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1858. Dienstag, den IS. Januar. 14. Amtsblatt des Königl. MMs«,nichts M Freiberg, der Königl. Gerichtsämter M Freiberg, Sayda und Brand und der Staüträthe -u Freiberg und Sayda. Ha ar schutz an. Wer nicht kaufen will und kann, bewaffnet sich mit Küchcnmessern rc. Ein Mädchen ging ^ck und kühn im bloßen Kopf, aber einen eisernen Hammer in der kräftigen Haust: Mir soll Einer kommen, sagte sie, der kriegt's! Frankfurt a. M., 15. Jan. Die Frankfurter Postztg. schreibt: „In der gestrigen Sitzung der Bundesversammlung , ist zur Verathung des Ausschußberichts in der Beschwerdesache gegen den König von Dänemark als Herzog von Holstein und Lauenburg geschritten worden. Dem Vernehmen nach ist auf Abstimmung nach Einholung der noch fehlenden Instruktionen innerhalb kurzer Frist angetragen und demgemäß beschlossen worden. Das erste Stadium ist also nahezu zurückgelegt. Wir gründen diese Ansicht aus die Zusammensetzung des Ausschusses, auf die Kcnntniß von seiner Arbeit und Rechisausführung und auf die in Deutschland herrschende Stimmung. Sie ist nicht unversöhnlich, aber durchaus ernst; nur in diesem Sinne können die Instructionen zur Abstimmung ergehen. Wir hoffen, daß dieselbe maßvolle und ernste Stimmung, deren wir uns jetzt rühmen können, während des weitern, vermuthlich schwierigen Verlaufs nicht fehlen werde. Die Propheten, daß der Bund die Sache verschleppen werde, sind wieder einmal zu Schanden geworden." Paris, 15. Januar, Mittags. (Dr. I.) Ein Italiener, Namens Pierri, hat das empörende Attentat auf den Kaiser verübt; er ist nebst vier andern Italienern, die erst gestern Mittag von London hier eingetroffen waren, verhaftet worden. Das Befinden Ihrer Majestäten ist das beste, die allgemeinste Theilnahme giebt sich kund. Nach der Angabe der heutigen Blätter beträgt die Zahl der bei dem Attentat verwundeten Personen mehr als 50, darunter mehrere Schwerverwundete; ein Sergeant-de-Ville ist todt. — Nachmittags ^4 Uhr. Alles ist ruhig. Wichtige Ver haftungen haben stattgefunden. Das Complot scheint einen durchaus Mazzinistischen Ursprung zu haben. Die Negierung scheint nicht ganz ohne Kenntniß von der Existenz desselben ge blieben zu sein. — Abends. Die Verhaftungen dauern fort. Die Pariser Polizei hatte über das Complot von Brüssel aus Andeutungen erhalten. Die Verhafteten werde«, nach Mazas gebracht. — Aus Paris vom 11. Jan. wird der Kölnischen Zeitung über das Leichbegängniß des Frl. Rachel geschrieben: „Die sterblichen Ueberreste der großen Künstlerin waren am letzten Samstag in Paris angekommen und im Hause der Verstorbenen (Place Royal Nr. 9) niedergesetzt worden. Die bei Todesfällen üblichen Gebräuche der Jude» wurden streng beobachtet. An ihrem TodeSbette war ein Rabbiner anwesend, und sechs Israeli ten und zwei Frauen recitirten während Rachel's Todeskampfrs die Gebete der Sterbenden. Sie selbst soll ihr volles Bewußt sein gehabt und kurz vor ihrem Ende dem Rabbiner und ihrer Schwester Sarah die Hände gedrückt haben. In ihrer Pariser Wohnung wurde der Sarg Rachel's von zwei Frauen bewacht. , Die Zahl derer, welche sich in dem Hause der Verstorbenen ein fanden, war groß. Man beryerkte unter den Anwesenden Scribe, A. de Vigny, Sainte-Beuve, E. Augier, Legouve und mehre andere Akademiker, Cabanis und C. Doubet vorn Staatsmini- sterium; E. de Girardin, A. Dumas, John Lemoine und eine große Zahl anderer Schriftsteller; Alphonse Royer, Nestor No- qucplan und die übrigen Theaterdirectoren, Dupres, Roger u. fast alle übrigen Mitglieder der großen Oper, alle Schauspieler und Schauspielerinnen des TheLtre fxaneais. Alle übrigen Pari ser Theater waren ebenfalls zahlreich vertreten. Die fremde Presse war gleichfalls stark repräsentirt. Schlag 12 Uhr wurde der Sarg aus dem