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Wöchentlich erscheinen drei Nummern. Pränumeranons- PreiS 22j Sgr. Thlr.) vierteljährlich, Z Thlr. für taz ganze Jahr, ohne Er höhung, in allen Theilen her Preußischen Monarchie. Magazin für die Mian pränumerirt aus diese» Beiblatt Ler Allz. Pr. SlaatS- Zcitung in Berlin in der Expedition (Mohren-Straße Nr. 34); j» der Provinz so wie im Auslaute bei den WvhUöbl. Post-Aemtern. Literatur des Auslandes. 10. Berlin, Montag den 13. Februar 1837. Moldau und Wallachei. Das Land und seine Bewohner. Nachdem wir im vorigen Monate eine Uebcrsicht von der Sprache und Literatur der Moldau und Wallachei gegeben haben, glauben wir, unseren Lesern eine interessante Ergänzung diese« Artikels in den nach- stchcnden Bemerkungen mitzutheilen, die von einem in Paris lebenden Bucharester Verrühren und sich in einem der letzten Hefte der Uevuv fier stoux monfie» befinden: „Da die Wallachei und Moldau in den letzten Zähren der Schau« platz bedeutender Ereignisse wurden, so zogen sie zwar die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich, aber es war nur eine flüchtige Neugier, die sich auf einige Verhältnisse und ans einige Männer beschränkte. Die kleinen Königreiche de« mittleren Afrika'« sind vielleicht noch mehr bekannt, als tiefe beiden wichtigen Fürstenlhümer. Sollte man es glauben? Hängen sie nicht offenbar innig mit der orientalischen Frage, also mit der Frage ter Zukunft, zusammen? Verdienen Länder, die unseren Kontinent be- gränzen und von den Wogen de« Schwarzen Meere« bespült werden, eine solche Geringschätzung? Warum hat noch keine Hand versucht, den Schleier zu lüsten, der sie bedeckt? Kaum daß die Europäische Welt über ihre geographische Lage un terrichtet ist; von ihrem politischen Zustande aber, von ihrer Geschichte, von ihrer Vergangenheit und Gegenwart weiß sie gar nicht«; sie kennt weder die Hülfsquellen, welche sie darbitten, noch die Leiden, die sie erduldet habe», noch die Beziehungen, welche sie mit den Geschicken de« bhristeiilhum« und der Civilisation verknüpfen. Eben so unbekannt ist der Grund und Boten, den sie umfassen, so fruchtbar und malerisch er auch sepn mag Wenig Gegenden Europa'« sind von der Natur so begünstigt, wie die Moldau und Wallachei. Sie bilden ein große« Becken, da« im Westen und Norden von den Karpathen und im Süden von der Donau tcgränzt wird. Die Wellen diese« majestätisch dabinrollenden mächtigen Strom« dienen weiten, bunten, pittoresken und sruchtreichen Ebenen zur Einfassung. Eine Menge von Teichen stoßen an den großen Fluß, dessen Wasser sie ihren Ursprung.und ihre Nahrung verdanken; der Fischfang darin ist sehr ergiebig und macht eine der wesentlichsten Revenüen der beiden Fürstenlhümer au«. Nach den Karpathen zu findet man herr liche« Weideland, Wälder voll Bauholz, Steinsalz-Salinen, die sich mit dem besten Produkt dieser Art in Europa messen können, und Salz- Gebirge, die kaum mit einer dünnen Erdschicht bedeckt sind, und die noch nie Jemand ausgebrutet hat. Die Regierung behält ste für sich und läßt sie doch unbenutzt liegen. Sie will da« Salz, welche« sie au« den Salinen zieht, und woran« sie ein Monopol macht, zum höchsten Preise verkaufen. Zm mittleren Theil des Lande« wechseln Ebenen und Hügel, Wiesen und Gehölze ab und gewähren reizende Ansichten. Der verschiedene Charakter de« flachen, de« Wald- und