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Hätte die sozialdemokratische Verhetzung nicht schon die ungeheuerlichsten Blüthen getrieben, so daß man bei ihr stets auf das Undenkbarste gefaßt sein muß, man würde es nicht für möglich halten, daß die deutsche Kolonisations bewegung gerade innerhalb der Arbeiterpartei am wenigsten gewürdigt und am meisten verspottet und verlästert wird. Erhält die Bewegung doch mit Rücksicht auf die erhoffte Milderung sozialer Nothstände in den maßgebendsten Kreisen ihren stärksten Herzschlag und ihre sittlichste Triebfeder, so daß kein Theil der Bevölkerung ihr wärmer und lauter zujubeln sollte als derjenige, dessen spezielle Vertretung die Führer der Sozialdemokratie in Erbpacht genommen zu haben behaupten. Freilich erklärt sich die feindliche Haltung dieser Führer sehr bald, wenn man ihr agitatorisches Inter esse von den wahren Interessen der Ärbeiterwelt trennt und den Aerger der sozialdemokratischen Häuptlinge als einen Maßstab ihrer Furcht vor den sozialen Friedens stiftungen einer mit Rücksicht auf die soziale Frage betrie benen Kolonisations- und Auswanderungspolitik betrachtet. In der That, dieser Aerger und diese Furcht sind in jeder Hinsicht begründet. Die republikanischen Leiter der Sozial demokratie bemerken in der deutschen Kolonialbewegung einen Geist und einen Maßstab, der ihren Volkseinfluß zu ent thronen und dadurch ihr republikanisches Zukunftsideal zu vereiteln droht. Fürst Bismarck, welcher der deutschen Kolonialbewegung den Stempel seiner weltgeschichtlichen Größe aufdrückt, ist derselbe staatliche Machthaber, welcher sich als „Anwalt des kleinen Mannes" ankündigte und diese Anwaltschaft ganz gewiß auch in seinen kolonial politischen Berechnungen wahrnimmt. Als Leute von großer Klugheit sagen sich die sozialdemokratischen Führer, daß unsere Staatslenker ihrer Kolonialpolitik keinen Zuschnitt geben werden, welcher keine Rücksicht auf die Anforderungen der sozialen Frage nimmt, ja umgekehrt das soziale Elend sogar steigern würde. Was die sozialdemokratischen Blätter in dieser Hinsicht mit Hinweis auf das steigende soziale Elend in England behaupten, wird von ihnen selbst ganz gewiß als bloßer Scheinbeweis erkannt, denn ihre oberste Autorität, Karl Marx, hat ja nachgewiesen, daß dieses Elend nicht in der Kolonialpolitik wurzelt. Vor allen Dingen aber beweisen schon die ersten Schritte des Fürsten Bismarck auf der neuen Bahn, daß er sich der industriellen und sozialen Gefahr eines von fremder Zollwillkür abhängigen Exports sehr wohl bewußt ist und auch die Mittel kennt und zu gebrauchen weiß, um den deutschen überseeischen Export fremden Zollsperrungen zu entrücken. Indem er den unermeß lichen Märkten Jnncrafrikas dieZollfreiheit durch internationale Verträge sichert, sichert er dem deutschen Export dorthin für die Zukunft eine Stabilität, wie sie der englische Export seither nur in den eigenen Kolonien hatte. Die industrielle und damit auch die soziale Bedeutung dieses diplomatischen Meisterwerks ist früher nicht genügend gewürdigt worden, am wenigsten in der Geistesnacht sozialdemokratischer Ver hetzung, von der unsere Arbeiterkreise eingehüllt und ge trennt sind vom anbrechenden neuen Tage nationaler und wirthschaftlicher Hoffnungen. Fürst Bismarck wies die Forderung des Normalarbeits- tageS besonders deshalb entschieden