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«nL Tageblatt und Tageblatt F 231 Diebstahls und Unterschlagung erheblich vermindert (von 30,21 Prozent auf 26,44 Proz.). Dagegen ist gewachsen der Antheil der Körperverletzungen von 21,78 Proz. auf 23,45 Proz., der Verbrechen und Vergehen wider die öffentliche Ordnung von 11,30 auf 12,30 Proz. und der Beleidigung von 11,00 auf Nachbestellungen auf unsere täglich erscheinende Zeitung AwMlatt für die königlichen md Mischen Behörden zn Freiberg nnd Brand Berantwortliche Leitung: Georg Burkhardt. 49. Jahrgang. Sonnabend, den 3. Oktober gegen das Vermögen um 12 7S5 Personen und 21210 Hand lungen, gleich 6,5 bezw. 7,4 Proz., und wegen Verbrechen und Vergehen im Amte um 15 Personen und 66 Handlungen, gleich 1,0 bezw. 1,4 Prozent. Von der Zunahme der Verurtheilungen bei der ersten Gruppe und bei der Gesammtheit der Delikte entfällt ein erheblicher Theil auf die seit dem 1. April in Kraft stehende Strafvorschrift des 8 146 a der Gewerbeordnung (Zuwiderhandlungen gegen die Be stimmungen der Sonntagsruhe). Die Zahl dieser Zuwiderhand lungen belief sich 1893 auf 5011, die der verurtheiltcn Personen auf 4864 gegen 1622 Zuwiderhandlungen und 1590 verurtheiltcn Personen im Jahre 1892. Läßt man die Verurtheilungen wegen dieser Zuwiderhandlungen für beide Jahre außer Ansatz, so ergiebt sich bei der ersten Gruppe nur ein Mehr von 3439 verurtheiltcn Personen (5,3 Proz.) und 3806 Handlungen (5,4 Proz.), und bei der Gesammtheit der Delikte eine Zunahme der verurtheiltcn Personen von nur 4802 (1,1 Proz.) und für die Handlungen sogar eine Abnahme uni 2419 (0,5 Proz). Die Zahl der verurtheilten Personen hat sich gegen das Vor jahr in 19 Oberlandesgerichtsbezirken vermehrt, wobei Colmar und Kassel obenan stehen, und vermindert in 9 Bezirken, am bedeutendsten in Posen, Stettin und Königsberg. wegen Verbrechen oder Vergehen gegen Reichsgesetze rechtskräftig verurtheilt worden sind gegen 1199 im Jahre 1892 und 1087 Verurtheilte im Durchschnitt 1882'91. Bon den Oberlandes gerichts-Bezirken haben gegenüber dem Jahre 1892 17 eine Er höhung der Kriminalitätsziffcr anfzuweisen; besonders groß ist diese Erhöhung in Zweibrücken. Abnahmen sind dagegen zu ver zeichnen in 11 Bezirken, wobei Königsberg, Posen nnd Stettin obenan stehen. Im Ganzen zeigt die Ordnung der Bezirke nach der Kriminalitätsziffcr gegen die Reihenfolge für das Jahr 1892 nur geringe Verschiebungen. Nach wie vor sind es die östlichen preußischen Bezirke Königsberg, Marienwerder, Posen, BreSlan und Berlin, ferner die sämmtlichen bayerischen Bezirke und Ham burg, die sich dnrch hohe Kriminalität hervorheben, während sich in Rostock, Celle, Kassel, Oldenburg, Hamm, Köln, Frankfurt, Karlsruhe und Colmar, also vornehmlich west- und süddeutschen Bezirken, sowie in Dresden die niedrigsten Zahlen finden. brechen und Vergehen 11,30 Proz. im Jahre 1893 gegen 10,96 im Jahre 1892; die Erhöhung des Prozentsatzes stellt sich so nur auf 0,34 Proz., während sie bei Berücksichtigung jener Zuwider handlungen 1,0 Proz. beträgt. An der Gcsammtzahl der Verurtheilten nehmen die einzelnen Deliktsgruppen folgenden Antheil: Verbrechen und Vergehen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion 17 Proz. (1892: 15,7 Proz., 1882/91 : 16,6 Proz.); Verbrechen und Vergehen gegen die Person 40 (37,4 bezw. 37,1); Verbrechen und Ver gehen gegen das Vermögen 42,6 (46,5 bezw. 45,9); Verbrechen und Vergehen im Amte 0,4 (0,4 bezw. 0,4). Politische Umschau. Freiberg, den 2. Oktober. Inserate werden bis Bormitlag 11 Uhr!! angenommen. Preis für die Spaltzecke lOv V Außerhalb deS LandgeruhtSbezirk» 1o Pfg Erscheint