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Amtsblatt drs Königl- Drstrksgerichts !» Freiberg, -er Kömgl. Gerichts amtrr ,u Freiberg, Sayda und Brand »nd der Stadträthe ;u Freiberg und Sayda. Freiberger Anzeiger den bis Nachmittags gespaltene Zeile oder z Uhr für die nächst- deren Naum mit S. A erscheinende Nummer berechnet. angenommen. U 1 Dienstag, den 16. Februar. 1858. Nekrolog. Freiberg. Carl Friedrich Platin er ward am 2. Januar 1800 zu Kleinwaltersdorf bei Freiberg geboren. Sein Vater war Doppelbauer und Gartennahrungsbesitzer, verunglückte auf der Grube so, daß er gebrechlich blieb und sich hauptsächlich noch mit Fertigung hartgelötheter Lampen beschäftigte, welche gesucht waren. Hier sah der Sohn zuerst den Gebrauch deS Löthrohres. Nach dem Tode des Vaters verheiratete sich seine Mutter wieder mit dem Landrichter Löwe, welcher wie ein wahrer Vater an dem Knaben handelte und dessen Fähigkeiten und Fleiß bald ; genug erkannte. Von seinem 14. Jahre an fuhr er auf dem tiefen Fiirstenstolln an, frequentirte 1815 die Hauptbergschule und 1816 bis 1819 die Bergakademie, und zeichnete sich bei allen seinen Lehrern durch unglaublich rasche Fortschritte und durch Gründlichkeit auS. 1820 trat er als Hütten- und Amal- gamirgehilfe in den Staatsdienst, wurde 1823 Vicewagemeistcr, 1825 Vicegewerkenprobirer, 1828 Gewerkenprotirer und 1836 > übertrug man ihm den Unterricht in der Löthrohrprobirkunst. ! Von Michaelis 1838 bis Ostern 1839 besuchte er noch einige Vorlesungen auf der Universität zu Berlin. 1840 rückte er als Oberschiedswardcin und Oberhüttenamts-Assessor auf. 1842 , wurde er znm Professor, der Hüttenkunde und Löihrohrprobir- I kunst an der Bergakademie und 1856 zum Bergrath ernannt, ! nachdem ihm 1849 von Sr. Majestät dem höchstscligen Könige j das Ritterkreuz des Verdienstordens in Gnaden verliehen wor- ! den war. — Plattner war mithin einer von denjenigen ausgezeichneten Männern, welche, wie man zu sagen pflegt, von der Pike auf gedient haben, und, ohne von äußeren Mitteln begünstigt ge wesen zu sei«, fast Alles durch sich selbst geworden. Aber er ließ auch die Theorie nie aus den Augen, schaffte sich als junger Offiziant die nöthigsten chemischen Reagenzien an und laborirte für sich, so viel cs ihm die Zeit gestaltete. Durch die muster hafteste Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit, gepaart mit ent schiedenem Talente für die mechanischen Fertigkeiten seines Faches sich hervorthuend, wurden seine vortrefflichen Eigenschaften und sein ebenso musterhafter, stets mit Denken verbundener Fleiß von seinen Vorgesetzten anerkannt und gewürdigt, und so stieg er auch im Dienste auf, wie es die Gelegenheiten nur gestatten wollten. Selbst seine Handschrift war eine schöne, und obwohl er sich nur zu selten eine Erholung gönnte, so zeigte er sogar als Pistolenschütze und aus dem Billard besondere Virtuosität. Man mußte ihn bei seinen chemischen Operationen selbst beob achtet haben, um ein richtiges Bild von seiner Genauigkeit und Gcwandheit zu bekommen. Das Löthrohr namentlich wußte er zu Untersuchungen anzu wen den wie noch kein anderer, er vervollständigte die Apparate dafür (dergl. von den hiesigen Mechanikern nach seiner Angabe in großer Zahl gefertigt in alle Theile der Welt versendet wurden und werden) in sinnigster Weise, und erfand neue Methoden für die Nachweisung der Bestandtheile. Seine „Probirkunst mit dem Löthrohre" erschien 1837 (bei Barth in Leipzig) zum ersten Male und 1847 und 1853 wiederholt aufgelegt, auch in fremde Sprachen übersetzt. Für die gewöhnliche Probirkunst erfand er unter andern eine neue Construction der Probiröfen, um die Holzkohlen zu ersparen und mit Steinkohlen zu feuern, durch deren allgemeine Einführung die hiesigen königlichen Hütten werke eine fortdauernd große Ersparniß an Kosten machen. 