Volltext Seite (XML)
erscheint M Wochentag früh gUhr. Jnser«tewer- dk, ti» Nachmittag« Z Uhr sür die nächst- erscheinende Nummer angenommen. Freiberger Allzeiger und Tageblatt. Preis Vierteljährlich IS «gk« Inserate werde» die gespaltene Zeile oder deren Raum mit S berechnet. Amtsblatt -es König!- BtMksgrrichts zu Freiberg, sowie der König!. GerichtsAmteL und der Stadträthe zu Freiberg, Sayda und Brand. 142. Donnerstag, den 2». Juni. 1858. Tag66geschichte. Freiberg. Im Monat Mai d. I. wurden zur hiesigen Sparkasse 5320 Thlr. 14 Ngr. 5 Pf. von 368 Personen, von denen 128 neue Bücher ausgestellt erhielten, eingezahlt, 4643 Thlr. 26 Ngr. 4 Pf. nahmen 252 Personen aus derselben zurück. — Im Monat Mai d. I. (5 Wochen) wurden 232 Arme in und außerhalb der Armenanstalten mit 138 Thlr. 19 Ngr. biarem Gelde und mit 4812 Pfd. in natura verabreichtem Brode ! im Werthe von 95 Thlr. 21 Ngr. 5 Pf., 24 vorübergehend ? mit 27 Thlr. 8 Ngr., 16 mit Kleidungsstücken und beziehend- lich Wäsche, 11 außer den in den Armenhäusern ärztlich be- l handelten und den vom vorigen Monate in den Wohnungen krank verbliebenen Personen, sowie 8 im Krankenhause mit Kur, Medikamenten und beziehendlich Pflege unterstützt, 197 wurden bei Bcrtheilung von Legaten berücksichtigt, 3 wurden auf Kosten der Armenkasse beerdigt. Brand. Gesangvereine tragen unstreitig wesentlich zur Bildung der erwachsenen Jugend bei, so wie sie im Allgemeinen den harmlosen und edleren Freudengenuß befördern. Wenn nun derartige Vereine in größern Städten schon längst die freundliche Beachtung wahrer Menschenfreunde und in öffent lichen Zeitschriften Anerkennung ihrer Leistungen gefunden haben; so wird man es uns nicht übel deuten, wenn aus einer kleinen Stadt unsers Vaterlandes einige Mittheilungcn über den Ge- j singverein hierdurch erfolgen. — Der Gesangverein „Har- ! monie" wurde gegründet von dem Cantor Kind > ,u Brand, — kurze Zeit vor dessen Tode, nämlich am 13. i Jan. 1849. Das erste größere Gesangstück, welches er einübte, wann die „Gesellenfahrten von Julius Otto". Eine ! lanzwicrige und schwere Krankheit entriß den edlen Mann drm Areise seiner Sänger und Schüler und schon im folgenden § Jahre, am 1. Septbr. 1850, raffte ihn ein früher Tod dahin. . Inler Vacanzzeit übernahm Herr Pastor Colditz zu Erbls- dorf gütigst die Leitung dieses Gesangvereins und führte am ! 24. April 1851 den Cantor Krömer als Liedermeister ein. Lie „Gesellenfahrten von I. Otto" wurden nun öffentlich auf- gesübrt am 14. Septbr. und am 12. October 1851, so^ wie am 3. December 1854. Am7. December 1851 kam das „Sol datenleben von Julius Otto" zur Aufführung. Die Einübung dieses Tonstückes hatte bereits Herr Pastor Colditz mit den ersten Nummern begonnen. Die „Mordgrund- bruck, eine Posse von Jul. Otto" wurde 3mal aufgesührt, § nämlich am 12. und 19. December 1852 und am 11. December ! 1853. — Das Tonstück „Im Walde" vou Julius Otto ! wurde am 27. Decbr. 1853 mit Pianofortebegleitung und am 2. Octbr. 1854 mit Musikbegleitung vorgetragen. Ihm folgte am 12. April 1855 der „Ostermorgen von Ncukomm", am 19. Juni 1856 Lie Chöre auS „Athalia von I. A. Schultz" mit Musikbegleitung und am 1. März 1857 die „Kirmeß von Abt", mit Deklamation, welche am 19. April wiederholt wurde. In drei Gesangconcerten wurden kleinere Piecen mit oder ohne Musikbegleitung vorgetragen, und zwar am 8. Mai 1853, am 29. December 1854 und am 5. Novbr. 