitiren. DaS hat aber mit dem Veteranenthum gar nichts zu schaffen. Abg. von Staudy, gegen die Linke polemisirend, meint gleich dem Staatssekretär, ein Sozialdemokrat wäre ehrlos, wenn er trotz seiner Gesinnung einem Kriegerverein angehöre. Abg. Richter: Wir vcrurtheilen nur diejenigen Kriegervereins- bildungen, die parteipolitische Zwecke verfolgen, obwohl diese Zwecke in ihren Statuten ausdrücklich ausgeschlossen sind. Gerade die jenigen, welche die Mitglieder der Kriege ^vereine in solcher Weise ausilützen, degradlren dieselben zu Wählern und Staatsbürgern zweiter Klaffe. Abg. Bebel bestätigt, daß Stöcker 1884 verlangt habe, die Sozialdemokraten sollten auf den revolutionären Boden verzichten, das sei abgelehnt worden. Die Konservativen seien jederzeit herzlich' froh, die Unterstützung der Sozialdemokraten zu finden. Sie desavouiren ihre Leute, die mit uns verhandeln, immer erst dann, wenn die Sache an die Oeffentlichkeit kommt. Sie degradiren die Mitglieder der Kriegervereine zum Stimmvieh. Dem Staats sekretär habe ich zu erwidern: wir verlangen, daß in Krieger vereinen und Armee überhaupt keine Politik getrieben wird. Sie dagegen wollen bloß keine oppositionelle Politik, wohl aber konser-, vatlve Politik. Die Statuten der Kriegervereine schließen jede Politik aus, verpflichten zu keiner Politik. Die Mitglieder können sehr wohl sozialdemokratisch stimmen. Sie aber wollen die Vereine nur dazu ausnutzen, um konservative Wahlen herbeizu führen. Und deshalb dürfen ja auch alle Kriegervereine gegen den 8 8 des preußischen Vereinsgesetzes sündigen: sie thun daS alle ohne Ausnahme. Es ist ein wahrer Skandal! Staatssekretär Graf PosadowSky: Die Aufgabe der Krieger- Vereine ist die Pflege der Treue zu Kaiser und Reich. Wer Sozialdemokrat ist, begeht, wenn er einem Kriegerverein ange-. hört, eine moralisch unwürdige Handlung, denn er heuchelt, und wer heuchelt, ist ohne Ehre. Die Kriegervereine handeln durchaus innerhalb ihrer statutarischen Aufgabe, wenn sie dieser Pflege der Treue zu Kaiser und Reich auch bei den Wahlen Ausdruck geben. Abg. Bebel konstatirt, daß der Staatssekretär auf sein» Aeußerungen über Verletzung des 8 8 deS VereurSgesetzeS durch die Kriegervereine kein Wort erwidert habe. Staatssekretär GrafPosadowSky: DaS out tuest. ooo. sentit trifft hier nicht zu. Ob Kriegervereine Ungehörigkeiten begehen, gehört nicht zu meiner Zuständigkeit, sondern zu der- lemgen dec emzelstaatlichen Minister. Auch ein Beamter dank mch, ftm, d-,n „ drich, Lm L " mK Kmkervativ!^ ^ii Eindruck, als wollten sich die StäatS?ekr^ h/" bereits auf Wahlreden vorbereiten. Bonde« sei eS ebenso „mindestens geschmacklos", von etzr- Gesellen zu sprechen mit Bezug auf Beamte, wc unbeschadet ihrer Gesinnung ihre Pflichten gewissenhaft «v- Im Einzelnen wird berichtet: Abg. v. Schele (Welfe) wendet sich gegen die unablässigen HeereSvermehrungen; dieselben wären unnöthig, wenn die inneren Einrichtungen in der Heeresverwaltung verbessert würden; so stehe namentlich die Mobilmachung noch nicht auf der Höhe. Der Militarismus schädige ganz ungemein die Landwirthschaft. Man solle deshalb mehr auf die innere Tüchtigkeit Bedacht nehmen. Durchaus zu bezweifeln sei, daß durch die ewigen Heeresver mehrungen der Friede gesichert werde, im Gegentheil, die Un sicherheit wachse. Abg. v. Sa lisch will auf einen Vorfall bei der ersten Lesung zurückkommen. Müller-Sagan habe damals demLandrath seines Wahlkreises, der inzwischen verstorben sei, vorgeworfen, er habe, um bei der Wahl Sozialdemokraten zu fangen, einige derselben in seiner Equipage umherfahren lasten. Richtig sei daran nur, daß einige Sozialdemokraten den Landrath in den Glauben ver setzt haben, sie hätten sich zu künstlichen Anschauungen