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87. eiu-z» i» r b Uhr, »daselbst, ünzner ttermittel ihlreich» ende. nr twmck. IUI L. eS gut» -es Berf Io, ink all» die her», den Ber nden» ge- ten Hern ich« und lkänncrge- rhebenda -em Zi» e Traue» Freimde» rn, welche anden s» die über- Schirsn- ktei«. >Il. « reich« rer lieb« -«ein zu ten Dam. frau. lief nach r, der chwer, rtm hier anzeigt erger, h Nach«. »ar, !88. bolliws k«!-. pv. 2,« « R. 4,« '«- Inserate werden bi» Vormittag 11 Ubr angenom» OO men und beträgt der Preis für die gespaltene Zelle I OO U oder deren Raum 15 Pf. und Tageblatt. Amtsblatt für die königlichca and stüdttschea Behörden zu Freiberg und Brand. Verantwortlicher Redakteur: Julias Braun in Freiberg. Erscheint jeden Wochentag Rachmitt. V,6 Uhr für den JEb»-»«-- Donnerstag, de« 18. Januar. Tagesschau. Freiberg, den 12. Januar. In Berlin war am Montag der Andrang bei der Aus gabe der Eintrittskarten für die gestrige Sitzung deS deutsche« AeichstageS ein gmz enormer. Hunderte von Person» hatten sich vor dem Reich»tagSgebäude em-efunden, so daß eine Anzahl von Schutzleuten zur Aufrechterhaltung der Ordnung not-wendig war. Gestern war ebenfalls vor dem Reich stags- gcdiiude eine sehr große Menschenmenge versammelt, welche des kieichskanzlrr» harrte, der, al» er sich Nachmittag gegen I'/i Uhr nach dem Reichstage begab, von dem zahlreich ver- sammeltm Publikum mit lebhaft« Zuruf«, begrüßt wurde. Bei der Mittag» 12 Uhr im Reichstage beginnenden zweiten verathung der Militärvorlagt waren Han» und Tribünen ungewöhnlich stark besetzt. I« der Hofloge befand sich Prinz Wilhelm von Preuße«, um über den Eindruck der Sitzung Sr. Majestät dem Kaiser Bericht zu erstatten. Am Mmistertische hatten Anfangs der Krieg-Minister vronsart v. Schellendorfs und die Mitglieder deS BundrSrathcs Platz genommen; später setzte sich noch der Minister von Bötticher an denselben. — Zu dem von der Kommission gestrichenen ersten Paragraphen der Vorlage, welcher die FrirdenSpräsenz- pärke festsetzt, hatten die Abgg. Arhr. von Stauffenberg «nd Richter Anträge emgebracht. Al« neuer Antrag lag ein solcher der Abgeordneten Graf vallestrem, Frhrn v Franckenstein, Geyer, vr. Moufang und vr. Windthorst vor: die Präsenzstärke, wie nn Antrag Stauffrn- berg, bi» 18S0 auf 441200 zu bemesse», jedoch »om 1. April 1887 biS zum 31. März 1888 «tue Erhöhung auf 468 40S Mann, also auf die volle Höhe der Regierungsvorlage, zuzu- lassen. Abg. Payer beantragte eventuell den Antrag Stanffrnberg nur auf ein Jahr anzunehmen. Der Referent Abg. Frhr. v. Huen« rekapttulirte kurz die Verhandlungen in der Kommission und begründete die Beschlüsse derselben. Sollte über dm tz 1 keine Einigung erfolgen, so würde § 2 der Kommisfionsvorlage H 1 «erden, d. h eS würden die Formationen gesetzlich festgestellt sein, die Präsenzstärke würde jede« Jahr im Etat fixirl werd« müssen. Abg. vr. Buhl berichtete über die zu der Vorlage eingegangnicn Petitionen. Hierauf ergriff Graf Moltke da» Wort «nd sagte, kein Staat werde freiwillig eine lo starke Belastung auf sich nehmen, aber es gebe Elemente, welche stärker seien als der Wille. Starke Regierungen sei« eine Bürgschaft für den Frieden, gefährlich dagegen für den Ehrgeiz der Parteiführer und deren Einwirkung auf die öffentliche Meinung. Wenn irgend ein Staat für die Fortdauer de« Frieden« wirken könne, so sei es Deutschland, welches nur in der Defensive sich befinde. Dazu müsse c» stark und kriegsgerüstet sein. .Werden wir wider Willen in den Krieg verwickelt, so werden wir ihn führen können; lehnen wir die Vorlage ab, dann haben wir den Krieg ganz sicher. Da» jetzige Votum des Reichstags wird seine Wirkung nach außen nicht verfehlen." Graf Moltke