Volltext Seite (XML)
Amts- md AWWdktt Abonnement oiertelj. 1 M 20 Pf. cinschlietzl. de« .Jllustr. Unterhaltungsbl." u. der Humor. Beilage .Seifen blasen-' in der Expedition, bei unfern Boten sowie bei allen Reichspostanstalten. für den GM des Amtsgerichts Eibenstock und dessen Umgebung. vir s ch » i«1 wöchentlich drei Mal und zwar Dienstag, Donnerstag u. Sonn abend. JnsertionSpreiS: die kleinspaltige Zeile 12 Ps. Im amtlichen Teile die gespaltene Zeile 30 Pf. flelegr.-ALresse: Amtsblatt. Verantwortlicher Redakteur, Drucker und Verleger: Emil Hannebohn in Eibenstock. Fernsprecher Nr. 218. — 51-Ia-rgaug. ' —— 14« Dienstag, den 20. Dezember 1««4 Die mit Führung der R-krutierungsstammrollen beauftragten Stadträte, Bürgermeister, Gemeindevorstände und Gutsvorsteher des hiesigen Bezirks werden unter Hinweis auf die Bestimmungen in 8 57,1 Wehrordung hierdurch veranlaßt, die Militärpflichtigen zur An meldung bei der Stammrolle in ortsüblicher Weise aufzusordern und bei Aufstellung der Stammrollen den in §8 15 und 46 der Wehrordnung enthaltenen Vorschriften genau nachzukommen, die neue« Stammrollen aber unter Beifügung der Geburtslisten, Geburts scheine und Losungsscheine und der Stammrollen 1904 und 1903 sowie ältere etwa in Frage kommender Jahrgänge bis spätestens zum 10. Aevruar ISO» anher einzureichen. Die Stammrollenbehörden haben di« Ermittelung der Vorstrafe« der Militärpflichtigen mit der größten Sorgfalt und Genauigkeit vorrunehmen. Hierzu sind: 1. zunächst all« die ortscingeborencn militärpflichtigen Personen betreffenden von den Gerichten und Polizeibehörden eingelaufencn Strafnachrichten in den Stammrolle« vorzumerken und 2. alle sich zur Stammrolle anmeldenden und insbesondere die auswärts geborenen Personen über jedwede Vorstrafen (Art, Höhe, Zeit und Ort derselben) — Tag und Jahr der Bestrafung find genau ««»«geben — zu befragen. Der UufNllMe ist bei aktkN militärpflichtigen Personen zu unterstreichen. Schwarzenberg, am 15. Dezember 1904. Der Zivilvorsitzcnde der CrslitzkommWon der Aushebungsbezirke Schneeberg und Schwarzenberg. 935. II. I. A.: tl>i». Jani, Regierungsassessor. B. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Materialwarenhändlers «N8tav »lvlmrll in Schönheide wird mangels einer den Kosten des Verfahrens entsprechenden Masse eingestellt. Eibenstock, den 15. Dezember 1904. Königliches Amtsgericht. Wegeeinziehung betreffend. Der Konditoreibesitzer Gotthold Weilhsner hier, Eigentümer des Grundstücks Nr. 272 des Flurbuchs .an der Bergstraße 4" hat beantragt, den der Stadtgcmeinde gehörigen öffentliche» Weg „an der Bergstraße--, Nr. 273 des Flurbuchs, vom Rosinenberg Parz.-Nr. 366 bis an das von der Bergstraße nach der Eibenstock—Auerbacher Staats straße (Hauptstraße) führende Gäßchen für den öffentlichen Verkehr einzuziehen. Auf Beschluß der Kollegien soll das beantragte Verfahren eingeleitet werden. Es wird daher der Antrag mit dem Hinweise veröffentlicht, daß Widersprüche gegen die geplante Wegeeinziehung bei deren Verlust binnen drei Wochen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, mündlich oder schriftlich an Ratsstelle anzubringen sind. Eibenstock, den 19. Dezember 1904. Der Stadtrat. Hesse. Müller. Sparkasse Schönheide. Um einem großen Andrange bei der hiesigen Sparkasse im Monat Januar 1905 tun lichst abzuhelfen, werden 1) Abhebungen der Zinsen des Jahres 1904, 2) Zinkenzuschriften, einschließlich