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Amtsblatt für die königlichen nud städtischen Behörden zn Freiberg nnd Brand, derantwortlicher Redakteur. I»lt»S vra»« in Freiberg. Wochentag Ater dl tthr für den Prei» dierteljähritch 2 Mark 2d Pf., 1M.bOPs.mu> etnnonaütch 7b Ps 3«. JaSrgang. ——> Sonntag, de« 22. Novemher. Zierate werden dt» Bormtttag II Uhr angeuom« 8 UMMMS? mm und beirSgt der Prett für die gespalten« Zelle ß U FMFMLH oder deren Raum lb Hf. M.WV Ium Hodtenfeste. Bon E. rhie»,. Nun ik die Zeit gekommen, da Alles von uns schied, Und durch die kahlen Zweige klagt leis das Abschiedslird, Laugst fiu-'s die Slawen müde, zu duften und zu blüh'», Veu» trüb' ist sa der Himmel, die Lrde nicht mehr grü«! Aad wril's auf allen Fluren so öd', so leer, so Katt, D rum ist auch riugs der Äubel im Walde laugst verhaüt; Es trauert still die Lrde wie ein verlassen Liu-, De» alte Lpielgesellru treulos eutstohe» fiud. Auch durch manch Herz zieht leise der WmterKua-e« Leid, Auch ihm ist hiugeschwuudrn die heit re Sommerzeit; Was liebend ihm erblühte, im Grab ruht's welk und kalt, Vie Lieder, die ihm klaugeu, fiud jäh verstummt, verhallt. Nu» steht am frischen Hügel, vom Aordstur« kalt umtost, Vie Lieb iu heiße« Thräneu und ringt umsonst nach Trost, Lein Sonnenstrahl weckt liebend, ums müde schlafen will, Lei» froher Llaug dringt uirder, ringsum ist Alles still! Voch warte du, o Erde, um eim kurze Zeit, V» tranerud' Llleuscheuherze, laß' schweigeu -och -ei« Leid; Liust wird eiu Frühliug komme», -er «acht dir Erde schön, Aud schwtugt die Osterglocke» zum frohru Auferüehu! Die Woche. Da-parlamentarische Leben in Deutsch la«d hat in dni k^im Tagen einen lethasten Aufschwung genommen, da dn deutsche Reichstag üm Donerstag eröffnet wnde, während gleichzeitig verschiedene Einzellandtaqe ihre Bmthungen eifrig fortsetzten. Sowohl der preußische wie der württembergische Landtag werden zwar erst Mitte Januar IM miberufen, aber die bairische Volksvertretung ist schon snt einiger Zeit versammelt und erledigt besonders Finanz- fragen und die wiederum zusammen getretene sächsische Kammer beschäftigt sich mit ähnlichen Arbeiten. Die Budgetrcde beS sächsischen FinanzministeS entrollte ein höchst günstiges Bild der Finanzlage unseres engeren Vaterlandes und wurde deshalb mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Der deutsche Reichstag ist am Donnerstag nicht wie sonst im Weißen Saale des Berliner Schlosses, sondern im Sitzungssaale des Reichstages ohne alle Feierlichkeit eröffnet worden und halte die dabei von dem Stellvertreter oes Reichskanzlers, dm Minister von Bötticher, verlesene Thronrede einen rein geschäftlichen Charakter. In der Hauptsache kündigte diese Rede bekannte Vorlagen an, auf welche man allgemein vorbereitet war. Bezüglich der beabsichtigten Erhöhung der Branntweinsteuer wurde der Vorbehalt gemacht, daß »der dieselbe erst noch eine Verständigung der Regierungen erzielt werden müsse. Aus dem Fehlen jeder Erwähnung des Sozialistengesetzes darf man kaum schließen, daß das letztere demnächst außer Kraft gesetzt wird, sondern nur, daß noch keine bestimmten Beschlüsse darüber vorliegen, was in dieser Hinsicht geschehen soll. Aus dem Passus über die Verhandlungen mit dem Sultan von Zanzibar und mehreren europäischen Mächten „über die Ausdehnung, in welcher deutsche Unter- vehmungen und Erwerbungen in fremden Welttheilen, ferner m den unmittelbaren Schutz und unter die Aufsicht des Reiches zu nehmen sein werden", läßt sich entnehmen, daß mit Frankreich und England über die schon früher erwähnte Wellung der Grenzen des zanzibarischen Reiches ein freund- uches Abkommen angebahnt ist. Betreffs des Streites um me Karolinen bestätigt die Rede, daß die Beilegung desselben Maß dem päpstlichen Vermittelungsvorschlage