hoffte, das HauS werde der Regierung ihre Unterstützung nicht ver sagen, die Vorlage also annehmen. Die Armee allein ermög liche dm Schutz aller übrigen politischen Einrichtungen, welche mit dem Heere stehen und fallen. Eine Bewilligung aus kurze Frist sei nicht annehmbar; neue KadreS würden erst nach Jahrm wirksam. .Europa," schloß der Redner, »blickt heute auf die Versammlung, ich wend« mich an Ihren Patriotismus, wenn ich Sie bitte, diese Vorlage anzunehmen, um der Welt zu zeigen, daß Sie bereit sind, jedes Opfer, auch das der anderen Ansicht zu bringen, wenn es sich um das Wohl des Vaterlandes handelt." Abg. Freiherr v. Stauffenberg vertrat darauf seine Anträge. Handle eS sich um das Wohl des Vaterlandes, so seien alle Parteien einig. Daran könne kein Zweisel auskommen; aber auch dieser Vorlage gegen über ist die deutschsreifinnige Partei sich ihrer Pflicht in der Verantwortung gleichmäßig bewußt; sie wird ebenso gewissenhaft gegenüber den Mehrauflagen, welche nöthig werdm, prüfen, wie gegenüber den Bedürfnissen zur Sicherheit oeS Vaterlandes. Ueber dir KammissionSberathungen hätte sich bisher ein gewisser Mythu« gebildet, der sich von heute ab hoffentlich verliere» werde. Zunächst bietet di« ziffern mäßige Ausstellung der Armeen der Nachbarländer an sich schon große Schwierigkeiten, aber e« kommt hinzu, daß seit einigen Jahren die großen Kulturstaaten die Gewohnheit an genommen zu haben scheinen, sich trostloser Weise Mann für Mann ihrer Armeen gegenseitig aufzurechn«. Der Ernst und die Schwere der Situation, vielleicht nie bisher von solcher Bedeu tung bei Berathung dieses Gesetzes, ist auch dem Redner voll be wußt geworden. Indessen eine dringende Kriegsgefahr lag nicht vor; daher war es um so mehr geboten, alle Forderungen genau zu prüfen. Me Neuformationen sind von der Kom mission voll bewilligt worden. Die temporär bewilligten 18 Bataillone stehen auf einer anderen Linie al« die dauernd bewilligten Formationen, da auch der KriegSunnister zugegebm habe, daß diese 16 Bataillone nur ein Provisorium bilden sollen. Die Kommission war «cks» vollkommen berechtigt, so wie geschehen, zu verfahren. ES sei absolut unerfindlich, wie man darau» einen Vorwurf gegen die Kommission hrr- leiten könne, daß sie die Wehrhaftigkeit de» Reiches habe schmälern wollen. Die Festsetzung von 1 Prozent der Be völkerung sei vollkommen willkürlich; jrdmfalls waren nicht mili tärische, sonder» nur Rechnungtrücksichten maßgebend. Während dieser Red« trat Fürst Bismarck in den Saal Rach kurzer Debatte zur Geschäftsordnung beschloß da« Hau«, die Debatte üb« Paragraphen 1 und 2 zu verbinden. Nu» «griff Reich«ka»zler Fürst Bismarck da» Wort und führte Folgende« au«: Die »«bündele» Regierungen haben durch ihre Vorlage dw Ucberzeugung Ausdruck gegeben, daß die gegenwärtige Wehrkraft dem deutsch« Volk nicht die Sicherheit gewährt, aus die Deutschland ein nnverjährbare» Recht hat. Diese Axficht stützt sich auf da« Urtheil d«- jrnigm militärischen Autoritäten, die sich eines europäisch« Ansehen» «freu«, »ur nicht desjenigen de« deutsch« Reichs tag«. Dir Herr« Richt«, Windthorst, Grillenberger sei« diesen Autorität« entgrgengetreten. Ta « nicht annehmm könne, daß diese Herren ihr militärische« Urtheil üb« da« d« deutschen Generalstäbe ». s. w. stell«, so müsse er bei ihn« andere Motive vermuthen. In der Presse fei dir An sicht hrrvorgetret«, die Vorlage habe keinen andern Zweck, als neue exorbitante Steuervorlxgen durchzubringen. Die Idee sei vollkommen absurd und stehe aus derselben Linie, al« wenn « sag« würde, d« Widerstand gegen die Vorlage habe dm Wunsch zum Motiv, daß Deutschland im nächst« Kriege nicht glücklich sein sollte. Daß die Erhöhung der Armee etwa gefordert