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D Kl ler TheLlllh, Men Batas aumam», trlaffnm, ltersdoff. "go. Plötzlich ich, e, Frau km Ics örimn^ nterla-em. nber M. SeleLontea M Zestern ü»ci>- 'Vstsr, önch ZcblÜMLcbsj Nüved, er iMze eins ääten ist. i terlEveii. lisnsu nvä ittLN, 1885. ttvock '/,Slik! t. eige. verschied pW f. Bergarbeiül genftm,, zeigt tieftet!- »terlasiem. DienstagZäch ise, Forstweg lk 6Igv. 4 Uhr eaUq im 83.^ utter und Tack liöschenoberstchl geb. Wächtler iber 1885. eUage. 20S Erscheint jedm Wochentag Abend« '/.7 Uhr für den andern Tay. Preis vierteljährlich 2 Mark 25 zweimonatlich 1 M. üv Pf. und cinmonallich 75 und Tageblatt. Amtsblatt für die königlichen nnd städttschen Behörden zn Freiberg nnd Brand. Verantwortlicher Redakteur: Julius Braun iu Freiberg. —— —^om^ iL°LrS'°vVA.°.s°>- 1885. Pf. Mltiwoch, den 9. Septemoer. od-r derm R-um is Pf. ü... Nochmals Brasilien. Bei der nicht unwichtigen Stellung, welche das deutsche Element in dem südamerikanischen Kaiserreiche bereits ein- mmmt, und bei der mehrfachen Erörterung einer noch größeren deutschen Ackerbau-Kolonisation daselbst, hielten wir es anläßlich des Sturzes des brasilianischen liberalen Kabine ts Saraiva für angezeigt, die Verhältnisse Brasiliens einer kurzen Betrachtung zu unterziehen. Für dieselbe konnten keine anderen Anschauungen maßgebend sein als deutsche und monarchische und zwar diejenigen der vielen in jenem Kaiserreiche, besonders in den Südprovinzen Rio Grande do Sul und Santa Catharina ansässigen Deutschen. Ebenso verständlich ist es, daß mit vollem Vertrauen Behauptungen wiederholt wurden, welche sich in der in Porto Alegre erscheinenden und im entschieden liberalen Sinne redlgirten „Koseritz Deutschen Zeitung" vorfanden. Die deutschen Landsleute, welche in Rio de Janeiro leben, sollen dem politischen Leben Brasiliens ferner stehen, als die politisch sehr rührigen Deutsch-Brasilianer in den erwähnten Provinzen. Jedenfalls schöpfen alle größeren deutschen Blätter ihre Kenntniß von den jetzigen Zuständen in dem südamerikanischen Kaiserreiche aus ganz derselben Luelle. Um so interessanter ist es, die dortigen Zustände einmal von einem anderen und zwar einem nichtdcutschen Standpunkte aus geschildert zu sehen, Brasilien so kennen zu lernen, wie es von einem Brasilianer beurtheilt wird. Dazu wurde uns durch ein Schreiben des an der hiesigen Bergakademie studirenden Herrn F. Retumba Gelegenheit. Sowohl die Unparteilichkeit wie der Gerechtigkeitssinn er heischen, diesen Brief an derselben Stelle zu veröffentlichen, an welcher sich die frühere Betrachtung befand. Das von hier am 2. September d. I. datirte Schreiben lautet: »Mit großer Aufmerksamkeit habe ich den Leitartikel gelesen, welchen die gestrige Nummer Ihres werthen Blattes über die jetzige Staatsgeschäftslage Brasiliens enthält. Erlauben Sie mir zunächst Ihnen für denselben herzlichsten Dank auszusprechen. In den 11 Jahren, welche ich nun schon in Europa zugebracht habe, bemerkte ich, daß die gegen mein Land gehegte oder affcltirte Gleichgiltigkeit ebenso groß als ungerecht ist. Ihren Bemühungen zufolge ist dieselbe jedoch eine in Freiberg unbekannte Krankheit. Diese guten Gesinnungen indessen werden theilweise dadurch aufgehoben, daß Ihre Nachrichten nicht immer der Sachlage vollständig entsprechen. Verkennen Sie also die gute Ab sicht nicht, in der ich mir erlaube einige Punkte Ihres zuletzt publizirten Artikels zu rektifiziren. Sie versichern zunächst, gestützt auf die Angaben eines deutschen Blattes von Porto Alegre, daß der Kaiser Dom Pedro II. krank sei und deshalb nach Karlsbad abreisen werde. Diese Nachricht scheint mir