bevorsteht. Die zuversichtlichen Schlußworte der Rede betreffs der «Haltung des Friedens zwischen den Großmächten trotz der Kämpfe der Balkanstaaten werden überall die Hoffnung A die Bewahrung des Weltfriedens stärken. In der ersten Sitzung war der deutsche Reichstag noch beschlußunfähig, doch ist dieser Uebelstand inzwischen durch die Ankunft meherer süddeutscher Volksvertreter beseitigt worden. Am Montag hofft man bereits mit der ersten Etatsberathung zu beginnen, Mem die Wiederwahl des bisherigen Präsidiums durch Akklamation erfolgte. Am Montag genehmigte die österreichische Dele gation das Budget des Auswärtigen ohne jede Debatte Ad wurde dieselbe am Dienstag mit Dankesworten des Ministers Grafen Kalnoky geschlossen, der es besonders Amend hervorhob, daß die Delegation mit Rücksicht auf mv gespannte Lage im Orient der Regierung in wahrhaft Motlscher Weise Erklärungen über die auswärtige Politik chpart habe. Am Sonnabend trat der ungarische Reichstag Wer zusammen, nachdem in den vorausgehenden Tagen Me ungarischen Minister Tisza und Szapary von dem Kaiser oon Oesterreich in längerer Audienz empfangen worden waren. Das ungarische Ministerium suchte es in Wien durchzusetzen, daß die Vorlagen über den Ausgleich baldigst beiden Parlamenten unterbreitet werden. Die Einigung zwischen den beiden Regierungen wird dadurch erlcichert, daß die Revision des Zolltarifs nicht in Zusammenhang gebracht wird mit der Vereinbarung des Zoll- und Handels bündnisses und des Quotengesetzeö. Es erscheint trotzdem schon mit Hinblick auf die bevorstcbenden Verhandlungen mit Rumänien nothwendig, daß die beiden Regierungen zu der Zollfrage Stellung nehmen. Die Zolltarif - Novelle, welche vor dem Schluffe des Reichsrathcs eingebracht worden ist, wurde von den österreichisch-ungarischen Regie rungen selbst fallen gelassen, nachdem dieselbe auf den schroffen Widerstand der Industriellen gestoßen war. Es ist eine der merkwürdigsten Erscheinungen, den großen Um schwung in den Ansichten zu beobachten, welcher bezüglich des Schutzzolles in Oesterreich hervortritt. Erst seit wenigen Jahren herrscht dort dieses System, aber diese Zeit genügte vollständig, nm die Industriellen zu überzeugen, daß dieses System ihnen die erhofften Vortheile keineswegs zu bringen vermag. Trotzdem bereitet jetzt auch die ita l ienis ch e Regierung einen neuen Zolltanf vor, bei dem eine entschiedene schutz- zöllnerische Tendenz vorwaltet Ueber diese Absicht bemerken die offiziösen „Berl. Pol. Nachrichten": „Für den deutschen Absatz nach Italien, der in den letzten Jahren in sehr er freulicher Entwickelung begriffen war und namentlich durch die Gotthardbahn einen kaum vorher geahnten Aufschwung erlangt hatte, würden diese Nachrichten in hohem Grade unerfreulich sein; es bleibt indessen zu beachten, daß das künstliche Großziehen von Jndustriebranchen in solchen Ländern, in denen dafür die natürlichen Grundlagen fehlen, selten von Erfolg begleitet gewesen ist." In der Schweiz versuchen es die Ultramontanen neuerdings wieder eine Art von Kulturkampf zu eröffnen, indem sie sich über die Luzerner Staatsgesetze, besonders über die 1843 unter einem strengkatholischen Regiment erlassene Verordnung über die Pfründe - Ausschreibungen ereifern. Die Luzerner Regierung verlangt seitdem euie gehörige Staatsprüfung und Unterzeichnung eines Ge- löbnißaktes, der aber den Bepfründeten zu keinem andern Gehorsam verpflichtet, als zu demjenigen, den er seiner Landesregierung auch ohne besondere Namensunterschrift zu leisten verbunden ist. Diese harmlose Verordnung aus dem Jahre 1843 heißt jetzt auf einmal „unerträgliches Luzerner Maigesetz". Nachdem sich das französische Ministerium Brisson hinreichend überzeugt hatte, daß alle den Radikalen ge machten Zugeständnisse nur die Wirkung haben