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«rscheinl jtden Wochentag ftüh »Uhr. Inseratewer- dn< bi» Nachmittag» z Uhr für die nLchst- «scheinende Nummer angenomn^n. Freiberger Anzeiger EF gespattwe Zeil» ot« deren Raum mit « Tagevlatt. Amtsblatt -rs Königl. Byirksgrrichts M Frribrr^ somit -er König!. Grrichtsämter und der Stadträthe zu Kribrrg^ Sayda und Brand. 200. Montag, den 3«. August. 1858. Die Freiberger Gewerbe-Ausstellung. Zweiter Gang. Bei unsrem ersten Gange durch die nun geschlossene Ge werbe-Ausstellung hatten wir theils manchen der Erwähnung in hohem Grade werthen Gegenstand übersehen, theilö hatten wir beim Niederschrelben unseres Berichtes darüber, welches des unsere Aufmerksamkeit und Thätigkeit mehrfach in Anspruch nehmenden GewcrbevereinScongresses halber sehr flüchtig ge schehen mußte, manche der gemachten Notizen außer Acht gelas sen. Wir fanden uns daher nach dem Congreß zu einem zwei ten Gang durch den AuSstellungSsaal veranlaßt, um den ersten auS den erwähnten Ursachen lückenhaft ausgefallenen Bericht zu vervollständigen. Da ward denn unsere Beachtung zunächst in Anspruch ge nommen durch ein Probensortimcnt von Fabrikaten der hiesigen Schrotgießerei, unserS Wissens des einzigen derartigen Etablisse ments in Sachsen, daö aber eines weit über dessen Grenzen hinausgehendcn Rufes sich erfreut. Die Proben gaben Zeug- niß von der Vorzüglichkeit seiner Leistungen. Daran reihte sich em verwandter Industriezweig, die Pulverfabrik von E. F. Richter, die ein zierliches Musterkästchen ihrer in ganz Deutsch land und darüber hinaus als vorzüglich anerkannten Fabrikate ausgestellt hatte. Unweit davon waren Proben von den Er zeugnissen der K. Bleiröhren- und Drahtfabrik zn Halsbrücke, welche schon auf der Münchner Ausstellung durch eine Preis- mcdaille ausgezeichnet wurden. VorziiglichcProben von Schmiede arbeit — die einzigen, durch welche dieser Gewerbszweig ver irrten war — erkannten wir in einem von dem Schmiedege- stllen Müller in Naundorf gefertigten Hufeisensystem nach wissenschaftlichen Principien. Die durch ihre Klarheit ausge zeichneten Photographien von Engelmann, sowie die Wackern Arbeiten seines Kollegen Sturmhöfel gehören zu den von uuv schon beim ersten Gang notirtcn, aber beim Niederschreibcn übirsehcncn Gegenständen. Ebenso die aus einem Stück ge arbeiteten Schlüssel des Schlossermeisters Diezmann. Höchst beachtenswerth waren die von dem Metalldrechsler Baumann ansgestellten Gegenstände, insbesondere eine große Schraube, ein Meisterstück der Handdrechselei. Vorzügliche Schuh- machcrarbciten, ebenso ausgezeichnet durch Fayon wie durch solide Aibcil und Preiswürdizkeit, waren geliefert von den Meistern Auerbach, Fuhrmann, Mehner jun., Neubert und Obermflr. Schneider. An den ausgestellten Kleidermacherar- büten der Meister Braunstein, Crasselt, Krehann, Puls und Wagner erkannten hiesige Besucher einen rühm lichen Aufschwung dieses Gewerbes in hiesiger Stadt seit wenig Jahren. Von fremden Besuchern, namentlich von den Chem nitzer Congreß-Dcputirten, wurden die von den Meistern Diet rich und Schliebe ausgestellten Pelzwaaren ganz besonders wegen ihrer Schönheit und Billigkeit gerühmt. Auch die Hüte von Teistler fanden beifällige Anerkennung. Unter den Putz- waaren von Frl. Fr. Hinkel verdient ein Damen-Strohut von Freiberger Geflecht, wegen seiner tadellosen Beschaffenheit, Be achtung. Die Uhrmachcrci war nur durch eine Pendule von Peteir, durch diese aber würdig vertreten. Außer den im ersten Bericht erwähnten Erzeugnissen der Mechanik verdient noch, was der Mechaniker Osterland ausgestellt, lobende Erwähnung, sowie wir nicht umhin können, unter allen vorhandenen Arbeiten die ses Faches die aus der Lingke'schen Werkstätte als die bedeu tendsten hervorzuheben. Unter den vom Handschuhmacher Bern hardt