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1857. Sonnabend, den 3. Januar Prei« «InteljLhrlichlSNgr. guserat« »erde» di» gespalte»« Zelle »da der«» Stmmr »it t » berechnet. Freiverqer Anzeiger den bi» Nachmittags r Uhr für die nächst- UIW 1 - Tageblatt. Zur Geschichte des (Schluß.) Diese merkwürdige Pflanze gehört zu der Familie der Cy- pergräser, zu einer Gattung, welche ihre nächsten Verwandten auch in unserer Heimath in jenen Binsen besitzt, welche so häu fig an Gräbern und Flußufern aus einem großartigen Blätter schopfe ihre langen, runden und dreiseitigen, mit einem hollun- derartigen Marke ausgefülltcn grünen Blüthenstengel, hervor- treiben, und an ihrem Gipfel knäuelartig gestellte grasähtiliche Blüthen erzeugen. Wie diese Wasserbewohnenden Binsen (Lairpus), wächst auch die PapyruSstaude in Calabrien, Sicilien, Syrien und Aegypten an den Flüssen. Unserem Rohre gleich, bildet sie danrt ganze Wälder an den Ufern mit ihren langen, dicken, dreiseitigen, glatten und glänzendgrünen, markigen Sten geln. Eine besondere Blatthülle umgiebt an ihrem Gipfel eine Menge aufrechtstehender, später hängender, dünner Blüthenstiele, welche doldenartig zu einem Schopfe vereint, erst an ihren Gipfeln daS dreizähnige sehr zarte Blüthcnknäuelchen tragen. Nach den Ueberlieferungen der Alten machten diese ans der inner» Rinde Segeldecken, Kleider, Matratzen, Seile, die ägyp tischen Priester ihre Schuhe. Das Papier verfertigte man aus den inneren Stengelbäuten noch in Saft stehender Pflanzen, indem man sie mittelst feiner Nadeln oder scharfer Muschelkanten von dem Stengel trennte, mehrere solcher Blättchen mit Nil wasser zusammenleimte, trocknete und mit Zähnen glättete. Das fertige Papier hieß nun viblios, woher auch der Name Bibel und das griechische Libliou (Papier, Buch) stammt, aus welchem letztern die Benennungen Bibliothek, Bibliograph re. entstanden. Dieses neue Schreibmaterial erlangte bald den ausgebreitetsten Ruf, und gründete, als wichtiger Handelsartikel, bald den Rcichthum Aegyptens, so daß sich Firmus, ein ägyptischer Fürst, rühmte, so viel Papier zu besitzen, daß er eine Armee davon halten könne. Die Entdeckung dieses natürlichen Papieres zog nun die Vermehrung der Bücher nach sich. Auch die Büchersammler fanden sich, und König Ptolemäus II. wetteiferte vor Allem mit Eumenes, König von Pergamns, in Anlegung großartiger Bi bliotheken. Eifersucht gegen Eumenes trieb den erster» sogar dazu, die Ausfuhr deS Papieres nach Pergamus zu verbieten, so daß die sämmtlichen Einwohner jenes Landes den empfind lichsten Mangel an dem bereits unentbehrlich gewordenen Ma teriale litten. Die Nöth macht erfinderisch. Darum bot man zur Erlangung eines neuen Schreibmatertales Alles auf. ES fand sich endlich in thierischen Häuten, welche der sinnende, von Noth gedrängte Mensch biegsam und schreibbar zu machen lernte. So entstand um das Jahr 200 v. CH. das nach seinem *Erfin- dungsorte Pergamus benannte Pergament, ein so treffliches Papier, daß es wiederum einen neuen Zeitabschnitt bedingte, die PapyruSstaude nebst Schreibrohr und Silbergriffel bald verdrängte, den Gänsekiel als Griffel einführte, und sich selbst über das Mittelalter hinaus als vielgebrauchtes Material erhielt. In jener Zeit indeß, wo die PapyruSstaude die Alleinherrscherin war, trieben die Alexandriner vorzüglich mit den Römern einen starken Papierhandel, so daß der darauf gelegte Zoll der Staats kasse bedeutende Einkünfte schuf. Als die spateren, geldbedürf tigen römischen Kaiser den