jeden Wochentag «Lent» >/,7 Uhr für den anderen Lag. Preis vierteljährlich S Mk. 25 Pfg. zweimonatlich 1 Mk. SO Pfg. u. etnmonatlich7SPsg. Läßt man, wie oben bei den absoluten Zahlen der Ver- lische Industrie unterliegt den Gesetzen des Angebots und der urtheilten, auch für die Kriminalitätsziffer die Verurtheilungen Nachfrage. Schon jetzt ist sie an den Grenzen lohnender Guter- wegen Zuwiderhandlungen gegen die Sonntagsruhe außer Betracht, erzeugnng angekommen; eher macht sich bei chr eme Abnahme, - - -- als eine Steigerung ihrer Absatzgebiete bemerkbar. Die M- strömenden Arbeiterschaaren sind also auch in der Stadt nicht voll zu beschästigen; sie drücken durch ihr vermehrtes Angebot von Kräften. unwillkürlich ans die Löhne, und leisten entweder der Ueberprodnktwn von Waaren oder der Minderung der Ar beitsgelegenheit Vorschub, — in keinem Falle hat die Arbeiter schaft einen Gewinn davon. Noch einer dritten Wirkung des Niederganges der englischen Landwirthschaft ist zu gedenken. Normale wirthschaftliche Zustände in einem Nationalstaat sind nur dann gegeben, wenn die Volksernährung aus den vater ländischen Erzeugungsquellen selbst mit Sicherheit bewirkt werten Dies allein gewährleistet den freien Völkern die volle h in kritischen Perioden. Die englische Land- , - -o wegen ihres Verfalles schon in friedlichen Zeiten nicht mehr den Bedarf der Nation an Brotkorn und Fleisch zu decken. Es wird behauptet, daß England mit den regelmäßig vorhandenen Getreidevorräthen die Bevölkerung gerade zwei Wochen ernähren kann. Die bei seiner insularen Lage daraus entspringenden Gefahren in kriegerischen Zeiten liegen auf der Hand. In Deutschland sind wir Dank der Fürsorge der Regierung noch entfernt von dem Verfall der Landwirthschaft. Glücklicherweise weiß auch die Industrie es wohl zu schätzen, was die Blüthe des Ackerbaues für sie selbst und für das Gemein wohl bedeutet. Aber auch in Deutschland wird man auf die Dauer den Niedergang der Landwirthschaft mit seinen nach- thciligen Folgen für die vaterländische Gütererzeugnng und Ar beiterschaft nicht aufzuhalten verniögen, wenn von so vielen Seiten der ungehinderte ausländische Wettbewerb mit landwirth- schaftlichen Erzeugnissen noch immer eine lebhaftere Vertheidigung und Fürsorge findet, als das Interesse unserer Landwirthe. In einem überaus bedeutsamen Artikel der „Hamb. Nachr." über „die Regierung und die Polen" heißt es: Es hat lange gedauert, bis die Langmuth der preußischen Regierung den Polen gegenüber erschöpft war. Der Vorgang von Opalenitza scheint endlich dem Faß den Boden ausgeschlagen zu haben. Nach einer offiziösen Mittheilnng sind in Folge dieses Vorganges vom Posener Oberpräsidium Anordnungen ergangen, die „ebenso scharf jeder etwa stattfindenden polnisch-nationalen Kundgebung entgcgentreten, wie sie der katholischen Bevölkerung ihr Recht wahren, den religiösen Gefühlen und der Ehrfurcht vor den geistlichen Oberen den angemessenen Ausdruck zu geben." Die Fassung dieser Notiz ist nicht sonderlich geschickt. Wir wüßten mcht, warum und wie das Recht der katholischen Bevölkerung in Posen ihren religiösen Gefühlen und ihrer Ehrfurcht vor den geistlichen Oberen angemessenen Ausdruck zu geben, irgendwie in Zweifel gezogen oder gar beeinträchtigt wäre. Der Oberpräsident konnte al,o auch gar ke^Veraulassung haben, dies Recht durch ncuer uhe .luordnungeu zu „wahren", am allerwenigsten es „ebenso scharf zn verwahren, wie er jeder etwaigen polnisch- entgegenzutreten sich gezwungen findet. Da auch m den Nachrichten über den Skandal von Opalenitza "on eurer Behinderung der Katholiken in der Bekundung ihrer Gefühle u. s. w. nichts verlautet