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Wöchentlich erscheinen drei Nummern. Pränumeration«- Preis 22^ Sgr. (; THIr.) vierteltähMich, Z Thw. für da« ganze Jahr, ohne Er höhung, in allen Theilen der PreuSischen Monarchie. Magazin für die Man pranumeriri aus dieser Beiblatt der Allg. Pr. StaatS- .Zeitung in Berlin in dec Expedition (Mohren-Straße Nr. Z4); i-, hex'Provinz so wie im Ausland» bei den WohÄbl. Post - Aemtcrn. Literatur des Auslandes. L7. Berlin, Mittwoch den 8. Februar 1837. England. , Deutsche Kunst im Auslande. Bevor noch das große Werk des Herrn Grasen von Raczhnski er schien, sind die Franzosen durch einige ausgezeichnete Journal-Artikel auf die Düsseldorfer Malerschule aufmerksam gemacht worden, die sich, dem Vernehmen nach, auch auf der nächsten Pariser Ausstellung durch einige werlbvolle Bilder will vertreten lassen. Eine Ehre ist in der Thal der anderen werth. Haben doch die Franzosen den Anfang mit ihren Gesandten gemacht, und wie in der diplomatischen Well, scheint es hier auch in der artistischen nicht mehr als billig, daß wir die Artig keit erwiedern und mit einer gleich starken und ehrenvollen Mission bei ihnen erscheinen. Einstweilen ist es aber gut, wenn die Lettischen Maler-Namen in Pari« geläufig werden. Ein Ruhm, der mir bestä tigt zu werden braucht, hat es viel leichter, al« einer, der erst neu erworben seyn will. Darum verdient die ltovue liritlunigun unseren Dank, die an die Spitze ihres Artikels über die Düsseldorfer Maler schule die Namen Schadow, Lessing, Hübner, Bendemann, Hildebrandt, Sohn, Schrödter, Stilke, Jordan und Pistorius stellt. An dieser Ueber- schrifl schon merkt man, daß da» Ausland hier aus guter Quelle belehrt wird. Die Namen find trefflich gewählt und — was noch merkwür diger ist — auch richtig gedruckt, sowohl in dem Französischen Journal, al« in seiner Englischen Quelle; denn die lievuv Lrittuniizue Hal ihren Artikel nach der t nroiAn-t^uarlerl^-keviotv bearbeiiet. Wer aber aus Erfahrung weiß, wie sehr unsere Deutschen Namen von Französischen und Englischen Berichterstattern vcrstümmell zu werden pflegen, der wird auch darin eine Art von Aufmerksamkeit für die Deutsche Kunst erkennen. Gleichwobl scheint Deutschland unsere» Nachbarn doch noch immer eine ultima l'bul« im Gegensätze zu dem Europa, das sie allein zu vertreten meinen. Denn so unterrichtet auch unser Englischer Kunst- Kritiker ist, sagt er doch — und der Franzose spricht's'ihm nach —: „Vielleicht ist es uns durch unser» Skizze gelungen, Europa'« Aufmerk samkeit aus diese ehrenwerthe und wahrhaft rührende Künstler-Verbrü derung zu lenken. Unbezweifelt wird auch ihr Ruhm glänzender wer den, wenn erst der Grabstichel de« Kupferstechers in England und in Frankreich die Eompofltionen Lessing«, Hildebrandt«, Steinbrück« ic. verbreitet haben wird, Eompofltionen, die selbst die gewandteste Feder nicht im Stande seyn würde, der Einbildungskraft des Leser« erschöpfend darzustellen." - Gleich zu Anfang seiner Betrachtungen meint der Kritiker, daß e« wohl nur eine Folge ihrer allzu großen Bescheidenheit sey, „wenn Europa diese Schule bisher kaum eine« Blickes gewürdigt hat." Eine solche Bemerkung hätten wir von dem feingebildeten Eng lischen Kunstkenner nicht erwartet. Sieht e« doch au«, »l« ignorirte er absichtlich, daß es im Herzen von Europa ein große« weite« Land giebt, dessen kunstliebende