1849 erschien (bei Engelhardt in Freiberg) sein „Beitrag zur Erweiterung der Probirkunst." Um im Kleinen einen möglichst hohen Hitzegrad zu erreichen, erfand er-einen zweckmäßigen Apparat, welcher als „die Plattner'sche Spinne" in den Laboratorien wohl bekannt ist. — Ohne Uebertreibung darf man sagen, daß er für fast alle hüttenmännischen Processe im Großen wesentliche Verbesserungen auszudenken wußte. Wir erwähnen nur seine Methode der Trennung des Nikels und des Kobalts, und das von ihm zu erst angegebene Verfahren, aus goldarmen Kiesen das edelstt Metall, welches nicht durch Schmelzen nutzbar gewonnen werden kann, mittels Chlors auszuziehen. Dieses Verfahren ist zu Reichenstein in Schlesien im Großen ausgesührt. Sein letztes wahrhaft classisches Werk: „die metallurgischen Röst- processe" (1856 bei Engelhardt in Freiberg), ist theoretisch ebenso lichtvoll, als es, in der praktischen Ausführung gehörig be achtet, von den größten Vortheilen begleitet sein muß. Er hatte selbst eine große Freude darüber, daß er es beendet wußte. — Als Analytiker hat er sich zwar vorzugsweise mit der Zerlegung von Hüttenproductcn — und zwar zu Hunderten — beschäftigt, aber auch seine Mineralanalysen z. B. von Buntkupfererz, Loxoklas, Kastor, Pollux rc. würdigt man als höchst zuverlässige. In seinen akademischen Vorträgen ergoß sich ein klarer Born gründlichen Wissens und gern schöpften hier seine ZuhYrep, die zum Theil aus fernen Gegenden gekommen waren, um sich von ihm belehren zu lassen. Die Herausgabe seiner „Vorlesun gen über allgemeine Hüttenkunde" hat man bald noch zu erwarten. Auch als Mensch war Plattner höchst achtbar. Gewiss senhaft in allem seinen Handeln, unermüdlich, ja zu anstrengend in seiner Berufsthätigkeit, zierte ihn stets noch die Bescheiden heit; diese und eine Freundlichkeit, nicht Manier, sondern aus dem Herzen stammend, machten seinen Umgang zu einem um so angenehmeren, als er auch mild im Urtheile war. Dazu kam seine Uneigennützigkeit. Wie ost mag er Anderen wichtsgei Dienste in der hüttenmännischen Technik geleistet haben, ohne ein Honorar zu fordern?! — Vor Weihnachten 1855 trafen ihn schlagähnliche Krämpfe, welch« die rechte Seite lähmten und das Hirn jedenfalls sehr asficirte». Se. Majestät der Kö nig gaben ihm damals, und auf erfolgte Einsendung eines Exemplars der metallurgischen Nöstproccsse, in wahrer königli cher Huld, die Thetlnahme durch ein eigenhändiges Schreiben allergnädigst zu erkennen. Ueber zwei Jahre dauerten seine Leiden und der geschwächte Körper konnte auch wohl nur durch die große Sorgfalt des Arztes mid durch die hingebende Pflege seiner braven Gattin, einer geborenen Amalie Auguste Faust, so lang noch erhalten werden. Am 22. Januar dieses JahreS ward er von Gott dahin abgerufen, wo sein verdienstvolles Le ben und seine reine Frömmigkeit ihren schönsten Lohn ernten. Hatte er doch den Ruf der Bergakademie erhöht und zum bes sern Gedeihen des Hüttenwesens im In- und Ausland« so viel