bekehrt. lHeitcrkeit.) Der Landrath habe nicht daran gedacht, jemals mit Sozialdemokraten in Beziehungen zu treten. Abg. Müller-Sagan beruft sich dem gegenüber auf Er klärungen im Saganer Wochenblatt, denen zu Folge thatsächlich zwei ehemalige Sozialdemokraten gegen Bezahlung in der land- räthlichen Equipage herumgefahren seien, um Wahlflugblätter zu vertheilen zu Gunsten der Konservativen. Abg. Stockmann wirft dem Abg. Müller-Sagan vor, bei der zweiten Lesung deS Postetats von Krieger-Vereinen als „Kriecher"-Vereinen gesprochen zu haben. Eine so schwere Be leidigung der Krieger-Vereine weise er entschieden zurück. Abg. v. Gneis protestirt ebenfalls gegen einen so verletzenden Vorwurf. Solche unmotivirten Beleidigungen richten sich selbst. (Beifall.) Abg. Zubeil erklärt, die Angaben Müller-Sagans über die Erkaufung zweier Sozialdemokraten durch den Saganer Landrath könne er nur bestätigen. Abg. v. Kardorff: Die beiden Leute waren damals gar nicht mehr Sozialdemokraten. Im Uebrigen sei es ja nicht schön, Leute zu erkaufen, aber keinesfalls habe der Landrath mit den Sozialdemokraten einen Pakt geschlossen, was Müller behauptet habt. Abg. v. Sa lisch: Die Leute sind einfach bezahlt worden für die Flugblatt-Vertheilung. Abg. Singer: Ich halte es, entgegen Herrn v. Kardorff, ledenfallS für viel weniger schlimm, einen Pakt mit einer anderen Partei zu schließen, als Stimmen zu erkaufen! Redner weist dann auf frühere Fälle, wo die Konservativen versucht hätten, die Sozialdemokraten zu ködern, so Herr Stöcker. Was die Kriegervereine anlange, so dürfe man sich nicht wundern, wenn dieselben als Kriech« und Heuchler angesehen würden. Denn man fordere ja diese Vereine aus und nöthige sie geradezu, immer Aos Len Reichstage. »d. Berlin, den 20. März. Die dritte Lesung deS Etats, die letzte Arbeit deS Reichstages vor den Osterferien, wurde heute begonnen. Optimistische Gemüther hatten gehofft, daß diese» Pensum bei der Arbeitsmüdigkeit und dem nngestümen Feriendrange, die auch heute wieder eine recht schwache Besetzung des Hauses zur Folge hatten, im Fluge berathen und in einer Sitzung erledigt werden würde. O, wie haben sich diese guten Leute getäuscht! Selten ist die Berathung so wenig weit gediehen wie heute; zuerst redete man bei Gelegenheit der Generaldebatte drei volle Stunden lang um etliche Dinge herum, die mit dem Etat so wenig wie mög lich zu thun haben, und dann blieb die Berathung nach weiterer zweistündiger Unterhaltung zum Etat des Reichstages stecken. Nun wollen aber die Optimisten, zu denen offenbar auch Gras Ballestrem gehört, wenigstens für morgen de» Schluß in Aussicht nehmen, und um recht sicher zu gehen, hat der Präsident den Beginn der morgigen Sitzung bereits aus 11 Uhr anberaumt. Und bei der Leere, die zu Anfang sicher herrschen wird, wird es auch wohl sicher gelingen, die Berathung zunächst tüchtig zu fördern. Wenn die Redewüthigrn ihre Versänmniß nur nicht nachher nachholen! Aeußerlich war heute, wie stets bei den dritten Lesungen, daS Auffallendste die außerordentlich starke Besetzung der Bundes- rathsestrade. Alle Minister und Staatssekretäre mit dem Reichs kanzler an der Spitze und mit einem gewaltigen Gefolge von Geheimräthen waren erschienen, um der endgilkgen Bewilligung ihrer Etats beizuwohnen und auf etwaige verspätete Fragen neugieriger Volksvertreter Rede und Antwort zu stehen. Viel wurde heute gelacht, und zwar waren die Anlässe und demnach auch die Arten dieser Gefühlsäußerung so verschieden, daß ein philosophisch veranlagter Hörer Studien über die Psychologie des Lachens machen konnte. Behaglich-vergnügt war das Lachen, als Abg. Schwarze (C.) als erster Redner zur Generaldiskussion sich mit großer lokalpatriotischer Gründlichkeit über einige Tarifmerkwürdigkeiten