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Prei« . . . j Amtsblatt -es König!» Bezirksgerichts zu Freiberg sowie -er König!» GerichtsSmiet e-- Freiberger Anzeiger ------ u, »i« Nachmittag» xMtare Zeile »d« 1 Uhr für die nächst. deren Naum mit 5 Tageblatt. und der StsdtMhr zu Frrib-rg, Sayda und Brand Sonnabend, den L8. September. ^Mittlerweile gerieth die päbstliche Curie in aut von siot". rung an seinen Vorgänger den Namen Clemens XIV. an: er verdankte seine Wahl hauptsächlich französischem Einflüsse. I« Rom ward die Wahl mit großem Jubel ausgenommen. Kein Pabst von den 268 Päbsten, welche die Geschichte kennt, hat sich einer solchen Popularität besonders auch unter den Pro testanten zu erfreuen gehabt, als Clemens XIV. Verweilen wir deshalb etwas länger bei diesem Kirchenfürsten, der, was nur sehr Wenige wissen, im heftigsten Kampfe mit sich selbst und den äußeren Verhältnissen seinen Namen zwar der Ünver» gcßlichkelt anvertraut hat, aber auch im entscheidenden Augen» blicke von der Ueberzeugung durchdrungen war, daß er sein Todesnrtheil unterschreibe. Johann Vincent Anton Ganganelll war am 31. Octbr. 1705 in dem Marktflecken St. Arcangelo bei Rimini aus einer adeligen Familie geboren. Schon im frühesten Knabenalter entwickelte er Eigenschaften, die ihm eine ruhmvolle Zukunft verhießen. Seine Aeltern sagten von ihm: „wir fürchten sehr, daß er ein Sonderling oder ein ruhmsüch tiger Mensch wird; er nimmt keinen Theil, an dem, was die Kinder beschäftigt, doch tröstet unS daS, daß er immer ein Buch in der Hand hat". Wie oft im Leben der Menschen unbedeutende Zufälligkeiten einen entscheidenden Einfluß auf ihre die wie in der Regel den tüchtigsten Männern, so auch ihm eigen war, drängten ihn die Männer, die ihn zu würdigen in immer größer- B-drängniß durch die von Tag zu Tag 3°"^ Nutung äußern, so ward auch für Ganganell, ein G-- v-chsend- Partei, welche di- gänzliche Aufhebung der Jesuiten ! spr^ ge.streichen Franz,skaner die Veranlassung, Hst stürmisch verlangt-, mächtig unterstützt von der öffentlichen daß er ungeachtetet eifrigen Abmahnens dennoch in den MönchS» Meinung sowohl der katholischen als der protestantischen Welt «d«n des Franz von Assisi -intrat. Trotz der Bescheidenheit- Verständen, und die Verhältnisse, die gerade eines solchen Cha- rak.ers und einer solchen Befähigung bedurften, in den Vorder grund. Am 24. Septbr. 1755 ward er Kardinal. Die Frage über ' die Jesuiten drängte natürlich sich auch an ihn heran. Seine Antworten waren eben so kurz als vorsichtig. „Man sträube sich, sagte er einmal zum Kardinal Cavalchini, wie man will, wenn der römische Hof nicht ganz um sein Ansehen kommen soll, wird er sich nothwendig mit den Fürsten versöhnen müs sen. Sie haben lange Arme, die über die Grenzen ihrer Staaten hinausreichen, und ihre Macht erhebt sich über die Alpen und über die Pyrenäen". Aber trotz seiner Zurückhal tung glaubte man doch in ihm einen Gegner der Jesuiten voraussetzen zu dürfen: daher seine Beliebtheit bei der fra», zösischen Partei, daher die Freude über seine Wahl bei allen Feinden der Jesuiten. Clemens XIV. war eben so ausgezeichnet als weltlicher Regent wie als Oberhaupt der Kirche. Aber seine Lage hatte ungewöhnliche Schwierigkeiten nicht nur den Parteien in Rom, sondern auch den katholischen Mächten gegen über, die immer