der Zinsen des Jahres 1904 bereits in der Zeit vom 20. bis 31. Dezember 1904 expediert werden. Uebrigens wird darauf hingewiesen, daß es besonderer Anträge auf Zinsenzuschrist nicht bedarf, daß vielmehr die nicht erhobenen Zinsbeträge sofort von Beginn eines neuen Jahres in den Büchern der Sparkasse ohne weiteres, auch ohne Vorlegung der Spar bücher, der bestehenden Einlage hinzugercchnet und mit dieser zusammen vom 1. Januar des betr. Jahres an erneut verzinst werden. Der Gemcindcrat. Beträge, durch welche sich die Geber von der Zusendung und Erwiderung von Neujahrskarten entbinden wollen, nimmt der unterzeichnete Gemeinderat auch in diesem Jahre entgegen. Die Gaben, zu deren Empfangnahme die Mitglieder der Schutzmannschaft ermächtigt sind, fließen zu einer Hälfte dem Frauenverein, zur anderen Hälfte dem Kreuzbruderverein zu und werden bis längstens Dienstag, den S7. Dezember 1SV4 erbeten, damit noch rechtzeitig vor Neujahr die Veröffentlichung der Namen der Geber erfolgen kann. Der Gcmeinderat zu Schönheide. Tagesgeschichte. — Deutschland. Höchst begierig, die neuen Steuer pläne der Regierung zu erfahren, ist der Reichstag. Bi« zur letzten Sitzung sind mehr oder minder geschickte Versuche unter nommen worden, hinter da« Geheimnis zu kommen. Der Eine klopfte zart auf den Busch, der Andere fuhr kräftiger mit der Stange im Nebel umher, der Dritte verschmähte da« Raten und stellte direkt die Frage, der Vierte glaubte c« ganz pfiffig anzu fangen, indem er offenbar falsche Meldungen vorbrachte, wie die von der angeblich geplanten Reichsvermögenssteuer, um dadurch eine Richtigstellung zu provozieren. Alle« vergeblich, die Herren am Regierung«lische lächelten der krampfhaften Bemühung und hüllten sich in undurchdringliche« Schweigen. Jedenfalls erscheinen, wie von unterrichteter Stelle verlautet, die Steuervorlagen unmittelbar nach Erledigung der Handelsverträge aus dem Plane. Daß Freiherr von Stengel sich nickt mit Kleinigkeiten abgeben will, hat er am Donnerstag im Reichstage angekündigt. Er meinte, bei einem Fehlbeträge von über IOO Millionen habe e« wenig Sinn, wegen 6 Millionen für die MililärpensionSgcsetzc dem Reichstage eine eigene Steuervorlage zu unterbreiten. .Wir werden demnächst dazukommen, in dem Haushalt deS Reiche« so zusagen groß reine zu machen.- Ob bei diesem Großreinemachen dem Freiherrn v. Stengel wieder da« Zentrum Hilst, wird sich bald Herausstellen. Einstweilen haben sich die ZentrumSredner gegen Steuern verwahre, welche die breiten Volksschichten be lasten. Aber bei indirekten Steuern muß e« nun einmal die Masse bringen. Man wird nicht zu sehr auf die Festigkeit de« Zentrum« bauen dürfen. Am Ende ist e» doch stolz darauf, eine Vorlage nach seinen UmänderungSvorschlägen zum Ziel zu führen. Mit dieser Gesetzgeber-Eitelkeit rechnet auch wohl die Regierung ein wenig, wenn sie der Kampagne guten Mute» entgegensieh:. — In seiner ReichStagSrede vom 5. Dezember hat der Reichskanzler auch eine koloniale Frage berührt, die in nicht ferner Zeit die Oeffentlichkeit stark beschäftigen wird. Graf Bülow sagte: .Besonder« wichtig und besonder« schwierig ist die Frage der Organisation unserer kolonialen Streitkräfte und de« Verhältnisse« dieser Organisation zu der Zivilverwaltung der Kolonien.