würden, weitere Forderungen zu veranlassen, beschloß dasselbe, es ruhig auf den Unwillen der äußersten Linken ankommen zu lassen. Die von dem Minister Brisson am Montag in der Deputirtenkammer verlesene Kabincts-Erklärung enthielt keine Silbe über die von den Intransigenten und von dem Pariser Munizipalrathe verlangte allgemeine Amnestie und wich in keiner Weise von dem bisherigen Programm der Opportunisten ab. Die Führer der Linken beschlossen darauf, dem Kabinet zunächst vor der Neuwahl des Präsidenten zwar keine Schwierigkeiten zu machen, dafür aber die beschleunigte Einberufung des Kongresses zu verlangen. Brisson erwiderte der Deputation der Linke», die ihm dieses Ansinnen stellte, er müsse darüber erst mit dem ^Präsidenten der Republik, dem Senatsprästdentm und den Ministern berathen. Inzwischen hat aber der Minister« rath sich über die Erklärung geemigt, daß der Termin für Zusammenberufung des Kongresses behufs Wahl deA Präsidenten der Republik nicht eher angesetzt werden könne, als bis die für d?n laufenden Dienst pro 188V erforderlichen Kredite bewilligt seien. Da das englische Parlament endlich aufgelöst und der Beginn der neuen Session auf den 12. Jan. n. I. anbe raumt wurde, erwartet man in den nächsten Tagen die Anordnung zur Vornahme der noch in diesem Monat statt findenden Neuwahlen. Am 8. Dezember d. I. dürsten alle Wahlen beendet und die Parteiverhältnisse des neuen HauseS im Allgemeinen bekannt sein. Es sind 661 Abgeordnete zu wählen und 16 schottische Repräsentanten für das Ober haus. Von liberaler Seite hegt man keine großen SiegeS- erwartungen mehr, seit der Minister Salisbury seine politi schen Gegner verdächtigte, die Entstaatlichung der Kirche im Schilde zu führen und diese Behauptung vielfach Glauben fand. Die auswärtige Politik Salisbury's ist selbst von dem greisen Führer der Liberalen, Gladstone, öffentlich an erkannt worden und auch der rasche und glänzende Erfolg der englischen Waffen in Ostasien kommt dem jetzigen Kabinet zu Statten. Die birmanische Stadt Minhla wurde mit geringen Verlusten erobert und damit der Weg nach der Residenz des Königs von Birma, Mandalay, gebahnt. In Folge verschiedener Vorgänge, welche auf die russi sche Rechtspflege ein eiaenthümliches Licht werfen, sah sich der Justizmmister Nabokoff gezwungen, seinen Abschied zu fordern. Daß gerade der Bedränger der Ostseeprovinzen und entschiedene Feind des Deutschthums, Senator Manassem, sein Nachfolger wurde, macht einen sehr cigenthümlichen Eindruck. — In Zentralasien ist Rußland durch den Tod des greisen Emir von Buchara, Muzzaffer Eddin, ein neuer Vortheil erwachsen, da es der letztere schwer verwinden konnte, daß er wahrend seiner vierzigjährigen Regierung vier Fünftel seines Landes an Rußland eingebüßt hatte. Da gegen ist sein Nachfolger, den er ohne den Einfluß des Zaren enterbt haben würde, aus Gründen der Dankbarkeit ein inniger Freund der Russen. Von der türkischen Regierung ist bisher bei dem serbisch-bulgarischen Krieg die strengste Neutralität innege halten und die wiederholte Bitte des bulgarischen Ministe riums um Beistand gegen die Serben entschieden abgelehut worden. Dagegen wurden in Damaskus 2b (XX) Mann türkische Truppen konzentrirt, welche in Moscheen lagern und unverweilt nach Kreta und Epirus abgehen solle». Acht Tage währt nun der erbitterte Kampf an der serbisch-bulgarischen Grenze, der von beiden Seiten mit großer Tapferkeit und Zähigkeit geführt wurde. Die numerische llebermacht und die bei weitem größere Anzahl der Geschütze auf serbischer Seite machte es den Bulgaren unmöglich, den strategisch wichtigen Dragoman-Paß zu halten. Bei Jzwor wurden nach hartem Kampfe achtzehn bulgarische Schanzen mit Sturm genommen, dagegen warfen bei Sliv- nitza die Bulgaren das Zentrum der Serben siegreich zurück.