hat, so würde besagte offiziöse Erklärung geradezu unverständlich sein, wenn man nicht bereits gewohnt wäre, daß es heutzutage bei jeder auch nur Halb wegs passenden Gelegenheit ohne eine Verbeugung nach der Seite des Centrnms nun einmal nicht abgeht. Man wird ja nnn sehen, wie die staatlichen Aufsichtsorgane in Zukunft den Ausdruck der religiösen Gefühle nnd die polnisch-nationalen Kundgebungen auseinander zu halte» wissen. Seit Jahren melden die Berichte aus der Provinz Posen, daß der Erzbischof auf seinen Firmuugsrciscn von berittenen Schaaren in den pol nischen Nationalfarben eingehakt und begleitet wird. Man bat ivohl öfter gehört, daß polnische Fähnchen bei Kinderfesten Aus flügen von Vereinen und dergl. weggenommen find, mcht ^r, Gemeinde-Sparkaffe zn Erbisdorf w ledeit Montag Nachmittags von 2 bis 6 Uhr geöffnet, verzinst Spareinlagen zu 3*/, "E und gewährt Darlehen auf Grundstücke zu mäßiger Verzinsung. Der GemcinVerath. G.-Vorstand. «mf das 4. Vierteljahr werden zum Preise von 2 Mark 25 Pfg. von allen kaiserlichen Postanstalten, sowie von den dekannten Ausgabestellen und der unter zeichneten Expedition angenommen. Die Erpedition des „Freiberger Anzeiger und Tageblatt". Die Krimiaalstatistik für das Jahr 18S3 weist im ganzen Reiche die Verurtheilung von 430 387 Personen wegen 534 973 strafbarer Handlungen nach, gegen das Vorjahr 8076 (1,9 Proz.) Personen und 970 (0,2 Proz.) Strasthatcn mehr. Gegen 1892 haben zugenommen die Verurtheilungen wegen Verbrechen und Vergehen gegen Staat, öffentliche Ord nung und Religion um 6713 Personen und 7195 Handlmmen, gleich 10,1 bezw. 10,0 Proz., und wegen Verbrechen und Ver gehen gegen die Person um 14173 Personen und 15 051 ' Handlungen, gleich 9,0 bezw. 8,7 Prozent. Abgeuommen haben dagegen die Verurtheilungen wegen Verbrechen und Vergehen ! Bekanntmachung m, Cousiriuatiou betr. . , "der, welche zu Palmarum 1897 in den hiesigen evangelisch-lutherischen Kirchen consirmirt werden sollen, find von den Eltern bez. Pflegern u. s. w. bei den betr. Herren Geist- lichen anzumelden. ° ' v . m Berechtigt, bez. verpflichtet zur Confirmation sind diejenigen Herren Geistlichen, in Be cktv bAt ^lkrn bez. Pfleger u. s. w. der Kinder wohnen, oder zu denen dieselben im beizubrulgen* ^Migen, welche nicht in einer hiesigen Kirche getauft sind, ist der Taufschein «nter^ichnete Dompfarrer nimmt die bezüglichen Anmeldungen Dienstag, den W. und Mittwoch, den 30. dss. Monats entgegen, während bei den übrigen Herren Geist lichen dieselben Dienstag, den 6. und Mittwoch, den 7. October anzubringen sind. Der Eonftrmandenunterricht wird Mittwoch, den 21. October, seinen Anfang nehmen. Am Gonntage Vorher, den 18. Oktober, nachmittags zu noch zu bestimmender Stunde wird in allen Kirchen ein Erösfnungsgottesdienst abgchalten, zu welchem die betr. Confirmanden sich gnaden werden deren Eltern und Angehörige schon hierdurch freundlichst ein- Treiberg, den 25. September 1896. Die Königliche Superintendent«». Vit». Verdingung non Pflastersteinlieferung. Zudem im Frühjahr 1897 auszuführende» Umbau derfiskaM^ Freiberger Strafte zwischen den Stationen ü,«5 und E/Z^e aus Grünstein, die Anlieferung von rund 5600 qm bosstrten Pslasterfieulenerster feinkörnigem Granit, Quarzporphyr oder ähnlichem Matenale öffentlich verdungen werden. Die Lieferung hat bis Mitte April 1897 zu erfolgen. vollzogen in Angebote auf die ganze oder einen Theil der Lieferung stnd untersch l 4 der geschlossenem Umschläge mit der Aufschrift „Lieferung von Pflastersteinen für den umoau o» Dresden-Tharandt-Freiberger Straße" portofrei bis spätestens den 4. November dss. Ihrs. Vormittags 11 Uh* bei