des Hoch lande« findet sich in diesem Gebiet vereinigt. Alle mögliche Produkte sind ihm eigen; von Europäischen Bäumen werden nur der Oelbaum und die Orange hier durch Boden und Klima nicht begünstigt. Die zahlreiche» Weinberge liefern rin treffliche« Gewächs, das bloß einer verständigen Behandlung bedürfte, um den Französilchen Weinen den Rang streitig zu machen. Es fehlt aber an AnSsubr, und der ein heimische Absatz reicht kaum hin, um die ersten Kosten zu decken. Zn manchen Jahren konnte man da« Litre zu zwei bi« drei Sou« haben; daher die gänzliche Vernachlässigung diese« Kutturzweige« von Seiten der Einwohner, trotz deren die ausgezeichnete Qualität des Gewächse« sich nicht Andert. Unfruchtbare Gegenden und Haideland trifft man gar nicht an. Zahlreiche Bäche, die von den Karpathen herabkommen, munden sich in die Donau, und »ine Zeit lang bilde» ihre stillstehenden Welle» hier und da weite Wasserflächen, die dem Lande ein wunderliche« Ansehen geben, k« ist, als wären diese Landstrecken einem großartigen Bewäffe- rnngS-Svstrm unterworfen und harrten der Bebauung. Ueberall fließen de« Wasser, überall fruchtbare Quellen für den Ackerbau. Man benutze einige dieser Bäche, man mache eine« oder ein paar diefer Wasserbetten schiffbar, und man könnte ein große« Netz von Fluß-Connnuuicattonen schaffen, man könnte Reichthum über ein arme« Land ausschütten. Etwa« Gewcrbflciß würde riesenhafte Kapitalien vertreten und unermeßliche Hülssauellen .öffnen. Die Wellen diefer Flüsse führen ost Goldsplitier mil, die sich von den Seiten der Berge abgclöst haben. Quecksilber, Eisen, Kupfer, Erdpech, Schwefel und Steinkohlen liegen in den noch unerforschten Gebirgen vergrabe» und wartrn nur aus den mächtigen -Hebel der Industrie. Zm Zahrc idill wurden Mineralogen von St. Petersburg mit dem Auftrage abgeschickt, die Minen de« Karpathen-Gebirges zu untersuchen; als der Frieden unterzeichnet wurde, halten ste schon herrliche Gold-, Kupfer- und Quecksilber-Adern entdeckt; da hörten ihre Arbeiten auf. Daß man rinc solche Ausbeulung vernachlässigen, das Glück geradezu von sich stoßen und auf vergrabenen Schätzen arm leben kann! Die Regierung, die sich sehr wenig um da« Gemeinwohl kümmert, hat vor züglich die Habgier der Ottomanischen Pforte zu erwecken gefürchtet. Man weiß, wie schwankend die Herrschaft der Phanarioicn war, und wie die Unsicherheit ihrer Existenz ste »öthigle, sich auf den schnellsten, ja auf den gefährlichsten Srirag zu werfe». Der Mensch ohne Zukunft fetzt Alle« für einen augenblicklichen Erfolg daran und richtet sein Land durch den gegenwärtigen Gewinn zu Grunde. Ohne Kapitalien und ohne die zur ÄnSbcuwng nölhigen Kenntnisse, konnten sich die Privat leute aus solche Unternehmungen nicht einlaffen. Vor der letzten Reform verbot ihnen sogar da« Gesetz, diefe« Staat«-Eigenthum, diese mine ralischen Fundgruben anzurühren, obgleich Niemand davon Nutzen zog. Wen» man eine entdeckte, so wurde ste al« dem Fisku« gehörig angesehen. Wachs, Honig, Taback, Butler, Käse von ausgezeichneler Qualilät, Häute, Felle, Flachs, Farbekörner (ramus ini'ectorius), Wolle, Seide, Groß- und Kleinvieh, Geflügel, Wildpret kommen zu dem Naturreich thum dieser Länder noch hinzu, deren wunderbare Fruchtbarkeit sich nur durch Unglück und schlechte Verwaltung vermindern konnte. Hier, wo alle Geträide-Arten wuchern, weiß man