zurück, weil in seinem System andere Hebcliverke zur Verbesserung der sozialen Nothstände, zur Hebung der arbeitenden Klassen vorgesehen sind. Unter diesen Hebclwerken steht die Kolonialpolttik m erster Reihe. Man erinnere sich der Gesichtspunkte, unter welchen dem Reichskanzler seit 4 Jahren eine kolonial- Politische Initiative ans Herz gelegt wurde. Es war die andauernde Ungunst der wirthschaftlichen Lage unseres Vaterlandes, die ungenügende Zunahme des Absatzes un serer Industrie, die mehr und mehr abnehmende Rentabilität der Kapitalanlagen innerhalb unseres gegenwärtigen Wirth- schaftsgcbiets, die Ueberfüllung aller Erwerbszweige mit tüchtigen Kräften, welche daheim, keine Verwendung mehr finden können, die steigende Unzufriedenheit aller Berufs zweige, namentlich des Arbeiterstandes, mit den Gelegen heiten zur Arbeit nnd dem Ertrag und Erfolg ihrer Arbeit, die zunehmende Noth unseres Mittelstandes und das immer stärkere Anwachsen unseres Proletariats, die drohenden Uebel stände ^unseres Volkslebens, veranlaßt durch solche gedrückte Wirthschaftsverhältnisse, die jährlich wachsende Zahl solcher Verbrechen, die im Wesentlichen auf Erwerbslosigkeit und Verzweiflung zurückzuführen sind, die äußerlich unterdrückte, im Stillen aber wachsende sozialdemokratische Bewegung, die Abnahme der Thatkraft und des Unternehmungsgeistes, des sittlichen Ernstes und ideellen Strebens auch m den gebildeten Klassen, die schädlichen Wirkungen unserer Massenauswanderung nach unter nationalen Gesichtspunkten verlorenen Posten und Gebieten diese Gesichtspunkte und Thatsachen wurden dem Reichskanzler bei Befürwortung einer aktiven deutschen Kolonialpolitik vor Augen geführt. Es wurde in solcher Politik eine Ausdehnung unseres Wirthschastsgebiets, eine Vermehrung unseres Exporthandels, eine rentable Verwendung unseres Ueberschusses an Kapital, Intelligenz und Arbeitskraft, eine Hebung des Wohlstandes, der Geschäfte, der Fabriken und Löhne und damit ein großer, ja der größte Beitrag zur Lösung der Arbeiterfrage erblickt. Als kluge Leute merken di« republikanischen Führer der Sozialdemokratie, daß die großen Beispiele und Maßstäbe des Fürsten Bismarck auch im deutschen Volke, zunächst innerhalb der höheren Klassen, ähnliche Maßstäbe für die Privat-Initiative erzeugen und einem Zustand nationaler Erschlaffung und Kleinlichkeit und damit auch dem der sozialdemokratischen Herrlichkeit ein Ende machen werden, denn diese letztere ist ja nur ein Produtt jener Ermattung. Die Sozialdemokratie verachtet zwar die Geschichte, aber das wird ihr daraus doch wie ein Phänomen entgegen leuchten, daß der einmal erwachte deutsche Volksgenius keine halben Arbeiten verrichtet, also, von einem großen Beispiel aus dem Schlummer gerissen, auch auf den neuen Bethätigungsfeldern der überseeischen Kolonisation, der Sozialreform und der inneren Ueberwindung der Sozial demokratie ganze Arbeit verrichten wird. Tagesschau. Freiberg, den 26. Januar Die freie wirthschaftliche Vereinigung des deutsche« Reichstages sieht die von der Reichsregierung vorgeschlagene Erhöhung der Getreidezölle nicht als genügend an und will beim Reichstage die Erhöhung des Roggenzolles und Weizrnzolles auf je drei Mark beantragen. Dagegen sprechen sich zahlreiche größere Gemeindevertretungen wider jede Gc- treidezoll-Erhöhung aus. Nürnberg und