dringender die Aufhebung der Jesuiten ver langten, zumal seil dem Mordanfall auf Joseph I. von Por tugal, der nachweislich ein Werk der Jesuiten war. Wohl wissend wie sehr er umlauert sei, nahm Clemens die Sache der Jesuiten ganz allein insofern in die Hand als er mit den Höfen den Briefwechsel ganz eigenhändig führte und aus sei ner Umgebung kaum Einem wahrnehmen ließ, daß der Plan der Aufhebung des Ordens Lei ihm bereits zur Reife gediehen i sei. Plötzlich — es war der 6. August 1773 — berief der ! Pabst 5 Kardinäle zu sich und händigte denselben das Aufeh- Und in der That berief der Pabst Clemens XIII., der keinen ilusweg mehr sah, den Kabineten von Portugal und Frank- «ich gegenüber, auf den 3. Februar 1769 ein Consistorium zusammen, dem er den Vorschlag der Aufhebung des Ordens zu machen gedachte; doch in der Nacht vor dem Tage, der über das Loos der Jesuiten entscheiden sollte, starb Clemens XIII- Das Conclave") — so heißt die Versammlung von Kardinälen, dmen seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts die Wahl eines neuen Pabstes übertragen ist — trat sofort zusammen, die Augen des ganzen christlichen Europa's waren auf dasselbe gerichtet um so mehr, weil man recht wohl die Jntriguen einer selchen Versammlung kannte und was das gegenwärtige an langte sehr gut wußte, daß di.e Jesuiten einflußreiche Freunde unter den Kardinälen hatten. Nach 3monatlichcr Dauer ging der Franziskaner-Mönch aus der Familie Ganganelll als Pabst auS dem Conclave hervor*"): er nahm auS dankbarer Erinne- ') Sie mögen sein, wie sie sind, oder sie mögen anfhören zu hin. ") Die derartige Versammlung derKardinäle in ein em Zimmer, da» nicht eher verlassen werden darf, biß die Wahl erfolgt ist, ward «in Gregor X. (1274) angeordnet und ist jetzt noch wesentlich ditselbe. "') Die Originalaktenstücke über das Conclave sind erst in «mester Zeit genauer eingeseheii und ausgezogen worden. An der Spitze der französischen Partei stand der Kardinal v. Bernis, das Haupt der entgegengesetzten Partei war der neapolitanische Gesandte in Rom, der Kardinal Orsini: der beiderseitige Briefwechsel ist bit ter aber diplomatisch betrrachtet von großem Werth. Wer besonderes Interesse an der Sache hat, muß sich an das große klassische Werk »°n Theiner „Geschichte des Pontificats Clemens XIV. (Paris 185L) wenden." Die Jesuiten: die wachsende Opposition gegen ft, die Aufhebung ihres Ordens. Clemens XiV (Ganganclli). IV. Die Opposition gegen den Orden ging namentlich von den Kabineten einiger streng katholischen Staaten aus: in Portugal war es der Minister Pombal, in Spanien der Minister Arando und in Frankreich der wohlmeinende Rathgeber im Kabinete > deS Königs Ludwigs XV-, Choiscul, welche die Vertreibung dis Ordens aus ihren Staaten durchsetzten und die päbstliche Curie zur gänzlichen Aufhebung desselben zu drängen suchten- Auch auS Neapel, Parma und Malta mußte der Orden wei° chen; selbst Oesterreich schloß sich unter Maria Theresia mi* Zustimmung ihres langjährigen und erfahrenen Rathgebers des Fürsten Kaunitz, obwohl mit einigem Widerstreben den westeuropäischen Kabineten an. Ein Versuch, den Orden zu mir theilweisen Abänderung seiner Institutionen zu vermögen, scheitnte an dem Widerstande des damaligen Generals Ricci, »dem er die berühmt gewordene Aeußerung that: „siut ut sunt i 18o8.