Städte die Arbeiten der Düsseldorfer Maler, wie in einem Triumphzuge, empfingen, und dessen gelammte Theilnahme gewiß nicht wenig dazu beitrug, die Schule zu fördern und zu immer größeren trefflicheren Arbeiten zu ermuntern. Wahrlich, wir möchten dieses Land das Europäischste in Europa nennen, insofern wir unter Europäischem Ebarakler denjenigen verstehen, der jede Bildung in sich auszunehmen vermag und flch nicht in mehr oder weniger selbstgefälliger Nationalität abschlicßt. Doch hören wir den Kritiker auch da, wo er unserem Vaterlande Gerechtigkeit widerfahren läßt: „In Deutschland", sagt er, „ist die Kunst, gleich der Poesie und der Philosophie, einen geheimnißvollen und langsamen Weg gegangen, dessen weite Biegungen und gelehrte Abschweifungen allerdings mit jener reißenden Eniwickelung und jenem stürmischen Drang der südlichen Kunst lebhaft kvnlrastiren Dafür fin det man aber auch in der Deutschen Kunstwell eine Gedankentiefe, eine Aufrichtigkeit de« Gefühls, eine Reinheit, einen Adel der Intention und ein Studium der Detail«, wie sie die Künstler der für mehr be günstigt geltenden Länder selten zu erreichen vermögen. Solcher Art war die großartige Erscheinung der Deutschen musikalische» Schule, jener energischen und machtvollen Schule, die um so überraschender erschien zu einer Zeit, wo alle Welt glaubt», e« gäbe nirgend« sonst Musik, und e« könne sich in keinem anderen Lande eine musikalische Schule bilden, al« in Italien. Solcher Art war auch in neuerer Feit die moderne Entwickelung der zeichnenden Künste in demselben Lande: eine zweite Jugend, ein zweiter mit dem reichsten Blüthenschmuck bedeckter Früh ling, der weit hinter flch den verfallenen Zustand der Jtaliänischen Kunst läßt, die einst durch die Namen Raphael und Titian erhoben wurde, jetzt aber durch die Mittelmäßigkeit Eamuccini'S und seine« Gleichen herabgewürdigt wird." Der Kritiker führt seine Leser nun in da« hohe lichte Hau« am Rhein, da«, seitdem Meister Schadow und seine Schüler e« zu ihrer Kunst-Werkstatt gemacht, eine historische Bedeutung erlangt bat und eine der schönsten Zierden de« schönen Strome« geworden ist. Er schil dert da« brüderliche neidlose Berhältniß, da« hier, im Gegensätze zu den Jtaliänischen Schulen, zwischen älteren und jüngeren Künstlern, zwischen Milstrcbenden und Nacheiserern stattfindet. „Mitten in die sem freundlichen Vereine", fährt er fort, „ist es Schadow, der al« Lei ter und Muster wirkt; Hübner spielt die Nolle des Kritikers und de« Manne« von Geschmack; Lessing, der melancholische Maler, übt auf die sittliche und gemüthanregende Tendenz der Schule und ihrer Leistungen einen unverkennbaren Einfluß; bei Hildebrandt ist c« besonder» die Naivetät, bei Stilke und Bendemann dagegen die Majestät de« Styl« und seine Reinheit, was uns überrascht. Was aber die ganze Schule charakterisirt, ist eine gewissermaßen verborgene Harmonie, ein Kolorit, das wir R'uinato nennen, Anspruchslosigkeit, da« Verzichten auf blen dende Effekte und Kraftanstrengungen, wahre, tiefe, aber auch etwa« träumerische Empfindung, gewissenhafte Ausführung und etwas eben so Naives als Slubirles, ganz so, wie wir uns Deutschland zu denken pflegen. Tiefe ist es und nicht Glänz, was diese Künstler erstreben, die der Einfachheit der Kunst ihre edle Hingebung weihen, was aber natürlich dazu beitragen mußte, fie in einer gewissen Obskurität zu