ausgestellten Gegenständen fanden wir eine Bettdecke von Nehleder bcachtenswerth. Rech» wacker war ein Deckenstück von Zimmermaler Breitfeld jno. Glaser Treuth hatte reche vnbsche Licbibilter von selbstgesebliffenem Glaß ausgestellt. Nicht übersehen beim ersten Gange, aber bei der Fertigung de« Berichtes vergessen hatten wir die Buchbinderarbeiten von Wag ner und Leck, worunter namentlich dir kunstvoll gearbeiteten Büchereinbände von Wagner sich auszrichneten. Die Tischleret, die unter allen Gewerben am meisten vertreten war, hatte ne ben den ersten genannten Bericht Stücken von Claußnitzer, Ehren» traut u. L. Schlegel,nochanbereschöne Arbeiten von letzterem, z. B. einen runden Tisch, ein Paar Schaukelstühle und al« etwas ganz Besonderes Proben von Parketböden ohne Nage lung; außerdem aber auch noch beachtenswertheß von Mat thes, Zeisig und Winter aufzuweisen. Die Peitschen au« der Peitschenfabrik von Berghänel wurden von Kennern ge rühmt. Höherer Beachtung Werth fanden wir die ausgestellten Erzeugnisse Ler Flachsbereitungsanstalt von Lichtenberg, weil dieselben einen Industriezweig repräsentirten, der für unser Erz gebirge von hoher Wichtigkeit ist. Sämmtliche hier vorhandenen Flächse waren nach dem Urtheile Sachverständiger von vorzüg licher Güte. Als ein vorzüglich schönes Stück Seilerarbrit figurtrte eine Leine von Teichmann juu. Die Kammmacherri war durch recht saubere Arbeiten der Herren Focke und Werner vertreten. Zirkelschmid Helbig, der erste Ver fertiger von Brückenwaagen in hiesiger Stadt, hatte mehrere dergleichen Waagen ausgestellt Von den Sachkundigen als vorzügliches Fabrikat bezeichnet wurden dir Leder von Loh gerber Steyer. Auch die Feilen von List, die Draht geflechte von Mauersberger, die Korbmacherarbeiten von Rockstroh, sowie ein Paar Stücke vom Kupferschmidt Rümm ler, verdienen als löbliche Arbeiten Erwähnung. Zum Schluß sei noch der von den Malern Mühlig und Müller gelieferten Gemälde, als einer recht freundlichen Zierde des AuS- stellungslocales, gedacht, und unter den Bildern Müllers, der sich auch sonst um das Arrangement der Ausstellung sehr verdient ge macht, die höchst mühsame, genaue und saubere Aufnahme un serer Domkapelle mit Anerkennung erwähnt. War die Ausstellung wirklich «ine bei ihrem improvisirten Charakter über Erwarten gelungene, so hatte sie sich auch einer entsprechenden Theilnahme des Publikums zu erfreuen. Sie ist von weit über 6600 Personen besucht worden. Am Donnerstag Abend ward sie, wie vorher bestimmt war, geschlossen. E. ». C. Tagesgeschichte. Freiberg. Oeffentliche Gerichtsverhandlungen den 7 Sept. Nachmittags 3 Uhr. Verhandlungstermin, bis zu Publtcation des Erkenntnisses in geheimer Sitzung, in der Untersuchung wider den Gutsbesitzer Fürchtegott Leberecht Liebscher in Nassau und Juliane Stiehl aus Dorfchemnitz wegen Ehebruchs. Nach mittags ^4 Uhr. Verhandlungstermin in Privatanklagsachen Henrietten Winkelmann aus Friedrichsgrün wider Christiane Wilhelmine verehrt. Schramm allhier. Aus Chemnitz wird dem „D. I." vom 27. August ge schrieben: „Heute Nachmittag gegen 2 Uhr wurden Sr. Mas. der König am Stadtweichbilde vom Nathe und einer Deputation der Stadtverordneten empfangen, und sind unter dem Geläute der Glocken daselbst eingezogen. Allerhöchstdteselben gedachten daselbst das Johanneum zu besuchen, die Actienspinnerei zu be sichtigen und ^7 Uhr die Rückreise nach Pillnitz anzutreten. Ueber den Aufenthalt Sr. Majestät iu Annaberg und die Weiterreise von dort sind demselben Blatte folgende Mitthei» lungen zugegangen, aus denen wir nur Folgendes hervorheben: Annaberg, 25. August. Den heutigen Tag des Aufent haltes Sr. Majestät in unsrer Stadt eröffnete um 6 Uhr ein Morgengesang, dargebracht vom Sängerchor deS k. Seminar«, und R-veille der Communalgarde mit Musik- und Tambourzug.