einer irgendwo im deutschen Vaterlande zwischen zwei Landstädtchen verkehrenden Personenpost verbreitete. Wild-entrüstet klang das Lachen der Rechten, als Frh. v. Schele (Welf.) ausführte, daß der erste Schritt zur Be seitigung der schweren und drückenden Rüstungen die Aufhebung der Annexion Hannovers und Elsaß-Lothringens sei. Und schneidend-höhnisch hörte sich das herzhafte Lachen der Linken an, als Abg. v. Salisch (k.) erklärte, ein verstorbener Landrath, dem vorgeworfen worden war, er sei zwecks Stimmenfangs bei den Wahlen mit zwei Sozialdemokraten in seiner Equipage umhergefahren, habe das nur in dem Glauben gethan, die betreffenden Sozial demokraten hätten sich inzwischen zu guten Christen bekehrt. Diese „Richtigstellung" wnrde nun der Ausgangspunkt einer breiten und ausgedehnten Debatte über die Frage, ob die Konser vativen gelegentlich um sozialdemokratische Wahlhilfe gebuhlt haben oder nicht. Eine große Zahl Von „Fällen" wurde von den Rednern der Linken vorgebracht, von denen der Rechten aber theils abgeleugnet und theils als Verirrungen einzelner nicht maßgebender Parteigenossen desavouirt. Graf Klinkow ström war im Eifer des Gefechts mitten unter die Linke gerathen und hatte sich zwischen Richter und Liebknecht postirt. Diese Nachbarschaft des sozialdemokratischen „Alten" muß wohl etwas abgefärbt haben, denn der konservative Graf adoptirte ein berühmt gewordenes Wort seines Nachbars und dekretirte zum Schluß: Wer auS unserer Partei mit den Sozialdemokraten paktirt, der fliegt hinaus! Welchen Umfang die Debatte annahm, das kann man an der Thotsache ermessen, daß sogar die längst entschlafene sog. „Berliner Be wegung" hineingezogen wurde, die ihren Vater, den Abg. Stöcker, auf die Rednertribüne rief. Mitten hindurch wand sich wie ein Epheu um seinen Stamm noch eine zweite Debatte über die Kriegervereine, die Abg. Stockmann (RpI provozirte, indem er 'sich bitter darüber beschwerte, daß vr. Müller-Sagan (fr. Vpt.) bei einer früheren Gelegenheit von „Kriechervereinen" gesprochen habe. Auch hier wurde außerordentlich viel hin und her geredet, wobei der Beschuldigte die drastische Bezeichnung auf die Politik treibenden Kriegervereine beschränkte, während die sozialistischen Redner die Frage der Ausschließung von Sozialdemokraten aus diesen Vereinen und ihr gesetzwidriges Jnverbindungtreten aufs Tapet brachten und scharf kritisirten. Hier griff auch StaatS- lelretär Graf PosadowSky in die Debatte ein mit der Erklärung, daß Sozialdemokraten keinesfalls Mitglieder von Kriegervereinen werden oder bleiben dürften und daß er diejenigen, die dagegen handeln, als ehrlose Männer bezeichnen müsse. Nicht weniger als 29 Mal wurde in diesen Debatten das Wort ergriffen! Damit war die Generaldiskussion erschöpft, die zwar kein Wort über den Etat gebracht, dafür aber dem offenbar wieder Kes gefühlten Bedürfniß nach einer Sozialistendebatte abgeholfen hatte, und man ging zur SpezialdiSkussion Sher. Aber gleich Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über daS Vermögen des Gutsbesitzers Emil Theodor Ficker in Faltenberg ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Ein wendungen gegen daö Schlußverzeichniß der bei der Vertheilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwerthbaren Bermögensstücke der Schlußtermin auf Freitag, den 7. April 18S9, vormittag« 9'/« Uhr, 'vor dem Königlichen Amtsgerichte hierselbst, Zimmer Nr. 33, bestimmt. Freiberg, den 10. März 1899. Sekr. Ml«-e»l»>. X. 14/98 Nr. 119. Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts. —— KL Jahrgang. —- > Mittwoch, den 23. März. trtwemt jeden Wochentag Ab md« y,g Ihr für de» /»/o UZM § anderen Lag. Brei« vierteljährlich 2 Mt. 2K Big. d » -weiwonailich I Mk. KO Pfg. m em«on«lich7bMz.