- Sur, ausgedrückt, handelt e« sich um die Schaffung einer Kolonialarmee, d. h. einer Truppe, die sür alle Schutzgebiete verfügbar ist. Schon seit längerer Zeit hörte man in einflußreichen militärischen und kolonialen Kreisen davon sprechen, daß solche Pläne erörtert würden. Hie und da erschienen in der TageSpreffe auch Artikel über diese Frage, die aber nur geringe und beschränkte Aufmerk samkeit sanden. Durch die Erklärung tritt die Angelegenheit mehr auf den Boden der Wirklichkeit. Allerding« sügte Graf v. Bülow hinzu: .Ich bin heute noch nicht in der Lage, Mitteilung darüber zu machen, ob und in «elchen Richtungen eine genaue Würdigung der bisherigen Erfahrungen hier Anlaß zu Aender- ungen geben wird,- doch sprechen manche Anzeichen dafür, daß ein Beschluß in dieser Sache nicht wehr lange auf fich warten lassen wird. Neben dieser allgemeinen Schutztruppen frage haben schon spezielle in den einzelnen Gebieten ihre Er ledigung gesunden. Nach dem Etat sür Kamerun wird jetzt die bewaffnete Macht dort auf ungefähr 1500 Mann gebracht, von denen 500 zur Polizei gehören, und der Gouverneur von Ost afrika, Graf Götzen, hat in einem öffentlichen Vorträge mitgeteilt, daß er eine Neuorganisation der Sckutztruppc dahin vorgeschlagen habe, dieselbe in eine reine Feldtruppc und in eine Polizeitruppe zu trennen. Die letztere erfährt dabei, wie c« auch in Kamerun der Fall ist, eine Verstärkung. Doch auch die Feldtruppe gewinnt dadurch, weil dann für außerordentliche Fälle genügend bewegliche Truppen zur Verfügung stehen. Au« Kamerun wurde noch vor wenigen Monaten von militärischer Seite erklärt, die Regierung sei nicht in der Lage, mit einer schwachen Truppe, die mehr polizeilichen a!« militärischen Dienst verrichte, einen Aufstand sofort und nachhaltig zu unterdrücken. Durch die völlige Los lösung der Polizeitruppc und ihre Vciftäikung wird wohl den Klagen in der Hauptsache ein Ende gemacht. In allen Schutz gebieten, selbst in der Südsee, macht sich eine Verstärkung unserer Machtmittel fühlbar; die schlimmen Ereignisse in Südwestasrika haben auch darauf eingewirkt. — Da« Grenadier-Regiment zu Pferde Frei herr von Derfflinger in Bromberg feierte in diesen Tagen da« Fest seine« 200jährigcn Bestehen». Der Kaiser nahm an der seltenen Feier teil. — Bei der R ei ch «t ag «st i chw a b l in Jerichow ist der Lehrer Merten (Fr. Vp.) mit 15224 Stimmen gewählt worden. Siadtverordn. Voigt (Soz.) erhielt 6769 Stimmen. - Hamburg, 17. Dezember. Heute abend 10 Uhr ver ließ der Dampfer .Wittekind" mit den nach Südwest asrika bestimmten Truppen den hiesigen Hafen. Der kommancierende General de« 9. Armeekorp«, v. Bock und Polach, hatte die Truppen am Nachmittag am Petcrsenkai mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser verabschiedet. — Oesterreich-Ungarn. Wien, 17. Dezember. Zur Wiederaufnahme der Besprechungen über den deutsch österreichisch-ungarischen Handel«vertrag be geben sich die diesseitigen Delegierten Anfang nächster Woche nach Berlin. — Südafrika. Pretoria, 16. Dezember. Bei der Beisetzung der Leiche Krüger« sprachen nach den Geistlichen Schalk Burger, de Wct und Botha. Burger prie« den versöhnlichen Charakter de« Toten, de Wei erklärte, die Ideale Krüger« seien die der Bevölkerung der beiden früheren Republiken. Botha verglich den Krüger der Buren mit orm Mose« der Israeliten; die Hoffnung auf ein große« Reich nördlich de» Vaalfluffe«, da« von Meer zu Meer reiche, sei sein Ideal gewesen; auch mit Treue gegen England lasse sich die« heute noch