Regensburg haben dies bereits gethan und in Berlin wird zu diesem Zwecke eine Massenpetition vorbereitet. Auch die Stadtverordnetenver sammlung zu Stettin beschloß eine Petition gegen die Erhöhung der Getreidezölle. Den Stettiner Blättern zufolge hat aber der dortige Regierungspräsident an den Magistrat das Verbot gelangen lassen, den Beschluß der Stadtverordneten-Versamm- lung zur Ausführung zu bringen. Man wird, da derartige Beschlüsse auch von anderen Kommunalvertretungen gefaßt worden find, bald erfahren, ob das Verbot der Ausführung auf einer allgemeinen Anordnung beruht oder nicht. Die Frage, wie weit der Bereich der kommunalen Interessen geht, innerhalb dessen die Zuständigkeit der städtischen Vertretungen sich bewegt, ist, als der Berliner Stadtverordnetenversammlung die Berathung des Singer'schcn Anttages verboten wurde, wohl mehrfach erörtert, aber nicht zum Austtag gebracht worden. Der deutsche Reichstag nahm am Sonnabend die Be rathung des Etats der Zölle und Verbrauchssteuern vor, den die Kommission zur unveränderten Annahme empfahl. Es lag ein Antrag des Abg. Grasen v. Hacke vor, den Bundes- rath zu ersuchen, einen Beschluß dahin zu fassen, daß für das Kreditjahr 1884/85 die Frist für die Entrichtung der Rüben zuckersteuer von sechs auf neun Monate verlängert werde. Abg. ve. Buhl beantragte dagegen, die verbündeten Regie rungen zu ersuchen, dem Reichstage mit möglichster Beschleuni gung einen Gesetzentwurf über die Erhöhung der Branntwein steuer vorzulegen, in welchem die Interessen besonders der kleinen landwirthschaftlichen Brennereien eine entsprechende Be rücksichtigung fänden. Der Referent Abg. v. Wedell- Malchow begründete zunächst die Vorschläge der Kommission. Sodann interpellirte Abg. Dr. Möller die Regierung über ihre Absicht, die Petroleumsässer als Böttcherwaare verzoll« zu lassen und dadurch die Einführung des amerikanischen Petroleums zu erschweren. Staatssekretär v. Burchard gab zu, daß ein ähnlicher Anttag allerdings dem deutschen Bundesrath zur Bcschlußsaßung unterbreitet worden sei, wor auf Abg. vr. Möller die Kompetenz des Bundesrathes be züglich der Tara-Besteuerung des Petroleums anzweifelte. Der deutschsreisinnige Abg. Brömel stellte die Finanzlage als höchst unerfreulich dar. Die Regierung behaupte zw«, daß eine Zunahme der Ergebnisse der Tabakssteuer stattfinde, doch sei dies ungewiß. Der Redner schilderte serner die Nothlage, in welche zahlreiche Gewerbebetriebe in Folge der neuen Zollpolitik «nd namentlich in Folge der Holzzölle gerathen sind. Besonders beklagenswcrth sei, daß bei uns die Zölle heute beschlossen und morgen eingesührt werden; die Geschäfte finden dabei keine Zeit, sich auf das Inkrafttreten des neuen Zolles vorzubereiten, und werden nur um so schwerer betroffen. Die Erfahrung habe die Behauptung widerlegt, daß das Ausland die Zölle trage Von etner weiteren Entwickelung dieses Zollsystems müsse man die schlimmsten Folgen für unsere wirthschafttiche Entwickelung befürcht«. Hierauf entgegnete Staatssekretär v. Burchard: Die verbündeten Regierungen haben sich bei dep Einführung von Zollbestimmungen stets an das Gesetz und an dm Sinn und Zweck desselben gehaltm. Wmn daraus Nachtheile für einzelne Interessenten entstanden sein sollten, so sei das zu be dauern, aber die verbündeten Regierung« treffe kein Borwurf. Außerdem werd« solche