deshalb weniger begründet zu sein, als gerade die bedeutendsten Journale Rw de Janeiro's nichts davon erwähnen und ich Ihnen versichern kann, daß man ganz besonders in dieser Stadt über die geringsten Details des Lebens Dom Petro's eingehend unterrichtet ist. Seien Sie überzeugt, daß die wiederholten Minister- krisen aus das persönliche Wohlbefinden des Kaisers keinen Einfluß haben, da seit 63 Jahren, seitdem Brasilien kon stitutionell, noch Niemand daran gestorben ist, und bei uns der Ministcrwechsel fast immer von einem bis höchstens »u zwei Jahren regelmäßig sich wiederholt. Uebrigens er scheint dieses Faktum den lateinischen Völkcm durchaus nicht ungewöhnlich. Bei dieser Volksrasse hat die Sucht nach Neuem keine Grenzen und sind außerdem ihre politischen Institutionen von derartig demokra tischer Natur, daß dieselbm einem jeden Staatsbürger, welcher sich für fähig hält, seinem Lande dienen zu können, vollständige Machtbefugniß in politischen Angelegenheiten gewähren. Gewiß ist es, daß dieses System sehr viele Unannehmlichkeiten enthält, doch sind wir trotz derselben vollständig mit ihm zufrieden. Der lebhafte Wunsch, die Sklaverei mit einem Male in seinem Lande abzuschaffen, welchen Sie dem Kaiser von Brasilien unterschieben, dient entschieden dazu, seine Popularität in Europa zu ver mehren. Leider doch wissen wir Brasilianer nichts von diesen Intentionen; im Gegentheile wird Ihnen jeder von meinen Landsleuten beweisen, daß die Sklaverei bei uns schon längst abgeschafft sein würbe, wenn der Kaiser jemals dies ernstlich beabsichtigt hätte. Doch brechen wir ab davon. Die politischen Parteien Brasiliens werden von Ihnen in sonder barer Weise klassifizirt. Sie sprechen von einer liberalen, einer konservativen, einer radikalen und einer klerikalen Partei. Es giebt in Brasilien auch nicht die Spur von einer radikalen Partei, da die Tyrannei daselbst absolut nicht existirt. Auch wird es dem Klenkalismus niemals gelingen, eine Partei zu formiren m einem Lande, dessen einzige Religion die des Herzens ist und wAche zur Devis hat: „Thue das Gute und ube deine PflM große Parteien sind die einzigen in Brafiüen. der Repubu- kanismus und der Monarchismus. Die eigentliche republi kanische Partei, diejenige, welche man später vielleicht mit Recht die radikale nennen wird, nimmt an den Kumpfen um die Gewalt noch keinen Antheil; ihr Wahlspruch ist: „Warten". — Die monarchistische Partei, welche sich m die Fraktionen der liberalen und konservativen Monarchisten thcilt, ist gegenwärtig Herr der Situation. Die Ideen dieser zwei Parteien sind derartig verschwommen, daß ihre Differenzen oft nur persönlicher Natur sind. Gegenwärtig giebt es nun noch die Partei der Abolitionisten, welcher der größte Theil des brasilianischen Volkes angehört und welche schon seit fünf Jahren für die augenblickliche und vollständige Abschaffung der Sklaverei agitirt. Jedoch ist dieselbe nur eine ideelle, keine politische Partei. Schafft die Sklaverei ab und dieselbe hat zu existiren aufaehört. Es giebt bei ihr ebensoviele Republikaner als liberale und konservative Monarchisten und jeder aufrichtige Patriot ist eifrigst bestrebt, derselben anzugehören. Gerade gegen diese Partei haben Sie die grausamste Ungerechtigkeit begangen. Sie nennen dieselbe die radikale und beschuldigen sie, die Abschaffung der Sklaverei zu verzögern. Werden wir uns jedoch zunächst über die Ursachen des Sturzes des Mini steriums Saraiva einig. Dasselbe folgte dem Ministerium Dantas, welches nur deshalb stürzte, daß sein Projekt der Sklavenemanzipation von der Kammer verworfen wurde. Die Kammer besteht aus Konservativen und Liberalen in der Anzahl von 