durchführen. Die Einheit der weißen Raffe in Südafrika sei notwendig, und er begrüße e« mit Freuden, daß englische und holländische Kolonisten gemeinsam dem großen Toten die letzte Ehre erwiesen. Botha ermahnte zur Einigkeit, damit da« ckivicke et imper» niemal« den Buren gegenüber wirksam an gewendet werden könne. Er Verla« sodann den letzten Brief Krügers, der al« dessen politisches Testament anzusehen sei. Dieser Brief mahnt zur Eintracht, zur Weiterarbeit an dem begonnenen Werk zum Wiederaufbau de» Gestürzten und zur Pflege der burischen Nationalität und «spräche. Während der Beerdigung wurde ein von König Eduard befohlener Geschütz salut von 21 Schüssen abgegeben. An der Beerdigung nahmen Deligierte au» allen Teilen Südafrika«, der englischen Regierung und der Kolonien teil. Die Zahl der Personen, die beim Leichen zuge Spalier bildeten, wird auf 30000 geschätzt. — Vom russisch-japanischen Krieg. Eine der Hauptfragen, die von einschneidendster Bedeutung sür die weiteren Ereignisse aus dem Kriegsschauplatz sein kann, gipfelt darin: Wird da« auf der Ausreise nach dem Osten begriffene Baltische Geschwader auch die Fahrt sortsetzen, wenn Port Arthur inzwischen zur Ucbergabe gezwungen sein sollte? Letzter Tage sind bereit« Nachrichten durch die Blätter gelaufen, daß im Falle der Kapitulation Port Arthur« Admiral RoschdjestwenSkh mit seinen Flottenabtcilungen zurückberufen werden würde. In marinesachkundigen Kreisen sind die Aussichten über diese Fragen recht geteilt. Ueberwiegend hält man sür richtig, daß die Weiter fahrt de« Baltischen Geschwader« in keinem direkten Zusammen hang mit einer Ucbergabe Port Arthur» steht, und daß Admiral RoschdjestwenSly unter allen Umständen seinem Reiseziel zustreben muß, wenn die Rüstung seine« Geschwader« überhaupt einen Sinn haben soll. Admiral Roschdjestwen«ky wird sich mit den japanischen Secstreilkrästen voraussichtlich nach dem Eintreffen in den chinesischen Gewässern möglichst bald in einer Entscheidungsschlacht zu massen haben, ob Port Arthur gefallen sein sollte oder nicht. Und von diesem Entscheidung-treffen wird und kann e« dann erst abhängen, welche weiteren Maßnahmen der Admiral zu treffen hat. Er wird nie daraus rechnen können, Port Arthur zu erreichen, ohne auf die japanische Flotte vorher gestoßen zu sein. Und selbst wenn die« der Fall wäre, würde Port Arthur in seinem gegenwärtigen Zustande mit den zerstörten und cinge- äschertcn Marineanlagen nur der denkbar schlechteste Flottenstütz punkt sein, in dem er nicht einmal Kohlen- und Waffcrvorräte vorfindcn würde. Kombinationen aber anzustellen, wie eine Ent scheidungsschlacht zwischen den beiden Gegnern mutmaßlich aur sallen wird, wäre mehr al« müßig, zumal die beiden Flotten nicht zu verschieden in ihren Gefecht-werten find. Die Aurbild- ung und der Geist, der die Gegner beseelt, wird dir Entscheidung herbeifüdren. Die japanische Flotte hat den Vorteil, daß sie be reit« mehrfach im Feuer war; die russische aber hat aus der weiten Au«retse reichlich Muße, zu üben und da« Personal auf da» heiße Ringen vorzubereiten, von dessen Entscheidung so un endlich viel sür den weiteren Au-gang de« Kriege« abhängig ist. Tokio, 17. Dezember. Nach einem Telegramm au« Port Arthur hat General Stössel Unterhandlungen eröffnet zum Schutze der Hospitalschiffe während der Beschießung und General Nogi einen Liegeplan der Hospitalschiffe übersenden lassen.