Einführung« lange vorbereitet und den Interessenten lange Gelegenheit gebot«, ihre Vorkehrung« gegm die Wirkung der Zölle zu treffen. Daß von dm Re gierungen der Einzelstaaten Einwirkungen auf die verbündet« Regierungen geübt würden, ist ganz unrichtig, auch gar nicht verständlich, wie dies geschehen sollte. Nach weiter« Be merkungen der Abg. Trimborn, Brömel und Grad wurde die Debatte geschlossen und Titel 1 (Zölle) unverändert ge nehmigt. Bei Titel 2 (Tabakssteuer) konstatirte der Staats sekretär v. Burchardt aus eine Anfrage, daß seit der Ab lehnung der Monopolvorlage die Regierung der Frage noch nicht näher getreten sei, wann eine anderweite Regulirung der Besteuerung des Tabaks zu crfolgm habe. Nach kurzer De batte, an welcher sich die Abgg. Grad, Buhl «nd Köpfer betheiligten, wurde dann auch der Titel 2 genehmigt. Bei der am Sonnabend im preußischen Abgeord netenhause fortgesetzten Etatsberathung empfahl Abg. Peters eine Vermehrung der Loose und der Kollekteure. Abg. vr. Stern regte ebenfalls eine Vermehrung der Loose an, um dem Ueberschwemmcn Preußens mit braunschweigisch«, sächsischen :c. Loosen ein Ende zu machen, event. solle da- Verbot des Spielens in auswärtigen Lotterien aufgehoben werden. Abg. Windthorst erklärte sich für vollständige Be seitigung der Lotterien in allen deutschen Staat«. Die Abgg. v. Minnigcrode, v. Eynern und vr. Wagner wünscht« Verweisung des Etats der Lotterieverwaltung an die Budget kommission. Der Minister von Scholz erkannte alle vor gebrachten Beschwerden als richtig an, betonte aber, daß die Regierung aus Rücksicht auf das moralische Urtheil des Volke- bisher vermied, mit einem Anttage auf Vermehrung der Loose hervorzutretm. Es sei also viel eher Sache der Landesver tretung, ihre Ansicht auf diesem Gebiete zu bezeug«. Die Vermehrung der Kollekten könne in Betracht gezogm werd«. Nachdem die Verweisung an die Kommission beschloßen Word«, wurden die Etats der Seehandlung, der Münzverwaltung u. s. w. ohne jede Debatte genehmigt. Beim Etat des „Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeigers" rügte Abg. Bachem die tendenziöse Zusammenstellung der Zeitungsstimmen in diesem Blatte, durch welche der Reichstag und einzelne ihm angehörige Mitglieder beleidigt würden. Der Minister von Puttkamer behauptet, daß diese Zeitungsstimmeu nur d« Zweck hätten, ein unparteiisches Spiegelbild der Zeitverhältniffe zu geb«; in dem halbosfiziell« Blatte dagegen würde natürlich die Auslese diejenigen Zeitungsansichten wiedergcbm, welche mit d« Zielen der Regierung einverstanden sind. Die im „Staats- Anzeiger" wiedergegebenen Zeitungsstimmeu über den Beschluß vom 15. Dezember würden in weiten Volkskreisen getheilt. Abg. von Stablewski beklagte sich über das tendenziöse Vorgehen des „Staats-Anzeigers" gegen die Polen, worauf der Minister von Puttkamer entgegnete, daß der Regierung jede Antipathie gegen die Polen ferngelegen habe, da sie nur die auf die Wiederherstellung Polens gerichtet« Bestrebungen bekämpfe. Darauf betonte Abg. Windthorst nochmals, die Bewegung gegen den Beschluß am 15. Dezember sei eine gemachte Sache ge wesen. Die Kritik des Beschlusses stand nur d« Wählern zu, unzulässig war aber die Aufhetzung des Volkes gegen d« Reichstag. Durch die jetzige Verhetzung des Volkes würden wir in die Zustände der französischen Revolution geratheu.