120 und die beiden Fraktionen sind, einige Republikaner ausgenommen, etwa gleich stark. In ihrer Majorität jedoch sind die Kammermitglieder ebensowohl von konservativer als von liberaler Seite entweder selbst Sklavcnbrsitzer oder von Wählern, welche Sklaven besitzen, abhängig. Die Verwerfung des Projektes Dantas scheiterte nur eben an dieser, der Sklavenabschaffung feindlichen Koalition. Der Minister Saraiva, selbst großer Sklaven- bcsitzcr, entschloß sich nun, der Kammer ein Emanzipations projekt zu unterbreiten, in welchem die rudimentärsten Humanitätsideen den Interessen derselben geopfert wurden. Die ganze Nation verurtheilte augenblicklich dieses abscheu liche Projekt und im Namen des ganzen Volkes vereinigte sich eine große Zahl liberaler Deputirter, im Großen und Ganzen ehemalige Mitglieder deS Ministeriums Dantas und seiner Parteigänger, nebst einigen konservativen und republikanischen Deputirten, in der festen Absicht, dem Projekt des Ministeriums Saraiva den unerbitt lichsten Krieg zu erklären. Der Minister wendete sich nun, als er merkte, daß er auf eine liberale Mehrheit nicht rechnen könnte, an die Konservativen, und er, der Liberale, sah sich gezwungen, bei seinen Gegnem Propa ganda für sein Projekt zu machen. Die Konservativen verfehlten auch keineswegs, von der Sachlage zu profitiren und einen geheimen Pakt mit dem Minister Saraiva zu machen. Dieser geheime Vertrag, welcher von den Aboli tionisten enthüllt wurde, war ungefähr so abgefaßt, daß die Konservativen der Regierung' ihre Unterstützung ver sprachen und daß das Gouvernement mit den treu ge bliebenen Liberalen eine Majorität bilden würde, geeignet, das Projekt Saraiva's dnrchzubringen; daß Letzterer seiner seits sich verpflichtete, unter irgend welchem Vorwand auf seine Stellung zu Gunsten der Konservativen zu verzichten, sobald als sein Projekt angenommen worden sei. Und in der That, wie die Ereignisse es beweisen, ist man dem Pakte bis zum Ende vollständig treu geblieben. Daher der Sturz des Ministeriums Saraiva und die Bildung eines konservativen Ministeriums unter der Leitung des Barao de Cotegipe. Es ist also keineswegs die Partei, die Sie die radikale nennen, die sich den Wünschen des Kaisers entgegenstellte; im Gegentheile hat das Ministerium Saraiva selbst sich sein eigenes Grab gegraben. Die Partei, die Sie die radikale nennen und als eine demoralisirende bezeichnen, ist dieselbe abolitionistische Par tei, welche den so bedauernswürdigen Vicconde do Rio Branco mit ganzen Kräften unterstützte, das unsterbliche Gcsctz durchzubringcn, welches bestimmte, daß vom 28. Sep tember 1871 an im ganzen Kaiserreiche Brasilien nur freie Bürger geboren werden würden. Es ist dieselbe Partei, welche das Gesetz vom Emanzipationsfonds cinführte, der seit 1871 mehr als 20000 Unglücklichen, und nicht 8000 die Freiheit brachte. Es ist dieselbe Partei, welche im ganzen Lande verbreitete Vereine und zahlreiche Sozietäten grün ¬ dete vermöge deren Anstrengungen mehr als 120000 Sklaven na°ch und nach von «hren Herren fteigegeben wurden sodaß heute die Provinzen von Ceara und Ama zonas vollständig sklavenlos sind und die von Pernambuco und M° Grande do Sul bald sem werdem Eme solche Vartei verdient die Bewunderung der ganzen Welt und nicht RLLLn. Mrch.