Hanse getragen. Der von sechs Pferden gezogene Leichenwagen war in ein weißes, mit silbernen Sternen Berlin, 13. Jan. (D. A. Z.) Soeben wird eine sonder-^ bare Geschichte laut. In die von, einem v«. P. zu F. unter haltene Privatirrenanstalt wurde vor einiger Zeit ein junges Mädchen als angeblich geisteskrank gebracht. Dieselbe nahm jedoch Gelegenheit, ihre Flucht aus derselben zu bewerkstelligen, und stellte sich unter den Schutz der Behörden mit der Angabe, daß sie vo«i ihrem eigenen Vater nach F. als angebliche Geistes kranke in der Absicht gebracht worden sei, über ihr mütterlicher seits ererbtes Vermögen verfügen zu können. Es sollen dabei noch andre dunkle Schattenseiten zur Sprache gekommen sein, welche die Sache jedenfalls zu einer Criminaluntersuchung reif machen dürften. Berlin, 15. Jan. Gestern Nachmittag empfing Prinz Friedrich Wilhelm Len Vertreter Sachsens am hiesigen Hole, Grafen von Hohenthal, und nahm, «vir verlautet, aus dessen Händen den ihm vom König von Sachsen verliehener« Orde«« der Rautcnkrone entgegen. — Die Trauringe für der« Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen und die Princeß Royal sind, wie die BreSlauer Zeitung «nittheilt, auS schlesischem Golde in Breslau gefertigt worden. Der Prinz Friedrich Wilhelm, welcher bei seinem regen Interesse für die industrieller« Unternehmungen unserer Provinz auch die von Herrn Güttler in Reichenstein geleitete GoldscheidungSanstalt in Augenschein genommen und sich für der« dabei angcwcndeten Proccß lebhaft interessirt hatte, geneh migte bei dieser Gelegenheit dessen Gesuch, die Trauringe für die bevorstehende Vermählung aus dem von ihm gewonnenen Golde anfertigen lassen zu dürfen. Die Anfertigung der Ringe erfolgte in dem Atelier des Hrn. Günther zu Breslau, und sind dieselben, angeheftet an eine Pergamenttafel, welche eine ge- sckichtlicke Darstellung des Reichensteiner Bergbaus und der dort betriebenen Goldscheidung, mit kalligraphischer Meisterschaft ausgcstattet, enthält, vo»« Herrn Güttler selbst dieser Tage ar« den "Ort ihrer Bestimmung überbracht worden. Wien. Die hiesige lithographirte Zeitungs Correspondcnz schreibt: „AuS Siebenbürge«« kommt eine fabelhafte Kunde: In den Trümmern des Schlosses Deva soll seit 1849 ein Honvcd verschüttet gelebt und sich von Weir« und Zwieback ernährt ha ben! Jetzt soll er zufällig ausgegraben worden sein; zwei seiner Gefährten fand man neben ihm als Leichen. Die Bestätigung dieser Nachricht ist abzuwarten. Wien, 15. Januar. Aus Mailand, vom 14. Januar, wird der „Wien. Ztg." telegraphirt: Schon seit dem frühen Morgen fand ein außerordentlicher Zusammenfluß von Mensche«« statt ,und eine lebhafte Betvegung war in der Stadt bemerkbar; nm Mittag setzte sich der Leichenzug Radetzky s von der Ville Reale aus in Bewegung- Bei seinem Herannahcn trat aus dem eigne«« Impulse der Massen ernste Stille ein. Tiefe Be wegung gab sich bei dem Anblicke des Leichenwagens kund, welchem beiläufig 40 Generale und mehr als 1000 Offiziere der verschiedenen Grade und Waffen folgten. Um '/^l Uhr langte der Zug vor dem Dome an, in welchem die Einsegnung erfolgte, «vorauf sich der Zug unter Anschluß sämmtlicher Eivil- behördcn zur Eisenbahnstation nächst der poita tos» bewegte. Hierauf erfolgte die Defilirung der Truppen. Der Andrang der Bevölkerung tvar ungeheuer; einstimmig die Trauer und die Theilnahme an diesem letzten aber, nicht minder glänzenden Triumphe des Feldmarschalls. Nürnberg. Da der Zopfraub hier fortdauert, bietet Nadlermeister Ditthorn den Mädchen und Frauen einen von ihm erfundenen, eleganten, netzartigen, aus Draht geflochtenen u Uhr. Inserate wer- Inserate werden , die den bis Nachmittags gespaltene Zeile oder 3 Uhr fiir die nächst- deren Ranm mit S A erscheinende Nummer X berechnet. ' angenommen. A A Ü I