der mitttnterzeichneten Bauverwalterei, Zeughcmsplatz 3, An ^ genannter Zeit im Beisein etwa erschienener Bewerber die Eröffnung der eu'gega g S bote vorgenommen werden wird. Später eingehende Angebote werden nicht beru sch g. Die Auswahl unter den Bewerbern, die bis zum 20. November dss. Ihrs an chre Gebow gebunden sind, bleibt Vorbehalten. Bis dahin unbeantwortet gebliebene Angebote s g Probesteine sind bis zum 3. November dss. Js. mit dem Namen des EinliesererS ver sehen, bei der Königlichen Straßen- und Wasser-Bauinspection Dresden ^(^'"^rgartenstraße 6, ) niederzulegen, welche über die maßgebenden Bedingungen an den Werktagen zwiscye u v 12 Uhr Vormittags Auskunft ertheilt. Dresden, den 28. September 1896. Königliche Straften- und Wasser- — - Bauinspeetion H Königliche «auverwalterei AUvtU. fl v 22268 wegen Zuwiderhandlungei so ergiebt sich für das Reich im Jahre 1893 nur die Zahl von Keibtrgtr Lustiger und tz-geblatt Was den Antheil der einzelner^ Deliktsgattungen betrifft, so sind gegen 1892 mehrfach größE Verschiebungen eingetreten. Insbesondere hat sich der Prozentsatz der Verurtheilungen wegen 11,72 Prozent. kann. Dies allein < Von der Zunnahme des Antheils der Verbrechen und Ver-1 Unabhängigkeit auch geben wider die öffentliche Ordnung entfällt wieder der größteswirthschaft vermag Theil auf die Zuwiderhandlungen gegen die Sonntagsruhe. Läßt man diese außer Ansatz, so beträgt der Antheil der übrigen Ver- Deutschland. Prinz Heinrich von Preußen wurde zum Chef der 2. Division des ersten Geschwaders ernannt. Contreadmiral Arnim wurde von dieser Stellung entbunden. Vizeadmiral Koester wurde zum Chef der Marinestation der Ostsee und Vize admiral Thomsen zum Chef des ersten Geschwaders ernannt. Zur Lage der Landwirthschaft. Aus einem statistischen Nachweis ist zu ersehen, daß der Pachtzins von 13 mecklenburgischen Landgütern um mehr als die Hälfte gesunken ist. Das Gut Steinbeck brachte 1888 noch 27 570 M. Pacht, heute nur 9300 M. Wir nähern uns in Deutschland also schon recht bedenklich dem Standpunkte, auf dem sich die englische Land wirthschaft befindet, nachdem sie durch Aufhebung der Getreide- und Viehzölle den Interessen der Industrie geopfert wordcu war. Von Jahr zu Jahr nimmt in England die Masse des Ackerlandes ab, weil sich sein Anbau nicht mehr verlohnt. Das Ackerland ,, , „ wird mehr und mehr in Weideland nnd Jagdgründe verwandelt. Hinsichtlich der Kriminalität zeigt sich, daß im Jahre 1893 Aber auch der Viehbestand mindert sich daselbst trotz der Aus- auf je 100 000 strafmündige Personen der Civilbevölkerung 1210 dehnung der Weidewirkhschaft stetig, weil die englischen Land- ""— —L wirthe den Wettbewerb mit der zu ungemein billigen Preisen erfolgenden Vieheinfuhr aus Argentinien, Australien, Südafrika und Nordamerika nur noch mühsam aufzunehmeu vermöge». Das englische Beispiel weist noch eine andere höchst beachtens- werthe Erscheinung auf. Die Einschränkung des Ackerbaues hat naturgemäß eine geringere Nachfrage nach ländlichen Arbeits- „ sttw zur Folge gehabt; zahlreiche Tagelöhner sehen sich ohne Arbeit, also brotlos; ihre Lebensbedürfnisse zwingen sie, ander wärts, d. h. in den Städten Unterhalt zu suche», und deshalb ist ein so gewaltiger Zuzug von Arbeiter» i» diese erfolgt, daß ganze Strecken des platten Landes oft schon de» Eindruck entvölkerter Gegenden machen. Es ist thatsächlich nicht übertrieben, wen» mail behauptet, das; der unaufhaltsame Niedergang der eng- lifihen Landwirthschaft zuletzt im Allgemeinen ivcite Einöden auf dem platten Lande entstehen lassen muß. Was sollen aber die Städte mit dem Bevölkerungszustrom anfangen? Auch die eng-