Zoll so unverhältnißmäßig erhöhten, daß die Aegyptier kein Papier mehr senden mochten, erregte daS Volk von Rom unter Tiberius sogar einen drohenden Aufruhr, welchen der Kaiser nur dadurch zu dämpfen vermochte, daß er alles vorhandene Papier zusammenbrtngen und vom Senate gleichmäßig vertheilen ließ. Der Gebrauch deS ägyp» tischen Papiers dauerte bis zum 1t. Jahrhundert, hatte jedoch schon durch die Benutzung des, wenn auch theuerern Pergamen tes bedeutend abgenommen, und verlor sich endlich ganz, al- die Erfindung des Baumwollenpapieres auö China nach Europa gebracht wurde. Schon im Jahre 160 n. Chr. Geburt erfanden die Chine sen ein Papier, welches sie aus der Baumwollenfaser durch Schlagen und Stoßen mittelst Keulen bereiteten. Von ihnen kam es in die Bucharei nach Samarkand, wo man eS 650 n. Chr. verfertigte und wo eS die Araber, die 704 unter Catibah- Ben-Mosmele Samarkand eroberten, kennen lernten, Auch die Griechen erhielten ihr Baumwollenpapier auS der Bucharei r sie brachten es unter dem Namen des griechischen Pergamentes oder „Oüarta cuttuuao" in den Handel, und so kam es nach Italien, namentlich nach Venedig, und von dort nach Deutsch land. Dieses Papier war das erste, welche« mit unserm heutigen Aehnlichkeit hatte. Bald genügte es aber dem fortschreitende« Menschengeist nicht mehr; denn e« war so weich, so ungleich und so zerbrechlich, daß man nur mit Pinseln mühselig darauf schreiben konnte. Da endlich fiel der Deutsche im 13. Jahr hundert, um das Jahr 1270, auf die Anwendung deS Hanfe« und Flachses. Sie verlangte Maschinen, da die Handarbeit nicht mehr ausreichte, und der edle Zweck ward vollständig durch die Gründung der Papiermühlen, neben der Anwendung von sogenannten „Loch- oder deutschen Geschirren," erreicht. Die erste Papiermühle entstand im Jahre 1390 in Nürnberg. Mit großer Schnelligkeit verbreitete sich daS neue Papier über Spa nien, Frankreich, Galizien, Italien, Böhmen, die Schweiz, England, Dänemark, Schweden, Rußland und selbst über Amerika. Welche Wichtigkeit man dieser Erfindung beilegte, erhellt daraus, daß Spielmann, et» Deutscher, der sie 1588 nach Dartford in England brachte, alsbald zum Ritter geschlagen wurde. Die neue erweiterte Anwendung des Papieres, die sich steigernden Anforderungen, besonders aber die Erfindung der Buchdruckerkunst, bewirkten wieder eine neue Epoche in der Papierfabrikation. Der graue, unreine, harte Hanf genügte nicht mehr; man suchte den rechten Stoff in Torf, Fichtennadeln, Holzfasern, in Stroh, Moos u. s. w., und fand ihn endlich eine Perle im Miste, ein Goldkorn im Schmutze, in abgetra gener Wäsche und Kleidern, den Hadern. Damit war der letzte Schritt für ein Papier gethan, auf welches man nun schnell und ungehindert schreiben und drucken konnte. Bis zum 16. Jahrhundert gab es nur geleimte oder Schreibpapiere. Erst später entstand das Druckpapier. Der Mensch hatte sein Ziel erreicht; er ruhte, müde wie der Wanderer vom anstrengenden Marsche. Daher ist es nicht überraschend, bis um das Jahr 1820, außer der Erfindung der Papiermaschine nichts Neues in dem Industriezweige der Papierfabrikation zu finden. Erst seit jener Zeit brach sich die neue Entdeckung ihre Bahn um sa mühseliger, je fester der Mensch am Alten hängt, das er nach langem Kampfe erreichte, je fester der Wanderer ruht nach an strengender Reise. Nun beschäftigt die neue Erfindung bereit« Hunderte solcher Maschinen in Europa, und liefert mit de« noch bestehenden Bütten den gegenwärtigen, ungeheuren jähr- Papieres.