1855. Alle diese Concerte wurden meist zum Besten gemein- »ütziger Zweckr veranstaltet, wie z. B. für Christbescheerungen für arme Schulkinder re. Auch waren 17 Kränzchen und 11 Sängerwanderungen regelmäßig mit Gesang verbunden, woraus hervorgeht, daß der Verein seine Zeit wenigstens gut benutzt hat. Zweimal hatten die Vereinsmitglieder die hohe Ehre, als Bergsänger bei nächtlicher Bergparade in Freiberg vor Er. Majestät, dem Könige von Sachsen zu singen, nämlich am 14. Aug. 1852 und am 2. October 1855 in Verbindung mit dcm geehrten Gesangverein zu Halsbrücke. Der unvergeßliche Musikdirektor Anacker bezeigte dem Verein sein Wohlwollen, indem er ihm Noten lieh und ihn im August 1852 mit seinem persönlichen Besuche beehrte. Die Gesangübungen wurden im Erbgerichte zu Brand abgehalten, und als durch besondere Ver hältnisse derselbe ohne Local und ohne Instrument dastand, nahm der Liedermeister alles Inventar bereitwillig bei sich auf und bot dem Verein seine Wohnstube sowie sein Instrument zur Benutzung an. (6. April 1856.) Nachdem in dieser Weise bei nahe 7 Jahre friedlich vorübergeeilt waren, bildete sich im Febr. 1857 ein zweiter Gesangverein, welcher den Cantor bat, als Lledermeister den ganz ungeübten Mitgliedern das Singen zu lehren. Derselbe sagte auch seine Beihilfe zu, fügte aber ausdrücklich den Wunsch hinzu, daß eine Vereinigung beider Gesangvereine ungebahnt und auögeführt werden möge. Der neue Verein, welcher zum Unterschiede von dem bestehenden den Namen „Bürgergesangverein" wählte, bot auch zur Vereinigung die Hand und lud die Vorsteher der Harmonie zu einer gemeinsamen Berathung ein; allein der letztere Ge sangverein erklärte durch sein Nichterscheinen, sowie in der Haupt- verfammlung im I. 1857, von einer derartigen Vereinigung absehen zu wollen. — So sah sich nun der Bürgergesangverein in die Nothwendigkeit versetzt, seine Lausbahn allein anzutreten. Der Liedermeister aber zog sich durch seine Bestrebungen, eine ! Vereinigung herbeizuführen, geheimen, aber desto empfindlicher« , Tadel zu. Schon am 24. Mai 1857 traten 12 Sänger der Harmonie, ungeachtet aller schriftlichen und mündlichen Bitten deS Cantors, aus dem kirchlichen Gesangchore, so daß er sich nach neuen Sängern für den Kirchendtenst umsehen mußte. Am 24. April desselben Jahres hatte man ihm alle VereknS- note« abgefordert und eine ganz ungeeignete Behandlung nöthigte ihn, noch ehe er das eingeübte Singspiel „Herr Durst" zur Aufführung bringen konnte, am 12. Juli 18S7 seinen Austritt zu erklären. Der Verein wählte nun, wie man bereits vorher wußte, den Elementarlehrer Behnisch zum Liedermeister, welcher letzteres Singspiel am 25. December 1857 aufführte und später wiederholte. — Vorsteher des Gefangver- cines Harmonie sind gewesen: Herr k. Colditz bis 13. Octbr. 1852, dann Herr Apotheker Urban, dem Höppler und später der Glementarlehrer Klemm folgten. Nach deS Letzten Tode folgte der noch setzt fungirende Stadtcassirer Grösel. — Während nun der Gesangverein Harmonie unter allgemeinem Beifall, der sich in den letzten Monaten durch öffentliche Lobeserhebungen in poetischer und prosaischer Form aussprach, seinen Weg beharrlich und ruhmvoll sortginq, suchte der Bürgergesangverein anspruchloö sich auszubilden, damit er den Anforderungen eineS Gesangvereines genüge. Und so ist er denn bereits so weit gekommen, daß er daS Tonstück: „DaS Zigeunerleben von I. Becker" öffentlich vortragen konnte und zwar am 27. Decbr. 1857, am 6. Jan. 1858 und am 13. Juni 1858. Auch der Bergmannsgruß von Anacker ist bereits öffentlich aufgeführt worden. — Wenn nun auch zu beklagen ist, daß die Gesangskräfte in hiesiger Stadt sich auf diese Weise zersplitterten und daß selbst eine ! nur theilweise Verbindung entfchieden zurückgewiesen worden i ist; so lassen wir doch die Hoffnung nicht sinken, daß eine län gere Reihe von Jahren die erregten Gcmüther beruhigen, den Geist christlicher Milde und des wahren Friedens über alle Mitglieder verbreiten und eine heilsame Vereinigung herbei- führen werde. Jedenfalls haben wir von der Wahl eines neuen Liedermeisters für den Gesangverein Harmonie nur Gutes zu hoffen. — Bemerkt muß hier noch werden, daß da« „kirch liche Gesangchor" bloS für die Zwecke des öffentlichen Gottesdienstes bestimmt, unabhängig von beiden hier ge nannten Vereinen ist und als solches unter dem Cantor steht.