nicht« von künstlichen Mitteln zur Vermehrung der Aerndte; die Worte Düngung und Verbesse rung sind unbekannt. Der Waizen gilbt hier da« Sechzehn-, ja Zwanzigfache der Aussaat, der Roggen da« Dreißiasache, die Hirse da« Dreihundertsache. „Zn der Wallache! finden sich alle Arten von Früch ten", sagt Maltebrun; „oft trifft man auf ganze Wälder von Frncht- bäumen, al« Birnen, Aprikosen, Kirschen und dergleichen. Der größte Theil der Berge gleicht hinsichtlich der Mannigfaltigkeit der Fruchtdäume den schönsten unserer Gärten, die stet« hinter bene,, der Wallachei zu- rückbleiben werden. Die Beschaffenheit de« Boden«, die Ebenen und Hügel vereinige» im Allgemeinen so viel günstige Verhältnisse, daß man hier in einem Winkel Europa'« fast alle auf dem Erdball bekannte Kultur-Gegenstände ohne Unterschied (nur natürlich die Gewächse der Tropen und der sehr südlichen Breiten ausgenommen) zusammendrängen könnte. Man könnte au« diesem Lande die schönste Gegend Europa « machen." „Es giebt", sagt er ferner, indem er von der Moldau sprich», „wenig Länder, wo die Ebenen, Hügel und Gebirge in einem für den Ackerbau und die landschaftliche Perspektive ss wunderbar geeigneten Berhältniß mit einander abwechfeln. Größer und majestätischer ist die Natur in der Schweiz; hier aber ist ste sanfter und lieblicher." Aber die Natur vermag nicht« und ihre Gaben sind verloren, wenn nicht die Unterstützung einer einsichtsvollen Thätigkeit hinznkömmt. Der Mensch kann Alle« verderben, was von Gott kömmt. Wo Gewerbe und Handel fehlen, bleibt der schönste Boden unbebaut, und die herr lichsten Reichlhümec werden mit Füßen getreten. Der Luru« erzeugt in diesem Lande unöetannlc Bedürfnisse, und die Zndnstrie bietet doch keine hinreichende Hülfsquellen dafür. Ss steigert sich zwar der Verbrauch, oder nicht die Production. Man nimmt daher seine Zuflucht zu fremdem Eewerbficiß; die Wolle, die Seide und der Flach«, woran da« Land Ueberfluß hat, gehen ins Aus land, werden unler seiner Hand in nützliche Fabrikate von dreifachem Werth umgeschaffen und kehren so verwandelt zn den Wallachen zurück, die einen ungeheuren Preis dafür zahlen. Oesterreich versiebt die Mol dau und Wallachei mit allem Wirihschastsgerilh; die Eisen«, GlaS- und Töpferwaaren, die Leinewand und die Kattune kommen au« ande ren Theilen Deutschland«. Die Leipziger Messe liefert die Tuche, die Seidenzeuqe, die Tülls, die Spitzen und die neuen Moden. Die präch tigen Kutschen, die in den Straßen der beiden Hauptstädte der Moldau und Wallachei dahinrollen, sind in Wien fabrizirt. Alle Sattel- und Wagenpferde, der Stolz der Reichens kommen au« Ungarn« Gestüten. Mögen die Feinde der ProLibiliv. Gesetze die Wallackei und Moldau besuchen; hier werten sie die traurige Verwirklichung ihre« Lieblings- grnndsatzcs mit Augen schauen: neben einer unbedeutenden Ausfuhr eine sehr beträchtliche und stet« zunehmende Einfuhr. Ein edlerer und lo« benswertberer Luxus, da« Lesen frenider Bücher und Journale, kostet diesem reichen Lande auch eine Auslage, so daß es selbst durch seine besseren Neigungen ärmer wir». An"Kapitalien fehl, e« überall; der gesetzliche Zinsfuß ist 12 Prozent. Die große Entwendung, welche die Münze seit ter Hexrschaft des reformatorischen Sultan« erlitten bat, vermehrt diese Noth noch, und seltsamer Meise findet man hier eine traurige Vereinigung von Elemd und Ueberfluß.