« s. m» d-b d°W Cotegipe seine Stellung dem Klenkalismus überlasse. In meinem Vaterlande ist eine klenkale Partei eme Chimäre. Was aber die Gesetze hinsichtlich des Grobgrundbesitzes und der Klöster anbetrifft, wird kem brasilianischer Staats- !mann je es wagen, dieselben zu berühren. Indem ich schließe versichere ich nochmals, daß die Sklaverei in Brasilien mit emem Male und gewiß recht bald, innerhalb 5 Jahren vielleicht, abgcschafft sem wird. Aber weder politische Parteien, noch die Kammer noch der Kaiser werden diese Mission erfüllen, sondern das ganze Volk wird es thun. Dann hoffe ich, daß Sie gewiß emer der Ersten sein werden, welcher kommen wird, um mir glückwünschend die Hand zu drucken Mit aller Achtung F Retumba. Freiberg, den 2. September 1885. Ein eigenthümlicher Zufall hat es gewollt, daß unS fast unmittelbar nach Empfang dieses Schreibens die Freitag-Nummer des liberalen „Frankfurter Journal" - (vom 4. September d. I.) zuging, deren Leitartikel „Die politische Stellung der Deutschen in Brasilien" nicht nur in der Beurtheilung des in Deutschland wohl allgemein verehrten Kaisers Dom Pedro II, sondern auch m derjenigen der brasilianischen Partewerhältnisse merkwürdig mit unserer Darstellung übereinstimmt, Manches sogar noch weit schärfer beleuchtet. In diesem erst drei Tage nach unserem Aufsatze erschienenen Artikel heißt es wörtlich: „Es giebt in Brasilien zwei große Parteien, die liberale und die konservative; jenseits der liberalen, fängt seit emer Reihe von Jahren eine dritte, die republikanische an Fuß zu fassen. In den letzten Jahren hat sich eine Anzahl von Liberalen von der Partei abgetrennt und eine eigene Partei gebildet. Es sind das die Radikalen oder Dissidenten, die eine um so größere Bedeutung für das parlamentarische Leben haben, als im klebrigen die Zahl der Libe ralen und Konservativen sich ziemlich gleich ist. Die überwiegende Mehrzahl der überhaupt für die brasi lianische Politik sich interessirenden Deutschen gehört der liberalen Partei an. In der Provinz Rio Grande do Sul sitzen bereits zwei naturalisirte Deutsche im Provinzial« Parlament, die Herren Fr. Haensel und C. v. Koseritz, der geniale und muthige Vorkämpfer des Deutschthums in Brasilien und der verdienstvolle Redakteur der „Koseritz' Deutschen Zeitung" in Porto Alegre. Im Allgemeinen sind die Deutschen Süd-Brasiliens monarchisch gesinnt, wie sich erst in eklatanter Weise Ende des vorigen Jahres gezeigt hat, als die Kronprinzessin mit ihrem Gemahl, dem Conde d'Eu und ihren Kindern den Süd-Provinzen des Reiches einen längeren Besuch abstattete. Wie die politischen Verhältnisse in Brasilien nach dem Tode des jetzigen Kaifers werden, ist noch nicht zu sagen. Wird die Kronprinzessin zur Regierung kommen nnd wird sie in diesem Falle den Koloß auch dauernd Zu sammenhalten können? Werden die Republikaner bis da hin so viel an Bedeutung gewonnen haben, daß ihr Ein fluß maßgebend auf die eventuelle Umgestaltung der Dinge sein wird? Das Alles sind Fragen, welche den brasiliani schen Politiker ernstlich beschäftigen. Was auch nach dem Tode des edlen Dom Pedro II. geschehen mag, so viel steht fest, daß das monarchische Prinzip im Süden des Reichs, in den Bewohnern der deutschen Kolo nien, seine festeste Stütze hat und daß das deutsche Ele- im nöthiacn Fall ein sehr gewichtiges, wenn nicht )as entscheidende Wort mitzusprechen haben wird. Brasi- ren ist ein krankes Land und nur eine germanische Ver« ungunakann ihm gründlich aufhelfen, das ist nicht nur "Mere Einung, sondern in gleicher Weise die einiger der Selsten Geister Brasiliens. Wir nennen nur die Namen Henrique d'Avila, Sylvio Romero, Barreto de Meneses, Ladislau Netto. Brasilien ist Nverschwenderisch ausgestattet, und demjenigen dort die Zukunft, welches es versteht, die Schatze dem Boden abzuringen." braM^.k,?^ wird zugeben, daß diese Schilderung ist Zustande von der seinigen sehr verschieden einer m giebt in Brasilien keine Spur von chE^ - .Frankfurter Journal" schreibt derselben sogar einen großen Einfluß zu. In ganz