werde, um Eroberungskriege zu führ«, oder sich in die Angelegenheiten andern Staaten zu milch«, widerlege ftch ebenso von selbst. Der Kaiser habe zwei Kriege geführt, nur damit Deutschland da« Recht «langte, al» große Nation zu leb« und zu athmm. Kriegerische Bedürfnisse lägen Deutschland vollkomm« fern; das beweise die Geschichte d« letzt« 16 Jahre. Seit dem Frankfurter Frieden war eS die Aufgabe der Regierung, die Verhältnisse zu konsoli- diren. Die nicht leichte Ausgabe ging dahin, di« Staaten, mit denen wir Krieg geführt hatten, zu versöhnen. Das fei mit Oesterreich gelungen. Wir stehen mit Oesterreich in so gesichertem und auf gegenseitigem Vertrau« gegründetem Ber- hältniß, wir es weder zur Zeit de» Bundestags noch je vorher der Fall gewesen sei. Ob un» wieder eine lange Friedens epocke beschieden, sei ungewiß, dazu brauche man ab« ein starke» Heer, um unsere Sicherheit auch ohne Bundesgenossen zu verbürg«. Unsere eigenen Beziehungen zu Rußland seien so freundschaftlich wie immer und noch heute über jeden Zweifel erhaben. Aber der Wahrheit die Ehre zu geben, können daraus Gründe gegen die Vorlage nicht entnommen werden. Unsererseits werden die Be ziehung« zu Rußland niemals gestört werd«. An eine Koalition zwischen Frankreich und Rußland hab« wir wahrlich bei der Vorlage nicht gedacht; alle Argumente, die uns nach dieser Richtung untergeschoben Word«, treffen nicht zu. Dieselbe Presse, welche di« Vorlage bekämpft, hat vor wenigen Monaten Alles daran gesetzt, uns in ein« Krieg mit Rußland zu verwickeln. Indem sie von unS verlangt«, für Bulgarien uns mit Rußland in einen Krieg einzulassen, hätte sie mir Landesverrath vorwersrn müssen, wenn e» mir nur einen Augenblick rmgefallen wäre, mich auf diese Dumm heiten einzulassen. Was ist uns Bulgarien? Wer dort regiert, ist durchaus gleichgiltig, und wir werden uns von Niemandem das Leitseil um den Hal« werfen lassen, um uns mit Rußland zu brouilliren. Die Freundschast mit Rußland ist uns wich tiger als die mit Bulgarien und mit den Bulgarenfreund« >m eigenen Lande. Aber die Schwierigkeit, dm Fried« zu erhalten, liege in dem Verhältniß zwischen Oesterreich und Rußland. Es sei schwer zwilchen dm beiden Kabinetten zu vermitteln, denn man lause Gefahr, in Oesterreich für russisch und in Rußland für österreichisch gehalten zu werden. Gelinge eS aber, den Frieden aufrecht zu erhalten, so würde er sich diese Eventualität gefallen lassen. Ob die friedlichen Be mühungen zu Frankreich denselben Erfolg gehabt hätten, wie mit Oesterreich, könne er nicht ganz so sicher sagen. Ueber Italien und England wolle er nichts sprechen. Zwischen uns und Frankreich sei das Friedenswelk schwieriger, Werl zwischen uns ein jahrhundertelanger Prozeß sich zu vollziehen hat, be vor alle Reste der Vergangenheit beruhigt, alle Zwistigkeiten versöhnt sind. Wir habe« unsererseits Alle« gethan, um die Franzos« zum Vergessen und Vergeben zu bewegen. Wir haben kein« Grund, einen Krieg mit Frankreich zu besorge^ aber wir haben auch kein« Grund, ihn zu fürchte». Unt« kein« Umständen werden wir Frankreich angreife«, aber wir werden stets gmöthigt sein, uns so zu rüsten, daß wir de« etwaig« Wied«au»bruch eines Kriege» gewachsm find. Diese« Ziel stellt sich die Vorlage. Ich habe da« fest« Vertrauen zu der friedlichen Gesinnung d« französisch« Re gierung «nd eine» TheileS de» französischen Volke«. Trotzdem lehrt un« die Vergangenheit, daß wir auf die Dau« nicht auf Fried« mit Frankreich rechnen könne«, daß plötzlich dort »ine Regierung an daS Rud« komm« kann, die «ns d« Krieg bringt. Damit ist zu rechnen. Wenn wir unö hmt« versichern wollen: .Ja, wenn der Krieg kommt, dann woll« wir Alles bewillig«", so lacht man un« auS. Giebt