erhalten." — Wir vermutben fast, daß sich der Englische Kritiker der Geschmacklosigkeit seiner Landsleute schämt, die jährlich zu vielen Tau senden den Rhein hinauf nach Baden-Baden und der Schweiz pilgern, bekanntlich aber diese Tour bloß machen, um sagen zu können, daß sie da gewesen sind, und die daher auch von solchen Merkwürdigkeiten, welche in Reichard s „Oerinan 'l'nuriüt" noch nicht verzeichnet sind, gar keine Notiz nehmen. Sollten unsere Düsseldorfer Maler aber wirk lich deshalb obskur genannt werden können, weil die gedankenlosen Eng lischen Dampfboot-Reisenden, diese Theemaschinen, die kaum für die Rebenhügel de« Rheins, geschweige denn für seine Kunstschätzt, ein Auge Haden, sie noch nicht schaarenweise ausgesucht badens Wahrlich, das wäre eben kein dankenswertbe« Verdienst der koreixn-yuarterl)-- lievievr, wenn ihr sonst so schitzenswertber Aussatz auch d>n Erfolg hätte, daß nun die Engländer bei Düsseldorf das Dampfboot verließen und mit ihrer lästigen Schaulust den Künstler-Verein bei seinen Arbei ten störten, die sie doch nicht zu würdigen wissen. E« versteht sich übrigen« von selbst, daß wir hier nur diejenigen Englischen Reisenden meinen, die seit zehn Jabren immer zahlreicher den Rhein besuchen und dort eben so wegen ihrer Indolenz als wegen ihrer Knauserei nicht sonderlich beliebt sind, und wir brauchen wobl kaum binzuzufügen, daß wir darum kein allgemeines Vorurtheil gegen eine der gebildetsten und einflußreichsten Nationen der Erde hegen. Unser Englischer Kunst-Kritiker ist übrigens mit den Gemälden der Schadowschen Schule so vertraut, daß wir vermutben, es bade ihm bei seinen Detail« das große Werk des. Grafen von Raczhnski zum Theil fchon vorgelegen. Inzwischen kennt er doch die neuesten Arbeiten der Düsseldorfer noch nicht, was namentlich in Bezug aus die „Söhne Eduard'«" zu bedauern ist, da wir gerade darüder da« Urlbeil eine« Engländer« gern gehört hätten. Al« Hildebrandt « bedeutendstes Bild ist hier noch seine „Judith und HolopherneS" genannt. Lessing wird mit besonderer Vorliebe portraitirt und auf treffende Weise mit Leopold Robert verglichen. Etwas schwerfällig nimmt sich in der Französischen Uedersetzung der lievne llritt»ni,zue da« „trauernde Königspaar" a« „le couzile rn^sle <I»n« l» änuleur aus. Mit einem heiteren Blick, den unser Engländer auf das Beisawmen- lcben der Rheinischen Maler wirft, wollen wir diese» Artikel schließen. „An den Ufern de« Rheins", sag, rx, „erhebt sich ein große« viereckige« Gebäude von sehr einfacher und regelmäßiger Architektur; Rube herrscht im Innern, so wie in de» Umgebungen. Die Zimmer zu ebener Erde werden zur Bibliothek, zu Studien-Sälen und zu einigen Wohnungen benutzt. Im ersten Stock befinden flch die Atelier«, an« einer Reibe von großen Zimmern mit Bogen. Fenstern bestehend. Der Echutzgeist, der Vater dieses Künstler-Klosters ist Schadow, dessen Atelier flch in einem Zimmer befindet, da« gerade aus die große Treppe stößt. Um ibn trifft man gewöhnlich seine vertrautesten Freunde, Deger und Köbler; Leger, sein Tröster und treuer Achates, Köbler, der ih», seine Künstler- Lanfbabn verdankt. In mehr oder weniger entfernten Distanzen arbeiten nun andere Maler, die sich zu zwei und zwei vereinigt haben: Hübner mit seinem Schwager Bendemann, Stilke mit Deger, Sobn mit Lessing, Köhler mit Sonderland, Rechel mit Reinick, Hildebrandt mit v. Oer.