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Erscheint jeden Wochentag früh S Uhr. Inserate wer den bi« Nachmittag« Z Uhr für die nächst- erscheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger und gespaltene Zeile oder . U' . ^eren Raum mit S Tageblatt. « 122. So«»a0end, be" 30. Mai. 1887. PfLBHßEN Wandle feil nicht deinen Glauben Nach der Mode, wie ein Kleid, Lüstern nach den süßen Trauben, Die man dem Verräther beut; Opfer wallt von Blumentriften Balsamdustend nach den Höh'n, Wo herab aus reinen Lüsten Seine Friedenöpalmen weh'n. Da wird's klar und offen werden, Wer den Vater würdig preist, Da zerstäubt das Werk der Erden In der Sünd' am heil'gen Geist. Nnterm Baldachin der Maien, Golddurchwirkt vom Sonnenstrahl, Zieht mit heil'gen Geistes Weihen Pfingsten in das Pilgerthal: Trübe nicht der Wahrheit Quelle, Fälsche nicht das Gotteswort, Daß dir nicht im Dienst der Hölle Deines Lebens Kraft verdorrt; Jubelnd singt der Hain ihm Lieder, Weihrauch bringt der Wald ihm dar, Blüthen streut der Baum ihm nieder Nnd bekränzt ihm den Altar; Will man auch darob dich bannen, Steure fest zum Hasen fort, Wahrheit wird die Segel spannen, Und der Herr ist mit an Bord! Ueberall ein geistig Beben Auf den Wassern, aus der Flur, Alles athmet Geist und Leben — Pfingsten feiert die Natur. Fei're drum, erlöste Seele, Nur dein Pfingsten wahr und treu, Daß der Anker dir nicht fehle, Deine Fahrt gesegnet sei! Segnen mußt du, nicht verdammen, Lieben, und verfolgen nicht, Geister, die von oben stammen, Haben droben ihr Gericht. Fei're du, erlöste Seele, Auch dein Pfingsten wahr und treu, AuS der dumpfen Kerkerhöhle Non des Jrrthumö Banden frei! Schmink' dich nicht mit frommen Mienen, Händefalten, Brudergruß, Silberlinge zu verdienen, Wie der Judas mit dem Kuß! Hermann Barth.