e» G Frankreich eine Stimme auch nur, welche sagt: .Wir Ver zicht« auf Elsaß-Lothringm?' Wir hoben für die allgemein« Sicherheit nach allen Seiten zu sorg«. Frankreich ist ei« starke, kriegStüchtige Macht, sein He« ist topf« und kampf bereit. Wir dürfen nie die Hände in dm Schooß lesen, wie friedlich r« dort auch zeitweilig steh«. Wenn nun die Fr»»- zos« siegten, wa« stünde unS bevor? Air würde» dieselte» un« gegenüber finden, wie in dm Jahrm 1807 bi» 1813; sie würdm un« wieder aussaugen, daß wir auf dreißig Jahre lahm gelegt wärm. Man würde unS klein z» machen s»chw^ vickleicht da« Königreich Hannover von un« verlangen. I»- defseu will ich Ihn« nur dir Möglichkeiten schildern, de»e» wir bei einem unglücklichen Kriege au-gesetzt wärm. Der Friede von 1870 würde ein Kinderspiel sein gegen dm Fried« von 18S0. Wer die Möglichkeit einer Verantwortung dafür überuehmrn will, d« möge eS thun; die verbündeten Regie rungen wollen eS nicht, und deshalb legm sie Ihnen daS Gesetz vor; sie wollen dauernd eine genügende Zahl ausgebildeter Sol dat« im Reiche haben. Wir wählten die Ziffer von sieben Jahre», weil diese die Grundlage des früh«« Kompromisses war und sich da» konstitutionelle Leben aus Kompromissen znsammenfetzt. D« Reichskanzler fuhr dann fort: .Der Bundesrath that da» Arußerste. Indem er dies« Grmze von 7 Jahrm z» stimmte, hatte er nur di« Sicherheit deS Reiche» und da» Wohl deS Vaterlande« im Auge. Glauben Sie, wenn wir un» über die Zeit nicht einigen, d« Bundesrath würde von feinem ursprünglichen Vorschläge abgehm ? Nun frage ich Si«, wmn Ihnen gesagt wird, daß die Forderung im Interesse deS Reiche» gestellt wird, wäre »S in Frankreich möglich, ein« solche Vorlage abzulehnen? (Beifall.) Es besteht wirklich kein Grund, bezüglich der Zeit den verbündeten Regierung« Schwierigkeiten zu bereiten, zumal wir unS streng au dw Verfassung gehalten haben. Wir halten unbedingt fest an dem vollen Septennat, wir weichen kei» Haar breit davon ab. (Beifall rechts.) Wer bürgt un» dann dafür, daß imm« hi« dieselbe Majorität Vorhand« ist? Wollen Sie dmn ein Auf und Ab im deutschen Heere von Majoritätm deS Reichstages abhängig machen? Ei« würden damit aus dem kaiserlich« Heer ein Parlammtshesr mach«. Da muß man doch an die Wähler appelliren, ob die» wirklich die Meinung des Volke- ist. Wir wollen emmal hör«, ob die Wähler den Gedanken auskommen lassen, daß die Stärke de» Heeres vom Reichstage ohne Zustimmung deS Bundesraths und Sr. Majestät des Kaisers bestimmt werde, uud von dem Kaiser können Sie unmöglich erwarten, daß « i» seinem neunzigsten Lebensjahre noch zu der Zersetzung de» Werkes mitwirke, dem er die letzten 30 Jahre seines Lebens gewidmet, der Schöpfung deS deutschen HeereS und deS deut schen Reiche«. Wenn Sie das glxuben, wenn Sie irgendwie dm Verdacht erweck«, darnach zu streben, wenn Sie »ichi durch die baldige vollständige Annahme der Vorlage die Sorg« d« Verbündeten Regierungen für die Wehrhaftigkeit Deutsch land« befriedigen, dann ziehen wir es vor, mit einem ander» Reichstag zu verhandeln, wir werden uns auf k«t»« Verhandlungen mehr mitJhnen einlassen, son dern die Gefahr, in die wir das deutsche Volk durch eine Verzögerung setzen können, wird un» z wiugen,darüber baldGewißheit zu habe» oder aber mit andernL»uten zu rede«,die di«s« Gewißheit gewähren." Abg. Freiherr v. Huene bedauerte, daß Fürst BiSmarck ein« Zweifel in die Kommission setze durch den Vorwurf, daß sie die Mittel für die Vorlage verweigern wolle. Fürst Bismarck bestritt, Aeußerungen gethan zu haben, welche z« dieser Auffassung Veranlassung gegeben hätten. Abg. Hobrecht sprach sodann namens der Nationalliberale» für die unver änderte Annahme der Vorlage. Bezüglich der Frage, warum